Die Fremdenfeindlichkeit des Systems.
Menschen von Staatspolizei als »Dreck« behandelt

Erst vor wenigen Monaten hatte ein Polizeibeamter im Bozner Krankenhaus einen Geflüchteten als »Feccia« (Abschaum) und »Scheiße« beschimpft. Dass die Behandlung von Migrantinnen als »Dreck« nicht die Ausnahme, sondern Regel ist, legt folgender Passus aus einem Artikel (»Knüppel aus dem Sack«) nahe, der in der dieswöchigen ff erschienen ist:

Im “ufficio stranieri” (Ausländerbüro, Anm.) der Bozner Quästur ist die Luft zum Schneiden, die Stimmung aufgeheizt. Ein Beamter, dem ff seine Anonymität zusichern musste, packt aus: “Ja, ich räume ein, wir behandeln diese Leute oft wie den letzten Dreck.[”] Aber man wisse, warum das so ist. [“]Die führen uns zu oft an der Nase herum.”

Der Beamte schert nicht alle Migranten über einen Kamm. Menschen aus gewissen Ländern seien in der Regel okay.

Kritiklos gibt Autor Norbert Dall’Ò diese unerhörten Aussagen wieder, als wären sie verständlich und normal. Dabei darf der Staat, dürfen die Behörden die Menschenwürde niemals verletzen, auch und gerade dann nicht, wenn jemand Gesetze bricht. Schon gar nicht dürfen Unbeteiligte, allein weil sie »Ausländer« sind oder »aus gewissen Ländern« stammen, in Sippenhaftung genommen und diskriminiert oder schlechter behandelt werden. Es bereitet mir große Sorgen, wie abgestumpft die Gesellschaft und wie tief Unmenschlichkeit offenbar im Staat (im Land…) verankert ist.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Meran wird nicht Kulturhauptstadt Italiens.

Es ist eine gute Nachricht: Die zweitgrößte Stadt Südtirols, die sich um den Titel beworben hatte, wird nicht Kulturhauptstadt Italiens 2020. Aus BBD-Sicht sprach nichts grundsätzlich gegen dieses Ansinnen, doch die Bewerbungsunterlagen waren von der Stadtverwaltung unter anderem dazu benutzt worden, aus demokratischer Sicht völlig legitime, aber offenbar unliebsame politische Forderungen anzugreifen und als extremistisch abzustempeln. Diese Ausgrenzung wäre kein gutes Fundament für die Austragung der mit dem Titel einhergehenden Veranstaltungen gewesen — die übrigens laut Bürgermeister Rösch großteils trotzdem stattfinden werden.

Es ist deshalb erfreulich, dass nicht Meran, sondern Parma Kulturhauptstadt Italiens 2020 wird.

Siehe auch: [1] [2]

Quotation (445): Exkludierende Partisaninnen.

1962 wurde ein Gedenkstein auf der gegenüberliegenden Straßenseite des ehemaligen [Bozner Durchgangs-]Lagers errichtet, der allerdings bis heute immer noch von den Verbänden der ehemaligen Partisanen vereinnahmt wird und andere Häftlingsgruppen ausblendet.

Juliane Wetzel in ‘Der Ort des Terrors — Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager’, Band 9, Seite 302, Wolfgang Benz und Barbara Distel (Hrsg.), Verlag C. H. Beck, München 2009

Siehe auch: [1] [2]

Be afraid, Baby!

Die Wiener Stadtzeitung Falter sorgte unlängst mit einer Meldung für Aufsehen, wonach die neue österreichische FPÖVP-Bundesregierung plane, den Alternativ- und Jugendsender FM4 einzustellen. Es gab zwar Dementi, aber in einer Sitzung des ORF-Lenkungsausschusses soll über die Abschaltung diskutiert worden sein. Begründung: FM4 erfülle den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag nicht.

“Wir verstehen kein Englisch”, “Ich finde die Negermusik scheiße” oder “Das sind links-linke subversive Subjekte” wären wohl ehrlichere Begründungen gewesen, denn dass FM4 den Bildungsauftrag nicht erfülle, ist lachhaft, wenn man beispielsweise das Senderprogramm mit jenem des Flaggschiffes Ö3 vergleicht.

Ö3 startet sein Programm mit dem “Ö3 Wecker”. Dort gibt es Comedy-Formate wie den Ö3-Callboy oder den Ö3-Mikromann, das Quiz “Allein gegen Kratky” und hauptsächlich internationale Popmusik. Der Anteil heimischer Musik war 2015 gerade einmal bei 16,3 Prozent und zwei Jahre zuvor sogar unter 10 Prozent. Ö3 bringt zur vollen Stunde Nachrichten und zur halben Stunde Schlagzeilen.

Das FM4-Programm beginnt mit der “Morning Show”. Die Moderation ist – wie auch bei vielen anderen FM4-Sendungen – größtenteils auf Englisch. Zur vollen Stunde gibt es Nachrichten auf Englisch, jeweils zur halben Stunde Kurznachrichten auf Deutsch oder Französisch. Der Anteil an heimischer Musik zur Förderung der österreichischen Kulturszene lag 2015 auf FM4 bei 27,7 Prozent und ist somit der höchste aller ORF-Radios.

Auf Ö3 folgen die musiklastigen Formate “Ö3-Vormittagsshow”, “Der Song deines Lebens – 60 Minuten Lieblingshits”, “Die Ö3-Musikshow”, “Ö3 Drivetime-Show”, “Ö3-Charts”, “Treffpunkt Ö3” und “Ö3-Wunschnacht”. Dazu gibt es “Ö3 Sternstunden” (eine Horoskopsendung), “Die Ö3-Beziehungscouch” (wo man seine Beziehung öffentlich auf den Prüfstand stellen kann) oder “Frag das ganze Land”. In letzterer Sendung können Hörer ganz Österreich laut Ö3-Webseite zu derart gehaltvollen Problemen befragen wie:

  • Meine Nachbarn sind irrsinnig laut beim Sex!
  • Ich will seine Ex nicht bei unserer Hochzeit haben!
  • Mein Partner rückt sein Facebook-Passwort nicht raus!
  • Ich bin verliebt in in den Freund meiner Schwester!
  • Meine Freundin hat wahnsinnig zugenommen!
  • Mein Freund ist nicht lustig und checkt’s nicht!

Auf FM4 geht’s weiter mit “Update”, einer Infotainment-Sendung, wo unter anderem “the artist of the week” porträtiert wird. “Reality Check” ist ein zweistündiges Reportageformat, in dem aktuelle Themen (Syrienkrieg, Finanzkrise, Gewalt an Frauen usw.) ausführlich und hintergründig beleuchtet werden. Danach folgt mit “Unlimited” eine musiklastige Show. Bei “Connected” gibt es ebenfalls Infos und Musik, aber auch politische Diskussionen und Interviews. Genauso wie bei “Homebase”, wo viel Gesellschaftspolitik thematisiert wird. Spätabends gibt es reichlich (heimische) Musik bei “Heartbeat”, “Fivas Ponyhof” und “Sleepless”.

Wie gesagt, man muss FM4 nicht gut finden. Aber dass der Sender seinen Bildungsauftrag nicht erfülle, während Ö3 dies offenbar schon tue, ist objektiv nicht nachvollziehbar. Auf keinem anderen ORF-Radio (mit Ausnahme von Ö1) gibt es so viele Reportage-, Diskussions- und Interviewformate zu Politik, Kultur und Gesellschaft wie auf FM4.

Man wird den Eindruck nicht los, dass die neue Regierung in Österreich nicht genehmen Journalismus – öffentlich-rechtlichen zumal – unterbinden will, wie auch der Angriff des Vizekanzlers H. C. Strache auf ORF-Anchorman Armin Wolf belegt. In Sachen Pressefreiheit liegt Österreich laut “Reporter ohne Grenzen” weltweit auf Platz 11. Ob das so bleibt?

Siehe auch: [1] [2]

Brenner Meeting »ohne« Südtirol.
Außendarstellung wird dem Zufall überlassen

Am 5. Februar fand in München das sogenannte Brenner Meeting statt, ein von EU-Koordinator Pat Cox einberufener, ergebnisarmer Verkehrsgipfel. Mit dabei — angeblich — auch Südtirol.

In München vertreten waren Deutschland, Österreich und Italien durch ihre Verkehrs- beziehungsweise Infrastrukturminister sowie Bayern durch den Innen- und Verkehrsminister und Tirol, Südtirol und das Trentino durch die Landeshauptleute.

LPA

Oder auch nicht. Denn sichtbar vertreten war unser Land — anders als das Bundesland Nord-/Osttirol und gar das Trentino — gar nicht selbst, sondern nur als Region Trentino-Südtirol. Und auch diesbezüglich haperte es noch gewaltig mit der Außendarstellung. Denn wie man den Bildern jenes Tages entnehmen kann, traten Landeshauptmann Arno Kompatscher und Umweltlandesrat Richard Theiner (beide SVP) unter dem Label »Trentino Alto Adige« auf, wiewohl das auf dem Fotomaterial des Landespresseamtes nicht ersichtlich (oder sollte man sagen: verschleiert?) wird.

Rai Südtirol.
Rai Südtirol.

Nicht einmal »Trentino-South Tyrol« hat man als Bezeichnung offenbar protokollarisch durchsetzen können — während der Trentiner Landeshauptmann ein Tischschild mit der Bezeichnung »Autonomous Province of Trento« hatte.

»Autonomous Region Trentino Alto Adige ist einfach die offizielle Bezeichnung der Region«, wird es heißen. Doch auch das stimmt nicht: In der italienischen Verfassung wird schon seit Jahren die offizielle Doppelbezeichnung »Trentino-Alto Adige/Südtirol« geführt. Und außerdem waren Bayern als »Bavaria« und Nord-/Osttirol als »Tyrol« beim Meeting vertreten.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

A Priel-Scherz?

Es ist nichts Weltbewegendes und schon gar kein Weltuntergang was da am Brixner Priel-Parkplatz neuerdings rumsteht. Dennoch ist der neue Parkscheinautomat ein bezeichnendes Symptom.

Bild zum Vergrößern anklicken.

Freilich wird jeder halbwegs intelligente – auch des Italienischen nicht mächtige – Mensch verstehen, was “cassa automatica” bedeutet und wo er/sie das Geld einzuwerfen und die Quittung zu beziehen hat. Aber darum geht es nicht.

  • Der Automat illustriert ziemlich gut, wie zugkräftig die Nationalsprache in einem Nationalstaat ist und wie notwendig eine aktive Sprachpolitik ist, wenn in einer Stadt, in der drei Viertel der Bevölkerung deutscher Muttersprache ist, standardmäßig auf Italienisch und Englisch beschriftet wird.
  • Auch den zahlreichen Touristen, die den Parkplatz nutzen, wird ein klares “siamo-in-Italia”-Signal vermittelt.
  • Der Automat zeigt, wo wir wären bzw. eben teilweise bereits sind, wenn es keine Minderheitenrechte gäbe.
  • Er zeigt auch, dass selbst die öffentliche Verwaltung einer mehrheitlich deutschsprachigen Stadt die eigenen Regeln nicht so genau nimmt und sich an demonstrativer Nachlässigkeit – zumindest im Detail – nicht stört.
  • Und nicht zuletzt zeugt die ausgeprägte Kleberitis auf einem neuen Automaten, der noch nicht einmal in Betrieb ist (die “Außer Betrieb”-Zettel werden wohl entfernt werden, während die aufgepickte immerhin zweisprachige Anleitung aller Voraussicht nach kleben bleiben wird), wie dilettantisch und schlampig und irgendwie auch respektlos den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber agiert wird. Bei den Anschaffungskosten eines solchen Automaten von schätzungsweise mehreren tausend Euro müsste es doch möglich sein, dem Hersteller mitzuteilen, welche Aufkleber in welcher Sprache und mit welchem Text man auf dem Automaten haben möchte.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Urzì, intervista «fake».

Leggermente surreale l’intervista a Alessandro Urzì — candidato alle prossime elezioni politiche con la destra radicale di Fratelli d’Italia — apparsa oggi sull’A. Adige. Innanzitutto questa domanda:

Lei ha incarnato una destra di impronta liberale. Con Fratelli d’Italia si pone alla guida di un movimento identitario e tradizionalista, comprese le battaglie no gender.

Gentile fr.g. (Francesca Gonzato), guardi che l’amico liberale oltre a voler limitare — liberalmente — la libertà di pensiero, le battaglie «no gender» e omofobe le ha sempre fatte.

Il rapporto tra Bolzano e Roma deve essere paritario. Invece Bolzano, cioè la Svp, dice “cancellate la toponomastica italiana” e Roma risponde “va bene”.

Devo proprio essermi perso qualcosa. Che io sappia la toponomastica non solo è sempre quella di Tolomei, ma Roma ha detto «va bene» proprio a Urzì e ai suoi, senza mai fare un passo indietro.