Beim Bau der neuen Zufahrten nach Antholz und Olang sind am Galgenbichl in Niederrasen bedeutende archäologische Funde ans Tageslicht gekommen, die auf die Eisenzeit zurückgehen.
Dazu veröffentlichte das Landespresseamt (LPA) vor wenigen Tagen eine Mitteilung. Im Vordergrund des beigefügten Fotos ist folgende Tafel zu sehen:
Foto: Amt für Archäologie (via LPA) – Ausschnitt von mir
Sämtliche Angaben sind darauf ausschließlich auf Italienisch beziehungsweise mit italienischen Abkürzungen angeführt: So etwa CC für Comune catastale (Katastralgemeinde) und PF für Particella fondiaria (Grundparzelle). Laut Informationen aus dem Netz dürfte US für Unità stratigrafica und RN für Reperti notevoli stehen. INCR E ACC interpretiere ich als incrocio e accesso (Kreuzung und Zufahrt).
Die Dokumentation archäologischer Grabungen ist keine vergängliche Information. Dieses Foto ist nicht nur bereits in mehreren Medien gelandet, die die LPA-Meldung übernommen haben, sondern Bestandteil der Dokumentation des archäologischen Fundplatzes. Solche Unterlagen werden ausgewertet und archiviert, können in Publikationen einfließen und später von anderen Archäologinnen, Historikerinnen sowie von der interessierten Öffentlichkeit eingesehen und herangezogen werden.
Die einsprachige Tafel wird damit auch Teil der wissenschaftlichen Überlieferung dieses Fundplatzes und hinterlässt somit Spuren. Neben der unmittelbaren Verständlichkeit geht es also auch um die Selbstdarstellung und das Selbstverständnis, die damit über Südtirol transportiert werden.
Noch unbegreiflicher als die Einsprachigkeit finde ich persönlich allerdings die Einnamigkeit. Erfundene Ortsnamen, die im Faschismus aufgezwungen wurden, werden hier ausschließlich verwendet. Die historisch gewachsenen Bezeichnungen Antholz und Niederrasen kommen gar nicht vor.
Bei einer archäologischen Untersuchung wirkt das aus meiner Sicht besonders eigenartig: Ein Fach, das sich mit der Vergangenheit beschäftigt und versucht, historische Realität zu erforschen und Spuren der Vergangenheit möglichst präzise zu dokumentieren, reproduziert auf der Metaebene — der Informationstafel — ausgerechnet eine koloniale Namensordnung als einzig zulässig.
Damit werden die historisch gewachsenen Ortsbezeichnungen unsichtbar gemacht und die Erfindungen von Ettore Tolomei perpetuiert und »wissenschaftlich« legitimiert.
Dabei werden die Arbeiten vom Landesamt für Archäologie ( koordiniert und — siehe auf der Tafel unten links — wohl vom Nordtiroler Archäologiedienstleister ARDIS durchgeführt. Politisch ist für den Bereich übrigens nicht etwa Marco Galateo (FdI) oder Christian Bianchi (FI), sondern Philipp Achammer (SVP) zuständig.
Ich finde das alles unglaublich. Mag sein, dass all dies von der italienischen Gesetzgebung so gefordert wird (was dann wieder ein Hinweis auf die Unzulänglichkeit der Autonomie wäre). Es wird aber sicher nicht verboten sein, ein zweites Schild mit denselben Informationen auf Deutsch hinzustellen. Das wäre ein wohl zumutbarer Mehraufwand.
Cëla enghe: 01


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