Autonomievergleich (II).

In Thomas Benedikters neu erschienener Publikation »Mehr Eigenständigkeit wagen – Südtirols Autonomie heute und morgen« (Arca Edizioni, im Buchhandel erhältlich) ist auf Seite 24 ein Vergleich verschiedener autonomer Zuständigkeiten Südtirols, Kataloniens und der Åland-Inseln zu finden. Mit Zustimmung des Autors darf ich die Tabelle hier wiedergeben.

Obschon sich ein »Quellen-Kurzschluss« ergibt (die Aufstellung bezieht sich teilweise auf BBD-Informationen) scheint mir die Wiedergabe aufgrund des größeren Umfangs und der Übersichtlichkeit gerechtfertigt.

Thomas Benedikter schreibt im genannten Buch:

Am 5. November 2014 stellte LH Arno Kompatscher im Landtag fest, dass Südtirol über die am weitesten reichende Territorialautonomie Europas verfüge. Hier ein nicht erschöpfender Überblick zur Begründung, warum diese These nicht haltbar ist.

Autonomievergleich.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8]

10 Antworten auf „Autonomievergleich (II).“

  1. Bezüglich Tabellenzeile 4 (Konsumentenschutz) muss man übrigens hinzufügen, dass die Åland-Inseln zwar nicht dafür zuständig sind, dass aber in schwedischsprachigen und zweisprachigen Gemeinden finnlandweit Produktetikettierungen auf Schwedisch abgefasst sein müssen. Natürlich auch in Åland.

    Eine solche Verpflichtung gibt es in Südtirol nicht — nur für Packungsbeilagen von Medikamenten, sie wird aber nicht eingehalten.

  2. … macht es eigentlich niemand stutzig, dass bei südtirol nur „N“ stehen und eine der quellen dieser blog hier ist?

    zu ersterem: die tabelle ist irreführend, da offenbar bewusst jene kompetenzen herausgefischt/formuliert wurden die mit nein beantwortet werden können. wo ist der vergleich der kompetenzen, die südtirol innehat? mit dieser unwissenschaftlichen vorgehensweise kann ich auch china als astreine demokratie darstehen lassen, indem ich einfach den ganzen rest weg lasse.

    zu letzterem: euren blog in ehren, aber wie oft habt ihr in den kommentaren erläutert, dass ihr keinerlei anspruch auf vollständigkeit, oder wissenschaftlichkeit erhebt. und trotz dieser bekundung werden eure einschätzungen nun in einer studie verwendet.
    mmn. ein weiteres indiz für den bescheidenen anspruch des autors.

    1. Ich glaube, obiges Zitat aus Thomas Benedikters Buch beantwortet alle deine Fragen und Einwände:

      Am 5. November 2014 stellte LH Arno Kompatscher im Landtag fest, dass Südtirol über die am weitesten reichende Territorialautonomie Europas verfüge. Hier ein nicht erschöpfender Überblick zur Begründung, warum diese These nicht haltbar ist.

      Unterstreichung von mir.

      Hier geht es ja gerade nicht darum, einen vollständigen Überblick über sämtliche Zuständigkeiten aufzustellen, sondern — ohne Anspruch auf Vollständigkeit — eine Liste all jener Zuständigkeiten, die Südtirol nicht hat und andere schon, weshalb man nicht pauschal von der »am weitesten reichende[n] Territorialautonomie Europas« sprechen kann.

  3. Ich muss zugeben diese Liste ist beeindruckend und wenn man einmal alles aufzählen will was Südtirol nicht an Kompetenzen hat und andere schon macht diese Liste ihren Dienst. Weiter interessant ist, dass es sich auch um autonome Regionen innerhalb der EU handelt.

    Interessant wäre auch der Vergleich verschiedener autonomer Regionen im Verhältnis eines Punktesystem, wo man verschiedenen Kompetenzen eine entsprechende Gewichtung zuweist.

    Natürlich kann das nicht absolut neutral sein. Wenn aber vorher die Gewichtung argumentativ begründet wird, wäre es zumindest transparent und eine gute Gesprächsgrundlage.

    Es ist wichtig, dass man sich eine breite Sichtweise aneignet damit man nicht Gefahr läuft in Autonomiefragen zu stagnieren. Beiträge wie dieser wirken dem entgegen.

  4. M. Gruber kann ich nur empfehlen, sich die beiden Autonomiestatute der Aland Inseln und Kataloniens (hier die deutsche Fassung) selbst anzusehen, um festzustellen, wie groß der Abstand zwischen dem Umfang der Autonomie Südtirols und Kataloniens ist. In dieser unvollständigen Liste ging es natürlich nur um Zuständigkeiten, die Südtirol im Unterschied zu Aland und Katalonien nicht hat. Praktisch alle Südtiroler Zuständigkeiten sind auch in Katalonien vorhanden. Das ist gar keine Frage. Wie Gorgias anregt, sollte man sich vor allem auch das Gewicht der weitergehenden katalanischen Zuständigkeiten anschauen: da geht’s nicht um peanuts, sondern um ein eigenes Höchstgericht, eine Landespolizei, eigene Steuereinhebung, Justizverwaltung, öff.-rechtl. Medien usw. Dass diese Methode unwissenschaftlich ist, weise ich zurück. Auch in der Wissenschaft muss man den Sachverhalt anschaulich gestalten (und kann nicht drei Autonomiestatute auf 1 Seite gegenüberstellen).

    Katalonien und die Aland Inseln sind natürlich Sonderfälle wie alle Territorialautonomien weltweit; der Vergleich mit Südtirol zeigt nicht nur die Unterschiede, sondern auch das Potenzial von Autonomielösungen auf, das bei uns bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. In meiner neuen Publikation „Mehr Eigenständigkeit wagen“ bringe ich übrigens auf S. 30/31 eine komplette Übersicht der Entwicklung der Zuständigkeiten, einschließlich jener, die Südtirol nach einer Autonomiereform 2017 (oder später) haben könnte. Leider werden die noch um Längen hinter jenen des geltenden katalanischen Statuts zurückbleiben, weil ich keine Luftschlösser bauen wollte. Doch auch dieser Ausbau würde einen deutlichen Qualitätssprung der Südtirol-Autonomie bedeuten.

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