Als die italienische Küche zum Unesco-Welterbe ernannt wurde, ließ die Regierung von Giorgia Meloni (FdI) das Kolosseum in Rom grünweißrot beleuchten. Ein wichtiges gastronationalistisches Ziel war erreicht.
Irreführende Behauptung1»Die italienische Küche [ist] Unesco-Kulturerbe – das erste weltweit« auf dem römischen Kolosseum (Quelle: Rai News)
Doch auch in Südtirol verliert Italien keine Zeit und versucht mit allen Mitteln, die heimische Küche für nationalistische Zwecke zu vereinnahmen. Italienische Medien überboten sich umgehend darin, Tiroler Gerichte als italienisches Erbe zu markieren und entsprechend auszuschlachten.
Dass die Auszeichnung der Unesco eigentlich gar nicht konkreten Rezepten galt, geriet dabei sofort in Vergessenheit — so es überhaupt je wahrgenommen worden war.
Einen weiteren banal-nationalistischen Baustein lieferte nun die vom italienischen Staat offiziell als »Kulturinstitution« anerkannte Accademia Italiana della Cucina. Wie die Pustertaler Zeitung (PZ – Nr. 9/2026 vom 30. April) unkritisch, ja geradezu begeistert berichtet, lud die Brixner Delegation der Akademie am 19. März zur Feier der Unesco-Anerkennung ins Hotel Pacher in Neustift — und stellte dabei ein typisches »italienisches« Gericht in den Mittelpunkt: die Schlutzkrapfen. Denn zur italienischen Küche gehöre »selbstverständlich auch die Südtiroler Küche«.
Dazu passt, dass sich der Verein mit bemerkenswertem Eifer nicht nur der Gastronomie widmet, sondern — dem PZ-Bericht zufolge — »auch Wert auf andere Inhalte, wie auf die kulturelle Identität« legt.
In ihrem Manifest beteuert die Akademie, dass sie zwar »höchsten Respekt« für die »ethnische Küche« habe, diese jedoch »nicht zur Verrohung und Entstellung unserer gastronomischen Kultur führen darf.«2Übersetzung von mir – Original: »[…] essi non debbono portare all’imbarbarimento e allo stravolgimento della nostra cultura gastronomica.« Der »weltweite Erfolg der italienischen Küche« bringe »ein Wuchern gefälschter italienischer Produkte sowie entarteter oder erfundener Gerichte mit sich«3Übersetzung von mir – Original: »Il successo universale e riconosciuto della cucina italiana nel mondo porta con sé il proliferare di falsi prodotti italiani e di piatti imbastarditi o inventati.«, wogegen der Verein ankämpft.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Vereinnahmung der heimischen Küche umso widersprüchlicher: Während man sich gegen angebliche Verfälschungen abgrenzt, wird gleichzeitig die Südtiroler kulinarische Tradition in ein nationales Narrativ gezwängt.
Da es auf Staatsebene 110 Provinzen und 220 Delegationen gibt, ist die Akademie in Südtirol (mit drei Delegationen in Bozen, Meran und Brixen) überdurchschnittlich präsent und kann ihre Mission hier besonders gut erfüllen. Medien wie die PZ unterstützen sie dabei bereitwillig im vertrauten Alpenzeitungs-Stil.
- 1»Die italienische Küche [ist] Unesco-Kulturerbe – das erste weltweit«
- 2Übersetzung von mir – Original: »[…] essi non debbono portare all’imbarbarimento e allo stravolgimento della nostra cultura gastronomica.«
- 3Übersetzung von mir – Original: »Il successo universale e riconosciuto della cucina italiana nel mondo porta con sé il proliferare di falsi prodotti italiani e di piatti imbastarditi o inventati.«


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