Der Gemeinderat des Eisacktaler Hauptorts hat kürzlich einen vom Team K mitgetragenen Antrag der STF versenkt, mit dem die Ehrenbürgerschaft von Gennaro Sora (1892-1949) zurückgenommen werden sollte. Sie war ihm bereits 1928 vom faschistischen Amtsbürgermeister (Podestà) verliehen worden, noch bevor er ab 1937 in Äthiopien tätig wurde.
Dort war er federführend an der Niederschlagung des antikolonialistischen Widerstands beteiligt. Als befehlshabender Offizier gilt er als einer der Hauptverantwortlichen des Massakers von Zeret im Jahr 1939, bei dem italienische Truppen mit Giftgas, Massenerschießungen und anderen brutalen Methoden gegen die in einer Höhle eingeschlossene Bevölkerung vorgingen. Unter den Opfern befanden sich auch Frauen, Kinder und ältere Menschen.
Der italienische Journalist Paolo Rumiz bezeichnete das Verbrechen bereits vor zwanzig Jahren als »schlimmer als Marzabotto« und »schlimmer als Srebrenica«.1la Repubblica vom 22. Mai 2006 Er verglich Zeret mit den Karsthöhlenmassakern, womit er jedoch ausblendete, dass Italien sowohl in Äthiopien als auch auf dem Balkan als Besatzungs- und Kolonialmacht agierte.
Dass der Gemeinderat von Brixen nicht bereit war, einer historisch derart belasteten Persönlichkeit die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, ist erstaunlich und erinnert an die Beibehaltung der Ehrenbürgerschaft von Benito Mussolini in Trient (vgl.). Die neofaschistischen Fratelli d’Italia jubelten naturgemäß über die Ablehnung des STF-Antrags, wobei sich der übliche Kurzschluss offenbarte: Während sie die Karsthöhlenmassaker vehement verurteilen, begegnen sie italienischen Kriegsverbrechen mit Relativierungen und Ausflüchten.
Gegen die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Sora stimmten neben den italienischen Rechten unter anderem auch die SVP und die Grüne Bürgerliste (GBL).
Immerhin wurde in derselben Sitzung ein Antrag der GBL genehmigt, der eine systematische Überprüfung von Ehrungen und Auszeichnungen der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Zentrum für Regionalgeschichte vorsieht.
Damit könnte die Diskussion um Gennaro Sora zwar auf die lange Bank geschoben, aber nicht ganz aufgehoben worden sein. Allerdings stellt sich mir die Frage, was im konkreten Fall überhaupt noch zu überprüfen bleibt. Welche Erkenntnisse benötigt man noch, um eine im Faschismus verliehene Ehrenbürgerschaft abzuerkennen?
- 1la Repubblica vom 22. Mai 2006

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