Wir brauchen (k)eine Landespolizei.

Erst kürzlich hatten sich die Dolomiten (»Vorausgeschickt« von Michael Eschgfäller) über die Forderung nach einer mehrsprachigen Landespolizei lustig gemacht — denn auf perfekte Zweisprachigkeit und Vertrautheit mit den Gegebenheiten vor Ort, so der Tenor des höhnischen Beitrags, komme es bei der »Verbrechensbekämpfung« ohnehin nicht an.

Während der letzten Tage schafften es nun gleich zwei eklatante Vorfälle in die Medien, die zumindest teilweise auf mangelnde Sprachkenntnisse der Ordnungshüter zurückzuführen sind.

  1. Am Bahnhof Brenner wurden Beamte der österreichischen Polizei von einem italienischen Polizisten festgesetzt und »in ihrer Bewegungsfreiheit leicht eingeschränkt«, wie es aus Nordtirol in verständnisvoll-deeskalierender Wortwahl heißt. Die Dolomiten schrieben gestern zu diesem — laut Zeitung — »skurrilen polizeilichen Zwischenfall«:

    Insgesamt haben sich laut Major Kirchmair [von der Polizei Innsbruck-Land, Anm. ] “20 unserer Leute angesammelt”. Sprachliche Barrieren taten wohl ein Übriges.

    Da trägt sich also an einer (laut Euregio-Sprech »inexistenten«) EU-Binnengrenze, die keine Sprachgrenze ist (!), aufgrund sprachlicher Barrieren ein Vorfall zu, wie man ihn eher am Berliner Checkpoint Charlie während des Kalten Kriegs angesiedelt hätte. Aber — eine zweisprachige Polizei brauchen wir laut Dolomiten nicht, weshalb im Artikel über den Vorfall am Brenner die »sprachlichen Barrieren« auch gar nicht näher thematisiert und hinterfragt werden. Zweisprachigkeitspflicht hin oder her.

  2. Am Bozner Landesgericht wurde ein 58jähriger Schweizer freigesprochen, der von der Finanzpolizei wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt worden war. Was war geschehen? Drei Finanzer hatten den (Ex-)Urlauber und seine Frau mit einem zivilen Fahrzeug angehalten und waren — obschon laut heutigen Dolomiten ausdrücklich mit der Aufgabe betraut, Luxuswagen mit ausländischem Kennzeichen unter die Lupe zu nehmen — außerstande, mit dem Kontrollierten auf Deutsch zu kommunizieren. Der Vorfall machte die (Mehrsprachigkeit gewohnten) Eidgenossen so stutzig, dass sie es mit der Angst zu tun bekamen und flüchten wollten. Von den einsprachigen, nicht mit den örtlichen Gegebenheiten vertrauten Beamten in die Kaserne gebracht war es den Schweizern laut Dolomiten auch dort

    nicht möglich, den Fall zu klären, da sich kein einziger Beamter fand, der des Deutschen ausreichend mächtig gewesen wäre.

    Für den A. Adige ist der Fall ohnehin ziemlich klar, er schreibt heute auf dem Titelblatt:

    Il caso di uno svizzero che non sa l’italiano e si spaventa.

    Als ob es nicht um »finanzieri che non sanno il tedesco« ginge. Wenn umgekehrt ein Dorfpolizist kein Italienisch könnte… würde das Blatt kaum ähnlich titeln.

Wir freuen uns also alle schon riesig, dass wir zwar keine Landespolizei bekommen (die angeblich nichts löst), sondern eine Handvoll Carabinieri, die entweder den Zweisprachigkeitsnachweis D (!!) besitzen oder bereits beim Heer gedient haben. Die Überlegung muss wohl sein: Wenn sie schon nicht Deutsch können, dann sind sie wenigstens im Umgang mit dem Feind geschult.

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