Au secours? Help? Hilfe?

Mail vom 18.01.09 an die Acquarena GmbH:

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider muss ich in regelmäßigen Abständen feststellen, dass in der Acquarena immer wieder Bademeister beschäftigt werden, die nicht beider Landessprachen mächtig sind. Dies ist nicht nur eine Verletzung  der einschlägigen Sprachbestimmungen (D.P.R. 574/1988), sondern stellt gleichzeitig eine unmittelbare Gefährdung der Badegäste dar, die in Notsituationen unter Umständen nicht mit dem diensthabenden Bademeister kommunizieren können. Dabei wiegt besonders schwer, dass im Falle einer Rettung wenige Sekunden den Ausschlag über Leben und Tod geben können, und dass selbst zweisprachige Badegäste im aufgeregten oder im Schockzustand ggf. nicht fähig sind, sich in der Zweitsprache auszudrücken.

Über eine Stellungnahme würde ich mich sehr freuen.

Antwort vom 19.01.09:

Ich bedanke mich für die an die acquarena gerichtete Beschwerde zur mangelhaften Zweisprachigkeit unserer Bademeister und versichere Ihnen, dass wir bestrebt sind in unseren Dienstleistungsbereiche Mitarbeiter zu engagieren, die beider Landessprachen mächtig sind. Die wesentlichen Voraussetzungen für die Arbeit als Bademeister innerhalb der acquarena sind natürlich die dazu gesetzlich vorgeschriebenen Voraussetzungen und Ausbildungen und gleichermaßen die Sprach- und Verständigungssicherheit mit unseren Gästen.

Der Bademeisterdienst wird seit Bestehen der Anlage über eine beauftragte, spezialisierte Genossenschaft ausgeführt; diese wird von uns als Auftraggeber stets auf die Wichtigkeit der zugeteilten Aufgaben hingewiesen die im wesentlichen auf die Sicherung der Wasserbereiche und Ordnung wie Hygiene im Bad besteht – auch spielen die Sprachkenntnisse eine wichtige Rolle und die Anforderung die verschiedenen Schichten mit beider Sprachen mächtigen Bademeistern zu planen. Da die acquarena, wie Ihnen sicher bekannt ist, mit einem starken Zustrom von Gästen aus den norditalienischen Nachbarprovinzen arbeitet ist uns gleichermaßen zu den Deutschkenntnissen natürlich auch die Kenntnis der italienischen Sprache von großer Bedeutung.

Gerne werde ich Ihren Hinweis auch an den Dienstverantwortlichen des Bademeisterdienstes weiterleiten und ihn bei seiner Planung um die Berücksichtigung dieser sinnvollen Anforderungen bitten. Impulse und Anregungen unserer Gäste führen dazu, dass wir stets an der Qualität der Anlage und der Dienstleistungen arbeiten und diese verbessern und ausbauen. Für Ihre Anregungen und Impulse bedanke ich mich herzlich und versichere Ihnen die Weiterleitung an die Bademeisterorganisation. Wir hoffen Sie bald wieder in der acquarena begrüßen zu dürfen und verbleibe für jede weitere Anregung bzw. Information zu Ihrer vollsten Verfügung.

Stefano Cicalò
Acquarena GmbH

Die Beherrschung der deutschen und der italienischen Sprache ist eine gesetzlich verankerte Voraussetzung, die rein gar nichts mit dem Zustrom aus anderen Regionen gleich welcher Sprache zu tun hat. Es ist ein Recht der Südtiroler, im Umgang mit öffentlichen Institutionen und Dienstleistern die Muttersprache zu benutzen. Dass Mehrsprachigkeit bei uns immer öfter zuerst mit dem Tourismus in Verbindung gebracht wird, ist ein Missverständnis, dem vor allem das Ladinische zum Opfer fällt. Es gibt nämlich kaum ladinische Gäste. Außerdem führt diese Einstellung zu einem schlampigen Umgang mit dem Bürger. Meine Beschwerde beinhaltet keine “sinnvollen Anforderungen” sondern einen klaren Verweis auf eine Vorschrift, was der freundliche Herr gar nicht verstanden zu haben scheint.

Fahrt zur Hölle.

Heute bin ich zufällig an der neofaschistischen Bar »la Destra« in Bozen vorbeigekommen. Direkt an der Eingangstür wird dort per Aushang eine feine Bildungsreise nach Predappio zum Grab des »DVCE« angeboten: Beitrag 20.- Euro.

Beunruhigend, was sich da am helllichten Tage mit (zu) weitgehender Duldung durch BürgerInnen, Medien und Institutionen abspielt.

Wo bleibt »Odessa«? Wo eine Reaktion des eifrigen Verteidigungsministers?

Das Unitalia-Einmaleins.

Vor wenigen Tagen hat die Gemeinde Bozen grünes Licht für den Bau unterirdischer Anrainerparkplätze durch Ad-Hoc-Genossenschaften gegeben, um — wie es heißt — die Oberfläche nach und nach von parkenden Autos zu befreien. Dieses Ansinnen wird durch die Verpflichtung erreicht, gleich viele Oberflächenparkplätze zu streichen, wie unterirdische entstehen. Damit sollen Flächen für Fahrrad- und Gehwege sowie Busspuren freiwerden.

Unitalia macht nun mit einer Flugblattaktion mobil gegen diesen Plan, denn — so die Rechsextremisten (unisono mit dem PDL) — sonst werde in Bozen bald niemand mehr ein Auto besitzen, der sich nicht auch einen Stellplatz leisten kann. Wenn aber nur so viele Oberflächenparkplätze gestrichen werden, wie unterirdisch neue entstehen, bleiben für jene, die sich keine Garage kaufen nach Adam Riese gleich viele Parkplätze am Straßenrand erhalten. Es gilt lediglich sicherzustellen, dass die, die einen Stellplatz erwerben, nicht weiterhin die Anwohnerplätze an der Oberfläche nutzen dürfen.

Dessen unbeschadet bin ich der Meinung, dass das Auto ein Luxusartikel werden kann, den nicht jeder besitzen muss — wenn die Öffis dementsprechend funktionieren, was aber leider noch nicht immer der Fall ist.

Die TT-Umfrage.

Kürzlich hat die Tiroler Tageszeitung eine vielbeachtete Repräsentativumfrage veröffentlicht, in der 500 Nord- und Osttiroler nach ihrer Einstellung zu einer Wiedervereinigung mit Südtirol befragt wurden. Rund die Hälfte sprach sich für eine derartige Lösung aus, 36% waren dagegen.

Interessanter als das beachtliche Gesamtergebnis sind aber einige Teilaspekte der Umfrage. So ist die Zustimmung zu einer Wiedervereinigung im Vergleich zum Vorjahr um etwa 4 Prozentpunkte angestiegen.

Eine Betrachtung nach Gruppen fördert noch weitere interessante Erkenntnisse zutage:

  1. Besonders stark ist die Zustimmung unter den Jungen. Bei den 15-29-Jährigen sprechen sich ganze 71% für eine Wiedervereinigung aus. Dies zeigt, dass das Thema nicht wegsterben, sondern in Zukunft vermutlich noch stärker präsent sein wird, als heute. Dem Gefühl nach ist auch in Südtirol das Thema Unabhängigkeit gerade bei jungen Menschen stark im Aufwind.
  2. Nach Bezirken betrachtet liegt das Oberland mit 67% Befürwortern klar vor dem Unterland und Schlusslicht Innsbruck Stadt/Land.
  3. Was mich am meisten erfreut, ist, dass die Zustimmung bei sozialdemokratischen Wählern höher ist (59%) als bei den Konservativen (ÖVP-Wähler: 55%). Dies unterstreicht einmal mehr, dass es sich weltweit bei der Selbstbestimmung um eine eher linke Thematik handelt. Die Südtiroler Linken sind diesbezüglich eine Ausnahme. Noch.

Demo für Religionsfreiheit.

Die Lega Nord organisiert heute eine Kundgebung gegen den Bau eines islamischen Gebetshauses in Bozen. Ursprünglich war geplant, am ausgewählten Ort am Bozner Boden ein Schwein auszuführen; dieses menschenverachtende Ansinnen wurde mittlerweile zugunsten einer nicht minder lächerlichen Speckjause fallengelassen.

Dagegen formiert sich Protest: Eine Stunde früher — um 10.00 Uhr — beginnt am selben Schauplatz, vor der Großmarkthalle am Bozner Boden, eine Gegendemonstration. Alle Bürger, die für die Achtung von Menschen- und verfassungsmäßig verbrieften Bürgerrechten, vor allem jedoch für ein friedliches Zusammenleben mit den neuen Südtirolern aller Religionen einstehen, sind zur Teilnahme herzlich eingeladen.

Die Brennerbasisdemokratie unterstützt diese Demo: Präsenz gegen Rassismus! Für religiöse Selbstbestimmung!

Siehe auch: Moschee.

Gesamttiroler Gesamtgesellschaft.

Ich mache auf den beachtlichen Leitartikel von Norbert Dall’à’ in der aktuellen ff aufmerksam und danke Valentin[o] für den Hinweis:

Landesüblich 2009

Der Festumzug zum Tiroler Gedenkjahr wirft reizvolle Fragen auf: Was ist die Visitenkarte unseres Landes? Wer ist würdig und wer nicht, durch die Straßen von Innsbruck marschieren zu dürfen?

Beim Gedenkjahr 2009 sollen Geschichte, Gegenwart und Zukunft verbunden und dabei alle Bürger einbezogen werden.” Dieses Versprechen von Landeshauptmann Luis Durnwalder im November vergangenen Jahres machte Hoffnung. Wenn “alle Bürger” miteinbezogen werden, dann darf auch ich mich angesprochen fühlen. Dann dürfen sich nicht nur die Schützen auf den Landesfestumzug freuen, sondern auch die Studenten unserer Universitäten. Dann wird nicht nur Bruno Hosp um einen Beitrag gefragt, sondern sicher auch Hans Heiss. Dann werden vor oder hinter der rosengeschmückten Dornenkrone die Gewerkschafter, die Arbeiter der Industriezonen, ja vielleicht sogar eine Delegation der Tiroler Schwulen und Lesben mitmarschieren.

Weiterlesen bei ff-Online.