Am 27. Jänner wurde bei einer Pressekonferenz in Schabs mit großem Trara die Wiedereröffnung der (alten) Pustertaler Bahnstrecke gefeiert. Hauptdarsteller war der rechtsextreme italienische Verkehrsminister Matteo Salvini (Lega), der die Bühne wieder einmal nutzte, um gegen die Transitmaßnahmen in Nordtirol zu agitieren, die bekanntlich auch Südtirol zugute kommen.
Anwesend waren neben dem Südtiroler Landesrat für Infrastruktur und Mobilität, LH-Stv. Daniel Alfreider (SVP), unter anderem der Landesrat für Umwelt und Raumentwicklung, Peter Brunner (SVP), der Geschäftsführer des italienischen Schienennetzbetreibers RFI, Aldo Isi, die Sonderkommissarin für die Riggertalvariante Paola Firmi, die Vizepräfektin Margherita Toth und der Bürgermeister von Natz-Schabs, Alexander Überbacher (SVP).
Dass die meisten Reden in italienischer Sprache gehalten wurden, versteht sich angesichts der Rednerinnen von selbst. Ob zumindest irgendetwas auch auf Deutsch und Ladinisch gesagt wurde, kann ich nicht beurteilen.
Fotos zum Vergrößern anklicken (Quelle: LPA/Tiberio Sorvillo)
Unzweifelhaft ist jedoch, dass das gesamte visuelle und organisatorische Setting in völliger Missachtung der Südtiroler Mehrsprachigkeit sowie der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen ausschließlich italienisch gestaltet war. Hinter der Bühne prangte ein großes Paneel, auf dem in großen Lettern »Riapertura linea ferroviaria in Val Pusteria – 27 Gennaio 2026« stand. Darunter — und zusätzlich nochmals direkt am Rednerpult — der Claim »L’Italia del futuro è in corso«. Darüber eine Ansammlung von Logos: die EU-Flagge mit dem einsprachigen Hinweis »Finanziato dall’Unione europea – NextGenerationEU«, anschließend das grünweißrote Logo des »Ministero delle Infrastrutture e dei Trasporti«, das grünweißrote von Italia Domani, das Wappen der italienischen Republik, mehrere — wiederum überwiegend grünweißrote — Logos der italienischen Staatsbahnen und das der Baufirma ICM.
Auch das Publikum trug Badges mit der Aufschrift »Riapertura linea ferroviaria in Val Pusteria – 27 Gennaio 2027 – Ospiti«.
Unterwerfung
Obwohl die bisherigen Arbeiten laut offizieller Pressemitteilung in Zusammenarbeit mit dem Land Südtirol durchgeführt wurden, blieb das Land im öffentlichen Auftritt gänzlich unsichtbar — sprachlich ebenso wie symbolisch. Weder ein Landeswappen noch irgendein sonstiger Bezug zu Südtirol war vorhanden — sieht man einmal vom einnamigen »Val Pusteria« ab.
So lassen sich unsere »autonomistischen« Volksvertreterinnen und Regierenden, offenbar ohne mit der Wimper zu zucken, vorführen und stellvertretend für Südtirol demütigen.
À propos vorführen: Ein Foto beim Aussteigen am Bahnhof Franzensfeste zeigt neben RFI-Geschäftsführer Aldo Isi auch Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP), der an der Pressekonferenz »aufgrund seiner Teilnahme am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust in Bozen« nicht teilnehmen konnte. Ich vermute einmal, dass das gesetzwidrige Bahnhofsleitsystem, das RFI laut einem Brief an den Landeshauptmann schon vor Jahren austauschen wollte, aber noch immer an Ort und Stelle ist, kein Thema war. Um nicht zu sagen: Mich würde es wundern, wenn Herrn Kompatscher sowas überhaupt aufgefallen wäre.
Wie für Antholz gilt auch hier: Von sowas kommt sowas. (Oder sogar sowas.)
Cëla enghe: 01

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