SVP zum Fascho-Konzert.

pérvasion, 2. September 2010

In einer Presseaussendung reagiert die SVP — ziemlich hilflos — mit »Unverständnis« auf die Genehmigung des rechtsextremistischen Konzerts in Bozen. Eine langjährige Regierungspartei darf in einem solchen Fall jedoch nicht reagieren, sie muss agieren.

Sie muss sich fragen, aus welchem Grund die Landesregierung nicht mitentscheiden darf, ob dieses skandalöse Konzert (wenige Meter vom ehemaligen Durchgangslager entfernt!) stattfindet. Staatliche Behörden (Polizei und Präfekt) machen das unter sich aus.

Und sie muss sich fragen lassen…

  • was sie konkret unternommen hat, um Zuständigkeiten in der öffentlichen Sicherheit zu erlangen;
  • warum jahrelang tatenlos zugesehen wurde, wie sich in Bozen ein rechtsextremistisches Milieu entwickelt;
  • wie es möglich ist, dass die “Faschisten des dritten Jahrtausends” (Eigendefinition!) nicht nur geduldet, sondern auch noch mit Südtiroler Steuergeldern gefördert werden — wenn etwa die rechtsextreme Casapound für ihre Bücherei vom Wobi bezuschusste Räumlichkeiten erhält.

Staatliche Kampagnen.

pérvasion, 1. September 2010

Sehr geehrter Herr Regierungskommissär,

im Rahmen von Sensibilisierungskampagnen führen staatliche Stellen (Ministerien, Ämter, Agenturen…) immer wieder Werbe- und Plakataktionen durch, die leider auch in Südtirol oft einsprachig italienisch sind.

Die Fotos im Anhang, welche ich am Bahnhof Bozen gemacht habe, zeigen etwa eine Regierungskampagne zur Gewalt gegen Frauen und eine soeben angelaufene Sensibilisierungskampagne des Gesundheitsministeriums zur Arbeitssicherheit.

Was unternimmt das Regierungskommissariat, um sicherzustellen, dass auch diesbezüglich die einschlägigen Zweisprachigkeitsbestimmungen eingehalten werden?

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Simon Constantini, Brixen
www.brennerbasisdemokratie.eu

Grüne: Gedächtnis statt Missbrauch!

pérvasion, 1. September 2010

In einer Stellungnahme äußern sich die Landesvorsitzenden der Grünen heute zum Umgang mit dem Siegesdenkmal in Bozen.

Wir Grüne erinnern daran, dass wir seit Jahren mit dem Vorschlag des Gedächtnisparcours in Bozen auf taube Ohren stoßen — dabei wäre dies der einzige Weg, Frieden mit dem Denkmal zu schließen. Der Sinn ist es, das Denkmal zu erklären (dazu reichen die derzeitigen, winzigen und kaum sichtbare Tafeln nicht aus!) und seine Geschichte allen BoznerInnen, SüdtirolerInnen und TouristInnen zu erschließen. Bozen hat als Stadt zweier Faschismen eine einzigartige Architektur und urbanistische Struktur. Diese muss verständlich gemacht werden – möglicherweise in einer Art Freilichtmuseum. Das Denkmal ist das, was wir daraus machen. Es kann als Zeichen und Zeugnis unserer aller leidvoller Geschichte gesehen werden.

Es kann aber auch missbraucht werden — zum Beispiel, wenn es weiterhin als Ort der Verherrlichung des Faschismus dient oder andererseits für die Fortschreibung der einseitigen Opferrolle der deutschsprachigen Südtiroler benutzt wird.

Wir fordern daher erneut auf, das Projekt „Bozen als Europäische Stadt der Erinnerungen“ aufzugreifen und die Diskussion um das Siegesdenkmal endlich zu versachlichen.

Siehe auch: [1]
Foto: Wikipedia/Hubert Berberich.

Antifa-Demo in Bozen.

pérvasion, 31. August 2010

Die Antifa organisiert am Freitag, den 3. September in der Landeshauptstadt eine Antifaschistische Kundgebung. Die Brennerbasisdemokratie unterstützt die Demo und ruft zur geschlossenen Teilnahme auf!

Der geplante Auftritt der bekanntesten Band der italienischen neofaschistischen Szene „Zetazeroalfa“ – in Bozen ist nur die Spitze des Eisberges. Er lenkt jedoch den Blick auf ein gesellschaftliches Problem, das in Bozen viel zu lange ignoriert wurde: Neofaschistische Gruppierungen, allen voran „Casapound“, die sich um die Bar8 ein kleines schwarzes Universum aufgebaut hat, sind auf dem Vormarsch. In einem Klima, das von ethnischer Hetze und Rassismus geprägt ist, finden neofaschistische Ideologien schnell fruchtbaren Boden.

Wir wollen ein Zeichen setzen gegen die neofaschistische Achse von Casapound über Unitalia bis in den PDL hinein und für einen antifaschistischen und antirassistischen Konsens, den es auch in Südtirol herzustellen gilt! Dafür lohnt es sich, am Freitag auf die Straße zu gehen!

Freitag, 03. September 2010 um 18:00 Uhr
Kornplatz | Bozen Zentrum

Zukunft Europa: Zwei »Aspekte«.

pérvasion, 29. August 2010

Das ZDF-Kulturmagazin Aspekte vom 27.08.2010 war der Zukunft Europas gewidmet. Zwei Beiträge — jenen des Dirigenten Pierre Boulez und den des Schriftstellers Robert Menasse — möchte ich hier wiedergeben, weil ich sie besonders interessant finde:

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Die gesamte Sendung hier in der ZDF-Mediathek.

Faschistisches Konzert in Bozen.

pérvasion, 29. August 2010

Am kommenden Samstag ist in Bozen ein Konzert der rechtsextremistischen Band ZetaZeroAlfa um Casa-Pound-Chef Gianluca Iannone geplant. Wie am Freitag bekannt wurde, wird das Konzert im dub stattfinden. Dabei handelt es sich um eine Diskothek, die von zwei DJs eigens gegründet wurde, um in der Landeshauptstadt einen Raum für alternative Musik zu schaffen. Laut eigenem Internetauftritt ist das dub vor allem der Techno-, House- und Afro-Musik verpflichtet. Der unkonventionelle Mix sei der Erkenntnis geschuldet, dass es »nur zwei Arten von Musik« gebe: gute und schlechte.

An dieser Stelle fragt man sich, was an faschistischer Musik gut sein kann — es sei denn vielleicht, man ist so naiv, die Musik getrennt von den extremistischen Texten, den Band-Anhängern und den Unwerten, die sie transportiert, zu beurteilen.

Dass in Bozen eine »ganz normale« Diskothek den Faschos Platz für ihre Konzerte bietet, ist ein besorgniserregender, nicht hinnehmbarer Beitrag zur Verharmlosung. Die Antifa spricht von »Hohn« für Südtirol, wenn am 4. September eine Horde von Nazis nach Bozen kommt, um zu »gewaltverherrlichender«, »rassistischer« Musik zu tanzen und auszurasten.

Wo bleiben Polizei und Regierungskommissariat, welche für ihre richtigerweise unnachgiebige Haltung gegenüber Südtiroler Nazis bekannt sind? Wo bleibt die Landesregierung? Wenn das Gesetz wirklich keine Handhabe gegen rechtsextremistische Veranstaltungen bietet, ist dringend Abhilfe zu schaffen. Südtirol braucht effektive Zuständigkeiten im Bereich der öffentlichen Sicherheit.

Die BBD ruft dazu auf, an den angekündigten Gegenveranstaltungen teilzunehmen und das dub fortan zu meiden.

Spiegel-Reflexion.

pérvasion, 29. August 2010

von/di Enrico De Zordo

Anstatt sie auszurotten, kann die Zweisprachigkeit die Blödheit bisweilen verdoppeln.

Riflessione davanti allo specchio.

Il bilinguismo. anziché estinguere l’imbecillità, può talvolta duplicarla.

Übersetzung: BBD/SC/SK.

Südtiroler | Altoatesini.

pérvasion, 29. August 2010

di/von Enrico De Zordo

Se i sudtirolesi non esistessero, gli altoatesini sarebbero tutti interetnici. Proprio come i sudtirolesi se non ci fossero gli altoatesini.

Wenn die Südtiroler nicht existierten, wären die Altoatesini allesamt interethnisch. Genau so wie die Südtiroler, wenn es keine Altoatesini gäbe.

Übersetzung: BBD.

Szenarien der Macht.

pérvasion, 25. August 2010

Ein italienisches Bühnenstück.

von Florian Dreher*


Italien erfährt seit 1994, dem Amtsantritt Silvio Berlusconis, dem Cavaliere und seiner Mitte-Rechts-Koalitionen, eine anhaltende „Entfaschistisierung des Faschismus“ (Mattioli). Jedoch muss festgehalten werden, dass eine konsequente Aufarbeitung des Ventennio nero, der Ära der Mussolini-Diktatur, selbst in der Nachkriegszeit nie stattgefunden hat. Erste Anzeichen einer kritischen Diskussion über die italienischen Verbrechen in Äthiopien und Libyen entflammten beim Staatsbesuch in Rom 2009, als Revolutionsführer Gaddafi am Revers seiner Uniform, für alle gut sichtbar, ein Foto von libyschen Zwangsarbeitern befestigte. Durch einen geschickt eingefädelten Ablasshandel darf sich nun Berlusconi als bester Freund Gaddafis sehen (Spiegel-Interview, 3.1.2010) und sich die Vorkaufsrechte der libyschen Ölkonzessionen für Italien vorbehalten.

Mag diese Grund- und Verweigerungshaltung den Nährboden für das Wiederaufkeimen faschistischen Irrglaubens bereitet haben, geht es heute vor allem um die Meinungs- und Deutungshoheit politischer Bilder und Orte – Szenarien der Macht.  Die Bilder der Vergangenheit werden wiederbelebt und nachgestellt, in ihrem Inhalt entkernt und neu codiert. Dabei, aus Gründen der Legitimation und ihrer Rückverankerung in der Gesellschaft, spielt der öffentliche Raum als Bühne eine entscheidende Rolle. Bild und Raum sind wesentlicher Bestandteil dieser Handlung.

Für die rechte Szene in Italien ist der öffentliche Raum Wiederentdeckung und Laboratorium zugleich. Ihre Aktionen werden geduldet und wahrgenommen. Um sich dauerhaft im kollektiven Gedächtnis einzunisten wird der Heldenkult und Märtyrertod, also die Erinnerungskultur, gefordert wie bespielt.

Jugendverbände, wie die zum rechten Spektrum zuzuordnende Berlusconi-Bewegung Azione Giovani in Rom, verlangen öffentlich für ihre im „Kampf gefallenen Kameraden“ die Umbenennung von Straßenzügen. Letztendlich ist das bereits gang und gäbe, selbst wenn der vorherige Namensträger aus den Kreisen der Resistenza, des faschistischen Widerstandes kam. Die Grabenkämpfe zwischen Links und Rechts, den Veteranen der Resistenza und den Sympathisanten der letzten Mussolini-Regierung von Salò, werden immer noch offen ausgetragen. Als ebenso gute Patrioten sollen die übriggebliebenen Mussolini-Brigaden im Bewusstsein der Gesellschaft ankommen. Unterfüttert werden all diese Reklamationen durch aktive Beteiligungen von Regierungsmitgliedern, wie der Ministerin für Jugend, Giorgia Meloni, die 2009 öffentlich Kränze für Neofaschisten niederlegte oder der Tourismusministerin Michela Brambilla, die auf Wahlveranstaltungen ihren Arm zum „Römischen Gruß“ gen Himmel streckt. Selbst die Duce-Verehrung erfreut sich seit Jahren wieder höchster Beliebtheit und geht bis an die Grenzen des erträglichen. Neben beliebten „iMussolini-Apps“ fürs Telefonino, einem Taschen-Führer to go, werden die Duce-Rufe, mit denen sich Berlusconi auch von seinen Parteianhängern hochfeiern lässt, immer lauter. Grund für die ansteigende Faszination des Duce, nicht nur der Apps wegen, sei die Neugier, wie diese Person es geschafft habe, ein Volk zusammenzuhalten und Italien an den Fortschritt anzubinden. Bei der historischen Rekonstruktion ginge man eben nicht nur die traditionellen Wege, so Michele Pigliucci von Azione Giovani im Interview mit Kulturzeit.

Per una laicità del plurilinguismo.

pérvasion, 21. August 2010

di Valentino Liberto

In relazione all’intervento di Brigitte Foppa sulla toponomastica (“Alto Adige” di mercoledì [1][2]), mi permetto di suggerire qualche ulteriore sfumatura di carattere più generale. Riguardo le conclusioni dalla portavoce dei Verdi, dissento in parte: per quanto sia presuntuoso credere di risolvere una materia di per sé irrisolvibile, occorre lavorare affinché chi governa eserciti la propria responsabilità politica e ponga fine a una problematica sentita che altrimenti permarrà in eterno. Ciò richiede uno sforzo significativo da ambedue le parti: il cammino verso una convivenza consolidata (lo insegna anche Mandela) è segnato da gesti simbolici di riconciliazione. Chiunque, nessuno escluso, è tenuto a fare un passo indietro, raggiungendo un compromesso. In Sudtirolo potremmo cercare di fare un passo in avanti.

Come sappiamo, lo Statuto d’Autonomia prevede tra i suoi cardini l’esercizio della potestà legislativa autonoma per la materia toponomastica, “fermo restando l’obbligo della bilinguità”. Lo stesso Statuto implica ulteriori meccanismi di gestione del “compromesso etnico” (scuole separate in madrelingua e proporzionale, per esempio) applicati sinora in maniera molto rigida e perlopiù a senso unico, essendo norme concepite principalmente a tutela delle due minoranze “nazionali” tedesca e ladina. Gran parte delle persone che “da sinistra” difendono l’interpretazione pseudo-letterale del comma sui toponimi, pretendono al contempo maggiore flessibilità per quanto contemplato nell’art. 19 (quello che limita una profonda riforma del sistema scolastico locale, ancora largamente basato sul predominio del monolinguismo). La necessità d’interpretare in modo gradualmente più flessibile lo spirito dello Statuto d’Autonomia – in modo da garantire maggiore aderenza alla realtà e alla luce dell’evoluzione che ha avuto la società sudtirolese dal 1972 ad oggi – non significa solo battersi per una distinzione tra “binomismo” e “bilinguità” sui sentieri di montagna, bensì riconoscere che occorre superare l’atteggiamento di rifiuto che emerge da ogni lato; all’immobilismo è facile subentri la degenerazione.

L’articolo 8 dello Statuto era stato ideato come risolutivo rispetto al monolinguismo italiano presente dai tempi del fascismo, per ottemperare alla mancanza d’una legge che ufficializzasse la toponomastica tedesca e ladina, nonché alla mancata abolizione del Prontuario di Ettore Tolomei. Lo Statuto è “programmatico”, ovvero auspica un provvedimento legislativo del Consiglio provinciale. Ergo: sembra che il “peccato originale” dello Statuto sia tutelare la toponomastica tolomeiana e fascista. Non è così. Nacque proprio per tutelarci dalla follia “tolomeiana” e l’applicazione rigida del bilinguismo andò sempre a vantaggio di chi prima era in condizioni svantaggiate. L’articolo fu una conquista, non una sconfitta. La SVP non colse quest’opportunità per timore di veti incrociati. E il vuoto legislativo, l’abbiamo visto, ha finito col produrre la presente deriva: da parte dell’Alpenverein, che ha fatto valere da privato una “sua” legge a Statuto invariato, e da parte governativa, con la dura reazione del ministro Fitto. Redatta insomma anche per garantire il rispetto della toponomastica “storica” da parte italiana, la carta fondamentale dell’Autonomia ha finito per fomentare, suo malgrado, un revanscismo linguistico incrociato. Un ribaltamento nefasto, all’interno della rappresentazione simbolica del conflitto etnico.