Unfassbar: Auf Antrag der Süd-Tiroler Freiheit wurde gestern in der zuständigen Landtagskommission — mit Zustimmung der SVP und Enthaltung der Demokraten — der Auftrag aus dem neuen Schulgesetz gestrichen, Schüler zu »mehrsprachigen Bürgern« zu erziehen. Dies teilt der Grünen-Abgeordnete Riccardo Dello Sbarba mit. Er habe aber gemeinsam mit Hans Heiss bereits einen Gegenantrag gestellt, um den Passus wieder einzuführen. Er wird voraussichtlich im September diskutiert, sobald das Gesetz die Kommission verlässt und ins Plenum kommt.
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La rischiosa reintroduzione dei nomi inventati.
La polemica sui cartelli non bilingui forse servirà da molla per far chiarezza legale portando il Consiglio provinciale all’approvazione di una nuova disciplina. Ma sicuramente l’offensiva in corso per bilinguizzare i cartelli non mancherà di provocare irritazione fra la popolazione di lingua tedesca. Questa, nel caso dei cartelli dell’AVS, non vede tale intento come applicazione legittima del principio di parità delle lingue, principio valido e in generale accettato per la segnaletica ufficiale della Provincia, ma come estensione geografica in profondità di uno scempio nei confronti del patrimonio culturale di toponimi storici. I sentieri di montagna finora rappresentavano una specie di zona protetta dai nomi inventati di sana pianta da Tolomei. Per decenni i cartelli monolingui dell’AVS non avevano dato fastidio né avevano creato danni a turisti. Si immagini il nuovo rancore che susciterà l’estensione del “prontuario” a tutto il paesaggio alpino, come voluto dal ministro Fitto, si immagini la delusione fra alpinisti, e non solo fra i 40.000 iscritti dell’AVS, nel vedere il CAI a voler imporre l’estensione dei nomi di Tolomei, e a rifiutare le proposte di compromesso dell’AVS, disponibile ad aggiungere sui cartelli le indicazioni tecnico-geografiche (malga, valle, rio ecc.). La promulgazione, nel 1923 e 1940, degli 8.000 nomi inventati da Tolomei, da parte dei sudtirolesi è sempre ricordata come uno stravolgimento del carattere culturale del territorio cresciuto nella storia, parte del tentativo fascista di riscrivere la storia della provincia. Sicuramente la responsabilità politica principale ricade sulla maggioranza politica nel Consiglio che non ha ancora saputo regolamentare la toponomastica in base a valori democratici e antifascisti, in accordo con le relative convenzioni dell’ONU e con lo statuto di autonomia, chiarendo che bilinguismo non significa necessariamente bi-nomismo. Rendere i cartelli dei sentieri comprensibili a tutti non richiede necessariamente accettare e rivalutare 4.000 nomi del prontuario tolomeiano, ma aggiungere i termini geografici-tecnici ai toponomi originali tedeschi e ladini. Anche in altre parti d’Italia il patrimonio culturale dei toponimi delle minoranze, dalla Sardegna alla Valle d’Aosta, è rimasto intatto oppure è stato ripristinato. L’insistenza del mondo politico italiano nella preservazione e perfino estensione dell’applicazione pubblica dei nomi tolomeiani non solo rischia di danneggiare la convivenza fra i gruppi, ma in fin dei conti fa anche a pugni con ogni seria elaborazione della storia della nostra provincia in chiave democratica.
Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen.· I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©Colonialismi/ Kohäsion+Inklusion/ Ortsnamen/ Politik/ Recht/ Tourismus/ · · · · Aoûta-Aosta/ Südtirol-o/ · AVS/ CAI/ UNGEGN/ · Italiano/Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo. -
Gesundheit per Volksentscheid.
In Bayern waren heute über neun Millionen Bürgerinnen aufgefordert, über eine deutliche Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes abzustimmen. Obschon die Auszählung noch nicht abgeschlossen ist, zeichnet sich bereits eine deutliche Mehrheit für die Vorlage ab.
gratuliert den Bayerinnen zu diesem Erfolg — sie sorgen nun selbst dafür, was Bayerns Politikerinnen (unter dem Druck von Gastwirte- und Tabaklobbys) bisher nicht geschafft hatten.In Südtirol wäre der Entscheid übrigens wegen der zu hohen Beteiligungshürde wahrscheinlich nicht gültig gewesen — im Freistaat zeichnet sich nämlich einschließlich der Briefwählerinnen eine Teilnahme von unter 40% ab.
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Südtirol ist Vielfalt.

Vor knapp einem Monat hat Centaurus eine hervorragende und intelligente Sensibilisierungs-Kampagne gegen Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender gestartet. Die in je einer der drei Landessprachen abgefassten Plakate wurden, auf ganz Südtirol verteilt, an 69 Bushaltestellen angebracht. Anlass war unter anderem der homophobe Übergriff von Anfang Mai in Bozen.
Einerseits ist es traurig, dass solche Kampagnen überhaupt noch nötig sind. Andererseits bewerte ich ihre Durchführung äußerst positiv. Es spricht übrigens für die Südtiroler Gesellschaft, dass die bewusst provokativen Slogans — und die Anlehnung an das Tourismus-Marketing — keine ernstzunehmenden Kontroversen, sondern größtenteils Zustimmung hervorgerufen haben
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»Es muss ursprünglich sein.«

Die Diskussion um die Toponomastik nimmt kein Ende. Der Bozner Anwalt Gianni Lanzinger hat klare Vorstellungen: Wie Ortsnamen zu gebrauchen seien, welchen Wert die ursprünglichen Bezeichnungen für Italiener und Deutsche haben sollten und warum es keine Entscheidung auf politischer Ebene geben werde.
aus der heutigen Ausgabe der *TAZ*
Tageszeitung: Herr Lanzinger, was bedeuten Ihnen die ursprünglichen Ortsnamen?
Gianni Lanzinger: Die ursprüngliche Toponomastik ist ein kulturelles und sprachliches Denkmal. Diese Denkmäler dürfen nicht zerstört werden. Ich beziehe mich hier nur auf jene Bezeichnungen, die in ihrer gesamten Entwicklung nicht durch irgendeine politische Entität eingesetzt worden sind.Wieso gelten in Südtirol noch die faschistischen Ortsnamen?
Es hat in den Nachkriegsjahren einen Versuch der Assimilation des italienischen Staates gegenüber Minderheiten gegeben. Es herrschte das Denken vor, dass man hier in Italien sei und damit auch Italienisch sprechen müsse. In der Folge ist es nicht zu einer Wiederherstellung der deutschen Namen gekommen.Ist Italien immer noch intolerant gegenüber sprachlichen Minderheiten?
Ja. Ich kann das in zwei Punkten aufzeigen. Wenn wir heute die Italiener ansehen, so müssen wir uns klar werden, dass die wenigsten nur einen Ortsnamen in der deutschen Sprache wissen [sic]. Wieso können die Italiener die französischen Namen im Aostatal aussprechen, aber nicht die deutschen in Südtirol?Was ist der zweite Punkt?
Man geht davon aus, dass Italien sprachlich ein homogenes Land wäre. Das ist einfach nicht wahr. Ich habe eine Landkarte von Pantelleria. Darauf sind Ortsbezeichnungen in der arabischen Sprache. Die Ortsbezeichnung hat sich in ganz Italien in den unterschiedlichsten Sprachen entwickelt. Es gibt viele Ortsnamen, die slawischer, longobardischer und eben auch deutscher Herkunft sind.Was geschieht mit der geforderten Zweisprachigkeit der Ortsnamen?
Zweisprachigkeit hat nichts mit Ortsnamen zu tun. Ich kann nicht eine Ortschaft in eine andere Sprache übersetzen, wenn seine [sic] ursprüngliche Bezeichnung nur in der einen Sprache vorhanden ist. Es darf nicht auf eine Erfindung von Ettore Tolomei zurückgegriffen werden. Wenn Auer seit Jahrhunderten auch Ora bezeichnet wird, dann ist es eine echte Bezeichnung.Also keine Übersetzung?
Ich kann es mir nur für Sachen vorstellen, die übersetzbar sind. Fluss ist Fiume und Alm ist Malga. Aber alles andere ist für mich nicht relevant. Man kann nicht einen Begriff erfinden, nur weil er in meiner Sprache sonst nicht existieren würde.Sind die Bezeichnungen in Südtirol alle deutsch?
Wahrscheinlich nicht. In den alpinen Bereichen gibt es eine geschichtlich wichtige Entwicklung. Die Alpen wurden immer wieder von anderen Völkern regiert. Gleichzeitig wurde von den meisten auch die Ortsbezeichnung übernommen. Wir können damit nicht von einer ursprünglichen Bezeichnung sprechen.Was sagt die italienische Verfassung dazu?
Im Artikel neun der Verfassung wird darauf Bezug genommen, dass das historische und kulturelle Erbe schützenswert sei. Meiner Meinung nach sind auch die Ortsbezeichnungen in den unterschiedlichsten Tälern ein kulturelles Erbe; angefangen bei der keltischen Bezeichnung bis zu der heute gebräuchlichen. Es muss klar werden, dass der Schutz der ursprünglichen Ortsbezeichnungen nicht nur die deutschen Namen schützt, sondern auch die italienischen. Ich kann nicht verstehen, dass Ortsbezeichnungen, die bisher für 500 Jahre Gültigkeit hatten, heute nicht mehr gelten sollten.Bringt die Übersetzung von Ortsnamen nicht ethnischen Frieden mit sich?
Nein. Wenn ich heute zwei Bezeichnungen für ein und denselben Ort habe, dann ist das konfliktträchtig. Kultur ist nicht ein dauernder Streit. Kultur ist der Versuch von Vermittlung und Versöhnung. Ich hoffe, dass unsere Kinder diesen Streit einmal beilegen werden.Wenn Sie deutscher Muttersprache wären, würden Sie als intolerant dargestellt werden?
Ich trete nicht für die deutsche Bezeichnung ein. Ich mache mich stark dafür, dass die ursprünglichen Ortsbezeichnungen verwendet werden. Dann ist es mir wirklich egal, ob diese nun deutscher oder italienischer Herkunft sind. Die politische Diskussion kann nur mit der historischen Wahrheit gelöst werden. Es geht nicht darum, dass eine sprachliche Minderheit nur ihre eigenen Ortsnamen haben will. Es geht darum, dass die deutschen Bezeichnungen ein Reichtum aller ist [sic]: sowohl der Deutschsprachigen wie auch der Italienischsprachigen.Was können wir jetzt machen, wenn nicht eine sprachliche Bereinigung?
Es öffnet sich mir ein wichtiger gesellschaftlicher Diskurs. So etwas können wir nicht durch eine Abstimmung regeln. Man darf die Gesellschaft nicht ausspielen. Es darf nicht ein nationalistisches Geplänkel werden. Darin sehe ich die größte Gefahr. Eine Kommission aus Sprachwissenschaftlern und Historikern soll entscheiden. Ohne die Anerkennung der ursprünglichen Bezeichnungen werden sich die Italiener in Südtirol nie richtig zuhause fühlen.Interview: Hannes Senfter.
Faschismen/ Geschichte/ Kohäsion+Inklusion/ Medien/ Minderheitenschutz/ Mitbestimmung/ Nationalismus/ Ortsnamen/ Politik/ Wissenschaft/ · Zitać/ · · TAZ/ · Aoûta-Aosta/ Südtirol-o/ · · Deutsch/Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo. -
Bilinguismo sconFitto.
Il ministro per gli affari regionali, che esige la reitalianizzazione delle montagne sudtirolesi, ufficialmente lo fa in nome del bilinguismo. In realtà del bilinguismo e delle minoranze se ne frega altamente, e se potesse, probabilmente, reintrodurrebbe il prontuario come unica fonte di verità. Lo deduco da alcune sue scandalose dichiarazioni che ha rilasciato al quotidiano Libero in riferimento alla situazione della lingua friulana (ed. 27.09.2009):
La Legge 15 dicembre 1999, n.482, “Norme in materia di tutela delle minoranze linguistiche storiche”, infatti, ha incluso fra le lingue minoritarie presenti in Italia anche il friulano e il sardo, che non rappresentano evidentemente delle minoranze, ma delle comunità regionali o locali come tutti i dialetti italiani. È stata una forzatura legislativa di cui a distanza di tempo si sono viste tutte le conseguenze. L’ultima, e la più grave, è data dal contenzioso in atto tra il Friuli e lo Stato italiano, che nel febbraio 2008 ha impugnato la legge regionale sulla “lingua friulana”. Le norme contestate – ha reso noto il ministero degli Affari regionali – «oltre ad apparire in contrasto con numerosi principi costituzionali, esorbitano dall’oggetto della legge, la tutela della lingua friulana, e prefigurano un regime di sostanziale bilinguismo e, per taluni aspetti, di esclusività della lingua friulana».
Purtroppo per lui la situazione legale in Sudtirolo gli consente solamente la reintroduzione di invenzioni fasciste fino all’ultimo maso, ma non l’abolizione del «sostanziale bilinguismo». In ogni caso per analogia col friulano considera il ladino un dialetto dell’italiano. Per un ministro agli affari regionali non c’è proprio male.
Ripreso da: Noeles.
Cëla enghe:01Colonialismi/ Discriminaziun/ Medien/ Minderheitenschutz/ Ortsnamen/ Plurilinguism/ Politik/ · Italianizzazione/ Zitać/ · Ettore Tolomei/ Raffaele Fitto/ · Noeles.info/ · Friaul-Friûl/ Ladinia/ Südtirol-o/ · PDL&Co/ · Italiano/Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo. -
Grober kulturpolitischer Unfug.
CAI will alle Wege mit Tolomei-Namen beschildern.Autor:a
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Soll Tolomei einen späten Triumph erhalten, indem flächendeckend alle Wegschilder des AVS zweinamig gefasst werden müssen? Oder sollen zumindest die Wanderer und Bergsteiger vom Unfug der Tolomeischen Fantasienamen verschont bleiben? Jahrzehntelang haben sich weder die italienischen Mitbürger noch die Urlaubsgäste an den einnamigen Wegweisern gestoßen. Erst die Digitalisierung der Wanderrouten durch den AVS hat der italienischen Rechten den Anlass geliefert, einen Angriff gegen dieses Refugium gewachsener Ortsnamen zu starten. Statt Tolomeis Prontuario im öffentlichen Gebrauch aufs unvermeidliche Minimum zu reduzieren, statt eine Lösung im Einklang mit internationalen Standards des Minderheitenschutzes bei der Ortsnamengebung zu suchen, soll das Tolomei-Erbe bis aufs letzte Hinweisschild im hintersten Bergtal ausgedehnt werden, obwohl fast kein Italiener diese Namen kennt oder jemals verwendet hat. Sogar ein Ultimatum meinte Regionenminister Fitto dafür setzen zu müssen: eine Revanche der italienischen Rechten gegen die langjährigen Bestrebungen der Südtiroler, zumindest einen Teil der Tolomei-Namen ins Kuriositätenfach der Geschichte zu entsorgen? Dazu kommen konnte es freilich nur, weil das Land die Materie seit Jahrzehnten vor sich herschiebt und nicht in der Lage war, durch ein klares Landesgesetz den vom Autonomiestatut erlaubten Spielraum vor dem Verfassungsgericht auszuloten.
Dabei könnten einnamige Wegschilder, versehen mit den italienischen geografischen Bezeichnungen (Berg, Bach, Alm usw.), Teil der Südtiroler kollektiven Erinnerung sein. Die AVS-Schilder erinnern die italienischen Gäste und Mitbürger daran, dass hier die allermeisten Flur- und Ortsnamen einnamig deutsch oder ladinisch waren, bis es einem Roveretaner Fanatiker eingefallen ist, sich am Schreibtisch 8000 Namen aus den Fingern zu saugen und per Dekret Mussolinis einem ganzen Land aufzustempeln. Es war ein Projekt der kulturellen Kolonisierung und wird der deutschen Sprachgruppe als solches in Erinnerung bleiben. Wie die nicht durch Kontextinformationen relativierten faschistischen Denkmäler sind sie ein penetrant störendes Element im Zusammenleben der Sprachgruppen. Ein sprachgruppenübergreifender Widerstand gegen den Tolomei-Unfug aus Einsicht in die Revidierbarkeit einer kulturpolitischen Aggression der Vergangenheit ist in Südtirol nie entstanden, doch auch eine Kompromisslösung etwa im Sinne der Prozentlösung der fünf Vereine oder des Durnwalder-Vorschlags zur Regelung der Mikrotoponomastik auf Gemeindeebene wird nicht ohne deutlicheres Engagement gelingen.
Dass die italienische Rechte und PDL-Minister diese Linie fahren, kann niemanden überraschen, bietet doch der Symbolgehalt von Namen und Denkmälern den klassischen Stoff für nationalistische Stimmungsmache. Dass sich der CAI für 7000 solcher Namen stark macht, ist aber wenig angetan, die Stimmung zwischen deutsch- und italienischsprachigen Bergfreunden zu verbessern. Traurig schließlich, dass die Grünen und der PD sich für das Ansinnen der Durch-Tolomeisierung der Landschaft hergeben. Die Grünen müssen sich fragen, ob solche Positionen mit der Tatsache in Zusammenhang stehen, dass es landesweit nur mehr 20 grüne Gemeinderäte gibt. Der PD, offensichtlich gefangen in der italienischen Wahlarithmetik, glaubt, dass jegliches Nachgeben bei den Ortsnamen als Kniefall gegenüber der deutschen Sprachgruppe ausgegeben wird und nicht als Akt kulturpolitischer Vernunft. Um keine Stimmen zu riskieren, lässt man sich die Position von der italienischen Rechten diktieren. Für die italienische “società civile” Südtirols bleibt es ein Armutszeugnis, die Tolomei-Namen auf allen Wegweisern im Land durchsetzen zu wollen. Diesen kulturpolitischen Unfug einzudämmen wäre ein wichtiger Schritt zur gemeinsamen Beheimatung der Sprachgruppen in diesem Land, nicht seine Ausweitung und Perpetuierung.
*) Thomas Benedikter ist Wirtschafts- und Sozialforscher in Bozen. Er ist u. a. Autor von »Autonomien der Welt« (Athesia, Bozen 2007) und »The World’s Working Regional Autonomies« (Anthem, London/Neu-Delhi 2007).
PS: Sollten, wie der HGV dies vorschlägt, auf den künftigen Wegschildern auch englische geografisch-technische Bezeichnung Platz finden, wäre ich absolut für die Ergänzung mit chinesischen Bezeichnungen. Wie kann man es bloß den Angehörigen dieser großen Kulturnation, zahlreiche und zahlungskräftige Touristen der Zukunft, zumuten, “Tal”, “Alm” und “Berg” in einer Fremdsprache lesen zu müssen?
Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins ff erschienen.
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Garantiemechanismen.
Mir liegt es fern, die Initiative für direkte Demokratie auch nur argumentativ für meine Zwecke zu »missbrauchen«. Dennoch ist es so, dass der Verein eine hervorragende, unersetzliche Arbeit leistet, wenn es darum geht, demokratische Mitentscheidungsinstrumente auszubauen, und es wäre töricht, diesen Einsatz zu ignorieren. Bei der Landesvolksabstimmung im letzten Herbst wurde bekanntlich das Quorum von 40% nicht erreicht — und einen erheblichen Anteil daran hatten angeblich unsere Mitbürger italienischer Sprache. Aufgestachelt von einer nationalistischen Presse fürchteten viele, die direkte Demokratie könne einer Mehrheitslogik Tür und Tor öffnen, die die Vormacht der größeren Sprachgruppe über die kleinere(n) besiegeln würde.
Zumal Landesvolksabstimmungen nur innerhalb eines klaren gesetzlichen Rahmens möglich sind, der von internationalen Verträgen, Verfassung und Autonomiestatut umrissen wird, war diese Befürchtung de facto überzogen. Trotzdem ist die irrationale Angst nachvollziehbar und durchaus legitim — weshalb sich die Initiative daran gemacht hat, konkrete Schutzmechanismen auszuarbeiten, um reine Mehrheitsentscheide gerade in Bereichen, die für das Zusammenleben relevant sind, einzuschränken oder auszuschließen.
Sollte ein neues basisdemokratisches Instrument, welches diese Schutzmechanismen enthält, jemals zur Anwendung kommen, dann hätten wir es — ohne dass dies in der Absicht der Initiative für mehr Demokratie liegt — mit einem Versuch unter realitätsnahen Bedingungen (Feldexperiment) zu tun, wie Schutzklauseln in einem unabhängigen, nicht nationalstaatlich orientierten Südtirol aussehen könnten. Daraus könnte man sehr nützliche Erkenntnisse gewinnen.
Laut
-Manifest ist ja ein unabhängiges Südtirol nur dann denkbar und erstrebenswert, wenn damit die Voraussetzungen geschaffen werden können, dass sich keine — auch nicht die zahlenmäßig kleinste — Sprachgruppe als eine Minderheit empfinden muss, sondern in vollen Zügen gleichberechtigt von allen Vorteilen eines Staatsvolkes profitieren kann. Dazu gehört (zwangsläufig im Vorfeld der Unabhängigkeit) eine klare und rechtlich verbindliche Definition von Schutzmechanismen, welche das Recht des Stärkeren (und somit der größeren Sprachgruppe) weitestgehend aushebeln.Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
