Sprachpfusch bei der Brennerautobahn.

Kurz vor Weihnachten war auf den Überkopf-Leuchttafeln der Brennerautobahn A22 folgende Warnung zu lesen:

Eisglaetten.

Der Hinweis ist ein paradigmatisches Beispiel für den Umgang zahlreicher Institutionen und öffentlicher Einrichtungen mit der deutschen Sprache:

  1. Die Leuchttafeln verfügen über Umlaute, da sie bei anderen Mitteilungen sehr wohl benutzt werden. Die Umschreibung von Ö mit OE und Ä mit AE muss demzufolge als Desinteresse gegenüber der deutschen Sprache gewertet werden;
  2. Das Wort »Glätte« hat keinen Plural — das Hauptwort »Glätten« ist die Substantivierung des gleichlautenden Verbs und ergibt hier keinen Sinn;
  3. Besser wäre freilich »Glatteisgefahr« gewesen, wodurch sich die Autobahn sogar die (Umschreibung der) Umlaute gespart hätte.

Ähnliches Desinteresse legt die Brennerautobahn bei den Schneewarnungen an den Tag, die auch in der deutschen Version vom einsprachigen Logo »NEVE« begleitet werden.
Und erst neulich hatte die Übersetzung von »rifiuti residui« (Restmüll) mit »Abfalltrennung« dafür gesorgt, dass zwischen Brenner und Modena Dutzende (!) von Abfalleimern neu beschriftet werden mussten.

Landtag gegen EGMR.

Der Landtag hat gestern den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) delegitimiert, indem er für die Anträge von Union und Lega einerseits sowie PDL andererseits gestimmt hat, welche die Anbringung von Kreuzen in allen öffentlichen Gebäuden vorsehen. Kürzlich hatte der EGMR einer italienischen Atheistin Recht gegeben, die gegen die Anwesenheit des christlichen Symbols in der Schulklasse ihres Kindes einen Musterprozess angestrengt hatte. Dies widerspreche der Laizität des Staates und dem Prinzip der Religionsfreiheit. Dennoch empfahl der EGMR nicht, grundsätzlich auf die Anbringung von religiösen Symbolen zu verzichten, sondern im Einzelfall Rücksicht auf Nicht- und Andersgläubige zu nehmen. Mit den verabschiedeten Anträgen weist der Landtag diese Forderung zurück.

Da die Urteile des EGMR rechtlich de facto nicht bindend sind, erwächst seine Autorität aus der Bereitschaft der jeweiligen Institutionen, seine Erkenntnisse umzusetzen. In diesem Sinne sind die beiden Landtagsbeschlüsse als klare Abfuhr für die hohe Instanz zu deuten. Besonders kurios ist in diesem Zusammenhang, dass die Landesregierung erst vor wenigen Tagen angekündigt hatte, die Wiedereinführung faschistischer Gesetze in Italien vor dem EGMR anzufechten — einem Gerichtshof, dem der Landtag jetzt die Legitimität abspricht.

Das Wasser ist ein Menschenrecht.

Auf Antrag der grünen Mandatare Riccardo Dello Sbarba und Hans Heiss hat der Südtiroler Landtag heute eine wunderbare Resolution verabschiedet. Darin wird die Versorgung mit sauberem Trinkwasser als Menschenrecht bezeichnet, das nicht der Marktlogik unterworfen werden darf. Unser Parlament spricht sich damit unzweideutig gegen die Privatisierung und für einen sicheren, solidarischen und günstigen Zugang zu diesem unersetzlichen Gut aus.

Außerdem wird die Landesregierung beauftragt:

1. gemeinsam mit anderen Regionen gegen das Vorhaben des Zentralstaats vorzugehen, die Wasserversorgung zu privatisieren;
2. das entsprechende Staatsgesetz vor dem Verfassungsgericht anzufechten;
3. die autonome Südtiroler Zuständigkeit auf diesem Gebiet zu verteidigen;
4. die öffentliche Wasserversorgung noch weiter zu verbessern;
5. Sensibilisierungskampagnen zum Thema Wasser durchzuführen.

Nur drei Abgeordnete (bezeichnenderweise vom PDL) haben gegen diesen Antrag gestimmt, alle anderen dafür. Wohltuend, dass sich auch die Grünen wieder einmal für unsere Autonomie einsetzen.

Italian government re-introduces fascist laws.

[EN] They were ment to go out of force today, but were re-approved by italian government right on time: Parliament had abrogated plenty of fascist laws still effective in democratic Italy, amongst which some forbiding german speaking minority in Southern Tyrol to use their language in public or private places, or those erasing South Tyrol’s german place names and introducing new, invented ones — which should sound italian and thus change the identity of a whole region. However, right-wing government led by Mr. Berlusconi did not let pass the decision and re-introduced those humiliating acts with an urgent decree. Whilst this will have no tangible effect on South Tyrol’s legal status, shielded by an international agreement between Italy and Austria, it is considered a shame by democrats in 21st century’s united Europe.
Since there will actually be no concrete effect, there was no political reason for re-approving the measures, except for making a highly symbolic statement in favour of fascism, racism and oppression.

[FR] Il y a quelques semaines, le parlement italien avait decidé d’abroger la majorité des lois du fascisme encore en force dans l’Italie démocratique. Entre autres, celles qui interdisent l’utilisation de l’allemand — en publique et en privé — à  la minorité du Tyrol du Sud, et celles qui effacent les toponymes originaux et les substituent avec des inventions «Italiénisées». Ces lois n’auraient plus été valables à  partir d’aujourd’hui, si le gouvernement de Mr. Berlusconi n’avait pas refusé son annulation. Mais ces lois humiliantes ont eté réapprouvées par un gouvernement «démocratique» en tant que décret urgent. Mème si cette décision n’aura aucune influence sur le statut du Tyrol, protegé par un traité entre l’Autriche et l’Italie, cette mesure est une honte dans l’Europe unie du 21ème siecle.
Vu que le decré n’aura pas de répercussions, sa réintroduction manque de base politique. Ce n’est qu’un symbole en faveur du fascisme, du racisme et de l’oppression.

[ES] Hace pocas semanas las dos cà¡maras del parlamento italiano habà­an decidido abrogar una multitud de leyes fascistas todavà­a en vigor. Entre ellas, unas normas que prohiben el uso — en público y en privado — del alemà¡n a la region del Tirol del Sur, y otras que borran la toponimia original, sustituyendola con invenciones «italianas». Hoy las normas iban a perder su vigencia. Sin embargo, el gobierno del Sr. Berlusconi decidió rechazar la anulación, volviendo a aprobar estas normas humillantes con decreto urgente. Mientras que este hecho no tendrà¡ ningun efecto concreto sobre el estatus del Tirol, protegido con un tratado entre Italia y Austria, la medida es considerada una verdadera vergüenza en la Europa unida del siglo XIX.
No teniendo las normas algun efecto concreto, su reintroducción carece de cualquier fundamento politico — excepcionado su valor simbólico en favor de fascismo, racismo y opresión.

Befragungen in Katalonien ein voller Erfolg.

Am vergangenen Sonntag wurde in Katalonien die erste Welle selbstverwalteter Unabhängigkeitsbefragungen nach Arenys de Munt abgehalten. Dazu hatten in 166 auch größeren Gemeinden unterschiedlichste Vereine, zu einem Koordinierungsverbund zusammengeschlossen, private Räume zu Wahlsektionen umfunktioniert. Nicht weniger als 700.000 Bürger, darunter zahlreiche Zuwanderer, waren zur Teilnahme eingeladen. In den meisten Fällen gab es zwar eine offizielle Unterstützung durch den jeweiligen Gemeinderat, aktiv beteiligen durfte sich die öffentliche Hand an den Befragungen jedoch nicht.

Mit rund 30% durchschnittlicher Wahlbeteiligung und einer Zustimmung von etwa 95% zur Unabhängigkeit Kataloniens wurde die Veranstaltung ein riesengroßer Erfolg. In Südtirol wurde darauf wenig bis gar nicht eingegangen, und dort wo dies der Fall war, wurde das Ergebnis im Allgemeinen kleingeredet. So machte sich unser Landeshauptmann angeblich über die Beteiligungszahlen lustig.

Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass die Referenda — zwar mit punktueller Unterstützung einiger Parteien — von privaten Organisationen und in relativ kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurden, dass es keine teure und breit angelegte Abstimmungskampagnen gab und dass die Gemeinden weder Räumlichkeiten noch Werbeflächen zur Verfügung stellen durften. Außerdem hatte die größte katalanische Partei (CiU) eine gespaltene Haltung zu den Referenden, der katalanische Präsident von der zweitgrößten Partei PSC sprach sich dagegen aus.

Trotzdem gab es bei den Befragungen zur Unabhängigkeit fast durchwegs eine höhere Beteiligung als bei den letzten Europawahlen, beim Referendum zum Lissabon-Vertrag (»Europäische Verfassung«) und selbst beim bestätigenden Referendum zum neuen katalanischen Autonomiestatut! Bei all diesen Urnengängen hatte es im Gegensatz zu den selbstverwalteten Unabhängigkeitsreferenda massive Kampagnen und Wahlaufrufe, breites Medienecho und keine Boykottversuche gegeben. Außerdem war jeder Bürger amtlich per Post über sein Wahlrecht aufgeklärt worden. So gesehen ist das Ergebnis vom vergangenen Sonntag geradezu sensationell.

In der Comarca (Kreis) von Osona wurde die Befragung überörtlich organisiert. Allein diese Tatsache führte dort zu einer wesentlich höheren Abstimmungsbeteiligung von rund 40%. Im Laufe des Jahres werden noch in zahlreichen weiteren Gemeinden ähnliche Befragungen durchgeführt, darunter Hauptorte wie Lleida, Girona und Barcelona.

Nachtrag: In der heutigen Tageszeitung spricht Eva Klotz darüber, auch in Südtirol ähnliche Befragungen zu organisieren. Ich werde in einem eigenen Artikel erklären, warum ich dagegen bin, einen solchen Weg in absehbarer Zukunft zu beschreiten — regelmäßige Blogleser wissen ohnehin, aus welchem Grund.

Le scoperte di Michaela.

L’onorevole Biancofiore del PDL è andata nientemeno che in Guatemala per fare una scoperta straordinaria: all’ambasciata italiana del paese latinoamericano ha scovato una cartina militare austro-ungarica del secolo XIX nella quale il Sudtirolo figurerebbe «pieno zeppo» di toponimi italiani. Non solo Bolzano e Merano, ma perfino Egna, Montagna e Luson — afferma la deputata. Chi glielo va a spiegare, alla nostra scienziata, che in alternativa poteva tranquillamente consultare la cartina («depuratissima») degli Schützen, standosene comodamente a Bolzano? Sì, perché Neumarkt/Egna e Montan/Montagna figurano con doppia denominazione anche lì. Mentre Luson, mi spiace per lei, è storicamente un toponimo ladino (che incoerentemente, facendo male, gli Schützen non hanno riportato — mentre invece l’esercito imperiale lo aveva recepito).

E se la National Geographic fosse interessata alla scoperta? E se la Michaela avesse trovato un’occupazione utile, che la porti lontano, molto lontano, all’aria aperta? Il viaggio in Guatemala non sarebbe stato del tutto inutile.

Die (unfreiwillige) Absage.

Vor einigen Wochen ist die Junge Generation Brixen mit der Einladung an mich herangetreten, an einer Podiumsdiskussion in Vahrn mit dem Titel »Selbstbestimmung — Zukunft oder Illusion?« teilzunehmen. Außer mir würden Richard Theiner (Obmann der SVP), Sven Knoll (STF) und Günther Pallaver (Politologe) mitdiskutieren.
Leider musste ich vor wenigen Tagen absagen — da ich nicht definitiv zusagen konnte. Vor Jahresende weiß ich nicht, ob ich am 11. Jänner, Datum der Veranstaltung, anwesend sein kann, und ich möchte die Organisatoren freilich nicht in ihren Vorbereitungen behindern. Es ist aber zu sagen, dass ich die Einladung sehr gerne angenommen hätte. Ich spreche der JG meinen Dank für ihr Vertrauen aus. Falls ich im Lande bin, werde ich mit Sicherheit zumindest im Publikum anwesend sein. Und — ich hoffe, dass sich 2010 noch einmal die Gelegenheit ergibt, an einer Diskussion zu diesem Thema teilzunehmen.