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Hausärztinnen: Landesrat rechtfertigt einsprachige Vormerksysteme.

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ai

Mit zwei getrennten Landtagsanfragen (Nr. 1389/26 und 1426/26) hatte die STF aufgezeigt, dass Hausärztinnen in Ulten und Andrian zur Terminvormerkung und Rezeptanfrage Apps wie MioDottore und Atlas Medica einsetzen, die ausschließlich auf Italienisch zur Verfügung stehen.

Die Antwort von Gesundheitslandesrat Hubert Messner fällt in beiden Fällen identisch und ernüchternd aus — unter anderem schreibt er:

[D]ie organisatorischen Aspekte der Gestaltung der ambulanten Tätigkeit [sind] dem Arzt für Allgemeinmedizin selbst überlassen.

LR Hubert Messner

Die Nutzung der Apps stelle lediglich ein »integrierendes« (ein Italianismus für »ergänzendes«) Angebot dar und ersetze nicht »eine telefonische bzw. direkte Erreichbarkeit«. Die Landesregierung setze auf »Sensibilisierung« der Hausärztinnen in Bezug auf den Gebrauch der Muttersprache.

Hier wird erneut ein gefährliches Argument zur Aushebelung des Minderheitenschutzes konstruiert: Sobald ein digitaler Dienst als »zusätzlich« deklariert wird, soll die Pflicht zur Zweisprachigkeit offenbar entfallen. Dass Patientinnen in der Praxis oft mehr oder minder sanft, aber bestimmt zur Nutzung dieser — für die Ärztin bequemen — Apps gedrängt und andere Kanäle auf ein Minimum reduziert werden, ist ein offenes Geheimnis.

Rechtlich ist die Argumentation wohl ohnehin nicht haltbar: Die Verständigung mit den Bürgerinnen hat im öffentlichen Dienst ohne Wenn und Aber zweisprachig zu erfolgen. Nirgends steht geschrieben, dass es ausreichen würde, wenn lediglich irgendein Kommunikationskanal in beiden Sprachen zur Verfügung steht. Dies hätte — und hat — auch gar nichts mit sprachlicher Gleichberechtigung zu tun, sondern stellt einen weiteren von vielen Schritten zur Marginalisierung der deutschen Sprache in Südtirol dar.

Würde man Messners Logik folgen, könnte etwa die Bahn künftig ganz auf deutsche Anzeigetafeln verzichten, solange die Durchsagen noch zweisprachig sind.

Man muss hier aber auch die Ärztinnen selbst kritisieren: In einem Gesundheitssystem, in dem Sprachbarrieren ohnehin schon an der Tagesordnung sind und meist mit Personalmangel gerechtfertigt werden, ist ihr Vorgehen geradezu zynisch. Die Wahl einer einsprachigen Software ist eine bewusste Entscheidung für die eigene Bequemlichkeit und zulasten der Zugänglichkeit. Indem sie ihren Patientinnen eine App vorsetzen, die viele von ihnen nicht verstehen, bauen sie überflüssige Hürden auf und schränken ihre Rechte in einem sensiblen Bereich unnötig ein.

Unterschrieben sind die Antworten auf die beiden Anfragen bezeichnenderweise einsprachig mit »firmato digitalmente da: Hubert Messner«. Wer schon bei den eigenen Pflichten auf die Zweisprachigkeit verzichtet, dem nimmt man das Bemühen um die »Sensibilisierung« der Hausärztinnen naturgemäß nur schwer ab.

Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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