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Die ÖBB und die Südtiroler Ortsnamen.

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Wer mit grenzüberschreitenden Zügen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), beispielsweise dem Railjet, durch Südtirol fährt, wird feststellen, dass auf den Zugdisplays und in den Durchsagen die italienischen Ortsbezeichnungen meist vor den deutschen angeführt werden. Die Antwort des österreichischen Verkehrsministers Peter Hanke vom November 2025 auf eine parlamentarische Anfrage gibt Auskunft über den Hintergrund dieser Praxis:

Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr gilt die internationale Praxis, dass die Zugangs- und Betriebsdaten, einschließlich der Ortsbezeichnungen, so übernommen werden, wie sie vom jeweiligen Infrastrukturbetreiber vorgegeben sind. Auf italienischem Staatsgebiet ist dies die Rete Ferroviaria Italiana (RFI), die die Ortsnamen konsequent in der Form italienisch/deutsch vorgibt. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben die von der RFI vorgegebenen Ortsbezeichnungen übernommen, wobei beide Sprachvarianten hinterlegt sind. Eine ausschließliche Verwendung italienischer Ortsbezeichnungen ist nicht vorgesehen, die Bevorzugung einer Sprache kann nicht festgestellt werden.

Bildausschnitt ÖBB-Portal

Ob diese Praxis gesetzlich verpflichtend ist oder ob sie lediglich aus Gründen der guten nachbarschaftlichen Beziehungen angewandt wird, geht aus der Anfragebeantwortung nicht hervor. Wer auf dem ÖBB-Portal nach Südtiroler Orten sucht, wird feststellen, dass die internationale Praxis auch dort konsequent umgesetzt wird.

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8 responses to “Die ÖBB und die Südtiroler Ortsnamen.”

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Mir ist es in Wien passiert, dass eine Schalterbeamtin auf meine Bitte um eine Fahrkarte nach Brixen/Südtirol erklärt hat, “diesen Ort gibt es nicht”, weil sie ihn in ihrem Computer nicht gefunden hat. Ich habe mich mit einer Fahrkarte nach Innsbruck begnügt in der Hoffnung, dass dort vielleicht jemand wissen könnte,, dass es nicht nur ein Brixen im Thale, sondern auch ein Brixen am Eisack gibt. Allerdings hat auch in Innsbruck eine junge Schalterbeamtin recht schnippisch behauptet dass es ein Brixen in Südtirol überhaupt nicht gebe. Ein älterer Beamter,, der das Gespräch mitverfolgt hatte,, klärte seine junge Kollegin auf, und sie stellte mir die Fahrkarte auf. Darauf stand auch zu ihrer großen Überraschung “Brixen-Bressanone”. Früher haben Bahnbeamte eine Menge von Ortsnamen auswendig gekannt, heute brauchen sie einen Computer, weil sie nicht einmal mehr wissen wie ein Ort in unmittelbarer Nähe heißt, und wenn der Ort nicht im Computer aufscheint, dann gibt es ihn nicht. Das ist der Fortschritt der Digitalisierung.

  2. Simon avatar

    Durch ihre unkritische Übernahme einer »internationalen Praxis« reproduzieren und perpetuieren die ÖBB also koloniale Verhältnisse. Von der Staatsbahn der Schutzmacht bzw. des sogenannten »Vaterlandes« dürfte man sich ruhig mehr erwarten, ebenso vom Verkehrsminister.

    Währenddessen scheren sich RFI und Trenitalia selbst einen feuchten Dreck um internationale Gepflogenheiten sowie um innerstaatliche gesetzliche Verpflichtungen (vgl. [1] [2] [3] [4]).

  3. Andreas avatar
    Andreas

    Wenn ich mich richtig erinnere, wird der Bahnhof Brenner auf den Anzeigebildschirmen in der S3 (Innsbruck-Brenner) zuerst mit Brenner angegeben und zweitgereiht Brennero. Diese Reihenfolge (Brenner Brennero) wird auch bei der entsprechenden Ansage so umgesetzt.

    1. Hartmuth Staffler avatar
      Hartmuth Staffler

      Auf den Anzeigetafeln und in den Lautsprecherdurchsagen am Hauptbahnhof Innsbruck heißt es immer nur Brennero-Brenner, in den Zügen liest man Brenner-Brennero. Ein Zeichen dafür, dass die ÖBB nicht wissen was sie wollen. Trotzdem müssen wir für den ÖBB-Service dankbar sein.

    2. G.P. avatar
      G.P.

      Hoffentlich liest Urzi hier nicht mit, sonst wars das mit Brenner/Brennero …

  4. Werner Pramstrahler avatar
    Werner Pramstrahler

    Ausgehend von meinen persönlichen Erfahrungen muss ich feststellen, dass viele Nordtiroler:innen Südtirol mittlerweile als Teil Italiens wahrnehmen – vom offiziellen Österreich ganz zu schweigen. Einige wenige Tiroler Zugbegleiter:innen und Triebfahrzeugführer:innen begnügen sich in ihren mündlichen Ansagen mit der Bezeichnung „Brenner“. Ich kann mir vorstellen, dass die amtlichen Ortsnamen im Eisenbahnverkehr national vorgegeben werden und entsprechend kodifiziert sind. Abgesehen davon, werden wir uns an solche Tatbestände wohl gewöhnen müssen: Die strukturelle Gewalt gegenüber dem Tirolischen in Südtirol ist erheblich.

    1. Martin Piger avatar
      Martin Piger

      Was die Nordtiroler Einstellung anbelangt, dürfen wir Südtiroler uns auch ein wenig an die eigene Nase fassen. Generationen von Südtiroler Studenten haben den Tirolern in Innsbruck vorgeführt, wie schick weltbürgerlich sie mit ihrer italienischen Zweitidentität sind, ohne zu ahnen, dass diese sich langsam zur Erstidentität wandeln wird. Wir bekommen also nur den Spiegel vorgehalten.

      1. G.P. avatar
        G.P.

        Völlig korrekt. Aber es sind nicht nur die Studenten, sondern wir alle …

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