Am 22. Juli hat der Landtag auf Vorschlag der Grünen den Beitritt Südtirols zur sogenannten ATRIUM-Route beschlossen, der Meran (pardon: Merano) bereits seit einiger Zeit angehört.
ATRIUM (Architecture of Totalitarian Regimes of the XX Century in Europe’s Urban Memory) ist ein 2013 gegründeter italienischer Verein mit Sitz in Forlì, der seit 2014 als Kulturroute des Europarats anerkannt ist. Ziel des Netzwerks ist es, die Architektur totalitärer Regimes des 20. Jahrhunderts — unerheblich ob faschistisch oder kommunistisch — historisch einzuordnen und als Anlass für eine kritische Auseinandersetzung mit Diktaturen und autoritären Herrschaftsformen zu nutzen.
Dem Netzwerk gehören derzeit 25 Orte in Italien (12), Griechenland (2), Kroatien (2), Rumänien (2), Albanien, Bulgarien, País Valencià, Polen, Sardinien, Serbien und Südtirol an.
Hassrede
Wenige Tage nach dem Landtagsbeschluss veröffentlichte die Grünen-Abgeordnete Brigitte Foppa am 28. Juli in den sozialen Medien ein kurzes Video, in dem sie sachlich und ohne jegliche Polemik die faschistische Architektur in Bozen sowie den beschlossenen Beitritt zu ATRIUM thematisierte.
Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich unter ihren Beiträgen ein regelrechter Shitstorm. Zahlreiche Kommentare waren beleidigend, frauenfeindlich und faschismusverherrlichend, wobei unter anderem auch Männer aus dem Umfeld der rechtsradikalen bis rechtsextremen italienischen Koalitionspartner der SVP auf Landes- und Bozner Gemeindeebene daran beteiligt waren.
Foppa erstattete am folgenden Tag bei der Staatspolizei Strafanzeige gegen die Urheber einiger der Kommentare, unter anderem wegen Beleidigung und Wiederbetätigung.
Ihr gilt unsere volle Solidarität.
Der Vorfall ist aber mehr als eine Episode enthemmter Kommunikation in den sozialen Medien. Er zeigt vielmehr, wie emotional und aggressiv die Auseinandersetzung um den italienischen Faschismus geführt wird und wie wenig gewisse Exponenten davor zurückschrecken, mit Klarnamen für den Totalitarismus und sein Erbe einzustehen. Es reicht schon, die faschistische Architektur auch nur anzusprechen, um aggressivste Beißreflexe auszulösen. Ist das Ziel eine Frau, sinkt die Hemmschwelle zusätzlich, und schwer misogyne Kommentare lassen nicht lange auf sich warten.
Dass jemand wegen eines sachlichen Videos über faschistische Hinterlassenschaften derart angegangen wird, ist absolut nicht hinnehmbar. Leider wurde aber der Punkt, an dem solche Eskalationen eine Ausnahme im politischen Diskurs dargestellt haben, längst überschritten.

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