→→ Archif di cuntribuć esterns →→

  • Freistaat?

    In Südtirol ist immer wieder von der Freistaat-Lösung die Rede. Dabei ist das Wort ein Fehlgriff. Zitat von der Homepage des Freistaates Sachsen:

    Das Wort “Freistaat” ist eine sinngemäße deutsche Entsprechung des französischen Wortes “république”. Es soll damit besonders betont werden, dass das Land nicht von einem Souverän, sondern von seinen freien Bürgern regiert wird. Nach Abschaffung der Monarchien, 1918, musste eine neue staatsrechtliche Bezeichnung gefunden werden: “Republik” hätte sich zwar angeboten, entsprach aber nicht dem Zeitgeist, der seinerzeit bemüht war, Fremdworte [sic!] einzudeutschen. Der “Freistaat” als deutsches Wort für Republik war da als Begriff erfolgreicher.

    […]

    Privilegien oder rechtliche Besonderheiten hat der “Freistaat” gegenüber dem “Land” keine, wohl aber sehr viel ältere staatliche Traditionen.

    Freistaat.

    Aus der deutschen Wikipedia:

    […] Seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland mit ihrer föderalen Struktur hat der Begriff Freistaat keine maßgebliche rechtliche Bedeutung mehr, da alle Länder der Bundesrepublik die gleiche verfassungsrechtliche Stellung besitzen. Daher ergeben sich für die Bundesländer, welche den Begriff (vornehmlich aus historischen Gründen) verwenden, auch keinerlei föderale Sonderstellungen, obwohl in der Öffentlichkeit aufgrund der Existenz der Regionalpartei CSU anstelle eines Landesverbandes der CDU der Freistaat-Begriff fälschlicherweise mit einer besonderen Eigenständigkeit oder Sonderrolle Bayerns verknüpft wurde.

    Der Freistaat ist also weder Wunschtraum noch nahe Realität: Wir sind schon einer. Oder?



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Auch die Wirtschaft will sie.

    Eine »Reifeprüfung« für die Autonomie wurde sie bereits genannt, die Steuerhoheit. Gekommen ist sie aber nie, und dies, obschon sie eine zeitlang zum Greifen nah schien. Doch gerissen hat sich niemand darum, denn nichts verpflichtet so sehr zur Verantwortung. Wer vom Steuerzahler Geld verlangt, der muss dafür auch geradestehen.

    Eine paradoxe Situation: Das Land behält rund 9/10 der hier eingehobenen Abgaben ein oder bekommt sie vom Staat zurücküberwiesen. Der Rest deckt mehr schlecht als recht unseren Mitgliedsbeitrag für Heer, Polizei und andere ineffiziente Dienste. Obschon also fast das gesamte Steueraufkommen in die Landeskassen fließt, kann Bozen in Steuerfragen nur im Detail mitreden. Die große Steuerpolitik wird in Rom gemacht, wenngleich dort höchstens Brosamen ankommen.

    Die Voraussetzungen wären also ideal, um mit Rom einen Deal auszuhandeln: Soundsoviel zahlen wir fürs Dabeisein und – meinetwegen – für die Abtragung der Staatsschuld, den Rest regeln wir eigenständig.

    Das hieße vermutlich Steuersenkungen, denn nichts rechtfertigt in einem reichen Land wie Südtirol die hohe italienische Abgabenlast. Wer gewohnt ist, das Landessäckel ganz weit aufzuhalten, dem ist diese Perspektive freilich unangenehm. Blieben die Sätze gleich hoch, würden die Bürger aber weniger Verschwendung und bessere Dienstleistungen einfordern.

    Man könnte vielleicht eben mal das Sozialsystem absichern, die Kaufkraft der Bürger verbessern, innovative Firmen ansiedeln und verhindern, dass Südtiroler Topunternehmen der Reihe nach ins benachbarte Ausland abwandern.

    Es hat mich immer schon gewundert, warum Südtirols Wirtschaftsverbände nie klar und unmissverständlich die Steuerhoheit – geschweige denn die Unabhängigkeit vom italienischen Wirtschaftsdesaster – gefordert haben. Jetzt haben sie es getan. Kleinlaut, aber doch. Dieter Steger, Direktor des Verbandes für Kaufleute und Dienstleister:

    “Diese hohe Staatsverschuldung schränkt den Handlungsspielraum für unbedingt notwendige Reformen sehr stark ein. Während die anderen europäischen Staaten, deren Verschuldungsquote um die 60 Prozent liegt, die notwendigen Reformen vorantreiben, tritt Italien auf der Stelle und gerät dadurch wirtschaftlich immer mehr ins Hintertreffen”, so Steger.

    “Im Anbetracht dieser Entwicklung wird Südtirol mit seinen Autonomiebestimmungen zunehmend zum Luxus für Italien, den es sich nicht mehr leisten kann. An diesem Luxus wird der Staat in Zukunft vermehrt versuchen den Sparstift anzusetzen. Wenn wir daher unseren Wohlstand und die Vollbeschäftigung sichern und die hohe Lebensqualität in Südtirol erhalten wollen, muss der Weg zu einer Steuerautonomie für Südtirol konsequent angegangen werden”, meint Dieter Steger abschließend.

    Erschienen bei Südtirol Online am 12.03.2008.

    Mit dem neuen Autonomiestatut hat Katalonien die Schaffung seiner eigenen Steuerbehörde in die Wege geleitet. Eine staatliche Einnahmen-Agentur gibt es dort nicht mehr. Ein erster Schritt, denn völlig autonom kann auch Barcelona nicht über seine Steuern befinden.

    Cëla enghe: 01 02 03



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Spanien: Leserbrief.

    Aus: Dolomiten vom 10.03.08.

    Windegger: Vorausgeschickt.

    Dieser mein Leserbrief zu Windeggers – schwachsinniger – Analyse wurde bis dato nicht veröffentlicht:

    Was Herr Windegger am Montag »vorausgeschickt« hat, kann man so keinesfalls stehenlassen: Herr Zapatero hat in Spanien nicht nur »medienwirksame Aktionen« durchgeführt, sondern ein klares, sozialdemokratisches Programm umgesetzt. Handfeste Politik, so handfest, dass etwa nicht einmal die unterlegene Volkspartei (PP) die Homo-Ehen rückgängig machen wollte.
    Die »einstige Kolonialmacht« verliert nicht an Bedeutung, sondern ist gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich eine der dynamischsten und innovativsten Regionen der EU. Und dies, obschon sie sich der Kirchenobrigkeit nicht willig unterordnet, wie man’s zum Beispiel von Italien gewohnt ist. Der König wurde auch nicht von Chavez angepöbelt, sondern ist umgekehrt eingeschritten, um den venezolanischen Präsidenten davon abzuhalten, eine Rede Zapateros durch ständige Zwischenrufe zu unterbrechen.
    Was zuletzt die Basken betrifft, deren schlechte Behandlung Herr Windegger anprangert, so muss man (ohne gewisse Zwischenfälle schönreden zu wollen, nichts liegt mir ferner) festhalten, dass »Euskadi« eine weitergehende, besser ausgebaute Autonomie genießt, als unser gepriesenes Modell-Land. Wenn Sie unterdrückte Minderheiten suchen, müssen Sie schon nach Frankreich und – teilweise – Italien schauen.

    Verschickt am 10.03.2008.

    Nachtrag: Das Video des Zwischenfalls in Chile. Mit englischen Untertiteln.



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Stilblüten.

    Eurac und Südtiroler Kulturinstitut haben eine zentrale Sammelstelle für »Südtiroler Stilblüten« eingerichtet — und deren gibt es viele. Eine Idee, die teilweise bereits von vorweggenommen wurde.

    Zum Beispiel mit Ohne viele Worte, Bhf. Bozen, Bhf. Franzensfeste oder Kreativitätspreis. Einige Exemplare wurden denn auch von hier übernommen.

    Schön, dass sich jetzt jemand ernsthaft (!) dieser umfangreichen Aufgabe angenommen hat.

    Externer Verweis: Abgeblitzt.

    Bonus-Bilder:



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Zweifelhafte Ehre. (Modellautonomie III)

    Nun hat sich unerwartet doch — endlich — jemand gefunden, der unsere Autonomie kopieren will, genauer gesagt: unser Modellschulmodell. Der katalanische Ableger des spanisch-nationalistischen Partido Popular (hier Partit Popular de Catalunya) möchte, freilich ohne es zu kennen und zu nennen, das auf sprachlich getrennten Schulen basierende Südtiroler Modell in Katalonien durchsetzen, falls aus den anstehenden Kongresswahlen eine konservative Regierung hervorgehen sollte. Dies, um Kindern »kastilischer« Familien eine Schullaufbahn in ihrer Sprache zu ermöglichen.

    Die katalanischen Sozialisten (PSC), Ableger der Arbeiterpartei Zapateros, Esquerra Republicana de Catalunya (ERC), Iniciativa per Catalunya – Verds (IC-V), die konservative CiU laufen Sturm gegen diese Hypothese, die sie geschlossen als »gesellschaftszerstörend« bezeichnen. Das ist der Erfolg, den unser Beispiel im Ausland erntet.

    Und: Wohl eine zweifelhafte Ehre für unser Modell, wenn es andernorts von Spaltern und rechten Zentralisten gegen den sozialen Zusammenhalt ins Feld geführt wird. War da was?

    Cëla enghe: Il sistema catalano.



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Modellautonomie II.

    Der ungarische Generalkonsul war in Südtirol, und pünktlich schlägt das Landespropag Landespresseamt (LPA) triumphale Töne an. Denn schließlich wollen »alle« unsere Autonomie kopieren. Und das ist gut.

    Doch Herr Geza Hetenyi, wollen Sie wirklich…

    • die politische Landschaft ins künstliche Koma versetzen, wie hier in Südtirol?
    • getrennte Schulsysteme für Kinder unterschiedlicher Muttersprache?
    • den gesellschaftlichen Zusammenhalt dem Minderheitenschutz opfern?

    Eigentlich mache ich mir aber keine Sorgen. So viele Aussendungen das LPA auch gemacht, so viele Interessentinnen unser Modell auch gefunden hat, »gekauft« hat es noch niemand.



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Rodeneck: Ladinerinnen ›diskriminiert‹.

    Rodeneck.

    Bei der bisher letzten Volkszählung im Jahr 2001 haben sich in Rodeneck gleich viele Bürgerinnen zur ladinischen wie zur italienischen Sprachgruppe zugehörig erklärt, und zwar je 0.18%.

    Als ich vor kurzem in der Pustertaler Gemeinde war, musste ich jedoch feststellen, dass die Verwaltung die Ladinerinnen grob benachteiligt: Während die italienische Sprache in der öffentlichen Beschriftung und Beschilderung durchwegs präsent ist, sucht man die ladinische Sprache vergeblich. Wie ist es möglich, dass bei gleicher zahlenmäßiger Bedeutung derartige Unterschiede gemacht werden — noch dazu zu Lasten der dringender zu schützenden, weil wesentlich gefährdeteren Sprache?

    Achja: Siamo in Italia.



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Modellautonomie I.

    Das Trentino hat kürzlich ein neues Minderheitenschutzgesetz für die Ladiner, Zimbern und Fersentaler beschlossen und sich dabei an Südtirol …ähm …Katalonien orientiert. Denn das Allerbeste liegt so nah! Ein Zufall?

    Auszug aus der Stellungnahme des Ladiners und Trentiner Landtagsabgeordneten Dr. Luigi Chiocchetti (erschienen bei noeles.info):

    Al vegn sorissé ciamò plu clermenter la filosofia che la provinzia à adoté te sia azion de stravardament, valorisazion y promozion dles mendranzes linguistiches storiches locales: l critere “teritorial”. An rejona de comunanzes che viv sun cerc teritores dla provinzia caraterisés dal fat de avei n lingaz sie che se met apede al lingaz nazional tla doura de duc i dis y tla ofizialité di documents publics. N model nuef per l ordinament talian ma che troa ejempli tl’Europa y che se arvejina dret al model dla Catalunia tla Spagna. L’art. 3 dla Costituzion dij de fat che “L castilian é l lingaz ofizial dl Stat. (…) Ence i autri lingac spagnoui é conscidrés ofiziai tl contest de sia ”Comunités Autonomes aldò de si Statuc”. “La richeza di desvalives modìe linguistics dla Spagna é n patrimonie cultural che vegnirà respeté y vardé via a na vida particolara”. Da pert sia, l statut de autonomia dla Catalunia dij che “L Catalan é l lingaz ofizial dla Catalunia, deberieda al Castilian, lingaz ofizial de dut l Stat spagnoul”. Ciamò “La Generalitat (Region) garantiarà la doura normala y ofiziala di doi lingac; ala metarà a jì les mesures che và debujegn per arseguré sia conescenza…” y “la rejoneda spezifica dla Val d’Aran vegnirà respeteda y vardeda via a na vida particolara” (la Val d’Aran é na comunanza de mendranza tla Catalunia), y duc sà cotant che l sistem catalan da chest pont de veduda sie n model inovatif tl’Europa.

    Cëla enghe: 01



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

You are now leaving BBD

BBD provides links to web sites of other organizations in order to provide visitors with certain information. A link does not constitute an endorsement of content, viewpoint, policies, products or services of that web site. Once you link to another web site not maintained by BBD, you are subject to the terms and conditions of that web site, including but not limited to its privacy policy.

You will be redirected to

Click the link above to continue or CANCEL