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  • Professionelle Imagepflege.

    Ich musste heute unfreiwillig an den uralten und nur bedingt lustigen Witz mit dem Mann denken, der zwei schwere Eisenstangen mit in die Savanne nimmt. Wenn er einen Löwen sieht, glaubt er, kann er die Stangen wegwerfen und dadurch schneller laufen.

    Ähnlich macht es das Land Südtirol mit seinem — also unserem — Ruf: Es engagiert zur Imagepflege eine Marketingexpertin, die italienweit sofort ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Jetzt reicht es, sich ihrer wieder zu entledigen, um eine erhebliche Imageverbesserung zu erzielen.



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  • Die Angelobung und die Eidesformeln.

    Nach der heutigen Vereidigung der neuen italienischen Regierung (5SB/Lega) habe ich kurz recherchiert, welche Eidesformeln in anderen Staaten üblich sind. Grund ist, dass ich den italienischen Text — wiewohl man die Prozedur vielleicht nicht überbewerten sollte — problematisch finde:

    Giuro di essere fedele alla Repubblica, di osservarne lealmente la Costituzione e le leggi e di esercitare le mie funzioni nell’interesse esclusivo della Nazione.

    Speziell wenn man die Einbindung Italiens in die Europäische Union bedenkt, ist es doch zumindest merkwürdig, wenn von den Regierungsmitgliedern verlangt wird, ihr Amt im ausschließlichen Interesse der Nation (!) auszuüben.

    Auch die in der BRD gebräuchliche Eidesformel ist mit ihrem Verweis auf das »deutsche Volk« altbacken, aber nicht so ausdrücklich exkludierend wie die italienische. Bundeskanzlerin und Ministerinnen sagen bei der Angelobung:

    Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. [So wahr mir Gott helfe.]

    Der religiöse Zusatz ist freiwillig. In der Schweiz können die Bundesrätinnen zwischen einem religiösen »Eid« und einem weltlichen »Gelübde« wählen:

    Ich schwöre vor Gott dem Allmächtigen, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten meines Amtes gewissenhaft zu erfüllen.

    Ich gelobe, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten meines Amtes gewissenhaft zu erfüllen.

    In Österreich schließlich lautet die Eidesformel für sämtliche Regierungsmitglieder wie folgt:

    Ich Gelobe, dass ich die Verfassung und alle Gesetze der Republik getreulich beobachten und meine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen werde.

    Die Schlüsse überlasse ich den Leser- und Kommentatorinnen.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Freiheit der Kunst: EU kein Vorbild.
    Sorgenkinder Spanien, Polen und Frankreich

    Freemuse/Artsfreedom ist eine internationale Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Freiheit der Kunst zu verteidigen. In diesem Bestreben hat sie kürzlich zum ersten Mal den State of Artistic Freedom Report (2018) veröffentlicht, in dem die weltweite Situation analysiert und Missstände angeprangert werden.

    Dabei sticht in der EU vor allem ein Land negativ hervor: Spanien. Von 48 Künstlerinnen, die 2017 weltweit im Gefängnis saßen, waren 13 in Spanien, 12 in China, 9 im Iran hinter Gittern. Damit steht das EU-Land allein — aber auch die sogenannte europäische »Wertegemeinschaft« als Ganzes — statistisch schlechter da, als die fernöstliche Diktatur.

    In der besonderen Wertung der Freiheit in der Musik liegt Spanien (diesmal vor Ägypten und China) ebenfalls an erster Stelle. Valtònyc und Pablo Hasél sind keine Einzelfälle, denn alle 13 spanischen Inhaftierten sind Rapperinnen, die auf Grundlage verschärfter Antiterrorgesetze verurteilt wurden.

    Mit Frankreich nimmt aber noch ein weiteres EU-Mitglied eine unrühmliche Position ein: Zwar nicht beim Freiheitsentzug, aber bei der Zensur von Kunstwerken und der Sperrung von Künstlerinnen liegt die Republik von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (140 Zensurfälle) hinter Usbekistan (225) weltweit an zweiter Stelle. China liegt hier abgeschlagen (67) auf dem vierten Platz.

    Spanien und Polen ist als zwei von zehn »Watchlist-Countries« je ein eigenes Kapitel in dem Bericht gewidmet. In manchen Grafiken — etwa über die Unterdrückung von Minderheitenstimmen (S. 16) oder zur Freiheit der Theaterkunst (S. 23) — wird auch Deutschland erwähnt, wobei hier keine näheren Angaben gemacht werden.

    Nach Österreich, der Schweiz und Italien sucht man im Bericht vergeblich. Ob das daran liegt, dass für diesen ersten Bericht noch nicht genügend Informationen aus diesen Ländern vorlagen, oder daran, dass es hier nichts zu beanstanden gibt, konnte ich nicht eruieren.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01



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  • Expertin mit Beigeschmack.

    Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat das Land der ehemaligen PD-Senatorin Francesca Puglisi den Auftrag erteilt, einen Beitrag zum Abbau der italienischen Vorurteile gegenüber Südtirol zu leisten. Eine Anstellung der Marketingexpertin sei nicht möglich, da sie nicht über den Zweisprachigkeitsnachweis A verfüge. Sie soll daher einen auf 2018 befristeten — verlängerbaren — und mit insgesamt 73.000 Euro dotierten Vetrag erhalten. Arbeitssitz sei die Außenstelle des Landes in Rom.

    Ob die Dame überhaupt ein paar Brocken Deutsch beherrscht, wird in den Berichten nicht erwähnt.

    Warum eine neue Marketingexpertin angestellt werden musste, nachdem zu diesem Zweck schon Marco Pappalardo ins Boot des Landespresseamtes geholt wurde, ist mir übrigens nicht ganz klar. Aber ich halte das gesamte Unterfangen ohnehin für vergebliche Liebesmüh.

    Dass es sich bei der Senatorin a. D. um die Lebensgefährtin von PD-SVP-Senator Gianclaudio Bressa handelt, hat jedoch — selbst wenn rechtlich alles in Ordnung ist — ein Gschmäckle.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01



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  • Präsident versenkt Regierung von Lega und 5SB.
    Mattarellas sonderbare Prioritäten

    Während der letzten Tage hat sich in Italien ein Politdrama größeren Ausmaßes zugetragen: Die Ablehnung eines von den Koalitionärinnen in spe vorgeschlagenen Ministers, Paolo Savona (Jahrgang 1936), durch den Staatspräsidenten ließ — vorerst — die Regierungsträume von 5SB und Lega platzen, die sich auf den Euroskeptiker versteift hatten.

    Statt Giuseppe Conte, der den Auftrag zur Regierungsbildung zurücklegte, soll nun der vom Staatspräsidenten aus dem Hut gezauberte Sparmeister Carlo Cottarelli versuchen, im Sinne der marktkonformen Demokratie eine Regierung zu bilden. Eine parlamentarische Mehrheit für sein Übergangskabinett ist jedoch unwahrscheinlich.

    Bei den quasi unvermeidlichen Neuwahlen, an denen ob der vorzeitigen Aufhebung des Ämterverbots auch Silvio Berlusconi teilnehmen würde, ist ein neuerlicher Erfolg der Systemgegnerinnen unschwer vorhersehbar.

    Was mich jedoch persönlich am meisten wundert, ist, dass der italienische Staatspräsident sein — verfassungsrechtlich angeblich gedecktes — Veto gerade gegen einen EU- und Euroskeptiker im Wirtschaftsministerium eingelegt hat, während ein Rassist ersten Ranges wie Lega-Chef Matteo Salvini, der

    • noch im vergangenen Jahr die »Massensäuberung« Italiens von Migrantinnen »Straße für Straße, Quartier für Quartier, wenn es sein muss mit harten Methoden« gefordert hatte;
    • gerne droht, mit der Planierraupe über soziale Missstände hinwegzufahren;
    • eine enge politische Freundschaft mit Marine Le Pen vom Front National führt und
    • bereits Koalitionen (Sovranità) mit erklärten Faschistinnen (CasaPound) eingegangen war

    offenbar problemlos zum Innenminister ernannt worden wäre. Das halte ich für den eigentlichen Skandal in diesem Staat, der sich gern zum Erben des Antifaschismus erklärt.



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  • Zur Doppelpass-Umfrage.

    Weil wir schon beim Thema »Fragebögen« sind: Salto, barfuss und ut24 führen gemeinsam mit vier Journalismus-Studenten der Fachhochschule Joanneum in Graz eine Umfrage zum Thema »Doppelpass« durch. Sie besteht aus

    • fünf Fragen zur Einordnung der Teilnehmenden (E-Mailadresse, Altersgruppe, Sprachgruppe, Geschlecht und Wohnort) sowie
    • zwei inhaltlichen Fragen, wobei sich nur eine auf die doppelte Staatsbürgerschaft (und die andere auf die Unabhängigkeit Südtirols) bezieht.

    Diese eine Kernfrage zeugt von großer Professionalität:

    • Während in der deutschen Fragestellung darauf hingewiesen wird, dass es sich um die italienische und die österreichische Staatsbürgerschaft handelt, ist dies in der italienischen Fragestellung nicht der Fall.
    • Während auf Deutsch danach gefragt wird, ob man die doppelte Staatsbürgerschaft »befürworten« würde (warum nicht, ob man sie »befürwortet«?), wird auf Italienisch gefragt, ob man sie »unterstützen« möchte.
    • Die Antwortmöglichkeit »Ja« lautet auf Italienisch »si Eher«, dafür fehlt dieses »Eher« dann bei der dritten Antwortmöglichkeit, die wohl »Eher nein« lauten müsste.
    • »Sì« auf Italienisch korrekt (nämlich mit Akzent) zu schreiben, wäre gerade bei einer Umfrage auch ein nettes Feature gewesen.

    Darüberhinaus wird

    • man gebeten, personenbezogene Daten (einschließlich der E-Mailadresse) anzugeben
    • vermutlich die IP-Adresse erfasst, aber
    • nicht informiert, wer die Daten erhebt und verwahrt oder ggf. zu welchem genauen Zweck in welcher Form verwendet oder gar weitergibt/veröffentlicht.

    Nachtrag (1): Inzwischen wurde zumindest der gröbste Schnitzer korrigiert… und das Wort »eher« an den richtigen Ort verschoben.

    Nachtrag (2): Das Formular wurde auch um eine kurze Datenschutzinformation ergänzt.



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  • Kleine ›Sprachstudie‹ zur Wolfsstudie.

    Gestern habe ich an der Wolfsstudie der Eurac teilgenommen — und muss mal wieder kleinlich sein. Denn ich kann mich des Eindrucks der üblichen Hemdsärmeligkeit (vgl. Verknüpfungen ganz unten) nicht erwehren.

    Wie in der Einleitung erklärt wird, soll der Online-Fragebogen — bzw. die Studie, deren Teil er ist — »einen repräsentativen Überblick über die Meinungen und Haltungen gegenüber dem Wolf auf verschiedenen sozialen Ebenen erarbeiten«. Sofern Studien irgendetwas erarbeiten können (und nicht die dahinter stehenden Forscherinnen) und sofern ein Online-Fragebogen, den man problemlos fünfmal (anonym) ausfüllen könnte, irgendetwas Repräsentatives an sich hat. Aber dazu werden sich die Forscherinnen schon etwas gedacht haben.

    Was mich wurmt ist wieder einmal der laxe Umgang mit der deutschen Sprache — und das vonseiten einer wissenschaftlichen Institution wie der Eurac, zu deren Kernkompetenzen der Minderheitenschutz gehört und die ein Institut für Angewandte Sprachforschung* betreibt.

    Zum Beispiel wurde der Fragebogen offenbar wie so oft aus dem Italienischen übersetzt und dabei kein Versuch unternommen, den Satzbau an die deutsche Sprache anzupassen. Oder ist das (Nr. 14) ein deutscher Fragesatz, wie das Satzzeichen am Ende suggeriert?

    Ähnliches gilt für die zahlreichen Fragen, die (nach italienischem Muster) mit »Ihrer Meinung nach…« beginnen:

    Ob es einen Grund gibt, warum in Frage Nr. 22 plötzlich von Südtirol die Rede ist, während im restlichen Fragebogen von »deiner Provinz« (»dein Land« klingt meiner Meinung nach besser) die Rede ist, entzieht sich meiner Kenntnis:

    Nachdem dieselbe Frage in der italienischen Sprachfassung nicht speziell auf Südtirol bezogen ist, nehme ich aber an, dass es sich um Schlamperei handelt.

    So wie übrigens bei der Tatsache, dass die Befragten in Frage Nr. 8 zunächst gesiezt und dann geduzt werden:

    Wesentlich klarer sind da zum Beispiel die Fragen Nr. 14 bzw. 15/16/22 (siehe oben), wo entweder konsequent geduzt oder gesiezt wird.

    Ob »Staat der Residenz« (statt »Wohnsitzland«) nur holprig klingt oder wirklich falsch ist, kann ich nicht sagen:

    Sicher ist aber, dass das Informationssystem für Rechtsterminologie (‘bistro’) der Eurac (!) für italienisch »residenza« ausschließlich die deutsche Entsprechung »Wohnsitz« ausspuckt.

    Dass man abschließend einer »Datenschutzrichtlinie« (?) zustimmen soll, wonach ein Institut für Regionale Entwicklung (das aber laut Eurac-Homepage Institut für Regionalentwicklung heißt) am »Viale Druso« (zu Deutsch »Drususallee«) in Bozen Daten für die »angegebenen Kommunikationszwecke« (die aber nirgends angegeben sind) verarbeitet, und zwar gemäß D.Lgs 196/2003 (zu Deutsch »GvD«), ist höchstens ein Versehen. Dies zu bemängeln wäre ziemlich kleinlich.

    Nachtrag (1): Ich wurde jetzt noch auf Frage Nr. 11 hingewiesen, deren Formulierung ein Lehrbeispiel dafür sei, was man in einem Fragebogen vermeiden soll:

    Wird hier nur gefragt, ob man über die An- bzw. Abwesenheit von Wölfen informiert ist? Oder auch, ob man weiß, dass sie tatsächlich vorkommen? Was — ja oder nein — soll hier anklicken, wer weiß, dass in der eigenen Wohngegend keine Wölfe vorkommen?

    Nachtrag (2): Die Eurac hat uns eine Antwort geschickt, die wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag gepostet haben.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 || 01

    *) Das ‘Institut für Angewandte Sprachforschung’ der ‘Eurac’ ist unter anderem für das ‘bistro’-Projekt verantwortlich, das als »Hilfsmittel für eine verbesserte Kommunikation, Textproduktion und Übersetzung« dienen soll.



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  • Things that matter.
    Quotation

    Our lives begin to end the day we become silent about things that matter.

    – Martin Luther King, Jr

    See also: 01 02 03 || 01


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