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BEeindruckend, NEbeneinander, LUXuriös.
Belgien, Niederlande und Luxemburg in a Nutshell

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In der Folge eine völlig willkürliche Reihe an Beobachtungen, die meine Eindrücke einer Reise nach Benelux aus -politischer-Sicht zusammenfassen:

  • Das ist jetzt zwar keine bahnbrechende und auch keine neue Erkenntnis, aber die Radinfrastruktur in den Niederlanden ist insane. Die schiere Menge an Fahrrädern, die einem begegnet, ist überwältigend.

Fährenterminal mit Fahrradparkplätzen und hunderten radfahrenden Fährenbenutzerinnen in der Nähe des Amsterdamer Bahnhofs

Die Niederlande haben vor allem in den Städten – aber nicht nur dort, denn auch in der “Pampa” findet man zweispurige, von der Autofahrbahn durch Grünstreifen abgegrenzte, Radwege – ein Verkehrskonzept umgesetzt, das Fahrrädern ähnlich viel Platz – und stellenweise sogar mehr öffentlichen Raum – einräumt wie dem motorisierten Verkehr.


Autos haben Nachrang und sind nur “Gast” auf dieser Straße in Maastricht.

Viele Strecken in den Städten sind laut Google Maps mit dem Fahrrad schneller zu bewältigen als mit dem Auto. Für Autos gilt in Amsterdam fast flächendeckend eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h. Entsprechend gut wird das Radwegenetz angenommen, obwohl die Niederlande jetzt nicht wirklich für stabiles Wetter und massig Sonnenstunden bekannt sind. Alt und Jung, Anzugmenschen und Studentinnen, Renn- und Lastenfahrradler sind nachhaltig und gesundheitsförderlich auf ihrem “Fiets” (niederländisch für Fahrrad) unterwegs.

Bei all der Fahrradeuphorie kommt die Fußgängerinnenmobilität zumindest in manchen Teilen sprichwörtlich etwas unter die Räder. Das Überqueren der Straße kann zum Spießrutenlauf (inkl. fluchender niederländischer Radlerinnen) werden und manchmal ist das Ausweichen auf die Fahrbahn aufgrund zugeparkter Gehwege – Vorsicht Wortspiel – unausweichlich.

Vollgeparkter Gehsteig auf einer Brücke in Amsterdam.

  • Entgegen landläufiger Meinung war und ist der Besitz, Konsum und Verkauf von Cannabis (und freilich auch harter Drogen) in den Niederlanden nicht legal. Es herrscht lediglich das sogenannte “Gedoogbeleid”-Prinzip, also eine Duldungspolitik. Privater Besitz und Konsum im Ausmaß von 5 Gramm wird nicht polizeilich verfolgt. Zudem können lizensierte Coffeeshops diese Mengen verkaufen, was auch “Drogentourismus” zur Folge hat(te). Paradoxerweise können sich besagte Coffeeshops jedoch nicht legal mit Cannabis versorgen und es hat sich ein “Backdoor-Problem” entwickelt, wonach die verkauften Drogen vom Schwarzmarkt stammen, der von organisierter Kriminalität bestimmt wird.

“How to Amsterdam”-Hinweis

Die niederländische Regierung hat in den vergangenen Jahren Schritte gesetzt, um beider Probleme (Schwarzmarkt und Drogentourismus) Herr zu werden. Seit dem 1. Jänner 2013 gibt es das “Ingezetenencriterium” (Wohnsitzkriterium), demgemäß Coffeeshops nur noch an Personen mit Wohnsitz in den Niederlanden verkaufen dürfen. Ob dieses Kriterium jedoch aktiv durchgesetzt wird, ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. In Amsterdam beispielsweise können Touristen nach wie vor Cannabis in Coffeeshops erwerben.

Seit 2025 läuft zudem das sogenannte “Weed-Experiment” in ausgewählten Gemeinden, wo Coffeeshops nur noch Cannabis von staatlich lizensierten Produzenten verkaufen dürfen. Dies soll langfristig den Schwarzmarkt und die damit einhergehende Kriminalität unterbinden.

Disclaimer: Grund dieses Diskurses ist nicht mein Interesse an Drogen, sondern mein Erstaunen als erstmaliger Amsterdambesucher darüber, dass man sich in der gesamten Innenstadt keine zwei Minuten bewegen kann, ohne dass einem der Geruch von Cannabis schwallartig in die Nase steigt. 

  • Unmittelbar neben dem Königlichen Palast in Brüssel befindet sich ein großes Reiterstandbild Leopolds II. Der Herrscher aus dem deutschen Adelsgeschlecht Sachsen-Coburg und Gotha war von 1865 bis 1909 König der Belgier und für die sogenannten “Kongogräuel” verantwortlich. Der Kongo-Freistaat, der sich ungefähr auf das Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo erstreckte, war des Königs Privatbesitz. Leopolds brutale, kolonialistische Herrschaft forderte nach unterschiedlichen Schätzungen 1 bis 10 Millionen Todesopfer, die durch Hunger, Krankheiten und Massaker ums Leben kamen.

Eine Taube scheißt dem König auf den Kopf. 

Im Moment steht das verherrlichende Monument noch unkommentiert im öffentlichen Raum an prominenter Stelle. Nach Protesten, einer Unterschriftenaktion mit 45.000 Teilnehmerinnen und mehreren Vandalenakten gibt es aber Bestrebungen der Brüsseler Stadtregierung, das Denkmal zu “dekolonialisieren” bzw. zu kontextualisieren.

  • Die Region Brüssel-Hauptstadt zählt gemäß BIP/Kopf und Kaufkraft (Platz 4 von 244 NUITS-2-Regionen) zu den wohlhabendsten Gegenden der EU (wobei das hohe Pendleraufkommen und der Sitz vieler internationaler Unternehmen und Institutionen dies freilich etwas relativiert). Dennoch wirkt Brüssel subjektiv für mich im Vergleich zu niederländischen Städten und vor allem Luxemburg “schmuddelig”. Es gibt ein überall sichtbares und gefühlt großes Problem mit Obdachlosigkeit. Unmittelbar vor dem Europäischen Parlament, in der Altstadt und vor High-Street-Nobelboutiquen leben Menschen auf der Straße. Laut der Organisation Bruss’Help sind es rund 10.000 Personen, die in der Region (ca. 1,25 Mio Einwohner) von Obdachlosigkeit betroffen sind und viele davon konzentrieren sich auf die Stadt Brüssel (ca. 200.000 Einwohner).

Müllsäcke liegen vor dem Eingang einer Boutique in der Einkaufsstraße Av. Louise. 

Neben dieser großen Ungleichheit trägt auch das Brüsseler Müllentsorgungssystem dazu bei, dass Ville de Bruxelles (obwohl die Region Brüssel-Hauptstadt vom mehrheitlich niederländischsprachigen Flandern umgeben ist, ist die Verkehrssprache in der Stadt mehrheitlich Französisch) nicht so “repräsentativ” daherkommt, wie man es vielleicht von der europäischen Hauptstadt erwarten würde. Es wird zwar Recycling betrieben (verschiedenfarbige Säcke), aber der – oft stinkende – Müll wird einfach auf dem Gehsteig deponiert, wo er dann mitunter auch Tage auf Abholung wartet.

  • Im (architektonisch abscheulichen) Europaviertel findet sich das interaktive Besucherzentrum des Europäischen Parlaments – “Parlamentarium” genannt. Mittels Audioguide kann man dort in allen offiziellen Amtssprachen der EU die Geschichte der europäischen Integration und die Arbeit des Parlaments recht ansprechend und ausführlich erforschen. Südtirols Europaparlamentarier Herbert Dorfmann stellt sich in seinem Vorstellungsvideo auf Deutsch als Vertreter einer Minderheit in Italien vor.

Informationen zu Herbert Dorfmann im Parlamentarium

  • Vor allem in den Niederlanden lautet das Motto “Card is king”. Nahezu alles wird mit Karte bzw. Handyapp bezahlt. Schilder mit “No cash accepted” sind keine Seltenheit. Die Schließfächer am Amsterdamer Bahnhof lassen sich ausschließlich mittels Kredit- oder Debitkarte bezahlen. Umgekehrt kann man am Aachener Bahnhof – wo wir einen kurzen Zwischenstopp hatten – Schließfächer nur mit 50-Cent-, 1- und 2-Euro-Münzen bedienen, wobei kein Restgeld gegeben wird. Im Bus in Maastricht checkt man beim Einstieg an einem Automaten (ähnlich jenem für den Südtirol-Pass) mit Kredit- bzw. Debitkarte ein und beim Ausstieg wieder aus. Das entsprechende Fahrtgeld wird dann automatisch für die gefahrene Strecke abgebucht. Ein Ticket beim Fahrer zu lösen ist zwar vorgesehen, jedoch teurer als die Check-in-check-out-Variante.
  • Zwischendurch lasse ich einige bebilderte, sprachliche Aspekte, die mir im Zusammenspiel von Niederländisch, Französisch, Deutsch, Lëtzebuergesch und einiger anderer Sprachen aufgefallen sind, hier.
    Davor aber zum Einstieg noch diese Perle:

Einsprachig italienische Informationen und Ortsnamen im Trenitalia-Zug von Brixen zum Brenner 

In Belgien gibt es drei Regionen: die Region Brüssel-Hauptstadt (von der flämischen Region umgeben, jedoch mehrheitlich französisch), die flämische Region (auch Flandern genannt und mehrheitlich niederländischsprachig) und die wallonische Region (mehrheitlich französischsprachig). Innerhalb Walloniens finden wir die Deutschsprachige Gemeinschaft in Ostbelgien, die jedoch keine eigenständige Region darstellt, sondern der Provinz Lüttich (Liège) angehört. Belgien als solches ist also nicht durchgehend dreisprachig, sondern es gibt ein Nebeneinander der Sprachgruppen, was sich auch in öffentlicher und privater Beschilderung widerspiegelt.

Im belgischen Dinant in der Wallonie habe ich italienisches Wasser getrunken, das englisch gebrandet und auf Französisch, Deutsch und Niederländisch beschriftet war.

Die offizielle Beschilderung in Ostbelgien ist zweisprachig Deutsch-Französisch (in dieser Reihenfolge und auch auf der Autobahn), mit Ortsbezeichnungen, die vielfach nur einnamig sind.

Private Beschriftungen sind auf dem Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft hauptsächlich einsprachig Deutsch.

Im Süden der Niederlande finden sich in der Provinz Limburg zweisprachige Ortsschilder. Limburgisch ist eine in den Niederlanden anerkannte Regionalsprache, die in die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufgenommen wurde, und die sowohl in der niederländischen als auch in der gleichnamigen belgischen Provinz Limburg gesprochen wird.

Das limburgische Dorf Lemieësj (Lemiers) liegt sowohl in den Niederlanden (Gemeinde Vols/Vaals) als auch in Deutschland (Stadt Aachen).

Luxemburg hat als National- und Amtssprache Luxemburgisch (Lëtzebuergesch) und als weitere Amtssprachen Französisch und Deutsch.

Innerhalb Luxemburgs und in Belgien wird Luxemburg – Stadt wie Land – auf offiziellen Schildern in seiner französischen Schreibung ausgezeichnet.

Im Logo der Polizei ist die Ortsbezeichnung allerdings wieder einsprachig auf Luxemburgisch.

Straßenschilder in der Stadt Luxemburg sind auf Französisch (groß) und Luxemburgisch (klein) verfasst. Deutsch als dritte Amtssprache scheint nicht auf.

Auf den meisten nicht-offiziellen Beschilderungen taucht wiederum Luxemburgisch in der Stadt kaum auf (man hört es höchstens ein paar Einheimische sprechen, wenngleich Französisch dominanter zu sein scheint). Oft gibt es die Kombination Deutsch, Französisch und Englisch (in unterschiedlicher Reihenfolge). 

Offizielles Schild der Stadt Luxemburg (Logo rechts unten) auf Französisch und Englisch mit deutsch/luxemburgischem Flurnamen 

Einige wenige Schilder sind einsprachig Luxemburgisch – wie hier der “Kirschweg” (auch wenn Südtirolerinnen eher den “Keschtnweg” vermuten würden). 

  • Im – Vorsicht Triggerwarnung – Kleinstaat Luxemburg sind sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel (Bus, Straßenbahn, Zug, Aufzüge und Seilbahnen) kostenlos und gleichzeitig hochmodern. Die Busse in der (hügeligen) Stadt Luxemburg sind großteils elektrisch betrieben (bis 2027 soll die gesamte Flotte aus emissionsfreien E-Fahrzeugen bestehen) und die Tram gleicht mehr einem Raumschiff. Dennoch sind die Fahrzeuge nicht überfüllt. Die SUV-Dichte in der Stadt ist gleichzeitig enorm hoch (Audi, BMW, Mercedes und Porsche mit luxemburgischen Kennzeichen an allen Ecken).

Hochmoderne und zugleich kostenlose Straßenbahnlinie in Luxemburg Stadt 

Nicht umsonst gilt Luxemburg als das wohlhabendste Land der Welt (wenngleich auch hier wieder das hohe Pendleraufkommen und die internationalen Firmensitze relativierend wirken und man Aspekte wie die Steuerpolitik auch kritisch sehen kann). Jedenfalls ist es Beleg dafür, dass kleine Staaten sehr erfolgreich sein können und der in diesem Zusammenhang auch in Südtirol immer wieder artikulierte Vorwurf der Kleinstaaterei (aka “Balkanisierung”) in so einem mehrsprachigen, europafreundlichen und kosmopolitischen Umfeld richtiggehend lächerlich wirkt. Zumindest äußerlich erscheint alles in dieser Stadt luxuriös, gepflegt und hochwertig, gleichzeitig aber weniger versnobt als beispielsweise im Zwergstaat Monaco.

  • Im Schaufenster eines Reisebüros ist mir folgende Anzeige ins Auge gestochen. Beworben wird eine Reise nach “Tyrol/Italie”. Im französischen Text wird klar, dass es um Südtirol (“Tyrol du Sud”) geht, mit Direktflug nach “Bolzano”.

Anzeige von Voyages Flammang 

  • Die Deutsche Bahn wurde ihrem schlechten Ruf einmal mehr gerecht. Bei der Hinfahrt von Innsbruck im ÖBB-Nightjet nach Amsterdam lief bis München alles nach Plan. Danach rissen wir eine Verspätung von 84 Minuten auf. Unser bereits gebuchter Rückfahrzug wurde generell gecancelt. Der Zug, den wir stattdessen nahmen, sowie jener von München zurück nach Innsbruck änderte Umstiegs- bzw. Abfahrtsbahnhof und die Reservierung, die wir vorgenommen hatten, konnten wir auch nicht in Anspruch nehmen, da unsere Plätze aufgrund einer Doppelreservierung bereits belegt waren. Stellenweise hatten wir auch noch mehr als eine Stunde Verspätung, um am Ende dann doch 4 Minuten zu früh in Innsbruck anzukommen!? (Glitch im Raum-Zeit-Kontinuum ist meine Vermutung)

Cëla enghe: 01 02



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