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Banaler Freudentaumel.
Fußball-Europameisterschaft

Etliche autonome Gebiete in Europa haben die Möglichkeit, bei internationalen Bewerben mit eigenen Teams anzutreten. Dies gilt für Länder wie Wales, Gibraltar, Nordirland, Schottland, Åland oder Färöer in größerem Umfang als etwa für das Baskenland oder Katalonien. Doch auch letztere treten bereits in einigen Sportarten unabhängig vom Zugehörigkeitsstaat an und arbeiten am steten Ausbau dieser Möglichkeiten.

Die sportliche Entkoppelung entschärft den intrinsischen Staatsnationalismus zumindest teilweise, der auch durch Nationalmannschaften transportiert und gefördert wird — was wiederum der sprachlich-kulturellen und politischen Assimilierung der jeweiligen Bevölkerung vorzubeugen beiträgt.

Auch in Südtirol geben autonomistische Parteien regelmäßig vor, eine Sportautonomie zu befürworten. Und so sieht das dann in den sozialen Medien unter anderem aus, wenn — wie gestern — die italienische Nationalmannschaft eine Europameisterschaft im Herrenfußball gewinnt:

Grüne

SVP

Grüne

Team K

Grüne

Auch sprachlich interessant, wie sich die nationalstaatliche Logik auswirkt — denn über den Sieg einer italienischen Mannschaft kann man sich anscheinend »nur« auf Italienisch freuen.

Siehe auch: 1/ 2/

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12 replies on “Banaler Freudentaumel.
Fußball-Europameisterschaft

Ich schicke voraus, dass Sport nicht zu meinen Spezialgebieten gehört. Den durch den Sport transportierten und von den Medien geförderten Nationalismus finde ich hingegen schrecklich, man darf Sportler und ihre notwendigen Statements jedoch nicht überbewerten, denn ihr Leben gehört dem Sport (meistens wird dieser auch der Schule vorgezogen) und damit geben sie ihre Identität auf. Dabei mache ich den Sportlern keinen Vorwurf, ich würde wahrscheinlich gleich handeln, wenn ich denn das nötige Talent gehabt hätte.
Konkretes Beispiel, was haben ein Domme und ein Ciro Immobile mit der italienischen Nation zu tun? Betrachtet man die Geschichte, ist die Antwort klar: beide gar nichts. Der eine aus dem Ultental, einem Seitental, in welchem Italienisch so gut wie gar keine Rolle spielt, der andere aus Neapel. Beide jedoch haben die Chance ergriffen ihren Lebenstraum zu verwirklichen und damit gutes Geld zu verdienen.
Aus diesem Grund sehe ich auch eine Südtiroler Nationalmannschaft kritisch; einerseits verfügt Südtirol in den Mannschaftssportarten über keine Spitzensportler, würde somit gegen Italien haushoch verlieren (doppelte Schande!), andererseits wären damit nur populistische Gedanken einiger Politiker befriedigt, die – um Wählerstimmen zu erhaschen – diese Möglichkeit ins Spiel bringen.
Dass politische Parteien sich des Medienrummels bedienen und (nationalistische) Miss/Erfolge mit in ihre öffentlichen Statements aufnehmen, darf auch nicht verwundern, werden doch mit dem Sport niederste Instinkte geweckt. Den gewöhnlichen Menschen zieht es nun mal zum Sieger, er fühlt sich dort sicher. Und, beim Sport kann jeder mitreden, jeder fühlt sich zum Nationaltrainer auserkoren, das schafft das Gefühl der eigenen Wichtigkeit.

Gerade beim Fußball offenbart sich das opportunistische Wesen des gemeinen Südtiroler Durchschnitts,- oder Super-Patrioten in erstaunlicher Weise: Zwar wird das ganze Jahr über die “Piefke” im Allgemeinen gelästert; zum Fußball fährt man halt dann doch lieber nach München als irgendwohin nach Österreich, weil der “FC Bayern” halt einfach mehr gewinnt. Sozusagen Erfolgsfan pur.

Dass man beim Gewinn der Europameisterschaft der italienischen Nationalmannschaft in deren Sprache gratuliert, ist hingegen nicht verwerflich. Als Portugal gewann, habe ich in portugiesischer Sprache gratuliert; bei Frankreich und Spanien in deren Sprachen.

(Und wenn Vaccaland irgendwann einmal Weltmeister wird, dann werde ich dies natürlich im Grattlersprech würdigen; natürlich nur in Kleinbuchstaben, als Hommage an Harald Knoflach.)

Wer fährt denn bitte von hier nach Österreich um Fussball zu schauen? Und wenn, fährt man anderswo hin, um guten Profifußball zu sehen, wie z.B. Championsleague, Bundesliga oder Serie A, weil es halt ein Spektakel ist, der nichts mit Nationen oder Nationalmannschaften zu tun hat. Wäre ich gerade in Helsinki oder in New York, würde ich mir gerne ein Eishockey- oder Basketballspiel anschauen, wegen der Atmosphäre und um den eigenen Horizont zu erweitern. Wenn Herr Dierstein aber überzeugt ist, im italienischen Vaccaland unter lauter Grattlern zu leben und uns deshalb Kultur und Sprache beibringen möchte, dann ist das an sich nichts Verwerfliches, nur wird er aufgrund seiner negativen Grundeinstellung gegenüber Land häufig am Ziel vorbeischiessen.

Herr Dierstein, Sie sind halt ein Kultur- und Sprachimperialist und ein Rassist. Ich halte Ihnen zugute, dass es Ihnen nicht zu blöd ist, dies regelmäßig offen zur Schau zu stellen — dann weiß man wenigstens, mit wem man es zu tun hat. Menschen wie Sie sind der Grund, warum manche Piefkes in Österreich, in der Schweiz und eben auch in Südtirol nicht so gern gesehen werden.

Dass Sie Politik für bzw. mit einem schlechten Kabarettisten machen, ist bei Ihrer Einstellung nur konsequent.

ad »Erfolgsfan«: Die überwältigende Mehrheit der Menschen tickt wohl so… oder glauben Sie, dass in Italien jemand groß zur italienischen Fußballnationalmannschaft halten würde, wenn sie noch nie was gewonnen hätte? Gilt natürlich ebenso für andere Länder und/oder für andere Sportarten, in denen ein bestimmtes Land erfolglos ist.

ad »in deren Sprache gratulieren«: Ja, genau das ist das Problem, was Sie aber ob Ihrer oben beschriebenen Eigenschaften nicht erkennen können. Oder haben Sie etwa den Spaniern auf Kastilisch, Katalanisch, Baskisch und Galicisch (Ähnliches gilt für Frankreich) gratuliert?

ad »Grattlersprech«: Den haben Ihre bayrischen (oder bairischen) Vorfahren hierher gebracht und er wird in Ihrem Herkunftsland ebenfalls nach wie vor gesprochen.

Wenn ein erwachsener Mensch wie Dierstein Zeit und Muse findet, auf allen möglichen Pattformen andauernd Land und Leute zu beleidigen, hat er wahrscheinlich ganz andere “Probleme” als nur Südtiroler tifosi, die geringe Impfrate, die Ästhetik von Hagelnetzen oder den Alkoholkonsum eines Andreas Hofer. Soviel getraue ich mich auch als psychologischer Laie zu sagen. Es muss furchtbar sein, in einem Land leben zu “müssen”, dem man mindestens jeden dritten Tag mit den ewig gleichen Lieblingswörtern Vaccaland und Grattlersprech seine Verachtung ausdrückt. Für Dierstein mag es eine Genugtuung und eine Bestätigung sein, wenn ihm wenigstens auf Facebook der eine oder andere Defätist einen Like gibt, obwohl die meisten von denen, die Ihm allen Ernstes einen Daumen nach oben geben dabei wahrscheinlich gerade auf dem Klo sitzen. Natürlich sind wir Südtiroler nicht perfekt und sachliche Kritik ist nie falsch -auch gerne von außen- aber Leute wie Dierstein werden nirgendwo auf der Welt etwas bewirken und vielleicht ist das auch gut so….

Ich empfinde Herrn Diersteins sarkastischen Beitrag als absolute Bereicherung, sei es sprachlich als auch inhaltlich. Seine politische Zugehörigkeit, mit der ich ebenso wenig etwas anfangen kann, sollte in dieser Diskussion nicht zum Thema werden.
Ad Erfolgsfan, Herr Dierstein hat absolut Recht. Wäre die Mehrheit des Südtirolers kohärent, wäre sie im Bereich Fußball Fan des FC Tirol und im Bereich Basket/Volleyball evtl. Fan der Trientner Mannschaften, die – so glaube ich zumindest – in der höchsten Spielklasse spielen und sogar international etwas vorzuweisen haben.
Aber nein, man ist Fan des FC Bayern und das nur aus dem Grund, weil der Verein erfolgreich ist. Man neigt sogar dazu Uli Hoeneß zu vergöttern, obwohl er ein verurteilter Krimineller ist. Dies zeigt von wenig Rückgrat.
@Simon, mir ist bewusst, dass du hier das Hausrecht besitzt, aber mit Begriffen wie “Rassist” und “Imperialist” einem Kommentator zu begegnen, der sich abseits Deiner geschätzten Meinung bewegt, empfinde ich als wenig zielführend.
@Stuff, ich bin kein Sportexperte, habe aber Kinder, die Sport treiben und verfolge dort nahezu alle Wettkämpfe. Dorthin gehe ich, trotz Wetterkapriolen und fehlenden Zuschauertribünen, weil mich mein Herz dorthin führt, nicht das gebotene Spektakel. Und ob meine Kinder gut oder schlecht den Wettkampf bestreiten, ist total egal – ich bin an ihrer Seite, in guten und in schlechten Zeiten. Ich würde dieses und das Verhalten von anderen tausenden von Eltern, Freunden usw. als charaktervoll beschreiben; bislang konnte mir noch kein Fan des FC Bayern, Inter Mailand oder AC Mailand erklären, was ihn – außer dem erwähnten “Erfolgsfan-Mechanismus” – dorthin führt. Deshalb nochmals Kompliment an Herrn Dierstein für die treffende Beschreibung des Opportunismus des Durchschnittsüdtirolers.

Ich empfinde Herrn Diersteins sarkastischen Beitrag als absolute Bereicherung, sei es sprachlich als auch inhaltlich.

Das sei dir unbenommen.

Seine politische Zugehörigkeit, mit der ich ebenso wenig etwas anfangen kann, sollte in dieser Diskussion nicht zum Thema werden.

Wenn man Pressesprecher einer Partei ist und regelmäßig solchen Hass verbreitet, soll das meiner Meinung nach nicht unerwähnt bleiben.

Ad Erfolgsfan, Herr Dierstein hat absolut Recht. Wäre die Mehrheit des Südtirolers kohärent, wäre sie im Bereich Fußball Fan des FC Tirol und im Bereich Basket/Volleyball evtl. Fan der Trientner Mannschaften, die – so glaube ich zumindest – in der höchsten Spielklasse spielen und sogar international etwas vorzuweisen haben.

Was daran kohärent sein soll verstehe ich nicht.

Aber nein, man ist Fan des FC Bayern und das nur aus dem Grund, weil der Verein erfolgreich ist.

Das ist doch kein Südtiroler Spezifikum. Warum haben denn Teams wie der FC Bayern, Inter Mailand oder Barça so viele Millionen Fans? Sicher nicht, weil sie sympathische Verlierertypen sind.

Man neigt sogar dazu Uli Hoeneß zu vergöttern, obwohl er ein verurteilter Krimineller ist.

Wäre mir nicht bekannt aber das tut hier glaub ich auch nicht wirklich viel zur Sache.

Dies zeigt von wenig Rückgrat.
@Simon, mir ist bewusst, dass du hier das Hausrecht besitzt, aber mit Begriffen wie “Rassist” und “Imperialist” einem Kommentator zu begegnen, der sich abseits Deiner geschätzten Meinung bewegt, empfinde ich als wenig zielführend.

Die Begründung, warum ich Herrn Dierstein mit diesen Begriffen begegne, ist nicht, dass er sich abseits meiner geschätzten Meinung bewegt, sondern deshalb, weil ich die Begriffe für zutreffend halte. Du bewegst dich ja auch abseits meiner Meinung und ich wüsste nicht, dass ich dich jemals so betitelt hätte.

[B]islang konnte mir noch kein Fan des FC Bayern, Inter Mailand oder AC Mailand erklären, was ihn – außer dem erwähnten “Erfolgsfan-Mechanismus” – dorthin führt.

Klar, das sind Erfolgsfans und vielleicht Menschen, die sich an gutem Fußball erfreuen. Was soll daran unerklärlich sein?

Deshalb nochmals Kompliment an Herrn Dierstein für die treffende Beschreibung des Opportunismus des Durchschnittsüdtirolers.

Du meinst wohl den Opportunismus des Durchschnittsmenschen — den Herr Dierstein als Alleinstellungsmerkmal für die Südtirolerinnen darstellt und mit seinen üblichen Beleidigungen garniert.

Herr Dierstein hat als Privatperson gepostet, ohne seine politische Zugehörigkeit ins Spiel zu bringen. Das ist lediglich von deiner Seite gestartet und ich finde es nach wie vor unpassend.
Erfolgreiche Vereine mögen viele Fans haben, gerade weil sie erfolgreich sind. Aber Hr. Dierstein stellt dies ja nicht in Frage, er wirft die Polemik auf, dass der gemeine Südtiroler zwar das ganze Jahr auf die Piefke schimpft, danach aber ausgerechnet in München, anstatt in Innsbruck oder Trient (Stichwort geschichtliche Gemeinsamkeiten) seinen Sonntagnachmittag im Stadion verbringt. Und hier hat er absolut Recht.
Ich mag nicht dem Mainstream entsprechen, aber wenn ich mich dabei ertappe, dass ich im TV Sport verfolge, freue ich mich wenn ein Österreicher gewinnt oder Österreich als Nation. Warum? Ich finde keine Gemeinsamkeiten zwischen mir und einem Neapolitaner, Sizilianer oder Veroneser und keine mit Leuten aus Hamburg, München oder Kiel. Mir genügt schon die dialektale Gemeinsamkeit mit den Kommentatoren des ORF, ich fühle mich “zu Hause”. Dies gilt selbstverständlich nur für mich, aber ich glaube Hr. Dierstein spielte auf dieses Gedankengut an.
Und wer wie ich in Mailand gearbeitet hat und die tifosi des AC Milan live erlebt hat und davor flüchten musste, dürfte sein Leben lang mit Unbehagen diesen Verein verfolgen. Da nützen auch Erfolge nichts, denn die Gewalt, die Fußball generell transportiert, ist abscheulich.

soweit ich die Geschichte kenne, fühle ich mich als Tiroler in südlich des Brenner den Bayern genau so nahe wie den Kärntnern und Niederösterreichern …

@Domprobst: Ich sehe da noch immer kein Alleinstellungsmerkmal für Südtirol und die Südtirolerinnen. Es handelt sich beim beschriebenen Verhaltensmuster (den man sowieso erst quantifizieren und in den Gesamtkontext stellen müsste) um Opportunismus… und den wirst du wohl schlecht nur hier finden. Dass die Südtirolerinnen bezüglich ihrer »nationalen« Identität vielleicht etwas flexibler und mobiler sind als andere, dürfte schlicht der Situation als nationale Minderheit in einem Nationalstaat geschuldet sein. Das sind aber alles keine Gründe für pauschalisierende Verunglimpfungen, wie sie Herr Dierstein im Tagesrhythmus abgibt.

@darin gebe ich Dir Recht, Opportunismus ist kein Alleinstellungsmerkmal nur für Südtiroler.
Aber wenn wir ein wenig ehrlich sind – und gerade Meisterwerke wie die “Piefke-Saga” zeigen dies mit einer unübertrefflichen Verve – ist der Tiroler doch ein Meister seines Fachs. Auch Größen wie Claus Gatterer und noch weiter zurück liegend Heinrich Heine haben dies treffend festgestellt.
Diersteins Art mag provozierend sein und manche Wortwahl auch überzogen – aber es ist ihm gelungen eine interessante Diskussion anzuregen, bei welcher wir Süd/Tiroler uns auch ein wenig kritisch hinterfragen sollten.

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