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Regionaldirektion der Einnahmenagentur: Präsentation als Armutszeugnis für die Autonomie.

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Gestern wurde im Palais Widmann die neue Regionaldirektion der Einnahmenagentur für Trentino-Südtirol vorgestellt, der fortan die zwei Landesdirektionen unterstellt sein werden. In einer Pressemitteilung des Landes wird das explizit als Stärkung der Präsenz dieser staatlichen Behörde in Südtirol gefeiert.

Dabei hätte die Einnahmenagentur in Südtirol schon vor über zehn Jahren in die autonome Zuständigkeit übergehen sollen. Mit dem 30. Juni 2014 gab es dafür sogar bereits einen genauen Termin. Doch obwohl alles in trockenen Tüchern zu sein schien, verstrich dieses Datum, ohne dass es jemals zu einer tatsächlichen Umsetzung des Vorhabens gekommen wäre.

Dazu schrieb die SWZ im März 2016:

Fakt ist, dass laut Absatz 515 des Stabilitätsgesetzes 2014 […] die Delegierung der Zuständigkeit innerhalb (sic) 30. Juni 2014 hätte erfolgen sollen. Doch Papier ist geduldig, zumal das Papier, auf dem italienische Gesetze geschrieben werden. Mit dem Stabilitätsgesetz 2016 wurde die Frist auf 31. Dezember 2016 verlängert.

– SWZ 09/16

Auch das Jahresende 2016 ist aber unverrichteter Dinge verstrichen — und jetzt freut sich die Landesregierung sogar darüber, dass der Zentralstaat hier noch mächtiger wird.

Maddalena Travaglini, die in der Pressemitteilung als »Regierungskommissärin des Landes Südtirol« bezeichnet wird — als stünde sie im Dienst der autonomen Verwaltung, anstatt das genaue Gegenteil zu sein, nämlich eine Vertreterin der zentralstaatlichen Oberaufsicht —, wird vielsagenderweise so zitiert:

Von einer Stärkung der staatlichen Verwaltungen im Gebiet (sic1eine holprige Übersetzung von italienisch »territorio«) und von der Umsetzung von Funktionen, die eng mit dem Autonomiestatut verbunden sind, sprach in ihrem Beitrag auch Regierungskommissärin Maddalena Travaglini.

– LPA-Pressemitteilung

Doch nicht nur die Freude über den Ausbau zentralstaatlicher Präsenz im Lande ist erstaunlich, sondern auch noch einige weitere Details.

Foto: LPA/Fabio Brucculeri – von mir zugeschnitten

So hatte Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) in Beantwortung einer Landtagsanfrage erst kürzlich angegeben, dass sich die mangelnde Zweisprachigkeit bei der Einnahmenagentur im Wesentlichen auf neue oder überarbeitete Unterlagen beschränke, da es dort »infolge des erforderlichen Übersetzungsaufwands« zu Verzögerungen kommen könne. Gestern saß er aber  — wie im obigen Bild ersichtlich — unweit eines Aufstellers mit der einsprachig italienischen Bezeichnung der Agentur, obwohl diese schon seit Jahren auch ein offizielles deutsches Logo (vgl.) besitzt.

Diese Symbolik ist — ähnlich wie beim kürzlichen Auftritt von LR Daniel Alfreider (SVP) mit RFI in Schabs — ein Unding, denn damit wird von höchster Ebene signalisiert: Es ist in Ordnung, wenn ihr unsere (auf dem Papier eigentlich gleichgestellte) Sprache systematisch marginalisiert. Und wenn das der Landeshauptmann akzeptiert, warum sollten es denn nicht auch die Bürgerinnen dulden müssen?

Nicht zuletzt wurde sowohl im Titel der Veranstaltung (s. obiges Bild) als auch in der gesamten Pressemitteilung — selbst im deutschen Wortlaut — für Südtirol in der Regionsbezeichnung der im Faschismus oktroyierte Landesname verwendet, und das auch noch in der Reihung Italienisch-Deutsch: Trentino-A. Adige/Südtirol. Ist das schon ein Vorbote der ach so tollen, aber noch gar nicht in Kraft getretenen Autonomiereform, die den Namen der Region bekanntlich auch in der deutschen Fassung des Autonomiestatuts »tolomeisch« italianisieren wird?

Cëla enghe: 01

  • 1
    eine holprige Übersetzung von italienisch »territorio«


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