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Zweisprachige Polizei?

Wie Südtirol Online (Stol) berichtet, wehrt sich das Bozner Polizeipräsidium gegen die Anschuldigung, die gesetzlich vorgeschriebene Zweisprachigkeit des Diensts sei nicht garantiert — was das Nachrichtenportal unhinterfragt wiedergibt:

Die Ämter der Polizei, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, sind zweisprachig.

Die Erhebungen des Astat-Sprachbarometers (2004) ergeben jedoch ein völlig anderes Bild:

Verweigerte Muttersprache.

Eigentlich hätte ein derartiges Ergebnis, wonach ein erheblicher Teil der deutschsprachigen Südtiroler ihre Muttersprache nicht mit Carabinieri und Gemeindepolizei sowie mit Polizei und Finanzwache verwenden konnten, einen Aufschrei und massive Gegenmaßnahmen auslösen müssen. Übrigens schnitt der Gesundheitsbetrieb des Landes auch nicht viel besser ab, was erstaunt und beschämt.

Es mag natürlich sein, dass sich die Situation bei der Polizei seit Veröffentlichung des Sprachbarometers drastisch verbessert hat, doch dazu hätte es vermutlich eines erheblichen Engagements bedurft, das leider nicht zu bemerken war. Der Polizeipräsident macht es sich mit einer kurzen Pressemitteilung ziemlich einfach, ein nachgewiesenermaßen existierendes Problem so abzufertigen. Nachdem jedoch von Südtiroler Medien kaum ein Nachhaken bzw. ein Faktencheck zu erwarten sind, wird dies wohl das Niveau der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema bleiben.

Fakt ist: Die letzten vom Landesstatistikinstitut zu diesem Thema veröffentlichten Daten sprechen eine völlig andere Sprache, als die Polizei nahelegen möchte. Nicht zuletzt angesichts des gefühlten Sicherheitsnotstands in Südtirol sollte eine funktionierende Kommunikation mit der Bevölkerung in deren Sprache eigentlich eine Priorität sein.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

Discriminaziun Faktencheck Medien Plurilinguismo Polizei Service Public Umfrage+Statistik | Bilinguismo negato Sprachbarometer | | Stol | Südtirol/o | Astat Carabinieri Finanzpolizei Land Südtirol NISF Sabes Staatspolizei | Deutsch

10 replies on “Zweisprachige Polizei?”

Potreste riportare anche la percentuale dei madrelingua italiani che hanno problemi a esercitare il diritto all’uso della propria lingua nelle strutture sanitarie sudtirolesi? Con l’esclusione di Bolzano, forse, l’esperienza è che, o si sa il tedesco, o è spesso molto dura comunicare con medici e infermieri, in molti casi germanici. E questo in un settore sensibile almeno quanto quello della sicurezza e anche in una città  italofona al 50% come Merano, non a Moos. Sarebbe gentile da parte vostra anche se magari non rientra a pieno nella vostra “mission” 😜

Die aufgeschlüsselten Daten liegen mir leider nicht vor, ich werde aber das Astat anschreiben und darum bitten, sie mir zu übermitteln. In jedem Fall darf ich darauf aufmerksam machen, dass laut Sprachbarometer nur 9% der Südtiroler italienischer Muttersprache angaben, sie hätten ihre Muttersprache bei irgendeinem Amt oder öffentlichen Dienst nicht verwenden können. Es liegen also Welten dazwischen, und das in einem mehrheitlich deutschsprachigen Land.

– auch zu diesem Thema: weg von Rom, dann kann man den Proporz einmotten und es zählt dafür einzig und allein die Sprachfertigkeit (zwei- bzw. dreisprachig). – Da sind wohl unsere Ladinischen Mitbürger am besten aufgestellt!
– Hauptsache “siamo in Italia” ist hinfällig ! !

Ich hatte vor einem Jahr einen grösseren Eingriff im KH Brixen. Dabei bin ich mit einem Italiener aus Caserta im Zimmer gelegen. Von den mehreren Krankenschwestern und Ärzten, davon ein deutscher Arzt, die uns betreut haben, konnte nur eine Person nicht beide Landessprachen. Nun ratet mal welche der beiden Sprachen es war. Mein “Zimmergenosse” hatte jedenfalls kein Problem sich in seiner Sprache mit allen Bediensteten zu verständigen. Es wird schon sein, dass das I nicht perfekt ist was von den deutschsprachigen Schwestern gesprochen wird, die I Schwester hatte aber 0 D Kenntnisse. Das Reinigungspersonal habe ich noch nicht mal mit eingerechnet, das natürlich ausschliesslich I sprach.

Bei einer Hausdurchsuchung, die (zur Abwechslung) die Finanzpolizei bei mir durchgeführt hat, haben die Finanzer eine verblüffend einfache Erklärung dafür gegeben, dass sie nur Italienisch gesprochen haben: “Wir bekommen keine Zweisprachigkeitszulage, und daher sprechen wir auch nicht Deutsch”. So einfach ist das.

Ich finde es einigermaßen erstaunlich, dass das Thema (mangelnde) Sprachkenntnisse im Zusammenhang mit den Themen Sicherheit und Polizei in unserer Vorzeigeautonomie nicht themantisiert werden darf oder soll.

Ci risiamo con i divieti? :) Boh. E’ talmente tematizzato, l’argomento, che qui ne state liberamente discutendo a partire da articoli di giornali che pubblicano un giorno sì e un altro anche lamentele di persone (spesso le stesse persone, che di professione si lamentano).

Il barometro delle lingue è un ferro vecchio, come giustamente osserva Constantini nel pezzo. Vecchio esattamente 10 anni e probabilmente da rivedere anche nella sua impostazione metodologica (non esistono ricerche cadenzate così a lungo che non rivedano anche gli strumenti metodologici con i quali sono concepite e impiegate). Non so se può essere preso a unità  di misura.

Mir wäre ebenfalls lieber, wenn derartige Erhebungen nicht alle zehn, sondern alle zwei bis drei, mindestens aber alle fünf Jahre durchgeführt würden. Die Datenlage zu Sprachfragen ist in Südtirol derart miserabel, dass sie Mythenbildungen Tür und Tor öffnet.

Andererseits finde ich es erstaunlich, dass die unglaublich alarmierenden Ergebnisse von 2005 zu keinerlei ernsthaften Konsequenzen (im Sinn von politischen Gegenmaßnahmen) geführt haben — weder vor einem, noch vor fünf oder zehn Jahren.

Wenn ich nicht irre, erwartet uns in diesem Jahr die zweite (!) Ausgabe des Sprachbarometers. Ob die Methodologie dieselbe geblieben ist oder verfeinert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls waren die Ergebnisse 2005 derart eindeutig, dass wohl keine andere Methodologie zu wesentlich anderen Erkenntnissen geführt hätte. Daher würde ich mich eher mal auf den Inhalt konzentrieren, als über die Methodologie herumzuphilosophieren. Ich wette, wenn die Ergebnisse so eindeutig zu Lasten der lingua franca nazionale ausgefallen wären, wäre mit ganz anderen Kalibern geschossen worden.

Per quanto riguarda la metodologia non sto affatto filosofando: prendi la prima voce, quella che accomuna carabinieri e polizia cittadina (Stadtpolizei). Il reclutamento di quest’ultimo corpo, che io sappia, avviene quasi esclusivamente tra i locali, magari utilizzando la proporzionale (quindi nelle cosiddette valli periferiche è praticamente escluso che gli agenti non sappiano il tedesco). Possibile che il dato sia “confuso” con quello relativo ai Carabinieri, le cui reclute non raramente provengono da altre province e quindi sono spesso costituite da personale fluttuante?

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