Categories
BBD

Wie wählen Angehörige von Polizei und Militär?

Von einer Forschungsgruppe um den Professor für Politikwissenschaften Jean-Yves Dormagen vorangetrieben, analysiert das Cluster17-Projekt das Wahl- und das Enthaltungsverhalten in Frankreich nach sozialen Gruppen und Berufen.

Für ein gewisses Aufsehen hat dabei kürzlich die Analyse der Präferenzen von Polizei und Militär gesorgt, da bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen nahezu zwei Drittel der Angehörigen dieser Berufsgruppe die rechtsextremen, rassistischen Kandidatinnen Marine Le Pen und Éric Zemmour gewählt haben sollen. Präsident Emmanuel Macron kam demnach bei Ordnungs- und Streitkräften nur auf 14% der Stimmen — gefolgt von Valérie Pécresse, die sich 2019 mit ihrem Flügel Soyons libres rechts von den rechten Républicains abgespalten hatte.

Summiert man die Prozentsätze für Le Pen, Zemmour, Pécresse und den rechtspopulisten Dupont Aignan, haben 75% der Polizei- und Militärangehörigen (weit) rechts gewählt.

Ob es ähnliche Analysen auch für Italien oder gar für Südtirol gibt, weiß ich nicht. Es steht jedenfalls zu vermuten, dass Angehörige von Polizei und Militär in den meisten Ländern politisch deutlich weiter rechts einzuordnen sind als der gesamtgesellschaftliche Durchschnitt.

Zumindest ein Indiz dafür kann auch die Positionierung von Polizei- und Militärangehörigen sein, die hierzulande in die aktive Politik gewechselt sind. Spontan fallen mir Namen wie Enrico Lillo, Umberto Montefiori oder Antonino Lo Sciuto ein.

In jedem Fall wäre auch diesbezüglich kritisch zu hinterfragen, inwieweit die Abwesenheit einer Landespolizei nicht auch dazu führt, dass aktiv Menschen nach Südtirol gelockt werden, die bei den staatlichen Ordnungskräften arbeiten und in nicht unerheblichem Maße weit rechte, nationalistische und auch autonomie- bzw. minderheitenfeindliche Positionen vertreten und entsprechende Parteien wählen.

Nicht zuletzt wäre auch die Tatsache, dass das Land im Tausch für aufgelassene Militärareale Wohnungen für Heeresangehörige baut, unter diesem Blickwinkel zu betrachten.

Einen zeitlich begrenzten Schutz vor einer möglicherweise einseitigen Beeinflussung von Wahlergebnissen durch Angehörige von Polizei und Militär gewährt immerhin die vierjährige Ansässigkeitsklausel, die manche allerdings lieber heute als morgen abschaffen möchten.

Siehe auch 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ 8/ 9/

Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

24 replies on “Wie wählen Angehörige von Polizei und Militär?”

Was soll die Landespolizei daran ändern? Wäre es nicht wahrscheinlich, dass auch diese durch (mehrheitlich deutschsprachige) rechtsgesinnte Personen besetzt wird und es dadurch einfach zu einer ebenso wenig wünschenswerten umgekehrten Situation kommt?

Die Frage ist doch vielmehr, warum Militär und Polizei so attraktiv für Leute mit derartiger Gesinnung sind. Könnte es sein, dass es da auf der linken Seite Versäumnisse gegeben hat und dass man – anstatt die für eine Demokratie notwendigen Exekutivorgane in ihrem Sinne zu gestalten und zu prägen, mehr damit beschäftigt war, recht undifferenziert auf die Polizei draufzuhauen und sie somit den Rechten übergeben hat?

Was soll die Landespolizei daran ändern? Wäre es nicht wahrscheinlich, dass auch diese durch (mehrheitlich deutschsprachige) rechtsgesinnte Personen besetzt wird und es dadurch einfach zu einer ebenso wenig wünschenswerten umgekehrten Situation kommt?

Diese Frage hatte ich mir erwartet, allerdings ehrlich gesagt nicht von dir 😉

Ja, einerseits wäre das so, andererseits würde sich eine Landespolizei vermutlich viel stärker aus Südtirolerinnen (deutscher, italienischer, ladinischer oder anderer Muttersprache) rekrutieren, weshalb sich die Gesamtzahl der Rechten im Lande nicht auch noch vergrößern würde. Kommen die Angehörigen von Polizei und Militär wie heute großteils von außen, gesellen sich diese zu den Rechten, die ohnehin schon hier sind. Sie beeinflussen zudem dieser Hypothese (!) folgend anteilsmäßig das Wahlverhalten der italienischen Sprachgruppe (und somit das Verhältnis zwischen italienischen Rechts- und Linksparteien) wohl überproportional.

Nicht zuletzt ist dieser Effekt ja gerade für sprachliche Minderheiten noch einmal problematischer: Mitglieder einer Landespolizei wären möglicherweise im Durchschnitt genauso weit rechts, aber in geringerem Maße autonomie- und minderheitenfeindlich.

Diese Frage hatte ich mir erwartet, allerdings ehrlich gesagt nicht von dir 😉

Ich bin immer für Überraschungen gut. Im Ernst. Landespolizei find ich gut. Aber als Argument in diesem Zusammenhang eben nicht wirklich stichhaltig. Verstehe deine Ausführungen, aber es muss doch eher darum gehen, den Umstand zu ändern, dass die Polizei zum Sammelbecken für Rechtsradikale bis -extreme wird und weniger darum, diese Konstellation in Richtung Landespolizei zu verschieben, weil sie dann insgesamt weniger gravierend ist bzw. wäre.

Ja, natürlich beides. Aber erst mit einer Landespolizei hätten wir in Südtirol überhaupt die Möglichkeit, es zu versuchen.

Landespolizei, was ist/wäre das? Reicht Ihnen die Vielzahl der bestehenden Polizeiorgane nicht aus oder stört Sie einfach nur, dass sie dem Innen- bzw. Verteidigungsministerium unterstehen und somit “italienisch” sind?
Rechtsgesinnte gibt es in Südtirol zuhauf, da werden Sie bei STF, Freiheitlichen und bei vielen Schützenveranstaltungen mehr als fündig. Oder bei einer bekannten Musikgruppe.
Ihre Mutmaßungen, ob italienische Militärangehörige rechts gesinnt wären, könnten Sie – zur Differenzierung und im Sinne einer Vermeidung eines Italien-Bashings – ruhig auch auf Österreich oder Deutschland ausdehnen; dort würden Sie vielleicht mehr Fälle finden als in Italien.
Aber halt, das würde dann nicht mehr in Ihre Anti-/Anti-/Anti-Gesinnung passen.

1.

Landespolizei, was ist/wäre das? Reicht Ihnen die Vielzahl der bestehenden Polizeiorgane nicht aus oder stört Sie einfach nur, dass sie dem Innen- bzw. Verteidigungsministerium unterstehen und somit “italienisch” sind?

Zitat von hier:

Ein wesentlicher Schritt zum Ausbau der Südtirolautonomie wäre die Schaffung einer — selbstverständlich mehrsprachigen — Landespolizei, die die zentralstaatlichen Polizeiorgane weitestgehend oder vollständig ersetzt.

2.

Rechtsgesinnte gibt es in Südtirol zuhauf, da werden Sie bei STF, Freiheitlichen und bei vielen Schützenveranstaltungen mehr als fündig. Oder bei einer bekannten Musikgruppe.

Zitat von weiter oben:

Mitglieder einer Landespolizei wären möglicherweise im Durchschnitt genauso weit rechts, aber in geringerem Maße autonomie- und minderheitenfeindlich.

3.

Ihre Mutmaßungen, ob italienische Militärangehörige rechts gesinnt wären, könnten Sie – zur Differenzierung und im Sinne einer Vermeidung eines Italien-Bashings – ruhig auch auf Österreich oder Deutschland ausdehnen; dort würden Sie vielleicht mehr Fälle finden als in Italien.
Aber halt, das würde dann nicht mehr in Ihre Anti-/Anti-/Anti-Gesinnung passen.

Zitat von weiter oben:

Es steht jedenfalls zu vermuten, dass Angehörige von Polizei und Militär in den meisten Ländern politisch deutlich weiter rechts einzuordnen sind als der gesamtgesellschaftliche Durchschnitt.

Womit wir auch wieder bei “Aosta” sind.
Wieso schafft es das kleine Aosta die Militärareale ohne Zugeständnisse, sprich Wohnunge für Militärangehörige, zu bekommen und das große Südtirol nicht?
Haben wir ein Problem mit Politker die sich nicht durchsetzen können?

Mir würde eine zweisprachige Polizei schon ausreichen. In den letzten Jahren ist die Tendenz (vielleicht abgesehen von der Ortspolizei) leider noch deutlicher Richtung Nicht-Zweisprachigkeit gegangen, weshalb es hier schon mal viel zu tun gäbe, was aber den entsprechenden Willen voraussetzen würde.

Sie scheinen in einer Welt des Konjunktiv II zu leben, ich halte mich lieber an Fakten. Deutschland und Schweiz sind föderalistisch organisierte Staaten, die das Subsidiaritätsprinzip anwenden, Italien ist ein Zentralstaat. Das LKA ist dem BKA unterstellt, somit wäre mit einer „Landespolizei“ nur ein marginaler Fortschritt erzielt. SEK/MEK, Staatsschutz, Geheim- und Postpolizei müssten weiterhin vom ungeliebten Zentralstaat gestellt werden, wie die zentralen Datenbanken, die Verwaltung, das innerpolizeiliche Rechtswesen usw. – aber ich denke, in Ihren Vorstellungen könnte Südtirol alles liefern, sicher besser als der Staat, den Sie ablehnen.
Ich finde, dass das Niveau der Zweisprachigkeit im Polizeikorps sich seit 1992 deutlich gebessert hat. Warum Südtirol, das in Landesämtern, Gemeindestuben, sanitären Einrichtungen, Stadt- und Dorfpolizeistellen usw. bereits unzureichende Fähigkeiten in punkto Zweisprachigkeit aufzeigt, hier ein Mehrwert zugetraut wird, ist mir schleierhaft.
Gebetsmühlenartig wiederhole ich, dass eine solche Umsetzung, die von Ihnen besser gestern als heute gefordert wird, erhebliche Nachteile für das seit Jahren im Staatsdienst stehende Personal bringen würde und eine wesentliche Änderung des status quo provoziert und dem entsprechend unmöglich sein wird.
Eine Frage: Sie sind doch Demokraten durch und durch, oder? Wenn Ihre Ideen schon so umfassend sind, dass der gewöhnliche plebus nicht von alleine drauf kommt, warum stellen Sie sich nicht ganz sportlich der nächsten Wahl und versuchen das Wahlvolk von Ihren im Konjunktiv II gehaltenen Modellen zu überzeugen.
Jeder Unternehmer, der von seinem Produkt überzeugt ist, geht damit auf den Markt. Lassen wir Zahlen sprechen, mit hätte-könnte-würde baut man kein Haus!

ich halte mich lieber an Fakten […] Ich finde, dass das Niveau der Zweisprachigkeit im Polizeikorps sich seit 1992 deutlich gebessert hat. Warum Südtirol, das in Landesämtern, Gemeindestuben, sanitären Einrichtungen, Stadt- und Dorfpolizeistellen usw. bereits unzureichende Fähigkeiten in punkto Zweisprachigkeit aufzeigt, hier ein Mehrwert zugetraut wird, ist mir schleierhaft.

Die Fakten diesbezüglich stehen übrigens hier:

Inwiefern die Fakten obigen Befund stützen ist mir wiederum schleierhaft.

Vielleicht wissen Sie das nicht, aber vor 1992 war es im Prinzip unmöglich sich in deutscher Sprache mit einem Polizeiorgan auseinanderzusetzen. Bei Gericht dasselbe.
Ich finde, dass dies heute deutlich besser ist und klar – besser geht immer.
A proposito, Sig. Knoflach, quanto pare Lei è nato in Austria. Come qualificherebbe il Suo livello di padronanza della lingua italiana? Non ho mai visto ne articoli, ne commenti redatti da Lei in italiano.
Voglio dire, il progetto di secessione dallo Stato italiano, pur sublime che esso possa essere, esige una certa domestichezza sia con la lingua che con la cultura italiana – altrimenti si potrebbe pensare che esso parte dal semplice rifiuto di tutto ciò che diverso o estraneo (Walsch).
Non mi dirà mica che la Sua disapprovazione deriva da una mancata conoscenza della lingua?

Es ist gewiss fehlerhafter als Ihres (es müsste “né articoli, né commenti” heißen, oder? – Aber das ist off-topic und gemäß unserer Netiquette Nr. 7 – ebenso wie persönliche Details anderer Diskussionsteilnehmer unerwünscht). Aber ich sag mal so: Zum Interviewen von Bozner und Leiferer Politikern, die kein Deutsch verstehen, und zum Verfolgen von Leiferer Gemeinderatssitzungen, die auf Italienisch abgehalten werden (über doch einigermaßen komplexe Sachverhalte wie Bauleitpläne, Sozialprojekte, Politikscharmützel usw.) und danach in der größten Zeitung des Landes darüber zu berichten, hat’s gereicht.

Grundsätzlich diskutieren wir hier aber zur Sache und nicht über irgendwelche Details der an der Diskussion beteiligten Personen (siehe Netiquette). Bei uns darf jede/-r argumentieren, Meinungen vertreten und Vorschläge machen – ungeachtet dessen, über welchen Background die Person verfügt, woher sie kommt oder welche Ausbildung sie genossen hat. Gerne auch anonym, weil es um die Sache und nicht die Person geht.

Jede/-r Bewohner/-in dieses Landes hat das gleiche Recht, sich über das Gemeinwesen Südtirols Gedanken zu machen, sich dazu zu äußern und es nach seinem/ihrem Gutdünken mitzugestalten. Völlig egal, ob diese Person aus einer Familie stammt, die schon seit Jahrhunderten hier lebt, ob es jemand ist, dessen Großeltern aus Sizilien zugewandert sind oder ob diese Person aus Indien stammt und erst seit ein paar Jahren hier lebt – egal ob sie Deutsch, Italienisch oder Bengali spricht. Das ist unser Grundsatz.

Ottimo. A tal proposito, ripeto la domanda per quale motivo Lei non si candida per le prossime elezioni? Visto che il modello elaborato è talmente favorevole per tutti i residenti nella Provincia di Bolzano e considerando il fatto che ogni azione al di fuori della legalità (=secessione) provocherebbe una forte reazione dallo Stato, oserei dire reazione anche violenta, vedo l’unica possibilità di intraprendere il progetto tramite le vie democratiche.
E questo vuol dire convincere l’elettorato dal proprio programma, cosa che dovrebbe essere un gioco da ragazzi, visto i vantaggi da Lei largamente pubblicati.
Seconda domanda, visto che Voi siete più che bravi nel mondo delle statistiche: quanti appartenenti al cd. gruppo etnico italiano sono favorevoli al Vostro modello di secessione? Qui veramente Vi prego di pubblicare tramite link i vari statement, grazie.

Vielleicht wissen Sie das nicht, aber vor 1992 war es im Prinzip unmöglich sich in deutscher Sprache mit einem Polizeiorgan auseinanderzusetzen. Bei Gericht dasselbe.

Vergleiche auch hier.

Im Grunde ist es ja ein himmelschreiender Skandal, dass dieser Zustand aus dem Faschismus trotz internationaler Verpflichtung (Pariser Vertrag), erstem und zweitem Autonomiestatut von einem sich für demokratisch und minderheitenfreundlich haltenden Staat erst so spät behoben wurde.

Ich finde, dass dies heute deutlich besser ist und klar – besser geht immer.

Umgekehrt könnte man sagen: schlimmer geht immer. Und wir orientieren uns gerne an Beispielen, wo es besser funktioniert (sowie an der geltenden Gesetzeslage, die nicht eingehalten wird) — denn nur so kann es Fortschritt geben.

Ich finde übrigens bedenklich, Am Pere, wie unkritisch Sie hier immer wieder eine allfällige Gewaltanwendung durch den italienischen Staat ins Spiel bringen, also auf blutige Niederschlagung einer Bewegung, die eine demokratisch völlig legitime Forderung erhebt. Einen zivilisierten politischen Diskurs stelle ich mir anders vor.

Ich finde es bedenklich wie unreflektiert Sie mir eine eventuelle Gewaltanwendung in die Schuhe schieben möchten. Einen friedvolleren Menschen als mich werden Sie selten finden, habe Zivildienst geleistet und bei mehr Demonstrationen gegen Krieg als Sie mitgewirkt.
Die Diskussion zwischen Herrn Knoflach und mir ist auf Salto entstanden, als der Journalist Gabriele De Luca mehrere Artikel verfasst hat. Anlass war das Festival “Iatz”, bei welchem Ihre Gesinnungsgenossen die Wiederbewaffnung der Schützen gefordert hatten.
Und Sie wollen mir andichten, dass ich eine Gewaltanwendung des Staates heraufbeschwöre??? Immer schön selbst vor der eigenen Tür kehren!

Einen friedvolleren Menschen als mich werden Sie selten finden, habe Zivildienst geleistet und bei mehr Demonstrationen gegen Krieg als Sie mitgewirkt.

Ich frage mich echt manchmal, ob Sie lesen können. Wie friedlich Sie sind ist nicht Gegenstand meines Kommentars, genausowenig werfe ich Ihnen vor, eine Gewaltanwendung des Staates heraufzubeschwören.

Es geht einzig und allein darum, dass Sie in Ihren Kommentaren hier bei BBD die gewaltsame Unterdrückung einer politischen Bewegung völlig unkritisch ins Spiel bringen. Das ist nicht unproblematischer, wenn es von einem ehemaligen Zivildiener kommt, der sich an Millionen von Friedensdemos beteiligt hat.

(Mir ist übrigens schleierhaft, woher Sie wissen wollen, an wie vielen Demonstrationen zu welchem Thema ich mitgewirkt habe… ist aber wie gesagt sowieso off-topic.)

Achja, mit der Bewaffnung der Schützen haben Harald und ich genau gar nichts zu tun.

A tal proposito, ripeto la domanda per quale motivo Lei non si candida per le prossime elezioni?

Siehe FAQ A11

ogni azione al di fuori della legalità (=secessione)

Siehe FAQ B1

Seconda domanda, visto che Voi siete più che bravi nel mondo delle statistiche: quanti appartenenti al cd. gruppo etnico italiano sono favorevoli al Vostro modello di secessione? Qui veramente Vi prego di pubblicare tramite link i vari statement, grazie.

Die Datenlage ist da relativ dünn. Mir ist lediglich eine Untersuchung von Hermann Atz und Ulrich Becker für Apollis bekannt. Die ist jedoch von 2008. Ich verlinke sie hier, denn interessant ist sie allemal:
https://www.brennerbasisdemokratie.eu/wp-content/uploads/2008/10/2008_apollis-SBital.pdf

Think tanks entsprechen generell nicht meiner Vorstellung, da ich mir gern selbst meine Meinung bilde.
Bezüglich Legalität bewegen Sie sich abseits derselben, da die Verfassung eine Abspaltung nicht vorsieht. Vielleicht bekommen Sie mal Besuch vom AISI, wer weiß das schon.
Die Studie, obwohl mittlerweile uralt, zeigt jedoch eines ganz deutlich: 78% der sogenannten italienischsprachigen Bevölkerung, würde, im Falle eines Referendums, für den Verbleib bei Italien stimmen. Genau das ist meine Kernaussage, hätten Sie mir das vorher geschickt, hätten wir uns das ganze Geschreibe sparen können.

Somit die rhetorische Frage: Sie wollen etwas erreichen, das 2/3 der italienischen Bevölkerung in Südtirol kategorisch ablehnt und der Staat sowieso. Und Sie wollen mir erklären, dass Sie dies friedlich erreichen wollen, kein Zündler sind und Ihnen das Wohl der gesamten Südtiroler Bevölkerung am Herzen liegt? Auch die Italiener sind Teil derselben und sprechen sich bereits vorab dagegen aus, also zielt Ihr Akt auf eine Konfrontation mit der italienischsprachigen Bevölkerung; mit dem Staat sowieso. Das bezeugt die Tatsache, dass kein einziger italienischer Kommentator Ihre Meinung teilt – ich habe zumindest keinen gefunden.

Ich finde Sie sind ein geistiger Brandstifter, der das immer besser werdende Zusammenleben der Sprachgruppen gefährdet. Dieser Prozess, der nach 92 richtig begonnen hat, ist lange noch nicht abgeschlossen; sie wollen ihn unterbrechen und Südtirol vom italienischen Staat trennen und somit einen Akt gegen die in Südtirol lebenden Italiener vollziehen. Wohin geistige Brandstiftung führen kann, haben die deutschsprachigen Südtirol vor 60 Jahren ausreichend unter Beweis gestellt.
Dass Sie in Österreich geboren wurden und Ihnen somit die Erfahrungswerte fehlen, die man bekommt, wenn man in Südtirol aufwächst, erschwert die Sache zunehmend.

Vorweg möchte ich sagen, dass mich die Aggressivität im Ton und die ad personam Argumentation sehr stören und dies nicht die Art ist, wie ich mir einen zivilisierten, respektvollen und sachlichen Diskurs vorstelle. Diese Art von Diskussion gibt es schon genug in den sozialen Medien und ich möchte sie eigentlich nicht auch noch hier im Blog führen. Können wir bitte sachlich und respektvoll diskutieren, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind – oder wir lassen das.

Think tanks entsprechen generell nicht meiner Vorstellung, da ich mir gern selbst meine Meinung bilde.

Ein Think Tank hindert niemanden daran, sich eine Meinung zu bilden. Und auch BBD tut das nicht.

Bezüglich Legalität bewegen Sie sich abseits derselben, da die Verfassung eine Abspaltung nicht vorsieht.

Die italienische Verfassung sieht auch keine Homosexuellenehe vor oder dass Leute, die nicht volljährig sind, wählen dürfen. Dennoch kann ich im Sinne der Meinungsfreiheit mich für die Homoehe einsetzen oder die Forderung aufstellen, dass das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wird.

Die Studie, obwohl mittlerweile uralt, zeigt jedoch eines ganz deutlich: 78% der sogenannten italienischsprachigen Bevölkerung, würde, im Falle eines Referendums, für den Verbleib bei Italien stimmen.

Meinungen können sich im Laufe der Jahre bzw. im Laufe von Generationen auch ändern. 1994 meinte eine knappe Mehrheit der Amerikaner (49 zu 48%), dass die Gesellschaft Homosexualität nicht akzeptieren dürfe. 2019 – also 25 Jahre später – gibt es fast eine Dreiviertelmehrheit (72%), die sagt, dass Homosexualität in Ordnung sei.
Was ich in diesem Zusammenhang immer recht interessant finde: Sehr oft kommt die Forderung (die ich teile), dass deutsch, italienisch oder was auch immer in Südtirol keine Rolle mehr spielen sollten und dass wir die Grenzen zwischen den Sprachgruppen aufheben sollten. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, bin ich da voll dabei. Andererseits würden viele, die diese Forderung unterstützen, kaum akzeptieren, wenn bei einer Volksabstimmung mithilfe der Mehrheit der Deutschsprachigen für eine staatliche Unabhängigkeit gestimmt werden würde (rein hypothetisch dem Fall, wenn 70 % der Deutsch- und Ladinischsprachigen aber nur 30 % der Italienischsprachigen für die Unabhängigkeit stimmen würden). Dann wäre die Trennung auf einmal wieder wichtig und es würde heißen: “Das kann man nicht machen, dass über die Italienischsprachigen (die im übrigen nicht homogen sind – wie auch die Befragung zeigt. 1/5 ist nicht sehr viel aber auch nicht eine Zahl, die vernachlässigbar ist – das sind immerhin fast 30.000 Leute. Auf Südtirol umgerechnet eine Stadt in der Größenordnung zwischen Meran und Brixen) drübergefahren wird.

Sie wollen etwas erreichen, das 2/3 der italienischen Bevölkerung in Südtirol kategorisch ablehnt

Was die Studie von Atz auch gezeigt hat ist, dass es innerhalb der italienischsprachigen Bevölkerung große Unterschiede gibt. Leute mit geringem Bildungsgrad und die den “disagio” verspüren, tendieren mehr in Richtung rechter bis rechtsextremer Parteien und sind gleichzeitig die vehementesten Gegnerinnen einer Unabhängigkeit Südtirols. Unter den Linksliberalen im Land sind Konzepte wie das unsrige nicht von vornherein ein Sakrileg, das ihrer turbonationalistischen Einstellung widerspricht.

Insgesamt sehen wir unser Konzept eingebettet in eine gesamteuropäische Entwicklung. Und diese kann in zwei Richtungen verlaufen: Entweder es kommt zu einer Renationalisierung (was ich sehr schade fände). Denn dann sehe ich schwarz. Dann sind nicht nur die Voraussetzungen für unsere Utopie denkbar schlecht, sondern dann ist meines Erachtens auch generell unsere Autonomie in Gefahr, die ich immer als die beste Antwort auf das falsche System bezeichnet habe. Oder wir schaffen es, das System der Nationalstaaten zu überdenken und in der Folge zu überwinden und die Europäische Gemeinschaft in einem subsidiären Sinne zu stärken. Sollte Europa diesen Weg gehen, wären wir auch unserer Vision einige Schritte näher, denn dann wäre das eine Änderung des Systems und wir bräuchten die Autonomie (mit all ihren Mechanismen) als Antwort darauf nicht mehr.

Ich finde Sie sind ein geistiger Brandstifter, […] Dass Sie in Österreich geboren wurden […] erschwert die Sache zunehmend.

Wie gesagt: Ich bin gerne bereit, respektvoll und sachlich über eine völlig legitime politische Forderung zu diskutieren. Den Rest ignoriere ich, weil wir auf BBD den Grundsatz haben, dass sich jeder Mensch, der hier lebt, einbringen darf, eine Meinung haben darf, diese vertreten darf und das Zusammenleben im Land nach seinem/ihrem Dafürhalten gestalten darf. Meine Meinung ist nicht mehr Wert als Ihre und umgekehrt. Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Staatsbürgerschaft, sexuelle Orientierung usw. spielt keine Rolle. Auch nicht, wie lange man bereits hier lebt. Uns ist lediglich wichtig, dass wir auf Basis von Fakten miteinander diskutieren. Die Bewertung derselben hingegen ist subjektiv. Und solange eine Meinung auf dieser Grundlage logisch irgendwie nachvollziehbar ist, ist sie legitim.

Ich fasse nochmals zusammen: Sie bewegen sich stets im Konjunktiv II, haben keine (!) Anhänger für Ihre Forderung, von den wenigen Deutschtümlern auf Ihrem Blog mal abgesehen, und ignorieren vollkommen den Willen der italienischsprachigen Bevölkerung.
Auch Ihre Vergleiche hinken: nach geltender Gesetzgebung sind Schulmassaker nicht erlaubt, oder? Ihrer Argumentation folgend, dass es Teil der Meinungsfreiheit wäre darüber nachzudenken diese zu erlauben und dass das reine Nachdenken darüber dadurch legitimiert sei, ist an Absurdität nicht zu überbieten. Die heute in Südtirol lebenden Personen haben sich Existenzen aufgebaut, einige haben in Italien studiert, ihre Ausbildung erhalten, sind Angestellte des Staates und prinzipiell lebt man in Südtirol in Frieden, Freiheit und Demokratie. Dies alles sollen diese Menschen aufgeben, nur weil Ihnen der italienische Staat zuwider ist???
Ich halte mich sehr wohl an Fakten und niemand spricht Ihnen Ihr Recht ab in Südtirol zu leben und sich um das Gemeinwohl zu sorgen. Tatsache bleibt jedoch, dass Sie nicht hier aufgewachsen sind, die Spannungen zwischen Deutschen und “Italienern” somit nicht im Kindesalter miterlebt haben, sich aber anmaßen über deren Zukunft zu bestimmen.
Ich schließe mit der Feststellung, dass Sie es sind, der einen Blog betreibt, dort Forderungskataloge (Manifest?) aufstellt und sich dann extrem dünnhäutig zeigt, sobald jemand gegenteiliger Meinung ist. Da hätte ich Ihnen doch mehr Mumm zugetraut, aber das ist vielleicht der Grund warum lediglich eine Handvoll Träumer Ihren Utopien folgt.

Ok. Das ist mir jetzt eindeutig zu blöd. Der Vergleich mit den Schulmassakern ist so dermaßen absurd, dass mir die Worte fehlen. Sie setzen die Forderung nach einem demokratischen Entscheid über die Position einer Verwaltungsgrenze mit dem wahllosen Erschießen von Menschen gleich.
Ich bin nicht dünnhäutig, sondern empfinde Diskussionen mit Leuten, die anderer Meinung sind, für gewöhnlich als sehr bereichernd. Da Sie aber offenbar nicht an einer ernsthaften intellektuellen Auseinandersetzung interessiert sind und auch nicht gewillt scheinen, die Minimalstandards (Verzicht auf ad hominem, Strohmann, ad baculum, faulty analogy, Brunnenvergiftung usw.) eines sachlichen Diskurses einzuhalten, belasse ich es von meiner Seite aus jetzt dabei.

Da Am Pere, wenn nicht Harald so geduldig gewesen wäre, trotz allem mit ihm zu diskutieren, schon lange nicht mehr freigeschaltet worden wäre, weil er so ziemlich gegen jede Regel der Netiquette verstoßen hat, ist die Diskussion mit Haralds Ausstieg beendet.

@Am Pere: Weitere Antworten, auch unter geänderter Identität, können Sie sich gerne sparen.

Dank der Glanz Leistung der italienischen und Südtiroler Politiker in den letzten Tagen haben wir ja bald wieder Wahlen und dann kann man ja wieder analysieren.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You are now leaving BBD

BBD provides links to web sites of other organizations in order to provide visitors with certain information. A link does not constitute an endorsement of content, viewpoint, policies, products or services of that web site. Once you link to another web site not maintained by BBD, you are subject to the terms and conditions of that web site, including but not limited to its privacy policy.

You will be redirected to

Click the link above to continue or CANCEL