Und der russische Krieg in der Ukraine tobt unterdessen ungehindert ins fünfte Jahr hinein
Die islamistisch-syrische Armee schießt die Kurdenregion Rojava zusammen, die islamistischen Revolutionswächter im Iran töteten laut dem Time Magazine an nur zwei Tagen mehr als 30.000 Demonstrant:innen, Islamisten morden in Darfur und seit vier langen Jahren bombt die russische Armee ukrainische Dörfer und Städte in Schutt und Asche. Ja, es herrscht Krieg.
In Gaza herrscht zwar nicht mehr offener Krieg, Frieden aber auch nicht. In Bozen und Meran demonstrierten in den letzten Monaten immer wieder pro-palästinensische Aktivisti:innen — ohne je den 7. Oktober 2023 auch nur zu erwähnen — gegen Israel und seinen überzogenen, unverhältnismäßigen Krieg in Gaza mit mehr als 70.000 Toten.
Auch deshalb — und wegen der »gravierenden Menschenrechtsverletzungen« — setzte die Unterlandler Firma Rothoblaas ihre Geschäfte mit Israel aus. Rothoblaas wurde grundsätzlicher. Zitat aus Facebook:
Unserer Meinung nach wird die Situation von den höchsten institutionellen Stellen, sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene, sowie von einem großen Teil des Mediensystems ignoriert oder heruntergespielt.
– Rothoblaas
Rothoblaas im antisystemischen Widerstand gegen die Kartelle aus Politik und Medien.
Gegen das »System«
Diese Antisystemhaltung rührt aus der Corona-Zeit. Im Februar 2023 zählte Rothoblaas zu jenen impfkritischen Unternehmen, die mit ihrer »Sozialunion« Wir Noi – Unternehmen für Menschen gegen die Corona–Maßnahmen der Landesregierung und des italienischen Staates »ankämpften«. Wir Noi agierte in der lauten Impfgegnerszene, ganz vorne mit dabei Anwältin Renate Holzeisen und Bauer, Skilehrer und Schütze Jürgen Wirth-Anderlan, inzwischen Landtagsabgeordnete.
Mehr als 200 Unternehmer:innen, Handwerker und weitere Gewerbetreibende aus Südtirol und dem Trentino schlossen sich dem »Widerstand« an, gegen die Landesregierung, weil sie mit ihren Anti-Corona-Maßnahmen angeblich die Gesellschaft spaltete, hetzte, desinformierte.
Deshalb zeigen die erwähnten Wirtschaftstreibenden »Gesicht und Kante« gegen die unbequemen und auch unerträglichen Einschränkungen. Und für die Grundrechte, wie Salto sympathisierend und wohlwollend die »professionell organisierte riesige Gruppe impfkritischer Unternehmer« uneingeschränkt lobte.
Launch Event für den Frieden
Rothoblaas samt Wir Noi mobilisierte jetzt wieder, mit einem Launch Event gegen Aufrüstung und für Diplomatie, Zusammenarbeit und ein friedliches Europa, mit einem »Manifest für den Frieden«. Das international erfolgreiche Unternehmen von Robert Blaas als Friedensbewegung. Mit dem Manifest strebt die Bewegung 10.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern an, die damit ein »deutliches NEIN zur Aufrüstung und ein JA zu aktiver Friedenspolitik setzen«. Welche aktive Friedenspolitik werden sie wohl meinen? Jene von Donald Trump, Steve Witkoff und Wladimir Putin?
»Not in my name«, kritisiert Unternehmer Robert Blaas die derzeitige europäische Politik. Er sucht »Botschafter für den Frieden« und gegen den Krieg. Unternehmerkollege Hannes Loacker, auch ein erprobter Widerstandskämpfer gegen die Corona-Maßnahmen, warnt vor »Panik- und Kriegstreiberei«. Ob er damit Carlo Masala meint, der Europa in seinem Buch Wenn Russland gewinnt düstere Zeiten prophezeit? Besonders Rechtsradikale laufen gegen Masala und seine Thesen Sturm.
Für das Friedensanliegen — wer ist nicht für Frieden? — warben im Vorfeld zum Launch-Event auch Professor Oskar Peterlini, besonders gegen Waffenlieferungen und der bekennende Impfgegner Gerhard Tratter, ein erfolgreicher Unternehmer.
Kriegstreiber EU?
»Uns wird eingeredet, Krieg sei alternativlos. Wir sind damit nicht einverstanden«, widerspricht Wir Noi der europäischen Politik der massiven Aufrüstung. Sie wollen Frieden schaffen und bewahren. Ein hehres Ziel. Ähnlich argumentieren in Österreich die Freiheitlichen, die der EU-Kommission Kriegstreiberei vorwerfen, mit dabei in dieser Pazifistenfront Ungarn, Slowakei, Tschechien, die Rechtsradikalen der AfD und des französischen Rassemblement National.
Kriegstreiberei deshalb, weil die EU und die meisten Mitgliedsstaaten die Ukraine mit Waffen gegen die russische Aggression unterstützen. Halbherzig zwar, aber immerhin. Seit vier Jahren überzieht nun Putin-Russland — viele westliche Unternehmen unterhielten lange einen schwungvollen Handel mit diesem Mafiastaat — die Ukraine mit Krieg, große Teil des Ostens sind besetzt, ethnisch gesäubert, geplündert und bombardiert, Kinder wurden verschleppt und Frauen vergewaltigt. Derzeit zerstört die russische Armee gezielt Kraftwerke, schickt Drohnen und Raketen vorzugsweise in Wohnviertel. Keine Zeile darüber kommt in den Wir-Noi-Texten vor. So als ob es diesen Krieg vor unserer Nase gar nicht geben würde.
Stattdessen schießt sich Wir Noi auf die EU ein, weil sie die Ukraine mit Waffen versorgt, zur Selbstverteidigung. Ohne diese Hilfe und ohne den Widerstand der Ukrainerinnen und Ukraine wäre dieses Land wieder ein russischer Vorhof, eine Oblast.
Wahrscheinlich sind Fachleute wie Carlo Masala oder Karl Schlögel, Franziska Davies oder Timothy Snyder bezahlte Handlanger der Waffenindustrie. Während der Corona-Pandemie verunglimpften die No-Vax-Aktivist:innen Wissenschaftler wie Christian Drosten oder Melanie Brinkmann als Botschafter der Pharmaindustrie.
Arrogant, wie Wir Noi über die offizielle europäische Politik drüberfährt. Statt auf Frieden zu setzen, so der ständig wiederholte rechts- und linksradikale Vorwurf, treibe die EU den Krieg an. Kein Wort über den Aggressor. Was haben die angeblichen Friedensverhandlungen der USA gebracht? US-Präsident Trump drängt die Ukraine zur Aufgabe der östlichen Landesteile, genau das ist ein Ziel des Putin-Krieges. Die USA fordern die ukrainische Kapitulation.
Das soll dann Frieden sein? Das ist arrogante Kaltschnäuzigkeit, nicht zu überbieten, egoistisch, weil was geht uns denn die Ukraine an, oder so ähnlich.
Joschka Fischer warnt
Zu einem völlig anderen Schluss kommt ein ehemaliger Kriegsgegner, der einstige grüne deutsche Außenminister Joschka Fischer. In einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel sagt Fischer unumwunden:
Wie können Sie einen aggressionsbereiten Nachbarn davon abhalten, Sie zu überfallen? Nur durch Stärke und Abschreckung. Zu lange sind wir der Illusion vom angeblich ewigen Frieden in Europa aufgesessen.
– Joschka Fischer
Deshalb ist er für eine gemeinsame europäische Aufrüstung, eine europäische Armee und — doch sehr überraschend — für eine europäische Atombombe. Es ist die russische Großmacht, die mit einem Krieg Grenzen verändert, erinnert Fischer an die Fakten. Seit die USA Rechtsradiale in der EU gegen die EU sponsern, ist es labil und gefährlich geworden. Für Europa, für die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit.
Ob die Sozialunion Wir Noi dies auch so sieht? Oder teilt sie die These des Investors Peter Thiel, Demokratie und Freiheit vertragen sich nicht, deshalb weg mit der Demokratie?
Cëla enghe:
- Un nuovo movimento nasce in Alto Adige Südtirol
- Die Koalition der »Mündigen«
- »Ich bin besorgt«
- »Wir Noi ist Gemeinwohl orientiert und überparteilich«

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