Hier ist wieder einmal ein Beispiel dafür, wie der italienische Schienennetzbetreiber RFI in Südtirol die italienische und die deutsche Sprache ungleich behandelt. Manchmal geschieht dies ganz offensichtlich, andere Male — wie bei diesem Beispiel am Bahnhof Brixen — etwas subtiler, aber deshalb nicht weniger aufschlussreich:
Nicht nur, dass Italienisch systematisch erst- und Deutsch zweitgereiht ist. Daran hat man sich zu sehr gewöhnt, obwohl man es nicht sollte (vgl.). Doch zudem wird der Abfahrtsort des Busses nach Bologna mit »Piaz[zale]« ausschließlich auf Italienisch angegeben.
Vor allem aber wird für »Innsbruck Hbf« (Innsbruck Hauptbahnhof) die offiziell inexistente italienische Übersetzung »Innsbruck C.le« (Innsbruck Centrale) angezeigt, während umgekehrt »Bologna C.le« nicht etwa als »Bologna Hbf« übersetzt wird, sondern unverändert bleibt. Dabei wäre nur eines von beidem legitim und konsistent: Entweder man übersetzt die Bahnhofsbezeichnungen in beide Richtungen oder man belässt sie — dem internationalen Usus entsprechend — grundsätzlich in ihrer offziellen Form.
Dass dies nicht der Fall ist, offenbart eine asymmetrische Logik: Deutsche Bezeichnungen werden italianisiert, italienische hingegen bleiben im Deutschen unangetastet. Anpassung gibt es nur in eine Richtung.
Ähnliches gilt auch für die Lautsprecherdurchsagen. Während — ebenfalls in Brixen — der nordwärts fahrende Eurocity RJ84 kurz vor 15 Uhr auf Italienisch mit Zielbahnhof »Monaco di Baviera« (Exonym) angekündigt wird, fährt der fast zeitgleich nach Süden startende RJ85 auch laut deutscher Ansage nach »Venezia Santa Lucia« (Endonym).
Es mag sich dabei nur um Details handeln, doch sie fügen sich in ein größeres Gesamtbild ein. Dass solche »Kleinigkeiten« außerdem stets nur in eine Richtung weisen, spricht gegen bloße Nachlässigkeit oder Zufall. Italienisch wird so als Norm vermittelt, während Deutsch zweitgereiht, angepasst und übersetzt wird.
Solche scheinbaren Nebensächlichkeiten prägen den öffentlichen Raum und vermitteln unterschwellig, welche Sprache als selbstverständlich gilt und welche eine untergeordnete Rolle einnimmt.
Den Hinweis und das Video hat mir Wolfgang Niederhofer geschickt.
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09

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