Kürzlich ist das Foto einiger Fußballfans aufgetaucht, die beim WM-Spiel zwischen Österreich und Algerien eine Südtirol-ist-nicht-Italien-Flagge dabei hatten. Dies veranlasste Landesrat Christian Bianchi (FI) zu einer schwerwiegenden Entgleisung: Laut einem Bericht des Corriere pathologisierte er die Fans als geisteskrank.1im Original: malati di testa
Nun ist es international gang und gäbe, dass Minderheiten und Unabhängigkeitsbewegungen große Sportveranstaltungen nutzen, um Sichtbarkeit zu erlangen und für ihre Anliegen zu werben. Riesengroße Catalonia-is-not-Spain-Banner haben bei Spielen des FC Barcelona eine lange Tradition — ebenso wie politische Symbolik aus Schottland oder Kurdistan.
Dass hierzulande etwa Spiele des FC Südtirol oder des HC Bozen regelmäßig von italienisch-nationalistischen bis faschistischen Gruppierungen (01 02) monopolisiert werden, dürfte diesbezüglich nahezu einmalig sein.
Uns war bereits aufgefallen, dass Landesrat Bianchi Schwierigkeiten mit demokratischen Grundregeln hat. Doch eine derartige Stellungnahme ist selbst für ihn außergewöhnlich.
Gerade jemand, der die Regenbogenflagge mit Verweis auf eine angeblich gebotene Neutralität der öffentlichen Institutionen aus der Landespressekonferenz verbannen wollte, hält von Neutralität offenbar wenig, wenn es um die Beleidigung von Menschen geht, deren politische Ideen ihm missfallen. Es mag ihm gegen den Strich gehen, doch dass Südtirol nicht Italien sei, ist eine demokratisch völlig legitime Position. Man kann sie inhaltlich scharf kritisieren, ablehnen oder bekämpfen — aber man darf ihr, schon gar als Mitglied der Landesregierung, nicht mit Hassrede und Pathologisierungen begegnen.
Wenn Andersdenkende als krank dargestellt werden, ist eindeutig eine Grenze überschritten.
Die SVP als Seniorpartnerin in der Regierungsmehrheit, die für die Ernennung von Bianchi verantwortlich ist, sollte die undemokratische Äußerung ihres Koalitionspartners klar verurteilen. Hier geht es ausdrücklich nicht darum, ob man für oder gegen eine Loslösung Südtirols von Italien ist, sondern um demokratische Mindeststandards und Meinungsfreiheit.
Wozu macht das Land teure Kampagnen für Respekt (pardon: Respect) und für Verantwortung im Netz, wenn die Mitglieder der Landesregierung wiederholt selbst mit schlechtem Beispiel vorangehen?
Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 06
- 1im Original: malati di testa

Scrì na resposta