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Autobahn gesperrt!
Die Wipptaler Menschen ergreifen Notwehrmaßnahmen

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Jetzt ist also eingetreten, was viele Anwohner sich gewünscht und viele Durchfahrende gefürchtet haben: Die A13, die Brennerautobahn zwischen Innsbruck und dem Brenner, darf am 30. Mai 2026 für eine Demonstration gegen den überbordenden Autoverkehr komplett gesperrt werden.

Foto: Sigmund Kripp

Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck, unter der Leitung von Bezirkshauptfrau Dr. Kathrin Eberle, hat dazu die Genehmigung ausgestellt.

Und wenige Stunden nach diesem Entscheid heult die sogenannte »Wirtschaft« schon auf! »So etwas können nur die Linken und Grünen machen, die von der Wirtschaft nichts verstehen!«, tönt es aus den Foren. Dabei ist Dr. Eberle die Tochter vom ehemaligen Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle, der auch der ÖVP angehört hat. Sie ist also nicht unbedingt im linksgrünversifften Klima sozialisiert worden.

Es stellen sich in diesem Zusammenhang aber unangenehme Fragen:

  • Wo war die Wirtschaft in den letzten 2-3 Jahrzehnten, als es um den Ausbau der Bahn über den Brenner ging?
  • Wo war die Wirtschaft, als es um die Vereinfachungen in der Bahnbürokratie ging, Stichworte Lokführerschein, technische Angleichungen etc.?
  • Wo war die Wirtschaft, als die Anrainer der Brennerstrecke berechtigte Forderungen nach dem Erhalt einer minimalen Lebensqualität stellten?
  • Wo war die Wirtschaft, als es darum ging, den Warentransport verstärkt auf die Bahn zu bringen, vor allem die nicht verderblichen Waren?
  • Wo war die Wirtschaft, als es darum ging, die Kostenwahrheit auf der Straße einzuführen, die Preise für Autobahn und Sprit zu erhöhen, um damit unsinnige Fahrten zu reduzieren?
  • Wo war die Wirtschaft, als es darum ging, den Umwegverkehr der Lkws endlich zu beenden und sie durch die Schweiz zu schicken, statt über den viel zu billigen Brenner?
  • Wo war die Wirtschaft, als es darum ging, für unsere Gäste günstige und bequeme Zugverbindungen zwischen Deutschland, Österreich und Italien einzuführen?
  • Wo war der Aufschrei der Wirtschaft, als beschlossen wurde, den Railjet von Bozen nach Wien einzustellen?
  • Wo war die Wirtschaft, als es darum ging, die Bahnhöfe zwischen Brenner und Salurn benutzerfreundlicher zu machen?
  • Wo war die Wirtschaft, als es darum ging, die Bahnstrecke Bozen–Meran endlich zuverlässiger zu machen?

Die Wipptaler Bevölkerung zeigt uns, dass es nur mehr durch absolute Notwehrmaßnahmen möglich ist, auf das große Problem des unerträglichen Autoverkehrs entlang der Brennerachse aufmerksam zu machen. Und sie weiß in großen Teilen die Nordtiroler Landesregierung bzw. in diesem Falle die Bezirkshauptmannschaft hinter sich! 

Das ist in Südtirol anders: Hier agieren Landesregierung und Wirtschaft, vertreten durch die Handelskammerspitze, fast nur im Sinne des Lkw-Verkehrs. Die Maßnahmen zum Schutz der Anwohner beschränken sich auf Schallschutzwände entlang der Autobahn und die Umleitung der Autobahngelder in den BBT. Dieser wiederum entsteht in irgendeiner Zukunft und wird maximal den in den letzten 20 Jahren erfolgten Zuwachs an Lkws aufnehmen, nicht aber den Autoverkehr an sich groß mindern.

Die SVP regiert in Bozen mit jenen Parteien, die in Brüssel gegen die verkehrsbeschränkenden Maßnahmen Österreichs klagen, und in Rom sieht sie tatenlos zu, wie die Autobahnmaut auf der A22 immer noch bei 20 Cent/Lkw-km liegt, statt wie in Nordtirol bei bis zu 80 Cent!

Insofern bin ich froh, dass die Wipptaler Menschen diese Aktion am 30. Mai starten, auch wenn ich selbst Produzent von Waren bin, die zum Endverbraucher transportiert werden müssen. Aber wir müssen endlich zu einer Reduzierung des Autoverkehrs kommen; und dafür helfen manchmal nur solche radikalen Aktionen. Bravo Nordtirol!


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