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Einmal, immer?

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Sachsen-Anhalt ist blau eingefärbt, der Rest folgt demnächst

Sachsen-Anhalt hat gewählt. Fast die Hälfte der Bürger:innenschaft votierte blau. AfD. Diese neue Volkspartei steht ganz weit rechts, ist nicht rechtspopulistisch, sondern rechtsradikal. Und das ist erst der Anfang vom Ende der liberalen Bundespolitik.

Bei diesen Landtagswahlen waren mit dabei auf der Kandidatenliste ehemalige hohe DDR-Funktionäre. Eine ganze Riege linientreuer DDR-Spitzenleute, von inoffiziellen Mitarbeitern, die berüchtigten IM, Spitzeln, über hauptamtliche Stasi-Beamte sowie SED-Kader tummeln sich in der AfD. Nachvollziehbar die AfD-Sympathie für den russischen Kriegspräsidenten Wladimir Putin. Auch er ein Ehemaliger.

Diese neue Volkspartei befindet sich in der Hand von ausgewiesenen Rechtsradikalen plus altgedienten DDR-Schergen. Es war wohl kein Zufall, dass auf einer AfD-Wahlkundgebung in Dessau in Sachsen-Anhalt die DDR-Hymne gesungen wurde. Das war ein schnuckeliger teutscher Staat, völkisch rein. Das Fernziel der AfD für Deutschland. Halt in blau, nicht braun.

Fragt man Google, was die beiden Farben miteinander zu tun haben, »antwortet« die Suchmaschine folgendermaßen: »Die Mischung von Blau und Braun ergibt in der Regel einen dunklen, schlammigen Farbton, oft als Grau-Braun beschrieben.« Kurzum hässlich.

Die deutsche Wiedervereinigung, damals wetterte noch der amtierende SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine auf weiter Politflur allein dagegen, war ein grandioser Fehler. Das liberal-demokratische Westdeutschland vereinigte sich mit einem Land, in dem zwei Totalitarismen sich vermengten, vermählten. Die ostdeutsche Identität war — ist — ein toxischer Mix aus NS-Reminiszenz und DDR-Nostalgie.

Nicht von ungefähr versteht sich das BSW von der einstigen Linksradikalen Sahra Wagenknecht so gut mit der AfD. Eine Art Neuauflage der Allianz Ende der 1920er Jahre in der Weimarer Republik aus KPD und NSDAP. Eine Allianz, gerichtet ausschließlich gegen die Sozialdemokraten. Eine Allianz aus zwei Parteien, die sich demokratischen Wahlen stellten, aber nicht demokratisch waren. Das trifft auf die AfD zu, genauso auf das BSW.

Absurderweise werfen die ostdeutschen AfD-Wählenden der BRD vor, eine DDR 2.0 zu sein. Ein Fall geistiger Umnachtung. Die Aufgebrachten fühlen sich bevormundet, in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt und ausgebeutet. Schräg, seit der Wiedervereinigung pumpte Westdeutschland mehr als zwei Billionen Euro nach Ostdeutschland. Ausgebeutet?

Es mag viele Erklärungen geben, warum die rechtsradikale AfD auf Siegeskurs ist. Fehler der verschiedenen Regierungen in der Migrationspolitik, das Schönreden von Problemen, die die Migration verursacht, die geringen Löhne, die steigenden Preise, gleichzeitig cashen die Oligarchen unglaubliche Profite ab. Einige dieser Oligarchen, Nutznießer des Systems, sponsern die erklärte Anti-System-Partei AfD.

Möglicherweise befeuern Missstände den AfD-Erfolg. Es gibt dafür eine Wählerbasis. In der sozial-liberalen Hochzeit der späten 1970er und 1980er Jahre belegten Studien, dass ein Drittel der Deutschen antisemitisch eingestellt waren und sind. Trotz Dritten Reichs und Holocaust sowie Zweiten Weltkriegs. Die Enkel dieser Antisemiten wählen heute AfD. Einmal Nazi, immer Nazi?

Dies gilt für die FPÖ genauso, deren Vorläuferpartei von Nazis gegründet wurde. Heute tummeln sich in dieser blauen Partei jede Menge Rechtsradikale, Identitäre, »Arierknochen-Vermesser«, gewalttätige Frauenhasser und erklärte Demokratiefeinde.

FPÖ-Vorsitzender Herbert Kickl, immer im Dienste seiner Partei, gepäppelt mit öffentlichen Geldmitteln, kennt keinen bürgerlichen Beruf. Kickl lebt im System vom System, das er heftig bekämpft. Kickl und seine Partei sind Teil des Systems, in der Steiermark stellen sie mit der ÖVP die Landesregierung, in fünf anderen Bundesländern sind sie Partner der ÖVP.

Der selbsternannte Volks- und Friedenskanzler will ein anderes Österreich, eine Festung Österreich. Eine wohl bewusste Anleihe, die Nazis planten in der Endphase des Zweiten Weltkrieges Bayern und Österreich zur Alpenfestung auszubauen. Einmal Nazi, immer Nazi?

Und in Südtirol koaliert die SVP mit den neofaschistischen Fratelli, den blauen Enkeln von Mussolini. Stärkste Kraft italienweit mit fast 27 Prozent, der Knallhart-Faschist Roberto Vannacci — auch er blau eingefärbt — kommt laut Umfragen auf acht Prozent.

Die einstige Selbstbestimmungspartei, die Süd-Tiroler Freiheit, noch weiß rot, kopiert immer öfter und ungenierter die AfD. Wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis aus der Süd-Tiroler Freiheit die Alternative für Südtirol wird.

Wir stecken im brauen Sumpf, damit rechnete vehement der Landtagsabgeordnete Andreas Leiter Reber ab. Er kritisierte freimütig den Umgang mit dem Rechtsextremismus in Südtirol.

Jetzt werden sich jene melden, die darauf hinweisen, wir leben in einer Demokratie und Wählende haben immer Recht. Nur, die rechtsextremen Parteien sind gegen die Demokratie. Und warum darf man Wähler nicht beschimpfen, wenn sie antidemokratisch wählen?

Der ostdeutschen Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk brachte es folgendermaßen auf den Punkt. AfD wählen ist kein Protest. AfD-Wählende kreuzen Rechtsradikale an, die sie im Gemeinderat, im Landtag oder im Parlament vertreten sollen. Wählende der AfD, die zweite Variante, sind rechtsradikal.

Kowalczuk formulierte es so: »Wer Faschisten wählt, ist Faschist«. Dem ist nichts hinzuzufügen.


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Comentârs

20 responses to “Einmal, immer?”

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Dieser Analyse von Wolfgang Mayr kann man nur zustimmen. Ich habe bereits den Vorschlag gemacht, dass die Südtiroler Freiheit, wenn sie die Kontakte gewisser Parteimitglieder mit den Rechtsextremisten in Deutschland und Österreich nicht beendet, das Wort “Freiheit” aus dem Parteinamen streichen muss. Mayr stimmt mir da zu.

  2. Cicero avatar
    Cicero

    Da hat wohl jemand das Prinzip Demokratie (Mehrheitssystem) immer noch nicht verstanden.
    Denn eindeutiger geht es nicht mehr: 80 Prozent Wahlbeteiligung und über 44 Prozent für eine nicht verbotene Partei (worüber einzig und allein das Verfassungsgericht entscheidet) aber die Wähler sind “Faschisten weil sie Faschisten wählen “. Beleg dafür ist das Zitat eines gewissen Historikers Kowalczuk, der natürlich Recht hat?! Und das betrifft alle Altersgruppen und Schichten (laut Analyse).
    Also BBD sagt mal geht´s noch, solche Kommentare zu bringen, tiefer sinken wird nicht möglich sein. Die undemokratische Gesinnung so offen zur Schau zu stellen wäre mir jedenfalls zu…………naja lassen wir es, hilft ja eh nichts.

    1. Simon avatar

      Ich verweise hier mal auf diesen Beitrag.

      1. Cicero avatar
        Cicero

        Kritisieren kann man alles und jeden aber zwischen kritisieren und Wählerverunglimpfung (Faschisten wählen Faschisten) ist ein himmelweiter Unterschied, zumal es wie hier die Hälfte der Wähler betrifft.
        Und über die Gesinnung braucht man schon gar nicht zu richten, denn diese ist bekanntlich frei.
        Etwas anderes ist, inwiefern sich die Gesinnung in offiziellen Äußerungen und Parteiprogrammen niederschlägt.
        Und da baut das Verfassungsgericht vor indem es Belege für eine evtl. Verfassungsfeindlichkeit verlangt und eine Partei ggf. verbietet. Können keine ausreichenden Belege vorgelegt werden ist die Partei legal wählbar.
        Und da reichen einzelne einschlägige Äußerungen nicht aus (wenn z.B. einzelne Exponenten der Partei „Die Linke“ sich pro DDR System und Stasi – Methoden äußern, ist das noch kein Grund die gesamte Partei zu ächten und zu verbieten).
        Und alle Wähler können aus dem zugelassenen Parteienspektrum wählen und das Mehrheitsprinzip kommt zum Tragen, egal welche Gesinnung dahintersteckt, diese ist irrelevant weil nur das in die Tat umgesetzt wird was im überprüften und offiziell zugelassenen Parteiprogramm steht.
        Und wer noch nicht verstanden hat dass die Wähler diejenigen wählen die versprechen sich ihrer real existierenden Probleme anzunehmen und ihre Interessen wahrzunehmen, und nicht jene die ideologische Wolkenkuckusheime fern jeder Lebenswirklichkeit propagieren, dem ist nicht mehr zu raten.

    2. Wolfgang Mayr avatar
      Wolfgang Mayr

      Ja Cicero, fast die Hälfte der Wählenden in Sachsen-Anhalt hat AfD gewählt, eine rechtsradikale und antidemokratische Partei. An Wahlen teilnehmen sagt nichts über die demokratische Haltung dieser Partei aus. Auch der Opa der AfD, die NSDAP, stellte sich den Parlamentswahlen und erhielt bei den letzten freien Wahlen 37 Prozent. Und wo ging die Reise hin? Cicero ärgert sich über den “gewissen” Historiker, weil er unverblümt feststellt, dass Faschisten Faschisten wählen. Wer denn sonst? Nein Cicero, es hilft nichts, mir undemokratische Gesinnung vorzuwerfen. Richten Sie diesen Vorwurf an die Rechtsradikalen.

      1. Cicero avatar
        Cicero

        Zitat gegen Zitat:
        „Wer heutzutage in einer politischen Debatte den Begriff „Nazi“ (Faschist) gegen wen auch immer ins Feld führt, der ist aus ethischer Sicht ein Lump, aus historischer Sicht ein Verharmloser und aus intellektueller Sicht ein Lump“.
        (Michael Klonowsky).

      2. Harald Knoflach avatar
        Harald Knoflach

        @Cicero
        Im Falle von CasaPound, zu denen AfD-Mann Hohm beispielsweise enge Verbindungen pflegt, ist “Faschist” keine externe Zuschreibung. Die nennen sich selbst offen so.
        Auch der AfD-Pressesprecher im Bundestag, Christian Lüth, bezeichnete sich selbst als Faschist. Er wurde dann aber aus der AfD ausgeschlossen.

      3. Cicero avatar
        Cicero

        @Harald Knoflach
        Hier ging es aber um die Wähler der AFD und nicht um Casa pound, die meines Wissens keine wählbare Partei ist und über evtl. Kontaktschuld weiß wahrscheinlich niemand etwas Genaueres und ist hier auch nicht Thema.
        Wie gesagt es geht niemals um einzelne Parteimitglieder , da findet man bei jeder Partei etwas Anrüchiges wenn man will ( man denke an ein SPD Mitglied oder gar Funktionär der ein Hakenkreuz auf einen Stimmzettel gemalt und es zugegeben hat ……oder die Grünen die Reiche zu erschießen vorschlugen..oder die ACAP Shirts im Bundestag trugen und andere Äußerungen ) . Die Vorfälle die zu berichten wären sind endlos.
        Nein es geht einzig und allein darum ob die Gesamtpartei bzw. deren Programm vom Verfassungsgerichtshof als wählbar eingestuft wird.
        Zu den einzelnen Kandidaten kann sich jeder Wähler selbst ein Bild machen.
        Habe übrigens das obige Zitat falsch zitiert, also nochmals:
        „ Wer heutzutage in einer politischen Debatte den Begriff „Nazi“ gegen wen auch immer ins Feld führt , der ist aus ethischer Sicht ein Lump, aus historischer Sicht ein Verharmloser und aus intellektueller Sicht eine Null.
        ( Michael Klonowsky).
        Zu den Taten der Nazis muss man erst einmal fähig sein.
        Vielleicht gibt es welche die das sind, aber sicher nicht in den Reihen der Kandidaten von wählbaren Parteien.
        Und es geht wie gesagt darum die Wähler mit ihren Problemen abzuholen.
        Ideologisch motiviertes bashing ( die Hälfte der Wähler in Sachsen Anhalt sind Faschisten ?!) ist da gänzlich kontraproduktiv. Soviel wird man wohl gesehen haben.
        Und Demokrat sollte man halt bleiben, auch wenn einem das Wahlergebnis gegen den Strich geht.

  3. Martin Brugger avatar
    Martin Brugger

    Wer die AFD als Partei “dämonisiert”, wird das genaue Gegenteil dessen erreichen, nämlich die von Wahl zu Wahl progressiv ansteigende Stärkung dieser Partei. Warum? Weil die, von den etablierten Parteien enttäuschten Bürger die Dämonisierung als hysterische Angst vor der AFD deuten und das beflügelt sie darin, die sich abzeichnende politische Wende mit noch mehr Intensität herbeizuführen um ihrer bisherigen Ohnmacht und ihrem bisherigen Nicht-Gehörtwerden Ausdruck zu verleihen. Wer dämonisert und Angst sät, wird einen Sturm des “Jetzt erst recht” ernten. Mit Sachsen-Anhalt ist erst die erste Bastion gefallen. Ich habe in meinen bisherigen Beiträgen aufgezeigt, wie man populistische Ausdrücke und Populismusrhetorik an den Mann bzw. an die Frau bringt und wie sie von Vertretern der Medien und der Politik aufgesogen und in ihre Stellungnahmen übernommen werden.

  4. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Eine “demokratische” Mehrheitsentscheidung muss man akzeptieren, ganz gleich, ob sie einem passt oder nicht. Man darf und muss aber auch Mehrheitsentscheidungen kritisieren, vor allem wenn man eine etwas komplexere Vorstellung von Demokratie hat. Demokratie nur auf das Mehrheitsprinzip zu reduzieren, ist zu wenig. Nach dem Verständnis vieler Demokraten gehören zur Demokratie auch Menschenrechte und – für uns Südtiroler ganz besonders wichtig – Minderheitenrechte. Wenn diese Rechte in Gefahr sind, dann ist auch die Demokratie in Gefahr. Jeder Demokrat ist verpflichtet, vor solchen Gefahren zu warnen.

    1. Harald Knoflach avatar
      Harald Knoflach

      @Hartmuth Staffler
      100% einverstanden.

  5. Wolfgang Mayr avatar
    Wolfgang Mayr

    Eine interessante Diskussion. Nur einige Überlegungen zur Kritik. Ich habe die AfD nicht dämonisiert. Der Verfassungsschutz stuft die AfD als rechtsradikal oder rechtsextrem ein. Man höre sich die Aussagen der AfD-Spitzenleute an. NS-verseucht. Die AfD sät Hass und dämonisiert die “Alt-Parteien”. Die AfD erntet den Sturm, genau. Cicero zitiert (warum wundert mich das gar nicht) den Schriftsteller Klonovsky. Der betitelte jene, die die AfD und ihre weite Kameradschaft als Nazi bezeichnen, als Lumpen. Klonovsky war Berater der ehemaligen AfD-Vorsitzende Petry. Da gibt es eine historische Kontinuität. Der Vorsitzende des “Volksgerichtshofes”, Roland Freisler, beschimpfte der Anklagte des NS-Regimes Lumpen. Nur weil die AfD sich an demokratischen Wahlen beteiligt, ist sie nicht demokratisch. Auch wenn die Hälfte der Bevölkerung sie wählt. In einer Demokratie darf ich – es lebe die Meinungsfreiheit, noch – auch die Wählenden beschimpfen. Ich muss da nicht Cicero um Erlaubnis fragen.

    1. Cicero avatar
      Cicero

      Natürlich dürfen Sie (im Sinne der Meinungsfreiheit) auch die Wähler beschimpfen (Wählende werden es nicht sein, oder sind sie immer noch beim Wählen? Siehe Partizip Präsens :Laufende Handlung).
      Aber im Sinne derselben Meinungsfreiheit kann man Sie dann nicht mehr als demokratisch gesinnten Menschen bezeichnen, der eine Wählervotum wie in einer Demokratie üblich akzeptiert sondern Wähler beschimpft die nicht so wählen wie man es sich selbst gewünscht hätte.
      Und sie dürfen die AFD auch als nichtdemokratische Partei bezeichnen , keine Frage.
      Nur ist das dann Ihre persönliche Meinung , denn was eine demokratische Partei objektiv ausmacht ist deren Wählbarkeit, die nur der Bundesverfassungsgerichtshof aussetzen kann.
      Da hilft es auch nicht ständig den Verfassungsschutz zu zitieren, der (weisungsgebunden) über seine subjektive Meinung auch nie hinausgekommen ist um einen evtl. Antrag vor dem Bundesverfassungsgericht zwecks Parteiausschluss ordentlich zu belegen, sodass es eben nie zu einem Verfahren gekommen ist.
      Also eine demokratische Partei kann man sehr wohl definieren (aber nichtsdestotrotz die Einstufung ignorieren oder ablehnen und sie trotzdem als nichtdemokratisch bezeichnen). Das spricht Ihnen niemand ab.
      Aber die Wähler sind eben der Souverän dem die eigene Lebensrealität näher ist als bestimmte ideologische Zuschreibungen. Sie orientieren sich völlig nachvollziehbar am Problemlösungsangebot der Parteien die legal zur Auswahl stehen und wählen die aus, die Lösungen in ihrem Sinn anbieten. Wieso man sie dafür beschimpfen sollte, das ist logisch nicht nachvollziehbar.

      1. Hartmuth Staffler avatar
        Hartmuth Staffler

        Sie scheinen nicht zu verstehen, dass eine berechtigte Kritik keine Beschimpfung ist. Ohne Kritik kann es gar keine Demokratie geben.

      2. Harald Knoflach avatar
        Harald Knoflach

        @cicero

        Ideologisch motiviertes bashing ( die Hälfte der Wähler in Sachsen Anhalt sind Faschisten ?!) ist da gänzlich kontraproduktiv.

        Da hast du wahrscheinlich recht, dass es dem Ziel, die AfD nicht weiter zu stärken, nicht förderlich ist. Darüber werde ich vielleicht auch noch etwas schreiben.

        Dennoch finde ich, dass du das mit Demokratie und Meinungsfreiheit nicht ganz richtig siehst.
        Kaum jemand zweifelt das Wahlergebnis an (wie es Trump, Bolsonaro und Co. so gerne tun – wie auch die AfD ständig Zweifel an der Legitimität des demokratischen Prozesses schürt – Stichwort Briefwahl) – denn das wäre – sollte es keine Belege für Unregelmäßigkeiten geben – undemokratisch.
        Die AfD in freier Meinungsäußerung als undemokratisch zu bezeichnen ist hingegen nicht undemokratisch. Auch nicht, wenn man die Wählerinnen als was weiß ich benennt.

        Sie orientieren sich völlig nachvollziehbar am Problemlösungsangebot der Parteien die legal zur Auswahl stehen und wählen die aus, die Lösungen in ihrem Sinn anbieten.

        Das ist gerade bei rechtspopulistischen Parteien schon lange nicht mehr so. Da spielen ganz andere Mechanismen eine Rolle. Die meisten Wahlprogramme dieser Parteien gereichen deren Wählerinnen zum Nachteil. Klingt paradox. Ist aber so. Weil es eben kaum mehr um Sachinhalte, sondern um algorithmusgetriebene Emotionen geht.

      3. Cicero avatar
        Cicero

        Die Wähler in ihrer freien Meinungsäußerung als undemokratisch zu bezeichnen ist zwar im Sinne der Meinungsfreiheit legitim, ist aber trotzdem undemokratisch, WEIL und das ist der springende Punkt, sich die AFD im Kreis des legitimen Parteienspektrums genauso einreiht wie alle anderen Parteien die antreten auch.
        Also kann man die freie Meinungsäußerung der Wähler aller anderen Parteien ggf. als ebenso undemokratisch bezeichnen, was aber hier wie da auf ein Demokratiedefizit hinweist.
        Denn man kann grundsätzlich alles kritisieren, aber nicht die Wahlentscheidung der Wähler. Diese kann man mit Verwunderung oder mit Unverständnis zur Kenntnis nehmen, aber nicht bashen (runtermachen).
        Denn der Wähler macht was er in einer Demokratie machen soll: Er betrachtet die Auswahl an Parteien die zur Wahl stehen und trifft eine Entscheidung. Nachdem das Formalprinzip des demokratischen Wahlsystems das Mehrheitsprinzip ist, ist das Ergebnis die logische Konsequenz, die dann umgesetzt wird. Wenn nicht, trifft der Wähler halt das nächste Mal wieder eine Entscheidung.
        Wenn man aber diese Entscheidung niedermacht, dann stellt man das gesamte Prinzip in Frage, denn was soll der Wähler machen? Soll er das wählen was bestimmten Leuten in das Konzept passt (evtl. jenen die bisher an den Schalthebeln waren oder den gesellschaftlichen Ton angegeben haben) und wenn nicht gibt´s Haue, oder was ?
        Das Prinzip lebt von der Veränderung und der Wähler ist der Souverän, der die Entscheidung (im Rahmen der legitimen Auswahlmöglichkeit) trifft.
        Wenn jemand mit diesem Konzept nicht zurechtkommt, was man wie gesagt analysieren , sich darüber wundern ….usw. aber nicht vom Kopf auf die Füße stellen kann, dann muss man sich gesellschaftlich für ein anderes Prinzip stark machen.
        Denn wie gesagt, was hat der Wähler falsch gemacht, wenn er diejenigen wählt von denen er glaubt, dass sie seine Interessen am besten vertreten ? Er wird sich doch nicht selbst so feindlich gesinnt sein, indem er das Gegenteil wählt , völlig absurd.
        Und ob dem Wähler (gerade der rechtspopulistischen Parteien, bei den linkspopulistischen ist es natürlich anders!?) die Wahlprogramme zum Nachteil gereichen oder nicht, das wird er schon merken (und hat es anscheinend gemerkt :-) und dann kann er sich in demokratischer Form wieder anders entscheiden. Und wenn er es nicht merkt, kann er sich trotzdem nach seiner Facon entscheiden, denn jeder ist berechtigt dazu.
        Und die Lebenswirklichkeit der die Wähler täglich ausgesetzt sind, ist eben real und nicht bloß “algorithmusgetriebene Emotion”. Denn da frag mal jene Leistungsträger die täglich ihre Betriebe am Laufen halten müssen, denen ständig Prügel in den Wege gelegt werden, die ein Risiko tragen und für Mitarbeiter verantwortlich sind und die immer weniger Netto vom Brutto haben weil ständig steigende Steuern bereitgestellt von immer weniger Leistungsträgern zur Umverteilung für immer mehr Empfänger generiert werden müssen und ein übermäßig aufgebauschter Bürokratie-und Beamtenstaat immer weniger Freiraum für freies Wirtschaften ermöglicht, sodass viele das Handtuch werfen sich eine zunehmende Deindustrialisierung europaweit zugunsten anderer Standorte abzeichnet usw.
        Und die Mutter aller Kritikpunkte ist die illegale Migration, die man zugunsten der legalen nicht in den Griff bekommt. Denn Menschen in Parallelgesellschaften, die unsere Verfassungsrechte einfach ignorieren, während man selbst für jede Kleinigkeit bestraft wird, dazu noch die vielen Straftaten bis hin zu Mord und Totschlag, Messerstechereien und Gruppenvergewaltigungen vielfach begangen von Ausreisepflichtigen das stößt vielen sauer auf……….und so geht es weiter. Dass Parteien die ein “Weiter so” propagieren da nicht mehr punkten ist wohl klar.
        Zudem hat einfach eine Mehrheit ein konservatives von Traditionen und Bewährtem geprägtes Gesellschaftsbild. Dieses finden diese Menschen bei den sog. Altparteien einfach nicht mehr und suchen sich eine neue politische Heimat.
        Dies alles als algorithmusgetriebene Emotion abzutun, tut mir leid, das kann man machen wenn man im Elfenbeinturm wohnt.

      4. Simon avatar

        Die Wähler in ihrer freien Meinungsäußerung als undemokratisch zu bezeichnen

        Die Wählerinnen hat niemand als undemokratisch bezeichnet.

        WEIL und das ist der springende Punkt, sich die AFD im Kreis des legitimen Parteienspektrums genauso einreiht wie alle anderen Parteien die antreten auch.

        Das »legitime Parteienspektrum« sagt nichts darüber aus, ob die expliziten (insbesondere im Parteiprogramm dargelegten) oder die impliziten (z.B. von ihrem Gebaren abzuleitenden) Ziele einer Partei demokratisch sind.

        Denn man kann grundsätzlich alles kritisieren, aber nicht die Wahlentscheidung der Wähler.

        Doch, natürlich darf man das. In einer Demokratie ist das, wie schon geschrieben wurde, ein ganz fundamentales Recht.

        Denn der Wähler macht was er in einer Demokratie machen soll: Er betrachtet die Auswahl an Parteien die zur Wahl stehen und trifft eine Entscheidung.

        Ganz genau, und sie/er kann sich eben auch für eine Partei entscheiden, die un- oder antidemokratisch ist.

        Soll er das wählen was bestimmten Leuten in das Konzept passt (evtl. jenen die bisher an den Schalthebeln waren oder den gesellschaftlichen Ton angegeben haben) und wenn nicht gibt´s Haue, oder was ?

        Es geht hier nicht darum, was bestimmten Leuten ins Konzept passt, es geht darum, ob eine Partei demokratisch ist oder ob sie es nicht ist. Von »Haue«, was auch immer damit gemeint sein soll, war nie die Rede.

        Das Prinzip lebt von der Veränderung und der Wähler ist der Souverän, der die Entscheidung (im Rahmen der legitimen Auswahlmöglichkeit) trifft.

        Dem hat niemand wiedersprochen. Du vermischst hier ganz bewusst die Ebenen.

        Du schreibst zudem gebetsmühlenartig, dass die Partei nicht vom Verfassungsgericht verboten wurde. Dazu ist zu sagen, dass ja gar kein Verbotsverfahren angestrengt wurde, weshalb die Tatsache, dass die Partei nicht verboten wurde, nichts über ihre demokratische Gesinnung aussagt.

        Warum (bislang) nicht versucht wurde, die AfD verbieten zu lassen, kann unterschiedliche Gründe haben und muss auch nicht bedeuten, dass nicht genügend Beweise und Indizien vorliegen, dass die Partei undemokratisch sei. Man kann sich zum Beispiel auch aufgrund von strategischen bzw. taktischen oder aufgrund von demokratiepolitischen Überlegungen gegen ein solches Verfahren entscheiden.

        Nicht zuletzt sagt selbst das Scheitern eines allfälligen Verbotsverfahrens nicht unbedingt etwas über die demokratische Gesinnung einer Partei aus. Das NPD-Verbotsverfahren ist meines Wissens unter anderem daran gescheitert, dass die Partei zu klein war, um ernsthaft die demokratische Grundordnung zu gefährden und dass die Rolle der V-Männer und -Frauen unklar war. Das heißt aber noch lange nicht, dass die NPD eine nicht verfassungsfeindlich gesinnte, pro-demokratische Partei gewesen wäre.

      5. Cicero avatar
        Cicero

        @Simon
        Ich vermische keine Ebenen, sondern meine Argumentationslinie ist klar.
        Alle Parteien die antreten sind DEMOKRATISCH wählbar, ob sie “wirklich” demokratisch sind, also deren wirkliche Gesinnung steht nicht zur Debatte. Allfällige Äußerungen die getroffen werden können von den Wählern interpretiert werden und zwar unterschiedlich. Ob also eine Partei “demokratisch” ist oder nicht entscheidet der Wähler subjektiv oder eben ein Gericht objektiv.
        Jetzt herzugehen und die Wähler der AFD zu bashen weil sie ihre Wahlentscheidung nach ihren persönlichen Lebensumständen, nach den Aussagen bestimmter Kandidaten, nach dem Parteiprogramm oder vielleicht nach Sympathie oder nach dem Aussehen einzelner Kandidaten treffen, ist keine redliche Kritik sondern die Entscheidung ist gänzlich denen zu überlassen und niemand hat das Recht dies in Frage zu stellen, bzw. den Wähler zur Rede zu stellen warum er dies oder jenes gewählt hat usw. das ist es was undemokratisch ist. Die Wahlentscheidung kritisieren kann man nur, wenn man von den eigenen persönlichen Anschauungen und Interpretationen ausgeht, sie den persönlichen Interpretationen und Ansichten anderer Wähler gegenüberstellt und diese ggf. als nicht nachvollziehbar, aber nicht als minderwertig werten darf. Kritik darf sein aber nicht indem man den eigenen Standpunkt als höherwertiger bezeichnet als den anderer Wähler. Das ist der springende Punkt. Die Entscheidung wird aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus getroffen, da gibt es kein besser oder minderwertiger und deshalb auch kein demokratisch oder nicht demokratisch.
        Demokratisch kann nur ein ein Vorgang sein, nicht der Inhalt bzw. die Gesinnung die anzuführen du nicht müde wirst. Parteiprogramme und Äußerungen können den demokratischen Verfassungsrichtlinien widersprechen, dann werden sie aber offiziell verboten.
        Und wenn jemandem eine Äußerung nicht gefällt dann ist nicht die Äußerung undemokratisch (wie gesagt ggf. verfassungsfeindlich oder strafbar, dann aber verboten) sondern höchsten die Art und Weise wie man damit umgeht, wenn man nämlich andere für ihre Wahlentscheidung niedermacht, betitelt, diese als nicht legitim oder minderwertig bezeichnet.
        Denn eines ist klar: Der Wähler wählt was er will aufgrund von Kriterien, die er selbst für richtig und angemessen hält und das hat niemanden anders zu kümmern, die Wahl wird ausgewertet und das Ergebnis umgesetzt . Das normalste auf der Welt und das Wesen der Demokratie.
        Denn nochmals: Der Vorgang selbst ist demokratisch oder nicht und nicht der Inhalt von Programmen oder Äußerungen……solange sie nicht STRAFBAR oder VERBOTEN sind, sind sie Interpretationssache.
        Und genau der undemokratische Vorgang bzw. Umgang mit den Wählern ist ein Offenbarungseid an Demokratieverständnis , wie man sieht und vor allem wie dies vehement verteidigt wird.

      6. Simon avatar

        Ich vermische keine Ebenen, sondern meine Argumentationslinie ist klar.
        Alle Parteien die antreten sind DEMOKRATISCH wählbar, ob sie “wirklich” demokratisch sind, also deren wirkliche Gesinnung steht nicht zur Debatte.

        Doch natürlich geht es darum, ob die AfD demokratisch gesinnt ist — das ist sogar das einzige, worum es geht. Dass sie demokratisch wählbar war, ist ein unumstößlicher Fakt.

        Allfällige Äußerungen die getroffen werden können von den Wählern interpretiert werden und zwar unterschiedlich. Ob also eine Partei “demokratisch” ist oder nicht entscheidet der Wähler subjektiv oder eben ein Gericht objektiv.

        Dass die AfD in Teilen rechtsextrem ist, wurde gerichtlich bestätigt. Auch wenn bislang kein Parteiverbotsverfahren initiiert wurde.

        Jetzt herzugehen und die Wähler der AFD zu bashen weil sie ihre Wahlentscheidung nach ihren persönlichen Lebensumständen, nach den Aussagen bestimmter Kandidaten, nach dem Parteiprogramm oder vielleicht nach Sympathie oder nach dem Aussehen einzelner Kandidaten treffen, ist keine redliche Kritik sondern die Entscheidung ist gänzlich denen zu überlassen und niemand hat das Recht dies in Frage zu stellen, bzw. den Wähler zur Rede zu stellen warum er dies oder jenes gewählt hat usw. das ist es was undemokratisch ist.

        Du hast eine sehr sonderbare Auffassung von Demokratie und auch von Meinungsfreiheit.

        Die Wahlentscheidung kritisieren kann man nur, wenn man von den eigenen persönlichen Anschauungen und Interpretationen ausgeht, sie den persönlichen Interpretationen und Ansichten anderer Wähler gegenüberstellt und diese ggf. als nicht nachvollziehbar, aber nicht als minderwertig werten darf. Kritik darf sein aber nicht indem man den eigenen Standpunkt als höherwertiger bezeichnet als den anderer Wähler. Das ist der springende Punkt. Die Entscheidung wird aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus getroffen, da gibt es kein besser oder minderwertiger und deshalb auch kein demokratisch oder nicht demokratisch.

        Wer eine verfassungsfeindlich gesinnte bzw. rechtsextreme Partei wählt, trifft eine demokratische Wahl gegen die Demokratie. Natürlich darf man dies kritisieren und als undemokratisch bezeichnen.

        Demokratisch kann nur ein ein Vorgang sein, nicht der Inhalt bzw. die Gesinnung die anzuführen du nicht müde wirst. Parteiprogramme und Äußerungen können den demokratischen Verfassungsrichtlinien widersprechen, dann werden sie aber offiziell verboten.

        Nein, sie können dann unter Umständen verboten werden, aber da gibt es keinen Automatismus.

        Und wenn jemandem eine Äußerung nicht gefällt dann ist nicht die Äußerung undemokratisch (wie gesagt ggf. verfassungsfeindlich oder strafbar, dann aber verboten) sondern höchsten die Art und Weise wie man damit umgeht, wenn man nämlich andere für ihre Wahlentscheidung niedermacht, betitelt, diese als nicht legitim oder minderwertig bezeichnet.

        Es geht nicht darum, ob mir eine Äußerung gefällt oder nicht. Mir gefallen viele Äußerungen nicht, doch solange sie nicht verfassungsfeindlich bzw. nicht gegen die demokratische Grundordnung gerichtet sind, werde ich sie mit Sicherheit nicht als undemokratisch/demokratiefeindlich bezeichnen. Aber selbst völlig legitime Meinungen darf man selbstverständlich kritiseren, auch scharf.

        Denn eines ist klar: Der Wähler wählt was er will aufgrund von Kriterien, die er selbst für richtig und angemessen hält und das hat niemanden anders zu kümmern, die Wahl wird ausgewertet und das Ergebnis umgesetzt . Das normalste auf der Welt und das Wesen der Demokratie.

        Das Ergebnis und dessen Folgen haben kollektive Auswirkungen, natürlich geht das alle etwas an. Das ist so, wenn eine völlig unbedenkliche Partei gewählt wird und das ist auch dann so, wenn eine ganz oder in Teilen extremistische Partei gewinnt. Was soll diese Weinerlichkeit?

        Denn nochmals: Der Vorgang selbst ist demokratisch oder nicht und nicht der Inhalt von Programmen oder Äußerungen……solange sie nicht STRAFBAR oder VERBOTEN sind, sind sie Interpretationssache.
        Und genau der undemokratische Vorgang bzw. Umgang mit den Wählern ist ein Offenbarungseid an Demokratieverständnis , wie man sieht und vor allem wie dies vehement verteidigt wird.

        Am Vorgang hat meines Wissens niemand etwas auszusetzen bzw. am ehesten noch die AfD selbst, die nun in Zusammenhang mit der Briefwahl von Manipulation spricht. Noch einmal, es geht um die Gesinnung dieser Partei bzw. eines erheblichen Teils ihrer Vertreterinnen.

      7. Simon avatar

        Noch ein Kommentar dazu, weil ich gerade darauf gestoßen bin:

        Natürlich dürfen Sie (im Sinne der Meinungsfreiheit) auch die Wähler beschimpfen (Wählende werden es nicht sein, oder sind sie immer noch beim Wählen? Siehe Partizip Präsens :Laufende Handlung).

        In Bezug auf »Studierende« (aber u.a. auch »Stillende«, »Fahrradfahrende«, »Autofahrende« etc.) schreibt die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.:

        Die Meinung, Studentinnen und Studenten könnten nur als Studierende bezeichnet werden, wenn sie nichts anderes täten als durchgehend zu studieren oder exakt in dem Moment, in dem sie der Tätigkeit des Studierens nachgehen, stützt sich auf nur eine von mehreren Verwendungsmöglichkeiten des Partizips I – auf den aktivischen Gebrauch. Die Bezeichnung die Studierenden ist jedoch weder ungrammatisch noch falsch verwendet, vielmehr gibt es neben der aktivischen, attributiven Verwendung des Partizips I weitere Kontexte, in denen diese grammatische Form auftritt: die Vorsitzenden, die Reisenden, die Anwesenden oder auch die Stillenden. Sie beschreiben entweder im Moment stattfindende oder gewöhnliche, wiederkehrende Handlungen (Anatol Stefanowitsch, Genderkampf, Berlin 2017).

        Somit bezeichnet auch das substantivierte Partizip I Studierende eine Gruppe von Menschen, die gewöhnlich und über einen längeren Zeitraum gesehen regelmäßig studieren, nicht ausschließlich diejenigen, die im Augenblick, wenn von ihnen gesprochen wird, etwa in Vorlesungsräumen sitzen und Texte analysieren – ebenso wie Autofahrende nicht im Augenblick der Sprechsituation Auto fahren und Fahrradfahrende nicht in diesem Moment Fahrrad fahren müssen, sondern sie alle den jeweiligen Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig und/oder wiederkehrend nachgehen können.

        Wir empfehlen daher den Gebrauch des Ausdrucks der/die Studierende, die Studierenden alternativ zu der Student/die Studentin, die Studenten und Studentinnen und haben dabei nicht die Erwartungshaltung, dass die so Bezeichneten ohne Unterlass studieren: So sind sie dann nicht nur Studierende, sondern zeitweise wohl auch Schlafende, Essende oder Feiernde.

        – GfdS (Auszug)

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