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Tag der Trikolore.

Am 7. Jänner begeht Italien den »Tag der Trikolore«. Der Südtiroler Schützenbund und die Rechtsparteien rebellieren. Der Landeshauptmann beschwichtigt: Alles halb so wild.

So der Aufmacher von Südtirol Online am 6. Jänner.

Wenn es um die nationalstaatliche Symbolik geht, gleichgültig ob es um die Trikolore oder um Südtiroler SportlerInnen im italienischen Nationalteam geht, ist immer alles halb so problematisch. Es wird relativiert und das Problem als unbedeutend dargestellt. Die Gefühle derjenigen SüdtirolerInnen, die mit der nationalstaatlichen Symbolik ein Problem haben, werden bagatellisiert oder lächerlich gemacht.

Nicht so umgekehrt. Als vor etlichen Jahren einige Unterlandler Gemeinden die Andreas-Hofer-Hymne, die die offizielle Tiroler Landeshymne ist, zur Gemeindehymne erheben wollten, waren die Befindlichkeiten derjenigen SüdtirolerInnen, die damit ein Problem haben könnten, plötzlich von großer Bedeutung.

Wobei man beide Symbole nicht einmal direkt vergleichen kann: Hier die italienische Trikolore als Symbol, das einen nationalstaatlichen Narrativ verkörpert, also für einen Teil der SüdtirolerInnen immer ausschließend wirkt; und dort die Tiroler Landeshymne, für die es sogar eine italienische Variante gibt und die somit zumindest vom historischen Kontext unser mehrsprachiges Land verkörpert, auch wenn zeitgemäßere Südtiroler Symbole durchaus wünschenswert wären.

Wenn wir in den nationalstaatlichen Narrativen gefangen bleiben wollen, könnten wir ebensogut am 26. Oktober die österreichische Flagge auf allen öffentlichen Gebäuden hissen, da Österreich ja schließlich die Schutzmacht Südtirols ist; oder gar am 3. Oktober, wenn wir es ganz nationalstaatlich machen wollen, die deutsche Flagge, da Südtirol ja in bestimmter Weise Teil des deutschen Kultur- und Sprachraumes ist. Mal sehen, was da unsere Relativierer vom Dienst so von sich geben würden und ob da etwaige Befindlichkeiten auch bagatellisiert bzw. lächerlich gemacht würden.

Das Online-Portal Salto hat zu diesem Thema etliche Bürgermeister befragt: Merans Bürgermeister Paul Rösch hätte, wäre er schon im Amt gewesen, die Trikolore sogar zum 100-jährigen Eintritt Italiens in den 1. Weltkrieg gehisst. Der Hoffnungsträger Rösch überspringt die sich bietenden Fettnäpfchen nur ungern.
Ansonsten wird bei den drei befragten Bürgermeistern abgewiegelt: Man habe wichtigeres zu tun. Bleibt noch die Frage, wie das Regierungskommissariat, das die Gemeinden zum Trikolore-Hissen ja immer penibel auffordert, reagieren würde, wenn der eine oder andere Bürgermeister, da es ja anscheinend ein »problema di secondo piano« (Salto) ist, dem Hissen der Trikolore nicht nachkommen würde?
Da wäre dann wohl Schluss mit lustig und die Carabinieri würden einschreiten, wie damals bei den Wanderschildern.

Noch eine Frage: Wie gedenkt denn unser Landeshauptmann Fortschritte im Bereich Autonomie-Patriotismus zu erreichen, wenn im Zweifelsfall immer die nationalstaatlichen Symbole zum Zug kommen? Den Vorschlägen in Richtung Südtiroler Symbolik, wie z.B. eigenständige Südtiroler Sportmannschaften, erteilt die Autonomie-Patriotismuspartei ja immer eine Absage.

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11 replies on “Tag der Trikolore.”

Ob es der sich intellektuell gebende Bürgermeister Rösch ist oder das Forum in der Neuen Südtiroler Tageszeitung, wo es eher grobschlächtig zugeht, der Tenor ist stets der gleiche:
Alles was unsere Identität betrifft ist ein “problema di secondo piano”. Der Salurner Bürgermeister im Salto Artikel muß sich um die kaputte Heizung kümmern, er ist scheinbar damit überfordert, sich auch noch um dieses Problem zu kümmern. Um es in der Sprache der Informatik zu formulieren: sind wir in Südtirol nicht multitaskingfähig ?

Für mich ist es (anders als im Fall des italienischen Kriegseintritts) auch ein zweitrangiges Problem. Wirklich. Man darf sich aber auch um Zweit- und Drittrangiges kümmern, so wie das jeder Mensch täglich tut.

Und die Frage ist schon berechtigt: Was wäre passiert, wenn der Salurner BM umgekehrt gesagt hätte, er muss sich um die kaputte Heizung kümmern und hat deshalb keine Zeit, die Flagge raushängen zu lassen?

Man könnte (sehr) frei nach John Lennons

life is what happens to you while you are busy making other plans

auch sagen

national subjugation is what happens to you while you’re busy fixing the heater

Wobei ersteres natürlich unendlich poetischer ist ;-)

Wenn man den Ausdruck von Rösch wörtlich nimmt, dann bin ich durchaus auch der Meinung, daß es in der zweitgrößten Stadt Südtirols wichtigere Probleme gibt. Ich habe allerdings den Verdacht, daß der Ausdruck vom “problema di secondo piano” lediglich eine diplomatische Formulierung für “das geht uns am A…. vorbei” ist. Wobei zweiteres natürlich weniger poetisch ist :-)

Die SVP und ihre Exponenten rebellieren. Ministerpräsident Renzi beschwichtigt: Alles halb so wild.

So läuft das Ganze doch auch wenn es um den “Autonomiepatriotismus” geht. Wie im Großen so im Kleinen… ;)

Volle Zustimmung zum Artikel. Das “Benehmen” der SVP und Konsorten ist zum Fremdschämen.
Und ich wette, kein einziger Bürgermeister im Land hatte den Mut, hatte genug Rückgrat, es drauf an kommen zu lassen, und die Trikolore nicht zu auszuhängen.

…. auch wenn zeitgemäßere Südtiroler Symbole (als die Tiroler LAndeshymne) durchaus wünschenswert wären……

Er kanns nicht lassen: Grüner Rösch wieder mit Trikolore,am Tag der Befreiung vom Faschismus!😓🙄😌👎

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