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Briefmarke ohne ›Ciadenac‹.
Minorisierung

Autor:a

ai

Nachdem zwei Briefmarken mit Südtirol-Motiv mit einsprachiger bzw. einnamiger Beschriftung erschienen waren, wurden sie auf Anordnung des zuständigen Ministers zurückgezogen und korrigiert — obschon Alessandro Urzì (FdI) dagegen war. Auf dem aostanischen Pendant prangte immerhin von Anfang an die Doppelbezeichnung Valle d’Aosta und Vallée d’Aoste.

Wie nun Mateo Taibon für Rai Ladinia vermerkt, hätte aber zumindest auf die Marke mit der Rosengartengruppe auch die ladinische Bezeichnung gehört, da der Gebirgszug auf Trentiner Seite zum ladinischen Fascia gehört. Ciadenac sei folglich kein Exonym, sondern ein Endonym — also der ladinische Name eines Berges, der sich auf ladinischem Gebiet befindet.

Weder Südtirol noch das Trentino haben diese Berücksichtigung gefordert, wie übrigens auch im Aostatal sowohl Frankoprovenzalisch als auch Walserdeutsch fehlen.

Ferner macht Taibon darauf aufmerksam, dass die Vernachlässigung der ladinischen Sprache System habe. So zeigt er auf, dass es auch die Homepage des Südtiroler Gemeindenverbands nur auf Deutsch und Italienisch, aber nicht auf Ladinisch gebe. Noch nicht einmal die ladinischen Gemeindenamen werden offenbar berücksichtigt, außer natürlich in den Fällen, in denen die Ortsnamen zufällig mit jenen in einer anderen Sprache übereinstimmen, wie bei Corvara (Deutsch/Italienisch) und Badia (Italienisch).

Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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Comentârs

6 responses to “Briefmarke ohne ›Ciadenac‹.
Minorisierung

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Mateo Taibon hat natürlich Recht. Allerdings müssen sich unsere ladinischen Mitbürger auch selber an die Brust klopfen, wenn z.B. Gröden touristisch nur als Val Gardena, höchstens noch ab und zu als Gröden, aber niemals als Gherdeina vermarktet wird. Die Grödner Tourismusverantwortlichen sind also Teil des Systems, das Taibon zu Recht kritisiert.

    1. Simon avatar

      Legte man diesen Maßstab an, dürfte man die Berücksichtigung der deutschen Sprache aber auch nicht mehr fordern.

      1. Hartmuth Staffler avatar
        Hartmuth Staffler

        Es sei mir erlaubt, mitzuteilen, dass ich den Sinn dieses Kommentars nicht verstanden habe. Aber anscheinend bin auch ich nicht verstanden worden. So redet man aneinander vorbei, anstatt gemeinsam vorzugehen.

    2. Andreas avatar
      Andreas

      Theoretisch (praktisch wissen wir ja, dass es nicht so ist) müsste aber auch der Staat – wenn es das Land nicht macht bzw. es versäumt – die Minderheitenrechte fördern bzw. für dessen Umsetzung sorgen. Deswegen denke ich, dass es natürlich etwas ausmacht, wenn man sich als Mitglied einer Minderheit für die eigenen Rechte stark macht, jedoch muss man halt auch sehen, dass es strukturelle Barrieren gibt, die diese Mobilisierung von Minderheitenrechten teilweise verunmöglichen.

  2. Martin Piger avatar
    Martin Piger

    Die Traminer sind in dieser Hinsicht schon ein wenig vorgeprescht. Die Kellereigenossenschaft Tramin tritt in ihrem Facebook-Auftritt als “Cantina Tramin” auf. Wahrscheinlich, weil die Gäste und die Kunden das Authentische so sehr lieben, ohne Frage. Und in der Tat, authentische Assimilierung sieht ja in einem Zwischenstadium wirklich so aus.

  3. Andreas avatar
    Andreas

    Das ganze Thema um die einsprachigen – nun zweisprachigen – Briefmarken, ist mir wirklich von Anfang an suspekt vorgekommen. Wie im Artikel geschrieben, waren die Briefmarken vom Vallée d’Aoste von Anfang an zweisprachig, jene von Südtirol nicht, obwohl der Staat bzw. das Ministerium sicher gewusst hat, dass Deutsch eine Amtssprache ist usw. Auf der Internetseite der Post (https://filatelia.poste.it/catalogo.html) kann man nun sowohl die einsprachig italienischen Briefmarken vom Latemar und Rosengarten kaufen und zweisprachige Italienisch/Deutsch , jedoch keine einsprachig Deutsche…
    Nach ein bisschen Kritik ist das Ministerium selbst draufgekommen, dass es einen Fehler gemacht habe und bezieht sich dabei auf Artikel 6 der ital. Verfassung, obwohl doch eher das 2. Autonomiestatut zu nennen wäre. Komisch auch, wieso sind dann jene Briefmarken von Julien nicht zwei- oder mehrsprachig?
    Ich denke, es ist aber wirklich reine Spekulation, diese Briefmarken wurden absichtlich rein einsprachig gedruckt, um dann, indem man sie zurückgezogen hat, wieder als Minderheitenfreundlich dazustehen.

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