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Ewig verzögerte Zweisprachigkeit.

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ai

Auf zwei unterschiedliche Landtagsanfragen der STF (Nr. 1275/25 und 1277/25), mit denen — wie so oft — die mangelnde Zweisprachigkeit (aka mangelnde Deutschsprachigkeit) und damit die Missachtung des Rechts auf Gebrauch der Muttersprache bei NISF und Einnahmenagentur thematisiert wurde, hat Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) neulich folgendermaßen geantwortet:

Nach Auskunft des Nationalen Instituts für Sozialfürsorge (NISF) werden den Bürgerinnen und Bürgern grundsätzlich sämtliche Mitteilungen in beiden [sic] Landessprachen bereitgestellt. Das aktuelle Angebot umfasst nahezu 2.000 verschiedene Mitteilungsarten. Bei neu überarbeiteten Mitteilungen kann es jedoch zu Verzögerungen bei der Bereitstellung der deutschen Version kommen, da diese zunächst übersetzt und anschließend in das EDV-System übernommen werden müssen.

Antwort auf Anfrage 1275/25 (Auszug)

Laut Auskunft der Agentur der Einnahmen wird besonderer Wert daraufgelegt [sic], allen Bürgerinnen und Bürgern Mitteilungen und Formulare in beiden [sic] Landessprachen zur Verfügung zu stellen. Bei neuen oder überarbeiteten Dokumenten kann es jedoch infolge des erforderlichen Übersetzungsaufwands zu Verzögerungen kommen.

Antwort auf Anfrage 1277/25 (Auszug)

Dass hier die Position der minorisierenden Stellen zitierend und unkritisch übernehmend behauptet wird, dass »besonderer Wert« auf die Berücksichtigung der deutschen Sprache gelegt und »grundsätzlich sämtliche Mitteilungen in beiden Landessprachen bereitgestellt« würden, halte ich schon an und für sich für eine Unverfrorenheit. Wir alle wissen — und auf wurde es immer wieder dokumentiert —, wie systematisch die angeblich gleichgestellte deutsche Sprache insbesondere von staatlichen Stellen wie NISF (01 02) und Einnahmenagentur (01 02 03 04) diskriminiert wird.

Das ist sicher auch dem Landeshauptmann bekannt, zumal er nicht nur regelmäßig solche Anfragen beantworten muss, sondern auch offizielle Statistiken dazu existieren.

Mindestens ebenso dreist ist jedoch der Versuch, die »Verzögerungen« auf neu überarbeitete Mitteilungen und Dokumente zurückzuführen. Als handle es sich erstens um einen Ausnahme- und nicht um den Normalzustand in all diesen Ämtern — und als wären Übersetzungen Jahrzehnte nach Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts (1972) und nach Erlass der Zweisprachigkeitsbestimmungen (1988) noch immer etwas Außergewöhnliches.

Würde das Recht auf Gebrauch der Muttersprache tatsächlich von irgendjemandem ernst genommen, gäbe es längst etablierte Verfahren und Abläufe, die sicherstellen, dass offizielle deutsche Fassungen zeitgleich mit den italienischen veröffentlicht werden. Dafür wären nun wirklich keine übernatürlichen Kräfte erforderlich, wie die tägliche Praxis in mehrsprachigen Staaten beweist.

So aber handelt es sich um das (von der Landesregierung implizit gedeckte) Eingeständnis einer permanenten Improvisation, die man sich erlauben kann, weil es ja »nur« um eine Minderheitensprache geht. Gleichstellung — und Vorzeigeautonomie — hin oder her.

Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01 02



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Comentârs

5 responses to “Ewig verzögerte Zweisprachigkeit.”

  1. G.P. avatar
    G.P.

    Das nächste Problem, neben den Nicht-Übersetzungen, sind die mangelhaften Übersetzungen. Jede Deepl- bzw. Google-Übersetzung ist besser. Also woran liegt es? Scheint wirklich mutwillig zu geschehen.
    Würde mich mal über einen total verhunzten italienischen Text freuen.

    1. Simon avatar

      Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, kann ich mit derartiger Freude nichts anfangen und denke auch nicht, dass sie uns weiterbringt.

      1. Hartmuth Staffler avatar
        Hartmuth Staffler

        Über einen total verhunzten italienischen Text, deren es ja zur Genüge gibt, freut man sich vielleicht deswegen, weil man glaubt, dass dies unseren italienischen Mitbürgern vor Augen führen könnte, wie übel die Verhunzung von Sprachen ist. Man knüpft daran wohl auch die leider vergebliche Hoffnung, dass solche Beispiele zur Verbesserung der Situation beitragen könnten.

      2. Cicero avatar
        Cicero

        Was bringt uns dann weiter? Die ewig gleichen zu wählen sicherlich nicht, ewig weiter auf die Mängel hinzuweisen auch nicht, wie man zur Genüge gesehen hat.
        Bleibt nur ins Tun zu kommen und andere Parteien zu wählen um den Druck zu erhöhen. Welche?
        Die Grünen werden es eher nicht sein.
        Alternative dazu: Ein Weiter wie bisher.
        Tertium non datur.

      3. Hartmuth Staffler avatar
        Hartmuth Staffler

        @ Cicero: Man kann zunächst einmal die, zugegeben, äußerst limitierten Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung in Südtirol (dazu zählt auch Salto) nutzen und auch in persönlichen Gesprächen versuchen, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass Südtirol ein neues Selbstbewusstsein, aber ohne Überheblichkeit braucht. Und ewig die Gleichen wählen muss man auch nicht. Auch auf den Kandidatenlisten der Parteien hat man je bereits eine, wenn auch extrem beschränkte, Auswahlmöglichkeit.

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