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Weg mit Perini – Gerücht oder Tatsache?

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In der Gewerkschaftswelt ist es ein offenes Geheimnis. Die Landesregierung, genauer, Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) und seine Landesrätin Magdalena Amhof (SVP), möchten den amtierenden Direktor des Arbeitsförderungsinstituts AFI loswerden. Nur ein Gerücht?

Nicht ganz, die vier Gewerkschaften haben um eine Aussprache mit Kompatscher und Amhof gebeten. Zufall? Die Landesregierung plant nämlich eine »Reorganisation« des AFI. Es soll zwei Modelle dafür geben, Integration in die Landesverwaltung oder aber eine Stiftung. Warum ist diese Reorganisation notwendig?

Ist sie »notwendig«, weil damit der amtierende Direktor Stefan Perini auswagoniert werden kann? Vor kurzem wurde sein Führungsauftrag verlängert, bis 2030. Laut ASGB-Vorsitzenden Tony Tschenett erhielt Perini als Führungskraft immer beste »Zeugnisse«. Ihn einfach abzusetzen, wäre angesichts seiner »Benotungen« als Direktor kaum zu vermitteln.

Wollen Kompatscher und Amhof Direktor Perini »sein« Institut nehmen, indem es reorganisiert wird? Die vier Gewerkschaften sollen von den Reorganisationsplänen nichts halten. Stehen sie also hinter dem AFI-Direktor?

Perini stört

Perini nervt mit seinen Studien, beispielsweise über den doch spürbaren Kaufkraftverlust der Arbeitnehmer:innen, über das Billiglohnland reiches Südtirol oder über die steigende Armut im properen Land. Die AFI-Studien widersprechen dem Märchen Südtirol Wohlstandsland. Und Widerspruch verträgt der Landeshauptmann gar nicht.

Kürzlich lud die Wochenzeitschrift ff Perini zu einem Gespräch mit Landeshauptmann Kompatscher ein. Anlass dafür, in einem Rai-Südtirol-Gespräch soll Kompatscher gesagt haben, in seiner Amtszeit sei die Schere zwischen reichen und armen Südtiroler:innen kleiner geworden. Im ff-Gespräch dementierte der LH diese Aussage, er habe hingegen betont, dass die Ungleichheit bei den Einkommen sich verbessert habe. Um beim Bild der Schere zu bleiben, sie wurde kleiner.

Perini bestätigte, dass es bei den Individualeinkommen tatsächlich keine Verschlechterung gab. Er wies aber darauf hin, dass Daten über die Verteilung der Haushaltseinkommen aussagekräftiger wären. Aber seit 2018 gibt es keine solche Daten. War das schon zu viel Widerspruch, unbotmäßiges Verhalten?

Perini wagte es dann auch noch, für den Landtag zu kandidieren. Einmal für die Grünen, dann 2023 für das Team K. In Klausen vertritt Perini die Bürgerliste Frischluft – Aria fresca im Gemeinderat. Einfach unerhört, dass der AFI-Direktor in die Politik wollte.

Heiss für Perini

Beim »Grantler-Treffen« in der Brixner Dekadenz sprach Hans Heiss das Perini-Gerücht an. Er zeigte sich verwundert über mögliche Gedankenspiele, ihn loszuwerden. Laut Heiss trägt Perini und sein AFI dazu bei, ein realistischeres Bild von Südtirol zu zeichnen. Es mag zwar proper sein, manche verdienen wie Oligarchen, aber ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung tut sich schwer, mit dem Einkommen ein Auskommen zu haben.

Heiss würdigte die Arbeit von Perini als unersetzlich. Sollte er wirklich abserviert werden, geht Heiss von einem heftigen Widerstand dagegen aus. Er kann sich nicht vorstellen, dass die beiden Gremien Verwaltungs- und Aufsichtsrat des AFI sein Kaltstellen achselzuckend hinnehmen werden.

Konflikte zwischen Verwaltung und Beamt:innen

Konflikte zwischen Landesregierung und engagierten Beamt:innen gab es immer. Zu diesen zählten der – inzwischen verstorbene – unbotmäßige Ingenieur-Biologe Florian Florineth, der ehemalige Direktor des Landesamtes für Luft und Lärm, Norbert Lantscher oder auch Ex-Generaldirektor der Landesverwaltung, Hans-Peter Staffler. Staffler geriet wegen seines Widerstandes gegen das neuen Führungskräftegesetz – sein Vorwurf, damit werde die Landesverwaltung verpolitisiert – in Konflikt mit Generalsekretär Eros Magnago und dem Landeshauptmann. Vor einem Jahr schob Landesrat Peter Brunner (SVP) die Direktorin der Landesabteilung für Natur, Landschaft und Raumentwicklung, Virna Bussadori ab. Die Städteplanerin wurde »hinweggelobt« in die Vermögensabteilung. Eine sinnvolle Personalpolitik?

Noch ein anderes Beispiel. Letzthin gab Gabriele Morandell ihren Job als Generalsekretärin der Region auf. Auf Wunsch des Landeshauptmannes. Der wiederum setzte eine Forderung seines Vize Marco Galateo von den Fratelli d’Italia um. Dieser warf Morandell vor, politisch aktiv zu sein. Morandell ist Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP. Galateo sprach von einer »Inkompatibilität«, von einer Unvereinbarkeit. Sie darf als hohe öffentliche Beamte nicht politisch aktiv sein. Der Grund wird wohl sein, dass Morandell Galateo und seine Politik kritisiert hatte. Das geht gar nicht in einem Land, in dem eine rechtsrechte Koalition regiert.

Lange »Rede«, kurzer Sinn, zurück zu Stefan Perini. Schon 2023 soll versucht worden sein, Perini loszuwerden. Kaltzustellen, kommentiert einer, der damals Perini verteidigt hatte. Nach seiner Wiederbestätigung wird es schwer sein, Perini einfach abzuservieren. Deshalb die Planspiele der Reorganisation. Begründung, das AFI stärken. Wer das glaubt, wird selig. Diese Spiele haben nichts mit dem AFI zu tun, kommentiert ASGB-Vorsitzender Tony Tschenett die angeblichen Reformpläne, sondern mit Stefan Perini. Es wird sich bald herausstellen, ob das Ganze nur ein Gerücht ist.


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