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Mussolini-Italiener.

mit freundlicher Genehmigung des Autors geben wir den gestrigen Leitartikel der Neuen Südtiroler Tageszeitung wieder

von Arnold Tribus*

Hätte der gute Minister und Poet Sandro Bondi erahnt, was er mit seinem sanften und völkerverbindenden Brief an den Herrn Landeshauptmann anrichtet, dann hätte er ihn wahrscheinlich nicht geschrieben. Immerhin ist oder war er ja auch Koordinator des PDL, der Partei, die nun wegen dieser seiner Entscheidung auf die Barrikaden geht und mit Massenaustritten droht. (Keinem PDL-Mitglied wäre es eingefallen auszutreten, weil Berlusconi unkeusch ist und seine Villa in ein Bordell verwandelt hat. Das steht ihm zu, aber wegen Mussolini kann man Partei wechseln.) Zudem galt Bondi immer als Verteidiger der Abgeordneten Biancofiore, er hat sie aus dem neapolitanischen Exil zurückgeholt. Und nun planen ihre Amici, die sie ja immer mit starker Hand führte, ein “Los von Rom” und die Bildung einer von Rom abgekoppelten, “autonomen” rechten Partei. Was an der ganzen Sache aber verwundert, ist der Umstand, dass nun der Disagio, der Zorn, die Enttäuschung, die totale Gegnerschaft zur römischen Entscheidung nicht nur in den rechten Parteien entbrannt ist, sondern auch in den Linken.
Die Front, die sich gegen das Bondi-Abkommen ausspricht, ist also breit, umfasst praktisch alle Italiener, ganz unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit. Nun wäre es eigentlich logisch, dass die Italiener, die sich politisch dem Mittelinksblock zugehörig fühlen und somit den Antifaschismus in ihren Genen und in ihren politischen Grundsätzen haben, jubeln, wwenn endlich alle faschistischen Denkmäler, wenn nicht beseitigt, so zumindest entschärft werden. Welcher Genosse der Republik würde sich für ein Mussolini-Denkmal einsetzen, würde dafür kämpfen, dass das Abbild des Diktators hoch zu Ross mit der Aufschrift “credere, obbedire, combattere” gerettet wird? Der in Bozen gewählte PD-Abgeordnete Gianclaudio Bressa, um den es ja sehr still geworden ist, hat eine klare Sprache gesprochen: Das Relief müsse weg, er wundere sich, dass das überhaupt noch dort sei, es handle sich um eine Apologie des Faschismus. Ähnlich die Position von Oreste Galletti und Fabio Visentin von Rifondazione Comunista, einer Partei, die im Bozner Stadtrat sitzt, die sich auch für die Abnahme des Reliefs ausgesprochen haben, aus antifaschistischen Gründen. Das wär’s auch schon, sonst findet man keinen offiziellen Italiener, der sich für die Beseitigung des Piffrader-Reliefs ausspricht. (Ich bleibe nach wie vor für die Beibehaltung, aber aus schließlich künstlerischen Gründen, der Kampf der italienischen Bozner erfolgt nicht aus Gründen der Kunst, sondern aus eminent politischen Gründen, und das macht das Ganze etwas dubios.) Warum denn gibt es immer dann eine breite italienische Einheitsfront, wenn es um die Vergangenheit geht, wenn es darum geht, faschistische Relikte zu bewahren? Warum hört der Antifaschismus der Bozner Linken auf, wenn es darum geht, die faschistischen Denkmäler zu retten? Ist denn der Faschismus tatsächlich der einzige Wert, das einzig verbindende Element der italienischsprachigen Südtiroler? Sie haben es uns ja schon einmal tragisch vorgemacht, als es darum ging, eine friedensstiftende, zukunftsträchtige Initiative des damaligen Bozner Bürgermeisters Giovanni Salghetti Drioli mit einem Referendum zu bestätigen. Es ging damals nur um den Friedensplatz, auch das war zuviel. Nun ist wohl der günstige Moment gekommen, dass sich Rechte und Linke endlich zur italienischen Einheitsfront zusammenfinden, zur italienischen Volkspartei. Es wird nicht lange dauern, und sie werden wieder gemeinsam gegen das vom Herrn Landeshauptmann gewünschte Toponomastikgesetz kämpfen müssen, ein regelrechter Angriff auf die Italianità, auf den Prontuario des Senators Tolomei. Sie werden zu diesem Themen [sic] wieder alle zusammenfinden — mit geringfügigen Differenzierungen. Der Faschismus verfolgt sie, die Italiener, er ist ihre Geschichte. Und dabei vergessen sie die Zukunft.

*) Arnold Tribus ist Herausgeber und Direktor der ‘Neuen Südtiroler Tageszeitung’, Bozen.

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38 replies on “Mussolini-Italiener.”

Un bel editoriale quello scritto da Tribus sulla edizione odierna della Tageszeitung. Mi fanno rabbrividire gli ultimi appelli giunti dai politici locali del centro destra, di portare dei fiori al monumento della vittoria ed elogiare il ventennio. Tra questi e quelli che chiedevano di issare un tricolore su tutti i masi tra i gerani, che differenza passa? Chi tra i due schieramenti del centro destra è il più moderato? Dopo tutti questi anni sprecati in diatribe inutili e controproducenti, trascorsi rinnegando gli errori del passato; bisogna ancora sopportare questa sorba di proclami nostalgici. A questo punto è ora di dire basta alle ciance, si affronti in tempi brevi la controversia storicizzando o rimuovendo questi obbrobri del passato, come è stato fatto recentemente in Catalogna. Per quel che riguarda gli ossari, se non è possibile la traslazione dei resti mortuari nei cimiteri dei caduti di guerra in Friuli o in Veneto, la dislocazione in una parte dei vari cimiteri di guerra siti in Sudtirolo, sarebbe un compromesso accettabile. Le tombe dei soldati bosniaci rivolte verso la Mecca, al cimitero di guerra di Brunico, così come quelle di altri soldati di origini ceche, moldave, ungheresi, rutene o tedesche, site su colle adiacente al centro, sono luoghi di memoria storica, di quante vittime fece la grande guerra e accanto a queste potrebbero trovare posto le spoglie dei soldati italiani ospitate nei tre ossari. A quel luogo hanno fatto anche sempre riferimento, le forze armate alpine in occasione della commemorazione dei caduti, ci sono stato anche io con il picchetto durante il servizio militare. Di spazi per depotenziare gli ossari ce ne sarebbero altri, nei vari cimiteri cittadini che ospitano lapidi in ricordo dei caduti, ma un’accoglienza in quelli di guerra, sarebbe un segno di riconciliazione nei confronti delle vittime sottoposte ad una inutile umiliazione.

@Sandro
Es wäre auch das eine Geschichtsfälschung wenn man die Gebeine aus den Beinhäusern einfach in Südtiroler Soldatenfriedhöfen umbetten würde. Die Soldaten sind nicht hier gefallen und wurden von den Faschisten von anderen Frontabschnitten hierher verfrachtet und dazu missbraucht, den Anspruch auf dieses Land zu beweisen und zu untermauern.
Man darf nicht eine Lüge durch eine etwas kleinere ersetzen. Die einzige Lösung die hier wirklich gerecht und richtig wäre ist eine Rückführung an die tatsächlichen Orte oder Heimatorte wenn möglich.

@ anonym
Es ist mir schon klar dass es eine Geschichtsfälschung wäre, aber mit einer klaren Aufklärung wäre es keine Lüge und man könnte Verständnis für diese Missachtung der Gefallenen zeigen. Platz würde es sicher nicht viel brauchen, nach so vielen Jahren ist sicher nicht viel übrig geblieben, was kann man noch finden, es geht nur um eine Erinnerung einer Ungerechtigkeit.

Die einzige Lösung die hier wirklich gerecht und richtig wäre ist eine Rückführung an die tatsächlichen Orte oder Heimatorte wenn möglich.

Pensiamo se estendessimo il metodo. Riportare tutti i morti seminati per il mondo dalle guerre a casa loro. Scavare negli archivi e dare di pala alle zolle. La discussione è ripartita da pochi giorni, ma ha già  ammassato eoni di corbellerie.

@Sandro
Lüge bleibt Lüge, Schandmal bleibt Schandmal. Kleine Täfelchen ändern daran nichts. Geht es nicht darum in dieser ganzen Diskussion? Wäre es nicht mal an der Zeit mit diesen historischen Lügen aufzuräumen?

@gadilu
Hier geht es nicht um die Rückführung von Gefallenen vom Ort ihres Todes zurück in die Heimat, sondern um Gebeine von Soldaten, die von einem Regime absichtlich ausgegraben und an einem anderen Ort (nämlich hierher) gebracht wurden, um Ansprüche zu stellen und Lügen zu legitimieren. Wenn du den kleinen aber feinen Unterschied nicht verstehst, dein Problem.

Und nebenbei: das rote Kreuz macht genau diese Arbeit selbst nach fast 100 Jahren und für 2 Weltkriege. Identifizieren, Angehörige benachrichtigen, anständig beisetzen oder rückführen in die Heimat.

Die unglaublichen, aber immerhin einheitlichen Reaktionen quer durch alle italienischen Parteien zeigen doch deutlich, dass eine Beibehaltung des Piffrader-Reliefs aus künstlerischen Gründen nicht möglich ist.

Diese Reaktionen versuche man sich mal in der BRD vorzustellen. Undenkbar! Jeder dieser Politiker wäre die längste Zeit Politiker gewesen, es gäbe einen riesen Aufschrei in den Medien, der Bevölkerung und auch in der Politik.

Was mir hier auch fehlt ist zumindest eine Reaktion der jüdischen Bevölkerung, es muss ja nicht gleich ein Aufschrei sein, wie er vom bundesdeutschen Zentralrat der Juden mit Sicherheit zu erwarten wäre.

Ich denke, dass man nicht von der kleinen, rechtsextremen Minderheit um Casa Pound, Seppi & Co. auf die Mehrheit der Italiener schließen darf.
Und es gibt ja auch noch den PD, die Kommunisten und die Grünen, die sich zumindest gemäßigter geäußert haben. Wenn sich die SVP jetzt klug verhält, demonstrativ den Konsens sucht und keine Maximalforderungen stellt, dann dürften sich die ganze Aufregung (hoffentlich) als Sturm im Wasserglas entpuppen.

Bevor ihr euch wegen eines Vorschlags, der so wahrscheinlich nie umgesetzt werden wird weil sich offensichtlich nichts ändern wird, gegenseitig mit Lob überschüttet, solltet ihr wissen, dass mittlerweile sogar das Entfernen des Mussolini Reliefs wieder zur Diskussion steht.
Denkbar ist jetzt auch nur ein “Verdecken” des Reliefs oder Teilen davon. So sehen eben Kompromisse aus, sie sind faul und besagte “Mussolini-Italiener” dürfen sich freuen.
Bei Wahrheit und Recht darf es aber keine Kompromisse geben. Das hat nichts mit Maximalforderungen zu tun, sondern mit Prinzipien.

@Beppi,
gut dass Du die Mitte Links erwähnst ;den PD gibt es ja schliesslich (noch), aber wenn die nicht eindeutig und unmissverständlich Stellung beziehen, dann verlieren sie noch den Rest an Glaubwürdigkeit den sie (noch) haben.
Es ist -für mich jedenfalls- absolut unverständlich, dass sich eine Mitte-Links-Partei so ein Trauerspiel mitten in Europa leistet; Wo alle Welt nach mehr Freiheit drängt und Faschismen / Diktaturen und deren “Denkmäler” in die Wüste schickt (stellt), ist unsere MitteLinks nicht mal in der Lage Klartext gegen diese unrühmlichen faschistischen Überbleibsel zu reden !!

Zu schämen ist das !

@beppi
hast du von irgend einer italienischen seite eine verurteilung dieser von dir zitierten parteien, vereinigungen gehört oder gesehen? vielleicht die kommunisten? haben aber die grünen, die pd oder andere dieses festhalten an faschistischen relikten, und damit auch an faschistischem gedankengut, bis heute verurteilt, oder sich dagegen gestellt? es macht mich traurig, dass parteien aus angst wähler zu verlieren, den “paar”(???) neofaschisten nach dem mund reden müssen!
aber halt, wenn dem so ist, sind dann die wähler dieser parteien nicht auch irgendwie faschistisch, oder sind es alle nur kulturliebende menschen, die das kunstwerk, ohne ideologischen hintergedanken retten wollen?
oder haben die altoatesini es in den letzten 60 jahren nicht geschafft, sich hier zu Hause zu fühlen, sich ein umfeld aufzubauen, hier HEIMAT zu fühlen, OHNE relikte?
ich weiss es nicht, aber ein herr heiss und kollegen,könnte mir das sicher erklären, oder doch nicht?

@ Hey Martin & Jonny, ihr specht mir ja sozusagen aus dem Herzen (-:

Was mir als sicher scheint ist, dass wir es hier mit einer eigentümlichen Identifikation italienischerseits mit diesen Denkmälern zu tun haben. Dabei spielt vielleicht die genuin faschistische Komponente nur eine sekundäre Rolle (hoffe ich zumindest), sondern eher die Tatsache, dass diese Relikte vor allen Dingen italienischer Provenienz sind und irgendwo als Bedeutungsträger für Identität und Bleiberecht fungieren.

Für uns (für mich jedenfalls) sehr befremdlich, aber du musst mehrere Dinge berücksichtigen: Italien hatte so gut wie keine Aufarbeitung wie Deutschland hinter sich gebracht (allerdings auch kein anderes europäisches Land – ich meine in derselben Qualität), der Faschismus ist in den letzten Dekaden unglücklicherweise wieder salonfähig geworden (vgl. Mattioli) und dies verstärkt die Unbedarftheit im Umgang in der Erinnerungskultur und mit den Hinterlassenschaften jener Zeit (sie werden z.B. als “ideale Kunstobjekte” wahrgenommen). In der Geschichts- und Politikwissenschaft spricht man übrigens immer stärker vom “Sonderweg” Italien in Europa (und bezieht sich hierbei u.a. auf die politische und auch wirtschaftliche Kultur der Nachkriegszeit, vor allem aber auf den Berlusconismus). Und schließlich leben wir in Südtirol in einer Grenzregion mit einem Autonomiestatut, das das ethnische Element ganz besonders unterstreicht, Teile der Bevölkerung in der Entscheidungsfindung “marginalisiert” oder besser: nicht befriedigend einbindet. Bewusste Abgrenzungen zu diesem autonomen Gebilde auf der einen Seite und übermäßige Identifikation mit dem Nationalstaat auf der anderen sind die Folge.

Wir haben es also mit mehreren Sonder- und Ausnahmefällen zu tun, die in der EU ihresgleichen suchen. Deswegen denke ich, kann man das sanfte Verhalten der lokalen italienischen Linke nur unter Berücksichtigung der obgenannten Gesichtspunkte verstehen (außerdem .
Von “europäischen Standards” sind wir sicher meilenweit entfernt, aber die bloße Feststellung dieses Sachverhaltes bringt uns schlecht weiter und wird im Übrigen, soweit ich das verstehe, auch nicht als gewichtiges oder stichhaltiges Argument beim “Gegenüber” wahrgenommen, im Gegenteil, es verunsachlicht die Diskussion paradoxerweise.
Vielleicht sollten wir uns, zum Zwecke der Diskussion, stets die Eigentümlichkeiten der Situation vor Augen halten, Deutschland deswegen nicht allzu stark als Modellfall heranziehen und daran unsere Rhetorik (nicht aber unsere Prinzipien) anpassen.

P.S.: Gadilu hat das alles übrigens ganz gut analysiert:
Gli italiani e i “relitti fascisti”

Deutschland und den Nationalsozialismus darf und soll man nicht als Vergleich heranziehen, denn der ital. Faschismus “war ja nicht so schlimm”.
Nehmen wir als Vergleich doch ein anderes Land mit einem faschistischen System, das heute eine Demokratie ist – mal nachdenken, was es da so gibt? Hmmmm, vielleicht Spanien?
Dort war das Franco Regime sogar länger an der Macht, hat weniger Menschenleben auf dem Gewissen als die ital. Faschisten und war nicht am 2. Weltkrieg und Holocaust beteiligt.
Und doch klappt die Aufarbeitung der Geschichte und Säuberung von Relikten besser – höchst seltsam!

@ beppi
messerscharf analysiert. super kommentar.
was mich wundert ist, dass dieser “sonderweg” vielleicht auf wissenschaftlicher ebene – nicht aber auf politischer ebene wahrgenommen wird.
wir tun immer noch so als ob der pdl eine normale volkspartei (die sind trotz einer alessandra mussolini, einem alemanno und anderen in ihren reihen immer noch mitglied der EVP!!!) mit einem etwas schrulligen anführer sei, über den wir nach dem motto “jaja, diese italiener” lachen können. dabei hat sich italien schon längst vom europäischen demokratischen grundkonsens verabschiedet.

merkmale einer funktionierenden demokratie sind offene und freie wahlen sowie die gewaltenteilung. zumindest zweiteres ist im fall italiens nicht mehr gegeben. die legislative ist ausgeschaltet, da nur noch per dekret regeln gemacht werden. und wenn etwas mal durch’s parlament muss, wird es an ein ganzes paket an maßnahmen an eine vertrauensabstimmung gekoppelt. sowohl die parlamentarische als auch die mediale kontrolle funktioniert aus bekannten gründen nicht mehr. mit demokratie hat das nichts mehr zu tun. und das ist viel schwerwiegender als ein paar weibergeschichten (solange da nicht minderjährige im spiel waren ist das ein moralisches, nicht aber ein juridisches problem für berlusconi. kennedy und clinton waren ja bestimmt auch keine schwerenöter).

@ anonym, Du verstehst doch was ich meine: Deutschland ist ein Idealfall, der in der Radikalität seiner Aufarbeitung schlecht mit anderen europäischen Staaten verglichen werden kann (auch mit Spanien nicht). Unabhängig davon, wie ich die Art dieser Aufarbeitung finde (und ich finde sie sehr gut), ist mir einfach nur aufgefallen, dass wir “bundesdeutsche Verhältnisse” (also ideale Verhältnisse) in einem Staat durchsetzen wollen, der nicht nur eine andere Entwicklung durchgemacht hat, sondern obendrein noch ein “special case” (vgl. Davos) in der EU darstellt, von den Verhältnissen in unserem Landl ganz zu schweigen.
Die Beobachtung ist zugegeben ziemlich banal, aber mir z.B. dient sie als Ausgangsprämisse, um die jeweiligen Denkweisen besser verstehen und handhaben zu lernen, (ohne sie mir zwingend eigen zu machen)?

Ich lebe übrigens schon seit 4 Jahren im Ausland, vielleicht sind mir da einfach gewisse Tatsachen nicht so unmittelbar klar wie euch in Südtirol.

Danke hunter. So in etwa meinte ich es!

Posso dire una cosa? La Germania è un caso ideale? Vogliamo parlare di quanto tempo c’è voluto, in Germania, per portare alla coscienza collettiva la corresponsabilità  dell’esercito “normale” nei riguardi della guerra di annientamento ideata e pepetrata dal partito nazista? Avete letto i libri di Hannes Heer al riguardo? A differenza dall’Italia, in Germania non si è avuto NESSUN movimento di resistenza popolare. Nessun accenno di guerra civile. Per questo motivo (e a fronte dell’enormità  di aver pianificato – non solo eseguito – lo sterminio degli ebrei europei e di altre minoranze) la colpa ha investito in modo radicale i tedeschi, costringendoli a fare i conti con il proprio passato. Penso siano differenze che contano. E che ne è stato invece degli austriaci? L’Austria ha forse fatto i conti col proprio passato? Pensiamo al destino di scrittori come Thomas Bernhard, che hanno sollevato il velo sulla mancata rielaborazione del passato nazista da parte degli austriaci. E pensiamo poi anche ai sudtirolesi, giacché ci siamo. Pensiamo a figure come Hans Egarter, uno dei pochissimi “partigiani” che può vantare questa terra. Emarginato in vita e dimenticato fino a pochissimo tempo fa (quando è stato in un certo senso, ma da pochissimi, ripescato dal fondo più buio di una dimenticanza ideologicamente compromessa).

Ich sprach vom Ergebnis dieses Prozesses, also von der Gegenwart. Und dieses Ergebnis stellt sich mir als Idealfall dar.
Aber unabhängig davon stimme ich Dir zu, gadilu: Deutschland kann man nicht mit Italien vergleichen.

Grundsätzlich würde ich von jedem Italiener (auch in Südtirol) verlangen – soweit er sich nur annährungsweise als Demokrat und zvilisierter Mitteleuropäer bezeichnet – dass er selbst die Initiative ergreift, um den Duce sowie die Aufschrift am Siegesdenkmal zu entfernen.
Schließlich lasse ich auch die von verschiedenen Kommentatoren (u.a. im Alto Adige) bekundete Kritik am Abkommen nicht gelten, wonach die italienische Seite nicht eingebunden gewesen sei. Auf einen Beitrag der italienischen Seite in Bezug auf die Entfernung der faschistischen Relikte warten wir immerhin schon seit über 60 Jahren! Im Übrigen fände ich es sinnvoll, wenn man dem Opfer eines Regimes zugestehen würde zu entscheiden, wie man mit den regimeverherrlichenden Denkmäler umzugehen gedenkt.
Abschließend sei unterstrichen, dass vor allem die Grünen in dieser Diskussion endgültig ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Immerhin deckt sich ihre Position in Sachen faschistische Denkmäler und Toponomastik mit jener der Rechtsaußen Urzì und Seppi. Dallo Sbarba wohnte kürzlich gar einer entsprechenden “Krisensitzung” von Urzi, Seppi und Vezzali bei!!!! Tatsächlich hat er in Sachen faschistische Denkmäler keine Berührungsängste mit diesen Herren. Da fällt mir ein: Der Laurinbrunnen war ihm ein Dorn im Auge. Hat er sich wirklich für die richtige Partei entschieden????

@Beppi
ich verstehe schon, und ich sage auch, dass solche Vergleiche nicht funktionieren, Vergleiche hinken immer.
Denoch kann man fragen wieso es andernorts (Spanien) klappt und hier nicht. Genauso wie du die Situation hier durchleuchten und wissenschaftlich analysieren könntest und dabei viele Gründe und Erklärungen für das Geschehen und Verhalten finden würdest. Allein eins wirst du nicht finden: eine Rechtfertigung.

Ich bitte um Eure Hilfe:

Helft mir bitte um zu verstehen,warum KEINE der hier politisierenden Links-, Mitte-Links, und Möchtegern-Links-Parteien ÖFFENTLICH KLAR und DEUTLICH sich für die Beseitigung der “faschistischen Denkmäler” einsetzt.

Auch wenn es dann vielleicht im Endeffekt auf einen Kompromiss hinauslaufen sollte, es wäre JETZT für die “Möchtegern-Linksparteien” DIE CHANCE sich eindeutig und unmissverständlich zu positionieren !

Es wurden hier sehr gute erklärende, beschwichtigende und logische Argumente aufgeführt , wofür ich dankbar bin, aber es wäre höchst an der Zeit und sehr wünschenswert wenn nun mindestens 1 hochrangiger Vertreter der italienischen Volksgruppe aufstehen würde und sich klar positioniert !

Gadilu hat zu Recht auf den Südtiroler Widerstandskämpfer Hans Egarter verwiesen. Allerdings hat er vergessen zu erwähnen, dass Egarter in erster Linie von den italienischen Partisanen ausgegrenzt und kriminalisiert wurde, weil er gegen Nationalsozialismus und Faschismus und für Tirol gekämpft hat. Man darf auch nicht vergessen, dass die Partisanen, nachdem sie bei Kriegsende die Macht in Bozen übernommen hatten, sich als erstes für die Restaurierung des faschistischen Siegesdenkmales eingesetzt haben. Die Verbrechen der Wehrmacht sind in Deutschland zumindest in jüngster Zeit aufgearbeitet worden – die Verbrechen des faschistischen italienischen Militärs bleiben weiter tabu. Im Brixner Gemeinderat war sogar die Grüne Bürgerliste dagegen, bei der Ehrung einer verfolgten Jüdin daran zu erinnern, wer sie verfolgt hat – weil man das italienische Militär nicht verärgern darf.

@ anonyms link
also von einem “tabubruch” zu sprechen, halte ich für ein bisschen übertrieben. denn es kommt darauf an, wie man den balkon präsentiert. im rahmen eines museums – was der palazzo venezia ja ist – den balkon dem publikum zugänglich zu machen, finde ich eine gute idee. ich weiß jetzt nicht, wie der balkon kontextualisiert wurde, aber allein durch eine eindeutige präsentation kann ich “faschistenaufmärsche” dort schon verhindern.

… wir tun immer noch so als ob der pdl eine normale volkspartei (die sind trotz einer alessandra mussolini, einem alemanno und anderen in ihren reihen immer noch mitglied der EVP!!!) mit einem etwas schrulligen anführer sei, über den wir nach dem motto ”jaja, diese italiener” lachen können.

Appunto. Il Pdl non è un normale partito popolare, tutto ciò che gli ruota intorno o che è stato attratto nella sua orbita non è normale, il suo leader nonché nostro attuale premier non rientra nella normalità  europea. Punto. Finché non verrà  risolta questa grottesca anomalia italiana, non credo potrà  andare avanti nessun tipo di evoluzione sociopolitica, ideologica, psicologica, pubblica o privata, altoatesina o generale italiana che sia.

@ tuscan
attribute, die in zusammenhang mit berlusconi im restlichen europa kursieren sind “clown”, “kasperl”, “frauenheld”, “narr”, “macho”, “egomane”, “exzentriker”. diese charakterisierungen verleiten mehr zum schmunzeln bzw. zum “nicht ganz ernst” nehmen anstatt zum “sich wirklich sorgen machen und angst haben müssen” (wie das z.b. bei bush der fall war). medial wird fast nur über die frauengeschichten – viel weniger aber über die unterwanderung der demokratie und des rechtsstaates berichtet, was viel schwerwiegender ist (verjährungsfristen verkürzt, regieren per dekret, ausschaltung medialer und parlamentarischer kontrolle, rückwirkend erlassene gesetze, zweifelhaftes immunitätsgesetz usw.).
es geht auch immer zu sehr um die person berlusconis (ist schon klar, dass mit ihm der pdl steht und fällt). aber die partei als solche ist eine anomalie. sie ist vielleicht nicht so rechtsextrem und xenophob wie die lega, aber sie ist definitiv demokratiefeindlich und akzeptiert offen bekennende faschisten und rechtsextremisten in ihren reihen. sie hätte schon längst aus der EVP/PPE ausgeschlossen gehört. dabei ist sie nach der cdu die zweitstärkste “volkspartei” europas.

@ hunter
wie mittlerweile bekannt , ist SB ein Ziehsohn von Gelli (P2);
Ich bin überzeugt, dass ohne tatkräftiger Unterstützung weiterer P2-Ziehsöhne und deren Helfer und Helfershelfer in allen entscheidenden Schlüsselstellen dieses Staates, eine solche Machtkonzentration niemals hätte stattfinden können.
Ich stimme mit Dir absolut überein und behaupte mal weitergehend, dass die “Gallionsfigur SB” nur das Sprachrohr einer viel tiefergehenden Organisation ist, welche derzeit gezielt und gut organisiert die Unterwanderung der “demokratischen” Institutionen betreibt.

die Chance für die Mitte-Links und Linksparteien , die sich hier und heute bei uns auftut um ein für alle mal der “Vergangenheit” abzuschwören und sich für die komplette Entfernung aller faschistischen Relikte einzusetzen , kommt so schnell nicht wieder.

Ich vermisse lauten Jubel und öffentliche statements, aber so aufgezogen, damits auch die Luisa und der Seppl sowie der Gianni und die Laura im hintersten Tal hören und sehen können : Ja , jetzt haben sich einmal endlich ein paar mutige Italiener ein Herz gefasst und haben eindeutig gesagt was Sache ist !!

http://www.youtube.com/watch?v=w1VMQBIFyZ4

AN ALLE WAHREN ANTIFASCHISTISCHEN ITAL. MITBÜRGER IN SÜDTIROL:

Nutzen Sie diese einmalige Chance JETZT , um den Südtirolern , aber auch ganz Italien und auch Europa und der Welt zu zeigen , dass es hier in Bozen AUCH wirkliche Antifaschisten gibt !

Senden Sie ein markantes Signal an Ihre Parteifreunde im ganzen Staat und helfen Sie mit, sich eindeutig und unmissverständlich von allen Arten der existierenden Faschismen ENDGÜLTIG zu verabschieden !

Organisieren Sie mit grossem Konzert eine grosse internationale Pressekonferenz, wo auch andere wichtige einflussreiche Parlamentarier aus Ihrem Freundeskreis teilnehmen werden und kündigen Sie diese mit einer “kompletten Neuorientierung” an !

Zeigen Sie JETZT Mut und Tapferkeit , und grenzen Sie sich ein für alle mal von allen kleinkarierten Modifikationen ab und verlangen Sie die unwiderrufliche “TOTALE ENTFERNUNG ALLER FASCHISTISCHEN RELIKTE” in Südtirol; In erster Linie aber des “Siegesdenkmals” !
Den Mitarbeitern der Finanzbehörde sollte man ja sowieso mal ein neues Gebäude und moderne Büroräume gönnen, also könnte man im bestehenden Gebäude (eventuell) ein kleines Museum machen.
Der derzeitige “Siegesplatz” sollte in einem zweiten Schritt umbenannt werden , zB :

“Piazza del futuro insieme – Platz der gemeinsamen Zukunft (+ Ladinisch )

Unterhalb wäre Platz für eine grosse Tiefgarage (notwendig) und die künstlerische Gestaltung dieses wichtigen Zukunftsortes wäre BALLASTFREI und frei gestaltbar;
(Eine Büste der Darstellung “Freiheit,Einigkeit, Brüderlichkeit” wäre eine von tausend Möglichkeiten, da können sich dann die Künstler austoben wie sie wollen)

NEHMEN SIE ENDLICH WIEDER SELBER DAS HEFT IN DIE HAND, überraschen Sie vor allem die deutschsprachigen Mitbürger und die SVP ! Überraschen Sie Italien und machen Sie den Menschen Mut, dass nur wirklich Neues die Dinge verändern können!
Überraschen Sie mit einem Paukenschlag unsere Nachbarn und ganz Europa !!
Sie werden sehen, Ihre klaren Worte werden gehört !!
Aber Ihr müsst es JETZT machen, denn wenn die politischen Karten neu gemischt werden, haben sich bereits andere vielleicht Gehör verschafft.

Ich möchte meinen Kindern einmal sagen können:
”Schaut her , gli unici (!) che avevano il coraggio e hanno combattuto per l´eliminazione del monumento della vittoria erano i “Signori……. !!”
Per mé –anzi per tutti sudtirolesi- sono eroi ! ”

http://www.stol.it/Artikel/Politik-im-Ueberblick/Lokal/Der-Appell-der-Historiker

Die Abnahme des [Piffrader-]Frieses aber würde nur seinen öffentlichen Wert steigern und es zum emotionalen Objekt erheben, anstatt Lerneffekte und Distanzierung zu ermöglichen.

Mal schauen, wie die italienischen Rechtsparteien, die sich jetzt so herzhaft kollegial mit Durnwalder geben, verhalten werden, wenn es dann wirklich um die museale Verurteilung der in den Denkmälern ausgedrückten Geisteshaltung geht. Hoffentlich degeneriert die geplante Musealisierung nicht in eine verkappte Konservierung der faschistischen Relikte (à  la Urzì: keine Gedenkstätte in der Krypta des sog. Siegesdenkmales, aus “Respekt vor den Gefallenen” [!]).

P.S.: Interessant auch, dass Aram Mattioli den Appell unterschrieben hat.

Zwei interessante Episoden, die ich dem heutigen Corriere dell’Alto Adige entnehme: Gestern wurde der Vertreibungen aus Istrien und Dalmatien und der Opfer der Karstschlünde (Foibe) gedacht (wann eigentlich wird der Verbrechen gedacht, die zu diesen Reaktionen geführt haben?).

1. An der offiziellen Gedenkveranstaltung hat Bozens BM Spagnolli gemeinsam mit dem Präsidenten der Vertriebenenverbände teilgenommen, einem gewissen Giovanni Ivan Benussi. Das ist derselbe, der vor wenigen Tagen öffentlich dem Faschismus gehuldigt hatte. Warum distanziert sich der BM nicht von solchen Leuten? Warum dulden die Vertriebenen einen erklärten Faschisten an ihrer Spitze?

2. Die Faschisten (Eigendefinition!) von Casa Pound haben zum selben Anlass eine Kundgebung organisiert. Daran teilgenommen haben neben Hausherr Andrea Bonazza nicht nur die Freunde von Unitalia, sondern auch kein geringerer als PDL-Fraktionsvorsitzender Paolo Bertolucci. Daran sollte man denken, wenn es darum geht, einen Landtagspräsidenten zu wählen oder neue Koalitionen in Land und Gemeinden einzugehen.

@pérvasion

Gestern wurde der Vertreibungen aus Istrien und Dalmatien und der Opfer der Karstschlünde (Foibe) gedacht (wann eigentlich wird der Verbrechen gedacht, die zu diesen Reaktionen geführt haben?).

An der Gedenkveranstaltung haben ja die FLI Leute besonders zahlreich teilgenommen. Mehr oder weniger im selben Atemzug mit den Vertreibungen in Istrien haben diese die faschistischen Denkmäler in Bozen verteidigt. Ist den Krawatten-Nationalisten vom FLI eigentlich auch nur ansatzweise bewusst welche Regimes in Europa hauptsächlich Vertreibungen verursacht haben?

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