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Fehlendes Deutsch: LH übernimmt absurde Ausrede von Trenitalia.

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In einer Landtagsanfrage (Nr. 1368/26 vom 21. Jänner) zählt die STF vier Fälle von Missachtung der Zweisprachigkeitspflicht bei der Bahn auf. Unter anderem seien die Anzeigen an der Außenseite von Trenitalias sogenannten Jazz-Garnituren, die zwischen Meran und Brenner verkehren, einsprachig italienisch.

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) scheint das ziemlich egal zu sein, denn er gibt in seiner Antwort einfach kommentarlos folgende Erklärung von Trenitalia wieder:

[D]ie Beschriftung der außen angebrachten Displays erfolgt aus technischen Gründen (begrenzte Zeichenanzahl) einsprachig. Eine Abschaltung dieser Displays wäre zwar möglich, würde jedoch den Kundenservice erheblich beeinträchtigen.

– Arno Kompatscher

Gesetze dürfen also »aus technischen Gründen« missachtet werden. Das gilt aber wohl nur, wenn sie den Minderheitenschutz betreffen — aus anderen Bereichen kenne ich so etwas nicht. Technische Einschränkungen können kein legitimer Grund sein, geltendes Recht zu ignorieren: Wenn ein System die Anforderungen nicht erfüllt, ist es anzupassen.

Minderheitenschutzrechte werden aber offenbar grundsätzlich als weichende Rechte betrachtet, die nur dann Geltung haben, wenn alle Beteiligten gerade Lust haben und die technischen Voraussetzungen zufällig bereits gegeben sind. Mit der von Kompatscher unkritisch übernommenen Begründung ließen sich die Sprachrechte in sehr vielen Bereichen aushebeln — was ja leider ohnehin bereits der Fall ist.

Als Erstes drängt sich folgende Frage auf: Warum können die »Displays mit begrenzter Zeichenanzahl« nicht einsprachig Deutsch bespielt werden? Oder aber: Warum sind sie nicht an einigen Zügen auf Deutsch und an anderen auf Italienisch eingestellt? Vielleicht ja doch einfach, weil keinerlei Sensibilität vorhanden ist und nicht einmal der Landeshauptmann etwas dagegen zu haben scheint. Anstatt die Einhaltung der Autonomiebestimmungen einzufordern, übernimmt er einfach die Argumentation des Bahnunternehmens.

Wenn wir aber noch einen Schritt zurück machen, wird eines deutlich: Displays mit begrenzter Zeichenanzahl — was soll das eigentlich sein? Das müssen wohl weltweit die einzigen Displays sein, die nicht imstande sind, Informationen abwechselnd in verschiedenen Sprachen (oder meinetwegen als Laufschrift) anzuzeigen. Sind sie vielleicht aus Stein gefertigt und werden mit einem Meißel »programmiert«?

Dem Landeshauptmann kann man so einen Schwachsinn offenbar erzählen — und er macht ihn sich auch noch zueigen.

Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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Comentârs

6 responses to “Fehlendes Deutsch: LH übernimmt absurde Ausrede von Trenitalia.”

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Auf den Bussen der SAD sind die Ortsangaben ja abwechselnd in Deutsch und Italienisch. Technisch ist das leicht möglich, aber von dieser Technik versteht der LH anscheinend nichts.

  2. G.P. avatar
    G.P.

    Schwach, schwächer, Kompatscher!

  3. Andreas avatar
    Andreas

    Ich sitze gerade in einem Trenitalia-Zug von Meran nach Brenner und bin einfach nur fassungslos:
    Bei den automatischen Ansagen im Zug, werden manche Bahnhöfe auf Deutsch völlig falsch ausgesprochen. Statt “Sigmundskron” hört man eher ein “Sigmandskrn”.
    Als ich die Zugbegleiterin – zuerst auf Deutsch – darauf ansprach, merkte ich gleich, dass sie nicht verstanden hatte, worauf ich hinauswollte. Ich formulierte mein Anliegen also auf Englisch – stellte dabei auch gleich klar, dass sie nichts dafür kann – und fragte, ob es einen Grund für die falsche Aussprache der Bahnhofsnamen auf Deutsch gebe, daraufhin meinte sie, zuerst, dass es keine Probleme diesbezüglich gebe. Anschließend fragte sie mich “does it bother you?”, was ich mit einem “a lot actually” quittierte. Daraufhin meinte sie, dass es wohl an der Provinz Bozen liegen würde und dass man daran arbeiten würde aber, dass die Leute trotzdem verstehen würden, was gesagt werde… Der Bahnhof “Bozen Kaiserau” wurde dann mehr oder weniger korrekt von der automatischen Stimme ausgesprochen. Die Zugbegleiterin blieb an mir stehen und fragte mich dann bevor sie ging, ob “Bozen Kaiserau” nun richtig ausgesprochen worden wäre.
    In dieser kleinen Unterhaltung zeigen sich bereits mehrere Verletzungen der Sprachbestimmungen in Südtirol, angefangen von der Zugbegleiterin, die kein Deutsch spricht, die Demütigung die deutschsprachigen Südtiroler:innen wiederfährt, wenn Ortsnamen teilweise auf lächerliche Weise ausgesprochen werden uvm.

    Hier eine (verrauschte) Hörprobe.

    Mein heutiges Resümee: It doesn’t bother us enough!!!

    1. Simon avatar

      Danke für diese Aufnahmen. Wieder ein Beispiel mehr für die fortwährende, systematische Marginalisierung der deutschen Sprache durch RFI und Trenitalia.

      Habe zudem nur ich den Eindruck, dass die deutschen Durchsagen nicht »bloß« zweitgereiht, sondern auch noch leiser und schon dadurch schlechter verständlich sind?

      1. Andreas avatar
        Andreas

        Genauso ist es! Die Zweit- oder sogar Drittreihung der deutschen Sprache fällt vor allem bei der automatischen Begrüßung auf: Italienisch – Englisch – Deutsch.
        In der englischen Ansage, werden Ortsnamen auf Italienisch genannt. Bei der deutschen Ansage, wird auch die Bezeichnung “Regionalzug” mit einem Italienischen “regionale” ausgetauscht.

        Hier eine weitere Aufnahme.

      2. Simon avatar

        Auch noch »so bald als möglich. 🤦

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