Die Irrungen und Wirrungen der Linken Simonetta Lucchi
Es mutet höchst seltsam an, was italienische Linke zu Südtirol so raushauen. Zu den schillernden Figuren aus dem linken Gruselkabinett zählt die Boznerin Simonetta Lucchi, eine Vielposterin auf Salto. Und eine preisgekrönte Autorin. Simon widmete ihr kürzlich einen — zurecht — deftigen Artikel, Lucchi verharmlose faschistische Assimilierungspolitik.
In einem Facebook–Eintrag kanzelt Lucchi die Larmoyanz der Südtirolerinnen ab, für sie ist — Zitat Simon — die planmäßige faschistische Kolonialisierungs- und Assimilierungspolitik eine bloße Ansammlung privater Familiengeschichten.
Dann war also die faschistische Unterdrückung der italienischen Linken eine millionenfache private Familiengeschichte, wie auch die brutale Verfolgung der Slowenen in und um Triest sowie in Slowenien, genauso das faschistische »Vorgehen« gegen die Amazighen in der libyschen Kolonie, privat dann auch der Giftgaskrieg des faschistischen Italiens gegen Abessinien sowie der Luftkrieg in Kumpanei mit Nazi-Deutschland gegen die spanische Republik. Alles nicht der Rede wert.
Ein Beleg mehr, dass Italien — rechts wie links — mit seiner faschistischen Vergangenheit recht locker umgeht. Die »Volksführer« Silvio Berlusconi und Giorgia Meloni würdigten einst Diktator Mussolini als besten Staatsmann Italiens.
Aber ich will auf ein anderes Thema hinaus. Auf den »disagio italiano« in Südtirol. Disagio wegen des Proporzes und der Pflicht zur Zweisprachigkeit, disagio wegen der Autonomie, die von italienischen Kritikern als ungerechte und deshalb unerträgliche Privilegien abgetan werden. Zurecht ging die Regierungspartei SVP in der ersten Amtsperiode von Landeshauptmann Luis Durnwalder auf dieses »italienische Unbehagen« ein, nahm der Pragmatiker Durnwalder das »Unwohlsein« ernst und zur Kenntnis.
Offensichtlich ist der »disagio« für die altoatesini schlimmer als der Faschismus für die deutschen und ladinischen Südtiroler:innen sein durfte. Gerade Simonetta Lucchi attackiert immer wieder den Proporz und giftet gegen Minderheitenschutzbestimmungen.
Ein Beispiel dazu: Salto griff im Dezember eine Diskussion zwischen LH-Vize und LR Bianchi zum Thema »disagio« auf. Und so kommentierte Lucchi die Diskussion zwischen den beiden italienischen Landesräten:
Gli italiani hanno die Nase voll di essere trattati come cittadini di serie C, e anche di questi rappresentanti politici incapaci di parole chiare e coerenti. Dichiarare che bisogna migliorare le condizioni di tutti i cittadini quando ci sono situazioni di privilegio equivale sostenere queste logiche, ignorare le richieste di equità è da irresponsabili. Non è questione di essere italiani tedeschi o ladini o di tutte le altre minoranze in questa provincia, tutti dovrebbero avere uguali condizioni, è questione di dire basta alle prepotenze, in questo Bianchi ha ragione.
– Simonetta Lucchi
Wenn Lucchi die faschistische Kolonialisierungs- und Assimilierungspolitik in der Provincia di Bolzano von 1922 bis 1943 als private Familiengeschichte abtut, muss dies gleichermaßen für den »disagio« gelten. Wenn der Faschismus laut Lucchi eine Lappalie ist, wie es Simon formuliert, dann ist der »disagio italiano« nur eine zu übersehende, also vernachlässigende Fußnote.
Ganz im Sinne der Faschismus-Logik von Lucchi sollten die altoatesini also endlich aufhören, sich wegen solcher Lappalien zu beschweren.

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