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Wer ist progressiv?

Die Diskussionen im Konvent rund um den Art. 19 und den Gesetzesentwurf von Francesco Palermo haben in den Medien zu zahlreichen Reaktionen geführt. Riccardo Dello Sbarba vermittelt in seinem Beitrag (“Pech gehabt”), dass nur Neinsager am Werk sind. Maurizio Ferrandi (C’è un altro Sudtirolo?) sieht die Zeit gekommen, dass in Südtirol eine gemischtsprachige Schule eingeführt wird, da sich ja die Zeiten geändert haben und quasi die ganze Welt derartige Schulmodelle einführt. All jene, die nicht eine gemischtsprachige Schule unterstützen, sind wieder einmal die Hinterwälder und bekommen gar nichts mit und verharren in der Vergangenheit. Damit werden wir wieder von allen “progressiven” Kreisen fleißig “schubladisiert”, wer nicht für eine gemischtsprachige Schule ist, ist per definitionem rückständig und rechtsgerichtet. Ich bezeichne mich selbst als liberal und bin grundsätzlich neuen Entwicklungen und Initiativen aufgeschlossen und nehme sie gerne an, so wie hier auch im -Blog, wo wir versuchen, der Idee eines unabhängigen Südtirols Argumente zu liefern. Wieso bin ich in der Frage der Schule so “rückständig”?

Ich persönlich unterscheide zwischen zwei Ebenen, eine objektive und eine subjektive, die mich letztlich gegen eine allgemeine Einführung einer gemischtsprachigen Schule geführt haben:

  • In unserem Land werden die Sprachkenntnisse nur unzureichend erhoben, das Astat veröffentlicht alle 10 Jahre das Sprachbarometer, welches für mich die wichtigste Grundlage zur Beurteilung der Sprachentwicklung im Land darstellt. Bei dieser Erhebung wird klar, dass in Südtirol das Italienische besser verstanden und gesprochen wird als Deutsch, auch wenn es seit 2004 eine positive Entwicklung gegeben hat. Es ist allerdings in einem Minderheitengebiet wie Südtirol viel zu wenig, nur alle 10 Jahre die Sprachkenntnisse zu erheben, die Katalanen machen beispielsweise eine jährliche Erhebung. Ein Kind durchläuft innerhalb von 10 Jahren die Grund-, Mittel- und einen Teil der Oberschule. Sollten sich die Sprachniveaus verschlechtern, so wird dies erst viel zu spät festgestellt.
  • Zwar wird landauf und landab über den bestehenden Zweitsprachenunterricht gejammert, es fehlt aber nach wie vor eine umfassende, repräsentative Erhebung zur Qualität des Zweitsprachenunterrichtes in Südtirol. Es ist verwunderlich, dass das Thema gesellschaftlich zwar stark diskutiert, es aber keine ausreichende Datengrundlage zur Beurteilung der Qualität des Unterrichtes gibt. Die Erhebung des Ist-Zustandes sollte doch immer der Ausgangspunkt jedweder Verbesserungsversuche sein. Nur so lassen sich Defizite erkennen und klar benennen.
  • Die Befürworter der gemischtsprachigen Schule haben im Konvent unter anderem auf die Umfrage des Elternbeirates verwiesen, wo es eine klare Aussage hinsichtlich der Einführung einer gemischtsprachigen Schule gibt. Erschreckend ist hier die Tatsache, dass die Erhebung keineswegs repräsentativ ist, da sie als Vollerhebung und nicht als repräsentative Stichprobe geplant war, es aber nur einen Rücklauf von 25% gegeben hat. Drei Viertel aller Befragten haben also nicht geantwortet, zudem wurden die Fragen fast suggestiv gestellt, da es beispielsweise keine Möglichkeit gab, für die Verbesserung des bestehenden Unterrichts einzutreten, sondern nur alternative Modelle abgefragt wurden. Genau so gut könnte man die aktuelle ff-Umfrage hernehmen, die ebenso nicht repräsentativ ist und wo sich (bis jetzt) drei Viertel der Teilnehmenden gegen eine gemischtsprachige Schule ausdrücken.
  • Weitere “Zaubermethoden” wie etwa CLIL erweisen sich bei näherer Betrachtung keineswegs so erfolgreich wie es in den Medien und in der Politik dargestellt wird, sondern führen zum Teil zu schlechteren Ergebnissen im Vergleich zum bestehenden Unterricht und wurden zudem schlampig evaluiert. Für mich ist es in diesem Zusammenhang immer wieder erstaunlich, wie wenig Politiker und Befürworter dieser Methode über den Erfolg der Methode wissen, vielmehr wird es wie ein Schlagwort für einen besseren Zweitsprachenunterricht gehandelt.
  • Erstaunlich ist auch die Tatsache, wie wenig über den bestehenden Englischunterricht gejammert wird. Wäre es nicht interessant zu untersuchen, wieso hier alles so viel besser läuft? In Gesprächen mit anderen Eltern hört man immer wieder, dass ihre Kinder wesentlich schneller Englisch als Italienisch erlernt haben. Ich vermute eine andere Didaktik im Unterricht, die offensichtlich zu besseren Ergebnissen führt.
  • Die zahlreichen Experimente, die in den letzten Jahren an den Schulen durchgeführt wurden, führen nicht per se zu besseren Ergebnissen, in wacher Erinnerung habe ich die Methode “Lesen durch Schreiben”, die vor etwa 15 Jahren eingeführt, sich erst im Laufe der Zeit als untauglich für all jene erwiesen hat, die leichte Schwächen aufweisen. Trotzdem hat man die Methode eingeführt (und mittlerweile klammheimlich begraben), allerdings wurde an einer ganzen Generation von Schülern herumexperimentiert, ohne dass etwaige Schwächen der Methode im Vorfeld untersucht worden wären.

Neben diesen objektiven Erkenntnissen habe ich als Vater von drei schulpflichtigen Kindern noch einige Erfahrungen sammeln können, die mich in meiner Meinung bestärkt haben, dass zuerst der bestehende Unterricht verbessert gehört. Diese Erfahrungen sind natürlich rein subjektiv:

  • Meine Kinder haben in der Schule größtenteils sehr bescheidene Italienischkenntnisse erlangt, obwohl im Laufe einer Schulkarriere bis zur Matura an die 1.800 Stunden Italienisch gelehrt wird.
  • Immer wieder gab es auch Probleme mit Italienischlehrern. Letztes Jahr musste ich als Elternrat auf Wunsch der Schüler eingreifen, da laut Aussage der Schüler der Unterricht katastrophal war und sie gerne eine andere Lehrperson gehabt hätten. Ähnliche Erlebnisse wurden mir auch von anderen Eltern berichtet, und in meiner eigenen Schulkarriere hatte ich auch unter ein paar Totalversagern zu leiden. Man stelle sich nun vor, diese würden nun auch noch andere Fächer unterrichten. Zuallererst muss deshalb der Blick auf die Qualität des Unterrichts gerichtet werden; wenn diese gewährleistet ist, wird sich möglicherweise eine Ausweitung des Zweitsprachenunterrichtes erübrigen.
  • Die ständige Konzentration auf den mangelhaften Sprachunterricht verstellt den Blick auf andere, mindestens gleich wichtige Kenntnisse wie Mathematik und die Naturwissenschaften. Südtirol steht wie der Rest der Welt in einem Wettbewerb um die besten Ressourcen, deshalb ist es nicht allein entscheidend, ob Fremdsprachen gesprochen werden. Mindestens gleich wichtig sind technische und naturwissenschaftliche Fächer. Dieses “Sprachmantra” verstellt den Blick auf Fähigkeiten und Kenntnisse, die wir für unsere Wettbewerbsfähigkeit in Südtirol unbedingt brauchen.
  • Rein subjektiv erlebe ich immer wieder ein gewisses Ungleichgewicht im Sprachgebrauch. Während man bis hinauf zur letzten Almhütte ohne Probleme auf Italienisch seine Bestellungen aufgeben kann, ist dies umgekehrt vielfach nicht gewährleistet: Ich empfehle jedem, mal auf Deutsch in einem der großen Bekleidungsgeschäfte unter den Bozner Lauben zu kommunizieren; letzthin wurde meine (deutsche) Frage mit einem “do you speak English?” beantwortet. Hier wünsche ich mir manchmal mehr Selbstbewußtsein auf Seiten der Deutschsprechenden, ansonsten laufen wir ständig Gefahr, auf eine automatische Rückfallebene zu schalten und die “lingua franca nazionale”  durch unser eigenes Verhalten zu festigen. Geben wir auch den italienischsprechenden Südtirolern eine Chance, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Letzlich habe ich das Gefühl, die Probleme rund um die Zweitsprache sind mit einem Pkw vergleichbar, wo ein Reifen ständig Luft verliert, man aber nicht den mangelhaften Reifen flickt, sondern immer wieder einen fünften Reifen an das Fahrzeug montiert, um die Probleme zu beheben. Dass das nicht gut gehen kann, ist nachvollziehbar. Aus all diesen Gründen habe ich mich im Konvent nicht für die Einführung einer gemischtsprachigen Schule ausgesprochen. Wie etwa Ewald Rottensteiner treffend sagte, ist unsere Muttersprache der Grund für unsere Autonomie und der Muttersprachunterricht eine der Grundsäulen unseres Autonomiestatutes. Wir sollten deshalb wohlüberlegt und hochprofessionell an dieses Thema herangehen, die letzten Jahrzehnte haben bewiesen, dass ein Beharren auf einige Grundprinzipien des Statutes, wie etwa auch den Proporz, sich letzlich als Erfolgsfaktor für unser Land erwiesen hat, selbst Riccardo Dello Sbarba hat in einer der Konventsitzungen den Proporz, obwohl jahrzehntelang von seiner Partei bekämpft, als erfolgreich bezeichnet. Gleichzeitig können im Rahmen der Schulautonomie viele Schulen alternative Modelle ausprobieren, die italienischen Schulen experimentieren mit dem Immersionsunterricht.  Diese Freiheit würde ich beibehalten, für die italienischen Schulen könnte effektiv das katalanische Modell eines asymmetreichen Immersionsunterrichtes sehr zielführend sein. Auch hier erweist sich, dass das übergeordnete Prinzip des Muttersprachunterrichtes nicht angetastet werden  muss. Sollte Südtirol eines Tages den Weg der Unabhängigkeit wählen, ändert sich alles, die deutsche Sprache ist dann plötzlich nicht mehr die Minderheitensprache und unser mehrsprachiger Quellcode kann zu völlig neuen Schulmodellen führen.

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8 replies on “Wer ist progressiv?”

BBD ist nicht rechts oder reaktionär oder restaurativ.
Aber: Trotz so vieler innovativer Ideen wird alles von einer Selbstbestimmung abhängig gemacht. Und das ist meiner subjektiven Einschätzung nach einfach der Glaube an einer Erlösungsphantasie. Paradox ist es weiters, daß das Schulmodell der Ladiner anerkannt wird, assymetrischer CLIL für italienische Schulen gut wäre, aber die österreichische Schule CLIL nicht einführen soll. Ist das nun ein Zugeständnis an die Rechte oder nicht? Und wenn nicht, darf man sich an dieser Selle nicht wundern, wenn der Verdacht geäussert wird.

Anstatt Studienergebnisse für die Belegung der eigenen Meinung herzuziehen, müsste doch eigentlich klar sein, dass dieses Land die beste Expertise für diesen Beeich haben müßte und zwar inklusive der Schutzmaßnahmen, die notwendig sind soviel haben glaube ich mittlerweile alle verstanden.
Nicht die progressive oder konservative Seite sollte über die Zukunft entscheiden, sondern wie eine gemeisame Zukunft gestaltet sein soll.
Ich erneuere meine Vorschläge innerhalb des Art. 19:
1. Beibehaltung Artikel 19
2.Umbenennung deutsche in österreichische Schule
3. Wahlfachmöglichkeit in bestimmten Ausmaß für exzellente Schüler des Besuchs anderer Schulen; finanzieller Wertschätzung von Professoren mit vielen Wahlschülern
4. assymetrischer CLIL nach Vorschlägen von BBD im Rahmen des Artikel 19
5. Aussetzen eines an eine Stelle gebundenen Proporzes im Bereich Bildung wenn eine höhere Qualifikation gegeben ist (Einhaltung des Proporzes in Zeitintrevallen trotzdem möglich)
Konsens herrscht im Konvent darüber, dass in den Unterricht investiert werden muß und das wird nur mit nennenswerten Investitionen in die Ausbiuldung der Lehrpersonen zu bewerkstelligen sein!

P.S. Dass das Rad nicht neu erfunden werden muß, zeigt die Gesamtschule in Wolfsburg. Dieses Schulkonzept wäre vielleicht auch für Bozen eine Möglichkeit, da Sie Integration mit Verbesserung von Deutschkenntnissen und Italienischunterricht ermöglicht.
http://da-vinci-igs.de/wp-content/uploads/2015/06/Sprachförderkonzept-Stand-22.03.2015.pdf

Trotz so vieler innovativer Ideen wird alles von einer Selbstbestimmung abhängig gemacht.

Wennschon müsstest du von Eigenstaatlichkeit (Unabhängigkeit) und nicht von Selbstbestimmung reden. Doch gerade das Beispiel der Mehrsprachigkeit zeigt, dass wir nicht »alles« davon abhängig machen. Wir sind nur nicht dafür, die Rahmenbedingungen (gerade bei einem derart wichtigen Thema) völlig außer Acht zu lassen.

Und das ist meiner subjektiven Einschätzung nach einfach der Glaube an einer Erlösungsphantasie.

Meiner subjektiven Einschätzung nach ist die mehrsprachige Schule eine Erlösungsphantasie. Oder nennen wir es: Eine Art Zauberformel.

Auf die von Patrick aufgezeigten Defizite gehst du gar nicht ein.

… Dejacos Feststellungen und Gedanken decken sich zu 100% mit meinen Erfahrungen und Wahrnehmungen! – Der Qualitätsvergleich des it.-Unterrichts zum englisch-Unterricht spricht Bände …! – Ob es daran liegt, dass it.-Lehrerpersonen selbst kaum eine Fremdsprache gelernt haben …?
Ob zugleich die italienische Schuljugend ähnliche Erfahrungen mit ihren Deutsch-Lehrpersonen erlebt?
Jedenfalls nur nach der “gemischtsprachigen/Zweisprachigen” Schule zu rufen ist zu einfach! – Schule UND Eltern müssen zusammenwirken!

Wie Patrick Dejaco sagt, braucht es zuallererst eine gründliche Erhebung des Istzustandes, worauf sich dann entsprechende Maßnahmen ableiten lassen. Politisch ist das aber nicht gewollt, man will das Thema nicht anrühren, so wie halt immer. Es werden kleine kosmetische Eingriffe unternommen, aber an der Substanz wird nicht gerührt, mit dem Vorwand keine ethnischen Spannungen hochkommen zu lassen. So wurstelt man eben weiter. So ab und zu gibt es manchmal eine Wortmeldung zum Thema. Dann wird wieder herumdiskutiert, aber das war`s dann schon wieder.
Meiner Meinung nach beginnt das Dilemma schon in der Grundschule. Die Lehrer (italienische Muttersprache) sprechen vom ersten Tag an mit den Kindern nur Italienisch um ihnen Erklärungen und Anweisungen zu geben. Was bei zweisprachigen Kindern vielleicht gut funktioniert, ist für rein Deutschsprachige kontraproduktiv. Die Kinder sind verwirrt, es kann sich kein vertrautes, entspanntes Vertrauensverhältnis auf der Gefühlsebene einstellen. Die Gefühlsebene ist aber die Basis für erfolgreiches Lernen bei kleinen Kindern und die Erfahrungen im Kindesalter beeinflussen oft das gesamte weitere Lernverhalten positiv oder negativ. Natürlich ist diese negative Bilanz auch manchmal bei anderen Fächern anzutreffen, aber im Bereich des Italienischunterrichts ist sie fast durchwegs zu beobachten.
Deshalb würde ich vorschlagen in den ersten Jahren, den Kindern einen Italienischunterricht durch Lehrer, die der Muttersprache der Kinder angehören, zu vermitteln. Das Muttersprachenprinzip wirkt sich bei kleinen Kindern noch nicht in dem Maße positiv aus wie später. Schließlich wird das beim Englischunterricht auch so gemacht. Häufig unterrichten Lehrer, die englische Sprache, die auch sonst ein Fach in der Klasse haben, also der Muttersprache der Kinder angehören und so den Schülern vertraut sind. Ich verorte das Problem also hauptsächlich auf der Gefühlsebene, denn diese wird häufig unterschätzt. Ein entspanntes freundschaftliches Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern bewirkt mehr als irgendwelche ausgeklügelten Lernmethoden und in diesem Fall mehr als das muttersprachliche Prinzip beim Italienischlernen. Aber um diesen Ansatz zu verwirklichen, müsste das Autonomiestatut geändert werden das Muttersprachler als Lehrer bis in die hintersten Täler vorschreibt, obwohl sich das kaum bewerkstelligen lässt und oft nur Notlösungen getroffen werden. Dieses Thema rührt die Politik aber wohlweislich nicht an, aus bekannten Gründen, die Lernerfolge bei den Schülern sind da offenbar zweitrangig.
Noch ein Wort zu den Methoden, weil du das Modell “Lesen durch Schreiben” erwähnt hast. Da gab es eine Zeit als die Lehrer durch Fortbildungen jahrelang mit dieser Methode, man muss schon fast sagen, bombardiert wurden (Brinkmann Brügelmann aus Deutschland). Was das gekostet hat, möchte ich nicht wissen, dies nur nebenbei. Diese Methode flächendeckend einzuführen ist sinnlos, da sie meiner Meinung nach nur für sehr gute Schüler anwendbar ist, andere aber klare Anweisungen brauchen, was hier nicht der Fall ist. Aber, das muss gesagt sein, es gibt keine Vorschriften nach denen Lehrer den Schüler die Lerninhalte auf eine bestimmte Art beizubringen haben. Die Wahl der Methode bleibt jedem Lehrer selbst überlassen.

Passend zum Thema, Harald Martenstein in der ZEIT:

Seit Jahren funken die Betriebe permanent SOS, weil zahlreiche deutsche Schulabgänger weder des Lesens noch des Schreibens und Rechnens kundig sind, trotz zum Teil hervorragender Noten in den dafür zuständigen Fächern. Wenn man also unbedingt neue Fächer einführen will, dann müssten die ersten neuen Fächer “Echt lesen und schreiben erlernen (Else)” heißen und “Ganz im Ernst rechnen (Gier)”. Die neuen Fächer Else und Gier könnten meinetwegen parallel zu den alten, eher symbolischen Fächern Deutsch und Mathe unterrichtet werden.

Wie sehen die Mehrsprachigkeits-Experten im Land die Sprachendiskussion in der deutschen Schule?

Eine Expertin, deren Qualifikation “irgendwas mit Musik” zu sein scheint, und bei deren Dr. es sich wohl aller Wahrscheinlichkeit um einen “Brenner-Doktor” handelt, wird also Experten für Mehrsprachigkeit präsentiert, mich wundert ja nichts mehr.

[…] unsere Lehrkräfte müssen alle eine Dreisprachigkeitsprüfung bestehen. Dazu kommt eine zusätzliche Prüfung, in der ihre Ladinischkenntnisse in Wort und Schrift getestet werden.

Also reicht die Dreisprachigkeitsprüfung alleine, nicht als Qualifikation aus, komisch.

Meine persönliche Überzeugung ist, dass die Muttersprache nicht verloren geht, solange man sie spricht. Die Basis dafür ist vor allem die Familie. Auch außerhalb der Unterrichtsstunden wird in der Schule aber meist Ladinisch gesprochen

Schön wenn ein Experte so schön post-faktisch argumentiert. Noch schöner wenn die dargelegte These nicht anwendbar auf Deutsch ist, da wie wir ja alle wissen Zuhause unseren schönen (und zu bewahrenden) Dialekt sprechen, während die Ladiner, nun ja, Ladinisch sprechen…

Weil die Vorteile für die ladinische Bevölkerung auf der Hand liegen?
Ja, und immer wieder durch Monitorings und Tests bestätigt werden.

Diese Tests kennt aber außer ihr leider niemand.

Ich kann auch aus eigener Erfahrung, also als Ladinerin und Schülerin, die bis zur Matura in diesem System gelernt hat, bezeugen, dass es im Leben sehr vorteilhaft ist, wenn man Sprachen schon von klein auf so lernt. Denn es ist eine Sache, wenn man eine Sprache an sich lernt, aber eine ganz andere, wenn man den Lehrstoff in dieser Sprache lernt.

Wie schön, schon wieder post-faktische Anekdoten. Da wundert ich mich doch glatt, wie ich, auch so aus persönlicher Erfahrung, innerhalb zwei Wochen fähig war gleich schnell akademische Bücher zu lesen wie die Deutschen die eine internationale Schule mit rein Englischen Unterricht besuchten, nur so als Anekdote… Laut Südtiroler Meinung sollte das ja völlig unmöglich sein, und nein noch schlimmer das erste mal habe ich Englisch in der 5. Klasse Mittelschule gelernt, ja völlig unmöglich wenn man damit nicht schon als Baby anfängt!

Und da wir bereits im Kindergarten starten, läuft das auch sehr spielerisch.

Für einen Musiker ist der Kindergarten wahrscheinlich wirklich voll von Sachinhalten, für mich nicht.

Aber die “Progressiven” Südtiroler können das ja nur feiern wenn man die Deutsche Sprache verliert, dann fallen die Italienischen Ortsnamen ja viel weniger auf…

https://www.salto.bz/de/article/28022017/ladinisches-exempel

Die ständige Konzentration auf den mangelhaften Sprachunterricht verstellt den Blick auf andere, mindestens gleich wichtige Kenntnisse wie Mathematik und die Naturwissenschaften. Südtirol steht wie der Rest der Welt in einem Wettbewerb um die besten Ressourcen, deshalb ist es nicht allein entscheidend, ob Fremdsprachen gesprochen werden. Mindestens gleich wichtig sind technische und naturwissenschaftliche Fächer. Dieses “Sprachmantra” verstellt den Blick auf Fähigkeiten und Kenntnisse, die wir für unsere Wettbewerbsfähigkeit in Südtirol unbedingt brauchen.

100% Zustimmung. Ist auch fraglich wie lange sich Firmen in Südtirol den Luxus leisten können Dreisprachigkeit (DE+IT+EN) zu fordern, im globalen Wettbewerb wird schon oft nur mehr Englisch gefordert.

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