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PISA 2015: Südtirol im Vergleich.

Heute wurden von der OECD die Ergebnisse der neuen PISA-Studie (2015) veröffentlicht. Südtirol schnitt im Vergleich mit umliegenden Staaten sowie dem Trentino wiederum gut ab. Unser Land liegt in den drei analysierten Kompetenzbereichen über dem OECD-Durchschnitt sowie über den Werten von Österreich und Italien, wobei die Schulen mit deutscher Unterrichtssprache durchwegs bessere Ergebnisse erzielen konnten, als jene mit ladinischer und italienischer Unterrichtssprache (in dieser Reihenfolge).

Hier die Ergebnisse für Südtirol und umliegende Länder. An erster Stelle jeweils das europäische Land mit der höchsten Punktezahl.


*) einschließlich Südtirol und Trentino

Il no dell’Italia, il sì di Bolzano.

di Riccardo Dello Sbarba

“È la prova che il Sudtirolo non è Italia – scrive un amico – Ora non vi resta che trasferirvi armi e bagagli nell’Austria di van Der Bellen”. In effetti…

Ma, in effetti, il Sudtirolo (per dire la stragrande maggioranza della popolazione di lingua tedesca, mentre quella italiana ha votato come la media nazionale) non ha votato sulla riforma della Costituzione, ma sulla “clausola di garanzia”, da noi rafforzata dalla funzione tutrice dell’Austria, che invece alle altre autonomie speciali non è data (e infatti non ci hanno creduto). Hanno votato a favore di una Costituzione che da noi non si sarebbe applicata. Anzi, hanno votato sì proprio perché da noi la nuova Costituzione non si sarebbe applicata.

Hanno votato “diversamente sì”. È stato il sì di tante mie amiche e amici che somiglia moltissimo al sì a Van der Bellen di tante austriache e austriaci che pure i Verdi non li votavano mai. A Vienna hanno votato VDB per non dare l’Austria in mano a Hofer, a Bolzano hanno votato sì per non dare l’Italia in mano a Grillo e Berlusconi. Lì hanno votato VDB per stabilizzare l’Austria e stabilizzare l’Unione Europea dopo Brexit e Trump, qui hanno votato sì per stabilizzare l’Italia e reggere in piedi l’Unione Europea. Quindi un voto politico, al di là dei contenuti. Che fosse vero o no che i due paesi si trovassero sull’orlo di un baratro, questa era l’impressione di molte persone fuori dall’Italia. Per questo i progressisti europei, verdi inclusi appunto, tifavano per Renzi, al quale è riuscito di convincere l’opinione pubblica fuori dall’Italia che il voto non verteva più su una (mediocre e contraddittoria) riforma della Costituzione, ma era un voto sul destino dell’Italia in procinto di fare bancarotta e finire nelle mani di populisti e avventurieri (lui che di populismo e avventure è grande intenditore). E a Bolzano cosa pensano fuori, soprattutto nell’area tedesca, si sente.

Ma forse (forse) non è così. In Italia c’è sicuramente uno che ha perso, e si chiama Renzi. Ma non c’è uno che ha vinto, tanto era variegata l’“accozzaglia dei no”. Di sicuro ha perso chi vedeva la soluzione di tutti i problemi nella centralizzazione del potere, nel taglio dei contrappesi democratici, nell’umiliazione delle autonomie e nell’efficientismo senza popolo. Era una ricetta sciagurata ed è bene che sia stata bocciata. Adesso però bisognerebbe fare l’opposto: diffondere il potere verso il basso, rafforzare il bilanciamento tra i poteri della Repubblica, riqualificare e sviluppare le autonomie, credere nella partecipazione democratica alle grandi scelte, ricreare una informazione degna di questo nome.

È il compito che spetta alla parte migliore del NO. E alla parte migliore del SÌ. Perché da oggi, sia chiaro, il “fronte del no” e il “fronte del sì” non esistono più.

Buon giorno Italia, guten Morgen Südtirol.

Worüber abgestimmt wurde und wer gewonnen hat.

von Brigitte Foppa

In Italien hat das Nein zur Verfassungsreform Renzi-Boschi gewonnen, in Südtirol das Ja.

Wie bereits in der Vorwahlzeit kreuzen sich auch in der Analyse des Ergebnisses mehrere Interpretationsachsen.

Erste Feststellung: Die hohe Wahlbeteiligung ist ein gutes Zeichen. Fast drei Viertel der BürgerInnen Italiens haben sich mit dem wichtigsten Dokument der Republik befasst und sich in der einen oder anderen Weise dazu geäußert. Die Verfassung wird vorerst nicht abgeändert, und das ist gut so.

Denn zweitens war die Reform inhaltlich und formell untragbar. In einem technisch schlecht gemachten, streckenweise unleserlichen und nur im Gesamtblock zur Abstimmung gebrachten Text wurden die Rezentralisierung des Staates und die Schwächung der demokratischen Institutionen vorgeschlagen — in Verbindung mit einem schändlichen Wahlgesetz eine fatale Aussicht für Italien. Zudem zielte die Reform, und das deutliche Votum im Süden Italiens bestätigt dies, an den eigentlichen Problemen der Bevölkerung und des Staates total vorbei.

Die politischen Folgen, die dritte Ebene, geben besonders zu denken. Die allgemein wahrnehmbare Schalheit beweist, dass es keine Sieger und keine Verlierer gibt, weder in Südtirol, noch im gesamten Staatsgebiet. Renzi hat nicht nur einen strategischen Fehler gemacht, als er den Ausgang des Referendums an seine politische Zukunft gekettet hat. Er hat, mit vehementer Unterstützung sämtlicher politischer Leader Italiens (und im Kleinen, auch jener Südtirols), diese Abstimmung zwangspolitisiert und -personalisiert. Darin liegt die wahre Verantwortung Renzis der Demokratie gegenüber. Referenden sollten sich von Wahlen genau dadurch unterscheiden, dass frei über eine Sachfrage abgestimmt werden kann. Diese Freiheit hat Renzi, und mit ihm Grillo und Salvini, den Wählerinnen und Wählern genommen.

So hat jede und jeder in Italien und in Südtirol über etwas anderes abgestimmt: über die Inhalte der Reform, über die Regierung Renzi und die Alternativen zu ihr, über die wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Regierungskrise, über die populistischen Gefahren, in Südtirol auch über die Schutzklausel und sogar über die Selbstbestimmung.

Dieses Ergebnis macht daher nachdenklich und auch ein wenig ratlos. Hätte das Nein gewonnen, ohne dass Renzi ganz Italien erpresst hätte, dann gäbe es jetzt eine klare Anweisung vom Volk an das Parlament, eine neue, ordentliche Reform zu machen. Wenn an der Spitze Italiens wirklich reife DemokratInnen stünden, würden sie jetzt genau diesen Auftrag annehmen.

Am Ende gibt es vielleicht doch eine Gewinnerin. Unberührt von den politischen Spielen und Eitelkeiten bietet sie seit 1948 gewährte Gewissheit. Die Regierungen kommen und gehen, sie bleibt: die Verfassung.

Lawinen kennen keine Grenzen.

Für Freunde des Wintersports gibt es gute Nachrichten. Eine längst überfällige Euregio-Maßnahme soll laut der ORF-Sendung Tirol Heute vom 5. Dezember 2016 ab dem Winter 2017/18 Realität werden: der euregioweite Lawinenwarndienst und somit ein einheitlicher Lawinenlagebericht für den gesamten Tiroler Alpenhauptkamm. 800.000 Euro stehen für dieses wichtige — weil potentiell lebensrettende — Projekt zur Verfügung. Wind und Wetter halten sich bekanntlich nicht an irgendwelche Verwaltungsgrenzen. Für Skifahrer und Snowboarder, die entlang des Alpenhauptkammes unterwegs sind, sollte es dann ab dem kommenden Jahr egal sein, ob sie nördlich oder südlich abfahren — sie erhalten einheitliche, professionelle Informationen über das Risiko aus einer Hand. Es soll eine gemeinsame, dreisprachige Webseite (Deutsch, Italienisch und Englisch) geben und auch die Wetterberichte der drei Länder Trentino, Südtirol und Bundesland Tirol werden auf die gesamte Euregio ausgedehnt.

Quotation (333): Ladinität aberkannt.

Sollte es so ausschauen, dass sich etwas ändert, dann werden wir, als Ladiner die für Grödnerisch und Gadertalisch da sind, auch eventuell ein Referendum [über die ladinische Schriftsprache] in die Wege leiten, um das zu bestätigen, was wir eigentlich immer gehabt haben, auf der kulturellen Seite. Die Sprache ist unsere [sic] Fundament. Aber noch ganz kurz zurück zum Referendum: Da muss ich sagen, da wäre eigentlich vorgesehen, dass alle mitmachen könnten — die Belluneser, die Trentiner und die Südtiroler Ladiner. Nein, wir sind der Meinung, dass dort nur ein Referendum eventuell für die Südtiroler Ladiner sein [sollte], weil eigentlich das richtige Ladinisch ist immer nur der [sic], der im Gadertal und im Grödental gesprochen wird.

— Landesrat Florian Mussner (SVP), für ladinische Kultur zuständig, spricht am 1. Dezember im Landtag Souramont und Fascia die Ladinität ab.

Siehe auch: [1] [2]

Österreich, Italien: O’gstimmt is.

Gestern war aus meiner Sicht ein (ziemlich) guter Wahl- und Abstimmungssonntag.

Weil in Österreich mit Alexander Van der Bellen eine Person zum Bundespräsidenten gewählt wurde, der an Vielfalt und Toleranz mehr gelegen ist, als an »Österreich beschützen«.

Und weil in Italien eine unausgegorene, zentralistische, unter Umständen demokratiegefährdende Verfassungsreform mit klarer Mehrheit abgewiesen wurde.

Wermutstropfen sind:

  • dass in Österreich ein rechtsradikaler und deutschnationaler Kandidat fast die Hälfte der WählerInnen für sich gewinnen konnte;
  • dass die SüdtirolerInnen die italienische Verfassungsreform mit großer Mehrheit angenommen haben.

Kein anderes autonomes Gebiet in Italien hat der Reform zugestimmt; und in keiner italienischen Provinz war das Ja so stark, wie hierzulande. Dies bedeutet wohl, dass die SVP — die für das Ja geworben hatte —bei den Menschen zumindest in Autonomiefragen nach wie vor große Glaubwürdigkeit genießt.

Trotzdem steht nun auch die Sammelpartei vor einem Scherbenhaufen: Das Pferd, auf das sie gesetzt hatte, ist weg.

K33: Erste Ergebnisse.

Die Sitzung des Konvents der 33 vom 2. Dezember erzielte, nachdem es zwei Arbeitsgruppensitzungen gegeben hatte, im Plenum erste wichtige Ergebnisse:

Es wurde im Konsens vereinbart, dass sämtliche Kompetenzen in exklusive umgewandelt werden sollen. Die Wortwahl ist wichtig, da explizit nicht auf primäre, sekundäre und tertiäre Kompetenzen Bezug genommen wird, sondern einfach alle Kompetenzen gleichrangig exklusiv werden sollen.

Das zweite Ergebnis wurde erst nach langwierigen Diskussionen und nicht im Konsens erzielt. Der überwiegende Teil der Teilnehmer sprach sich für folgenden Rahmen, der unsere Kompetenzen einschränkt, aus:

  • die Einhaltung internationaler Verträge bzw. Verpflichtungen;
  • das EU-Recht;
  • und die grundlegenden Prinzipien der Verfassungsordnung.

Laura Senesi, Roberto Bizzo, Olfa Sassi und Laura Polonioli hingegen bestanden auf folgender Formulierung:

  • die Einhaltung internationaler Verträge bzw. Verpflichtungen;
  • das EU-Recht;
  • und die italienische Verfassung.

Die endgültigen Formulierungen werden uns noch übermittelt, deshalb kann es zu leichten sprachlichen Abweichungen kommen. Die beiden Formulierungen werden Eingang in das Abschlussdokument finden.

Die Sitzung war vor allem die Sternstunde der Juristen, Andreas Widmann, Florian von Ach, Esther Happacher, Renate von Guggenberg und Roberto Toniatti brachten sich vorrangig in die Sitzung ein. Für alle Nicht-Juristen war es schwierig, den Feinheiten der Formulierungen zu folgen.

Abgehängte Jugend.

Der letzte Bericht zur sozialen Lage der Nation des Forschungsinstitutes Censis offenbart eine grundlegende Malaise, in welcher das Land steckt. Es gibt sicherlich viele Faktoren, die den Zustand einer Gesellschaft beschreiben können; nur ein Gesamtbild ist meist objektiv, aber trotzdem sind die neuesten Ergebnisse laut dem jährlichen Bericht geradezu erschreckend:

  • Im Vergleich zur Jugend vor 25 Jahren haben die heutigen italienischen Jugendlichen ein um 26,5% geringeres Einkommen, während die ältere Generation (65+) im Vergleich ihr Einkommen um 24,3% steigern konnte.
  • Zum Durchschnitt der Bevölkerung haben die Haushalte mit weniger als 35 Jahren ein um 15,1% geringeres Einkommen und ihr Vermögen („ricchezza“) ist um 41,1% geringer. Vor 25 Jahren waren die Einkommen der Jugend im Vergleich zur Gesamtbevölkerung um 5,9% höher.
  • Der Anteil der NEET (Not in Education, Employment or Training) ist mit 24,2% die höchste in ganz Europa.
  • 61,4% der Bevölkerung glauben, dass ihr Einkommen in den nächsten Jahren nicht steigen wird, ebenso sind 57% der Bevölkerung der Meinung, dass ihre Kinder und Kindeskinder schlechter leben werden als sie heute.
  • Gleichzeitig erleben die sogenannten Voucher einen Boom, in den Jahren 2008-bis 2015 wurden 277 Mio. davon ausgegeben. Im heurigen Jahr wurden bisher allein 70 Mio. Voucher für zeitlich befristete bzw. unregelmäßige Tätigkeiten registriert. Ein Zeichen, dass vor allem „lavoretti“ boomen.
  • In diesem Zusammenhang ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Geburten im Jahre 2015 mit 485.000 einen neuen Tiefstand erreicht hat. Die Zahl der Kinder pro Frau ist auf 1,35 gesunken, notwendig wären 2,1 um eine Bevölkerung zu erhalten. Der Anteil der Älteren (65+) ist mit 22% höher als jene der Jungen (0-18 Jahre: 16,5%).

Für mich sind diese Ergebnisse geradezu erschreckend. Der Trend der letzten Jahre hat sich verfestigt. Ein Gemeinwesen, welches nicht in der Lage ist, Zukunftsperspektiven für die eigene Jugend zu bieten, kann als gescheitert angesehen werden. Wenn jemand keine Aussicht auf eine geregelte und angemessen bezahlte Arbeit hat, dann wird er sicherlich nicht eine Wohnung kaufen und eine Familie gründen. Dieser Teufelskreis wirkt sich gesamtgesellschaftlich und gesamtwirtschaftlich immer stärker aus. Nicht geborene Kinder werden auch in Zukunft keine Nachfrage generieren und die ungeborenen Kinder ihrerseits wiederum keine Kinder bekommen — letztlich ein sich selbst verstärkender Prozess, der unweigerlich in eine immer tiefere Krise führen wird. Vor diesem Hintergrund ist das anstehende Verfassungsreferendum geradezu ein Witz. Wie soll dieses Land angesichts der Dynamik, wie sich eine Vielzahl an Indikatoren entwickeln, je wieder auf die Beine kommen? Vor allem ist es aber ein Verrat an unseren Kindern; diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass die ältere Generation geradezu auf Kosten der jüngeren Generation lebt, wird uns noch alle teuer zu stehen kommen.