Halbjahresbilanz 2015.

Halbjahrestrend 2015.

Die Besucherzahlen unserer Plattform wachsen weiter: um 3,5% (+2.151) gegenüber dem zweiten Halbjahr 2014 und 6,1% (+3.635) gegenüber den ersten sechs Monaten des vorigen Jahres auf insgesamt 63.666. Damit ist das Wachstum sogar wieder etwas schneller geworden, lag die Zunahme zwischen erstem und zweitem Halbjahr 2014 doch bei 2,5% (+1.484). Seit 2010 konnte BBD seine Besucherzahlen mehr als verdoppeln.

Mehr als ein Drittel der Besucher (37,1%) griffen im ersten Halbjahr 2015 direkt auf die Seite zu (Adresseingabe bzw. Lesezeichen im Browser) und 29,6% über Suchmaschinen. 16,2% lassen sich auf soziale Netzwerke zurückführen und 17,0% auf Links (sog. Referral).

Verbraucherrechte dem »Wettbewerbsvorteil« geopfert.

Gleichberechtigung, Gleichstellung der Sprachen, Mehrsprachigkeit, Demokratie, Konsumentenschutz, Respekt, grenzenloses Europa, Brückenfunktion zwischen Nord und Süd, Euregio Tirol. All das können wir uns getrost »wohin schmieren«. Nichts als Floskeln, reine Deko, wertloses Beiwerk. Richtig gelesen.

Wirtschaft! Da wo »die Wirtschaft«, wer auch immer das ist, einen (zweifelhaften) Wettbewerbsvorteil ortet, werden die Interessen der BürgerInnen bereitwillig geopfert. Wäre ja noch schöner.

Lassen wir es uns genüsslich auf der Zunge zergehen. Bei der gestrigen Landtagsdebatte sagte der Landeshauptmann — wirklich kein Witz — bezüglich eines Antrags der STF, der auf die Gleichstellung der Sprachen bei der Produktetikettierung abzielte:

Gegen eine Wahl zwischen deutscher und italienischer Beschriftung hätten sich auch Südtiroler Wirtschaftstreibende gewandt, da damit ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Herstellern aus dem deutschen Sprachraum verloren gehe.

Erbärmlicher geht’s kaum, aber es ist leider wahr: Südtiroler Wirtschaftstreibende glauben — laut LH — tatsächlich, auf protektionistische Maßnahmen angewiesen zu sein, die zu Lasten der eigenen Kunden gehen. Und unsere führenden Politiker machen das auch noch zum Maßstab ihres Handelns.

Aber wundern wir uns nicht, denn schließlich steht »der Wirtschaft« hierzulande sogar ein Kulturgut ersten Ranges wie die Ortsnamensgebung zur Disposition, wenn sie sich davon einen Vorteil erwartet.

Wenn eine Supermarktkette wie MPreis ihre Produkte nachetikettieren muss, was für ein mehrsprachiges Land eigentlich beschämend und entwürdigend ist, freuen sich also Südtiroler Wirtschaftstreibende, weil ihnen das einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Wie tief sind wir gesunken?

Dabei hatte die Handelskammer vor wenigen Jahren noch dasselbe gefordert, wie die STF in ihrem Antrag.

Ein weiteres Zitat des Landeshauptmanns aus der gestrigen Debatte:

Eine mögliche Lösung wäre es, die Etiketten mit einem zweisprachigen Text zu überkleben. Man habe in Rom interveniert, dies bindend einzuführen, aber der Staat sei dazu nicht bereit.

Das nennt man dann einen »minderheitenfreundlichen Staat«, eine »autonomiefreundliche Regierung« oder wahlweise »Vorzeigeautonomie«.

Schlussendlich wurde der STF-Antrag mit einer »kleinen« Änderung angenommen: Das Wort »Muttersprache« wurde durch »für die Konsumenten verständliche Sprache« ersetzt. Einbringer Bernhard Zimmerhofer dankte auch noch »für das Verständnis der Mehrheit für das Anliegen« und hat offensichtlich nicht kapiert, dass sich in der Praxis absolut gar nichts ändern wird. Schließlich schreibt das staatliche Gesetz die italienische Sprache vor und die ist per Definition »für die Konsumenten verständlich«. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Siehe auch: [1] [2]

CPI besetzt Heim in Bozen.

Immer ungenierter und unverschämter agieren in Bozen die »Faschisten des dritten Jahrtausends« (Eigendefinition) von CasaPound (CPI). So sollen sie heute morgen im Stadtteil Haslach das leerstehende St.-Josefs-Heim illegal besetzt haben. Sie haben angekündigt, es instand setzen und ganz im Sinne ihrer pseudosozialen, pseudohumanitären Ausrichtung nutzen zu wollen: Alleinstehenden Vätern (!) oder italienischen (!) Familien soll Wohnraum zur Verfügung gestellt, andere Räumlichkeiten für den (neofaschistischen) »Zivilschutz« oder für sportliche Aktivitäten genutzt werden.

Mit solchen Aktionen wollen die Faschisten ihrer menschenverachtenden Ideologie ein freundliches Antlitz verleihen und weiteres Personal für ihre politische Arbeit ködern.

Angeblich war im Zuge der illegalen Besetzung auch die Staatspolizei vor Ort, verhindert hat sie den Vorgang aber offenbar nicht.

Nun ist das Land als Besitzer der Immobilie gefordert, die sofortige Räumung zu verlangen und auch durchzusetzen. Schon zu viele Aktivitäten der Rechtsextremisten wurden in Südtirol geduldet, sodass sie sich aus zunächst kleinen Nischen heraus prächtig entwickeln konnten — und nunmehr schon viel zu große Freiräume und Komplizenschaften genießen.

Bozen muss endlich wieder vom Rechtsextremismus befreit werden!

Das Schnitzel schaut nicht über den Tellerrand.

Während es in Südtirol durchaus vorkommen kann, dass ausgerechnet jenes Gericht, welches über die Einhaltung der Bestimmungen zur gesetzlich vorgeschriebenen Zwei- bzw. Dreisprachigkeit zu befinden hat, diese selbst verletzt und auch öffentlich finanzierte Gesundheitsdienste, Steuerbehörden, Polizeiorgane, Pflichtversicherungen, ja sogar öffentliche Kampagnen, die zur Achtung von Minderheiten aufrufen, einsprachig italienisch unterwegs sind, spielt man in Katalonien – wie bisweilen der FC Barcelona – in einer eigenen Liga.

Aus Südtiroler Sicht ist es beschämend und erschreckend zugleich, wie professionell Katalonien agiert. Die Internetseite Catalonia Votes informiert auf Englisch, Französisch und Deutsch (!) über die bevorstehenden Wahlen am 27. September 2015. Richtig gelesen! In Katalonien, wo Deutsch wenig verbreitet ist und schon gar nicht Offizialität genießt, gibt es detaillierte Informationen zur Wahl in jener Sprache, die in Südtirol zwar von der Mehrheit der Bevölkerung gesprochen, aber in vielen öffentlichen Bereichen widerrechtlich ignoriert wird.

Freilich geht es bei der deutschen Version von Catalonia Votes nicht in erster Linie darum, die wenigen deutschsprachigen Menschen in Katalonien in ihrer Muttersprache zu informieren*. Vielmehr verfolgt die katalanische Regierung einen aggressiven und höchst professionellen PR- und Informationskurs. Im Gegensatz zur Regierungspartei SVP in Südtirol, die sich lieber versteckt und anstatt europaweite Netzwerke zu knüpfen, Gesellschaften, die sich in ähnlicher Situation befinden, gerne vor den Kopf stößt, legen die Katalanen alles daran, ihre Agenda zu internationalisieren, mit der Welt in Dialog zu treten und nachhaltig ein Umdenken bezüglich kollektiver Selbstbestimmung als Bürgerrecht in Europa und darüber hinaus herbeizuführen.

Betrieben wird Catalonia Votes vom Public Diplomacy Council of Catalonia (DIPLOCAT), deren Webauftritt sogar in sechs Sprachen (català, castellano, occitan, english, français und deutsch) verfügbar ist. DIPLOCAT wiederum ist ein beeindruckender Schulterschluss der katalanischen Regierung (Generalitat de Catalunya), verschiedener katalanischer Stadt- und Provinzräte, des Gemeindebundes und anderer öffentlicher Institutionen mit Gewerkschaften, Wirtschafts- und Sportverbänden sowie sämtlichen katalanischen Universitäten und anderen akademischen Einrichtungen.

In Südtirol hingegen gilt eher die Devise:

Schnitzel


* Es handelt sich dabei nicht bloß um eine fremdsprachliche Kurzzusammenfassung, wie man sie von vielen Webseiten kennt. Catalonia Votes ist ein vielschichtiges, extrem umfangreiches Portal, auf dem man sich über die Geschichte Kataloniens, die Verwaltungsstruktur, weltweite Unabhängigkeitsreferenden in der Vergangenheit, den Wahlmodus und vieles andere mehr informieren kann.

Grüne gegen falsche Doktoren.

Es ist eine Praxis, die mir jedesmal die Zornesröte ins Gesicht treibt. Nicht etwa, weil ich Titeln eine so große Bedeutung beimesse, sondern weil das Führen eines falschen Doktortitels unredlich, eine ungeheuerliche Anmaßung, eine Respektlosigkeit den echten Doktoren gegenüber und beileibe kein Kavaliersdelikt ist. Wie in den meisten anderen Ländern auch ist in Italien der Missbrauch akademischer Titel (laut Art. 498 des Strafgesetzbuches – Usurpazione di titoli o di onori) eine Straftat. Dabei macht es keinen Unterschied, ob ich mir als Nicht-Akademiker unrechtmäßig einen Titel zulege oder als Universitätsabsolvent aus meinem Master einen Doktor mache. Beides ist strafbarer Missbrauch und eine Vortäuschung falscher Tatsachen.

Dennoch schmücken sich auch hierzulande zahlreiche Menschen – vielfach auch Politiker – mit akademischen Lorbeeren, die sie niemals errungen haben. Man studiert in Österreich, schließt sein Studium als Master, Magister oder gar „nur“ Bachelor ab, lässt sich den Titel in Italien als „dottore“ anerkennen und schreibt dann genüsslich Dr. vor seinen Namen und lässt sich völlig schamlos als solcher ansprechen.

Dabei ist der (international umstrittene weil eben widersprüchliche) italienische Titel „dottore“ (dott. bzw. dott.ssa) keinesfalls äquivalent zum deutschen „Doktor“ (Dr.). Ein Doktortitel bzw. Ph.D. (Promotion) entspricht vielmehr dem italienischen „Dottore di ricerca“ (Dott. Ric.). Gewöhnliche Studienabschlüsse wie Magister, Master oder Bachelor (Sponsion) müssten also entweder mit den entsprechenden deutschen Abkürzungen (Mag., M.A., B.A. usw.) gekennzeichnet oder als italienischer dott. geführt werden.

Auf der Webseite der Uni Bozen wird sogar explizit auf die Unrechtmäßigkeit der in Südtirol gängigen Praxis hingewiesen:

Zu beachten ist, dass der italienische Grad „dottore“ (Dott.) in Deutsch nicht mit „Doktor“ (Dr.) übersetzt werden darf. Der Grad „Doktor“ steht nämlich nur den Absolventen eines Doktoratsstudiums (PhD) zu.

Laut TAZ möchten die Grünen dem Brennerdoktor nun glücklicherweise den Garaus machen. In einem Beschlussantrag fordern sie die längst überfällige intellektuelle Redlichkeit ein. Warum das nicht schon früher jemandem eingefallen ist, bleibt ein Rätsel (Ein Schelm …).

Wie selbstverständlich die Anmaßung und gleichzeitig unausgeprägt das Unrechtsbewusstsein diesbezüglich in Südtirol ist, mussten die Grünen bei ihrem Unterfangen am eigenen Leib erfahren. Der Beschlussantrag war nämlich unterzeichnet mit Dr. Heiss, Dr. Dello Sbarba, Dr.in Foppa. Der einzige, der jedoch tatsächlich promoviert hat, ist der Historiker Hans Heiss.

Darauf angesprochen meint dott.ssa Brigitte Foppa in der Tageszeitung:

Was soll ich sagen, ich habe schon so oft darum gebeten, dass man die Titel unter unseren Anträgen weglässt. Aber sogar auf den Türschildern schreibt man uns falsch.

Tatsächlich wird auf den Internetseiten der Landesregierung und des Landtages kein einziger der Politiker, die ein Studium abgeschlossen haben, mit einem niedrigeren Titel als Dr. geführt. In der Landtagsbiographie von Brigitte Foppa steht zu lesen, dass sie promoviert habe. Auf Nachfrage von bbd berichtet Foppa von einem Kampf gegen Windmühlen:

Immer dieselbe Geschichte. Ich verwende seit Jahren meinen dottoressa-Titel, den ich in Italien erworben habe. Immer wieder wird das als Dr. wiedergegeben. Im Lande waren wir schon lang dazu übergegangen, dies in Selbstkorrektur zu ändern. aber es wird immer vom System „richtig gestellt“. Nichts zu machen.

Foppas Biographie ist mittlerweile korrigiert, wenngleich sie immer noch als L. Abg. Dr. Brigitte Foppa aufscheint. Der schleißige Umgang mit Titeln und Begrifflichkeiten zieht sich durch sämtliche Biographien der Landespolitiker. So liest man beispielsweise bei Veronika Stirner (SVP), sie habe anschließend an die Matura ein „Doktorat in Modernen Sprachen und Literatur“ gemacht, obwohl sie laut italienischer Biographie „nur“ eine Laurea zur dottoressa vorweisen kann.

Laut Wikipedia dürften sich nur zwei der derzeitigen 35 Landtagsabgeordneten als Doktor bezeichnen, während sich jedoch ganze 15 unrechtmäßig als solche ausgeben. In der Landesregierung sieht es – ebenfalls laut Wikipedia – nicht viel besser aus:

Seit 2014 führen sechs der acht Regierungsmitglieder in deutschsprachigen Texten Dr. und auf Italienisch dott. bzw. dott.ssa vor dem Namen. Darunter ist mit Martha Stocker eine Doktorin, die restlichen fünf führen den Dr. aufgrund italienischer Laureats- oder österreichischer Magisterabschlüsse.

Bleibt also zu hoffen, dass sich die Politiker auf Basis des grünen Antrages die Doktortitel endlich selbst aberkennen und dieser unwürdigen Praxis generell ein überfälliges Ende bereiten.

Österreich für Selbstbestimmung.

Der Außenpolitische Ausschuss des österreichischen Parlaments bekennt sich zur Selbstbestimmung unseres Landes. In einer Pressemitteilung heißt es dazu:

Der Außenpolitische Ausschuss legte […] ein klares Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht Südtirols ab. Auf Basis einer Forderung der Freiheitlichen (820/A(E)) sprach er sich mehrheitlich für einen von SPÖ, ÖVP und NEOS im Ausschuss eingebrachten Entschließungsantrag und damit gleichzeitig für die Aufforderung an Außenminister Sebastian Kurz aus, seine Politik zur Unterstützung und Weiterentwicklung der Autonomie Südtirols im Sinne der im Pariser Vertrag von 1946 verankerten Schutzfunktion für Südtirol und der Grundprinzipien des Selbstbestimmungsrechts gemäß Art. 1 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte auszurichten. Wegen seiner Begründung bemängelt wurde der Antrag von der FPÖ.

Hinweis: In der entsprechenden Pressemitteilung der Süd-Tiroler Freiheit wurde der letzte Satz kommentarlos weggelassen.

Chi tace… e chi collabora…

Dopo le elezioni comunali sono molti i personaggi riconducibili al centrosinistra che continuano a collaborare, come se nulla fosse accaduto, con un quotidiano che durante la campagna elettorale (e non solo) ha contribuito attivamente allo sdoganamento di partiti e movimenti di estrema destra come CasaPound, rendendosi corresponsabile dell‘entrata in consiglio comunale di vari esponenti riconducibili all’area «nera».

AA.

Forse invece sarebbe finalmente ora di marginalizzare queste posizioni e di iniziare un serio dibattito circa la possibilità — difficilissima, me ne rendo conto — di fondare un nuovo quotidiano di lingua italiana, questa volta veramente interessato alla distensione e alla comprensione fra i gruppi linguistici, ovviamente di chiara condotta antifascista. Ne varrebbe certamente la pena. L’attuale apatia invece fa venire i brividi.

Nell’immagine: alcuni articoli apparsi negli ultimi giorni.

Quotation (216): Kopf einziehen.

Was hätte meine Elterngeneration erreicht, als sie für die Südtirol-Autonomie kämpfte, wenn sie immer den Kopf eingezogen hätte? Und die Südtirol-Aktivisten, die ihr Leben riskierten, als sie für die Heimat auf die Barrikaden gingen?  All das fällt mir ein, wenn ich an die Griechen denke, die in Brüssel nicht gekuscht haben.

— Oktavia Brugger auf Salto.

Manchen fällt ähnliches ein, wenn sie an die Südtiroler denken, die in Rom kuschen. Wenn »die Elterngeneration« damals so zahm gewesen wäre, hätten wir die heutige Autonomie wohl kaum erlangt. Zudem bemerkt Frau Brugger:

Wie können die als demokratische Staaten eingestuften EU-Länder eine „Volksabstimmung“ als derart skandalös einstufen , dass sie einen Mitgliedsstaat (GR) dafür bestrafen ? Ist denn eine Volksabstimmung nicht das demokratischste aller Mittel, um eine Jahrhundertentscheidung zu treffen?

Sie selbst hat sich aber in Bezug auf die Selbstbestimmung unseres Landes ebenfalls gegen »das demokratischste aller Mittel« ausgesprochen.

IBK vs. BZ.

Die Landeshauptstadt Innsbruck (126.851 Einwohner) und die Landeshauptstadt Provinzhauptstadt Bozen (105.713 Einwohner) sind freilich nur bedingt vergleichbar. Dennoch lassen sich in Sachen Dynamik und Entscheidungsfreudigkeit – zumindest was die städtische Entwicklung betrifft – Unterschiede ausmachen, wie sie größer nicht sein könnten. Zwar produziert auch Innsbruck den einen oder anderen Griff ins Klo und ist die Bozner Stadtverwaltung nicht für jede Fehlentwicklung alleine verantwortlich, wie sich auch die Innsbrucker Stadtregierung nicht alle Erfolge auf die eigenen Fahnen schreiben kann, aber im direkten Vergleich der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte schneidet Bozen desaströs ab.

  • In Innsbruck wurde innerhalb von drei Jahren ein komplett neuer Bahnhof (mit Schließfächern :KICHER: ) inklusive Busbahnhof, Bahnhofsvorplatz und Bahnhofshotel aus dem Boden gestampft. Der Verkehr wurde unterdessen im Vollbetrieb (25.000 Fahrgäste pro Tag) ohne größere Probleme weitergeführt. Max Weilers wertvolle Fresken wurden erhalten und in einer aufwändigen Aktion im neuen Gebäude wieder aufgehängt.
  • In Bozen hat allein die Renovierung der Bahnhofsfassade länger als der komplette Neubau in Innsbruck gedauert. Ganz zu schweigen von den Mini-Umbauten, die auch nach Fertigstellung halbfertig aussehen und Jahre gebraucht haben. Die Arbeiten standen zwar unter der Schirmherrschaft von Centostazioni, das „Endprodukt“ ist aber dennoch bezeichnend für Bozen. Und der Busbahnhof ist nach wie vor eine Katastrophe und erinnert vom Charme her eher an Weißrussland oder Nordkorea.
  • In Innsbruck wurde am Bergisel in wenigen Jahren ein komplett neuer Museumskomplex zur Landesgeschichte errichtet, der Teil der Landesmuseen mit einheitlichem Konzept ist. Das berühmte Rundgemälde wurde erfolgreich von der ehemaligen Hungerburgbahntalstation in das neue „Tirol Panorama“ verfrachtet.
  • In Bozen entstand zwar das Museion, jedoch diskutiert man auch seit seiner Entdeckung über eine würdigen Platz für den Ötzi. Und das Stadtmuseum ist aufgrund von Untätigkeit seit 2003 mehr oder weniger geschlossen.
  • In Innsbruck wurden sämtliche Straßenschilder erneuert. Sie sind alle orthographisch korrekt und bieten Informationen über die Namensgebung.
  • In Bozen existieren allein von der Trienter Straße fünf verschiedene Schreibweisen auf offiziellen Straßenschildern.

DSC_0006-(3)Bozen steht eher auf der Bremse: Blick von der Trienter Straße (sorry, Trientnerstraße bzw. Trento Strasse) zum Verdiplatz mit der zerfallenden jedoch denkmalgeschützten Tankstelle, von wo aus einst eine Standseilbahn auf den Virgl führte.

  • In Innsbruck wurde die Universitätsbibliothek, die zugleich Landesbibliothek ist, aufwändig umgebaut und zu einem modernen Bibliothekszentrum umgestaltet.
  • In Bozen ist das Thema „Bibliothekszentrum“ ein Dauerbrenner, der nach wie vor einer Lösung harrt.
  • In Innsbruck wurden drei zusätzliche Großkaufhäuser (Tyrol, West, Rathaus Galerien) zu den bestehenden (DEZ, Sillpark, Cyta in Völs) gebaut.
  • In Bozen entzweit und lähmt ein geplantes Kaufhaus die Stadt, während ein anderes (Twenty) rechtlich umstritten errichtet und ausgebaut wurde.
  • In Innsbruck wurde ein komplett neues Nahverkehrs- und Straßenbahnkonzept umgesetzt und ein neuer Autobahnanschluss (Mitte) gebaut, die Autobahn eingehaust sowie der Südring im Bereich der Olympiabrücke verbreitert und bei der Kreuzung Tivoli untertunnelt.
  • In Bozen wurde am Bahnhofsvorplatz gerade einmal ein Zebrastreifen errichtet, ist die Eisackuferstraße nach wie vor ein Nadelöhr und steht eine Einhausung der Autobahn bzw. eine Umfahrung nicht wirklich in den Startlöchern. Eine Verkehrslösung für das Überetsch hängt in der Luft.
  • In Innsbruck gibt es einen funktionierenden Flughafen.
  • In Bozen wird ein nicht funktionierender Flugplatz hoch subventioniert.
  • In Innsbruck wurde die Nordkette (2269 m ü. A.) in weniger als zwei Jahren Bauzeit über ein modernes und für Touristen attraktives Verkehrs- und Seilbahnsystem an das Stadtzentrum angebunden.

HungerburgbahnIn Innsbruck geht’s bergauf: Station „Alpenzoo“ der Hungerburgbahn von Zaha Hadid.

  • In Bozen errichteten das Land und Private zwar die Rittner Seilbahn, eine Lösung für den „Hausberg“ Virgl (510 m ü. A.) wird jedoch seit gefühlt 200 Jahren diskutiert, ohne dass es einen Hauch von konkreten, umsetzbaren Schritten gibt. Die Seilbahnen nach Kohlern und Jenesien sind von anno Schnee.
  • In Innsbruck wurden ein neues Fußballstadion (für internationale Spiele bis 16.000 Zuseher zugelassen), eine neue zusätzliche Eishalle sowie eine neue Schisprungschanze errichtet und die Olympiaworld (Olympiahalle, Bob- und Rodelbahn usw.) renoviert.
  • In Bozen verfällt das im Jahr 2000 renovierte Drususstadion (3000 Zuschauer, entspricht nicht einmal den Anforderungen der Serie B).
  • In Innsbruck wurde die Innenstadt im Bereich der Maria-Theresien-Straße komplett umgebaut und zur Fußgängerzone gemacht. Zudem wurde ein neues Rathaus inklusive Bürgerzentrum fertiggestellt.
  • In Bozen verkommt der Bahnhofspark am Eingang zur Innenstadt und der Obstmarkt im Herzen der Stadt ist ein Dauerpolitikum.
  • In Innsbruck bauen renommierte Architekten wie Zaha Hadid (Bergiselschanze, Hungerburg- und Nordkettenbahn), David Chipperfield (Kaufhaus Tyrol) und Dominique Perrault (Rathaus) neue architektonische Wahrzeichen.
  • In Bozen streitet man seit 90 Jahren und auch nach der Eröffnung des Dokumentationszentrums über das „architektonische Wahrzeichen“ Siegesdenkmal.
  • In Innsbruck wurden seit 2005 die Fußballeuropameisterschaft, Eishockeyweltmeisterschaft, Universiade, Handballeuropameisterschaft, Volleyballeuropameisterschaft, American-Football-Weltmeisterschaft und die olympischen Jugendspiele abgehalten.
  • In Bozen entspricht die Infrastruktur meist nicht den heutigen Ansprüchen derartiger sportlicher Großereignisse.

Minderheitenfeindlichkeit in Europa.

Das PEW Research Center mit Sitz in Washington D.C. ist ein gemeinnütziges Meinungsforschungsinstitut, das unter anderem den Global Attitudes Survey veröffentlicht. Die diesjährige Studie enthält Informationen über die Einstellung der europäischen Bevölkerung zu Minderheiten, genauer gesagt über ihre Ablehnung von (»unfavorable view of…«) Roma, Juden und Muslimen in ihrem Land.

Untersucht wurden leider nur die sechs bevölkerungsreichsten Staaten der EU, nämlich Deutschland, Frankreich, Italien, Vereinigtes Königreich, Spanien und Polen.

Zunächst die gute Nachricht: Die Minderheitenfeindlichkeit ist laut PEW Research Center im Laufe der Wirtschaftskrise nicht gewachsen. Und im europäischen Mittel werden sämtlichen berücksichtigten Minderheiten mehr Sympathien als Ablehnung entgegengebracht. Dabei weichen jedoch die Ablehnungswerte von Roma, Juden und Muslimen deutlich voneinander ab; auch zwischen den einzelnen Staaten sind signifikante Unterschiede in der Minderheitenfeindlichkeit festzustellen.

PEW Attitudes Roma.

Insgesamt am meisten Ablehnung erfahren mit einem Durchschnittswert von 43% die Roma, wobei es zwischen Italien (86%) und Deutschland (34%) einen beträchtlichen Unterschied von über 50 Prozentpunkten gibt. Nur in Italien und Frankreich hat die Mehrheit der Befragten eine negative Meinung über die Roma.

PEW Attitudes Muslime.

Mit einem Durchschnittswert von 33% in den sechs erhobenen Staaten sind Menschen islamischen Glaubens in Europa deutlich besser akzeptiert. In Italien (61%) und Polen (56%) haben mehr als die Hälfte der Befragten eine negative Meinung über Muslime, im Vereinigten Königreich sinkt der Wert auf 19%. Zwischen Personen, die sich auf der politischen Linken und solchen, die sich auf der politischen Rechten verorten, gibt es laut PEW Research Center signifikante Unterschiede: 15% der Deutschen und FranzöseInnen und 49% der ItalienerInnen, die sich als »links« bezeichnen, stehen Muslimen ablehnend gegenüber.

PEW Attitudes: Juden.

Nur die Menschen jüdischen Glaubens werden in sämtlichen analysierten Ländern mehrheitlich nicht negativ gesehen. Zwischen dem polnischen Höchstwert (28%) und dem deutlich toleranteren Vereinigten Königreich (7%) liegen hier »nur« 21 Prozentpunkte.

PEW Attitudes Durchschnitt.

Geht man von der durchschnittlichen ablehnenden Haltung gegenüber Roma, Muslimen und Juden in den sechs von PEW unter die Lupe genommenen Ländern aus, ergibt sich für die Minderheitenfeindlichkeit, dass nur in Italien ein Gesamtwert von über 50% vorliegt. In den fünf übrigen Ländern liegt der Durchschnittswert darunter, wobei das Vereinigte Königreich (21%) am tolerantesten erscheint.

Siehe auch: [1] [2]