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Zweisprachige Polizei in Wales.

Wales/Cymru ist wie Südtirol — aber anders als zum Beispiel Åland, Baskenland und Katalonien — nicht unmittelbar für die Polizei auf dem eigenen Gebiet zuständig.

Dennoch ist die Polizei in Wales tatsächlich zweisprachig. Alle Fahrzeuge und auch die Uniformen sind sowohl mit englisch Police als auch mit walisisch Heddlu beschriftet — und zwar in der Regel in der Reihenfolge Heddlu-Police, mit der Minderheitensprache an erster Stelle.

Walisische Polizei – Foto: MOD/Alex Knott

Alle vier Polizeibezirke in Cymru haben zweisprachige Logos mit Walisisch als erstgereihte Sprache:

Logos der Polizeibezirke in Wales/Cymru – Quelle: Wikipedia

Auch die Webseiten der Polizeien sind zweisprachig. Beim Betreten wird sofort die Sprachwahl angeboten, ohne dass sie die Nutzerin erst selbst irgendwo suchen muss:

Ausschnitt: Sprachwahl Polizei Südwales

Ausschnitt: Webauftritt Polizei Südwales

Wie in England und Wales (aber nicht im gesamten Vereinigten Königreich) üblich, wählt die Bevölkerung selbst im Vierjahresrhythmus den für jeden Bezirk zuständigen Police and crime commissioner, eine Politikerin, die wiederum die Polizeichefin ernennt und die Polizeiarbeit überwacht.

Somit ist Wales zwar nicht für die Polizei zuständig, doch die Bevölkerung hat trotzdem demokratisch Einfluss auf die Polizeiarbeit vor Ort.

Nicht zuletzt muss auch die Polizei die Sprachstandards erfüllen, die von der walisischen Regierung definiert werden. Das Sprachkommissariat von Wales veröffentlicht jedes zweite Jahr einen Bericht über die Erfüllung der Pflichten bezüglich der Sprachbestimmungen.

Südtirol

Hierzulande sind Fahrzeuge der Staatspolizei meist nur an den Seitentüren (immer in der Sprachreihung Italienisch-Deutsch) zweisprachig beschriftet; insbesondere am Heck (einschließlich der Kennzeichen) aber schon wieder einsprachig Italienisch. Die Uniformen sind genauso wie die Logos der Einheiten ausschließlich auf Italienisch (Polizia, Squadra mobile, Squadra volante…) beschriftet.

Der »deutschsprachige« Webauftritt der italienischen Polizei in Südtirol ist nur teilweise übersetzt, eine Sprachwahl wird beim Aufruf nicht proaktiv angeboten:

Ausschnitt: »Deutschsprachiger« Webauftritt der Staatspolizei in Südtirol

Um mit den Beamtinnen in Südtirol Deutsch sprechen zu können, bedarf es oft einer guten Portion Glück.

Der Polizeipräsident (Quästor) wird von Rom ernannt und ist häufig nicht näher mit den Begebenheiten in Südtirol vertraut, Sprachkenntnisse (Deutsch, Ladinisch) sind keine Voraussetzung und meist auch nicht vorhanden. Die Staatspolizei unterliegt nicht einer in Südtirol beschlossenen Sprachpolitik, sondern den Bestimmungen des Autonomiestatuts, die sie jedoch statistischen Erhebungen zufolge nicht einhält. Auch einer Sprachstelle des Landes ist die Polizei keinerlei Rechenschaft schuldig.

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5 replies on “Zweisprachige Polizei in Wales.”

Einmal mehr sieht man hier am Beispiel, dass pragmatische Einstellung, Denk-, Handlungsweise zum Erfolg führen.
Anders offenbar in Südtirol, wo selbst nach 76 Jahren seit dem Gruber-De-Gasperi-Abkommen, 50 Jahre 2. Autonomiestatut das noch immer nicht funktioniert bzw. dass man das wohl auch so möchte — oder?

Was mich immer am meisten ärgert ist, dass so vieles bei uns auf einem solchen Schrottniveau funktioniert, viele aber trotzdem der Meinung sind, wir seien das ganz tolle Vorbild für die gesamte Welt. Wir dürften zum Beispiel die einzigen sein, die immer wieder die Chuzpe haben, anderen (z.B. Katalonien) unser »Modell« unter die Nase zu reiben. Mir ist sowas jedenfalls von keiner anderen Minderheit bekannt und ich finde es auch ziemlich peinlich.

Soll der Carabiniere im Sarntal neben Deutsch jetzt auch noch Ladinisch lernen? Das ist doch absurd.

Genau das war die Kernaussage meines Beitrags, gut erkannt! 😉

Übrigens: Ich hatte Sie schon mehrmals dazu aufgefordert, eine gültige E-Mailadresse anzugeben.

Zur Erklärung für die Mitlesenden: Herr »Lewandowski«, der hier auch schon mit seinem (richtigen) Klarnamen kommentiert hat, versucht uns seit Monaten mit ständig wechselnden Nicknames zu trollen. Die meisten seiner Kommentare wurden aber nicht freigeschaltet, weshalb außer ihm und uns kaum jemand etwas von seiner recht intensiven Aktivität mitbekommen haben dürfte.

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