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  • Bahn: Subventionen fürs Trentino.

    Man stelle sich vor, um mit der Bahn von Bozen nach Trient zu gelangen gäbe es, abgesehen von einigen wenigen Zügen des Fernverkehrs, lediglich eine stündliche Umsteigeverbindung mit Umstieg in Salurn oder Mezzocorona. Weiters nehmen wir hypothetisch an, dass eine Verdichtung zum Halbstundentakt daran scheitern würde, dass der Südtiroler Zug in Salurn und der Trentiner Zug in Mezzocorona endet. Nicht gerade attraktive Bedingungen, um per Bahn die Nachbarregion zu erreichen. Wir nehmen weiters fiktiv an, dass auf Druck der Bevölkerung zwischen dem Land Südtirol und der Region Trentino als Anfang zwei Direktverbindungen vereinbart würden. Ein direktes Zugpaar morgens und eines abends. Aufgrund mangelnden Interesses vonseiten des Trentino sollte dann aber zum Fahrplanwechsel lediglich ein direktes Zugpaar angeboten werden.
    Ein etwas sonderbares Szenarium. Wir würden uns zu Recht wundern, warum nicht alle Züge über die Landesgrenzen hinweg durchgebunden werden und der Zug zur halben Stunde um die wenigen fehlenden km verlängert und ebenfalls durchgebunden würde.

    Das oben geschilderte Szenarium ist real, betrifft allerdings nicht das Trentino, sondern die Bahnverbindungen über den Brenner nach Innsbruck. Tatsächlich gibt es zwischen Bozen und dem Trentino werktags halbstündlich direkte Bahnverbindungen.
    Um nach Innsbruck zu gelangen, gibt es, abgesehen von den 5 EC-Zügen des Fernverkehrs und den noch bis zum Fahrplanwechsel verkehrenden Korridorzügen, lediglich einmal stündlich eine Umsteigeverbindung am Brenner. Halbstundentakt gibt es keinen, da die Züge von Innsbruck lediglich bis nach Steinach verkehren.
    Im Frühjahr wurden vom Verkehrsressort des Landes Südtirol zwei direkte Zugpaare von Bozen nach Innsbruck angekündigt. Im Dezember soll nun aber lediglich eine Direktverbindung Bozen-Innsbruck umgesetzt werden. Anscheinend aufgrund mangelnder Bereitschaft vonseiten des Landes Tirol, dieses Zugpaar zu finanzieren. Die Prioritäten des Landes Tirol liegen auf der Inntaltrasse, wo ein reduziertes Fernverkehrsangebot durch Regionalzug-Bestellungen ausgeglichen werden muss.

    Höchst interessant und brisant dürfte in diesem Zusammenhang die Tatsache sein, dass sämtliche Regionalzüge (ausgenommen davon sind die wenigen Regionalexpresszüge, die der Staat zahlt) die von Bozen nach Trient, Ala oder Verona verkehren, von der Landesgrenze bei Salurn bis nach Trient vom Land Südtirol finanziert werden. Laut einem Schreiben der Trentiner Landesverwaltung, das vorliegt, werden in Italien die Km-Kosten nach Knoten abgerechnet. Südtirol bezahlt bis zum Knoten Trient und das Trentino bezahlt Km-Kosten für die Region Venetien. Was für das Trentino noch ein Nullsummenspiel sein mag, für Venetien einen Gewinn darstellt, ist für Südtirol ein satter Kostenpunkt. De facto bezahlen Südtirols SteuerzahlerInnen jährlich ca. 5 Millionen Euro für Züge, die auf Trentiner Gebiet verkehren.

    Man könnte nun damit argumentieren, dass wir uns die Anbindung an unsere Nachbarregionen etwas kosten lassen. Dies auch deshalb, da es in Europa langsam Usus wird, dass die ehemaligen Staatsbahnen immer mehr Fernverkehrs-Leistungen auf nicht lukrativen Strecken streichen, die dann von den Regionen und Ländern in Form von Regionalzug- oder Regionalexpresszug-Bestellungen ausgeglichen werden müssen.

    Es erstaunt aber die Tatsache, dass auf der einen Seite der Bahnverkehr im Trentino von Südtirol mit jährlich 5 Millionen Euro subventioniert wird, während direkte Regionalzugverbindungen über den Brenner, außer den Korridorzügen, derzeit nicht existieren. Bei einem ähnlich hohen Engagement des Landes Südtirol im Nordtiroler Bahnverkehr, gäbe es reichlich direkte Bahnverbindungen von Südtirol nach Innsbruck und teils sogar nach Kufstein oder gar Rosenheim. Aber dies stellt anscheinend keine politische Priorität dar. Lediglich bei Sonntagsreden erlebt die Zusammenarbeit zwischen Bozen und Innsbruck eine Renaissance.
    Ganz am Rande soll hier noch erwähnt werden, dass ab Dezember 2013 der Morgenzug ab Bozen um 5.30 Uhr nicht mehr bis zum Brenner verkehrt. Das eh schon miserable Bahnangebot über den Brenner am wichtigen Tagesrand wird damit noch schlechter. So erreicht man ab Fahrplanwechsel nicht mehr den wichtigen 8.09-Uhr-Railjet von Innsbruck nach Wien.
    München erreicht man morgens ab Bozen, bei zweimaligem Umsteigen, in halbwegs akzeptabler Art und Weise, frühestens um 12.25 Uhr. Für den Wirtschaftsstandort Südtirol völlig unzureichend.

    Doch damit nicht genug. In Zukunft soll der Bahnverkehr im Trentino noch zusätzlich von Südtirol finanziell profitieren. Von den neuen Flirtzügen, die vom Land Südtirol bestellt wurden, sollen ab Fahrplanwechsel im Dezember 2013 zwei für die Verbindung Bozen-Ala eingesetzt werden. Dies bringt für das Unterland den Vorteil, dass diese Züge aufgrund des besseren Beschleunigungsverhaltens auch Margreid und Salurn regelmäßig bedienen können. Zwei Drittel der Km-Leistung erbringen diese Züge aber im Trentino, und die Amortisierung des Rollmaterials ist ein signifikanter Kostenfaktor. Dies wird auch dann nicht ausgeglichen, wenn das Trentino, so wie es vage vereinbart wurde, ab Juni 2014 zwei Flirtzüge bis nach Bozen schickt. Das Km-Verhältnis auf der Strecke Bozen-Ala beträgt nun mal 1/3 in Südtirol zu 2/3 im Trentino.

    Südtirols Landesverwaltung muss sich der unangenehmen Frage stellen, warum der Bahnverkehr im Trentino so großzügig subventioniert wird, während sich auf der Strecke Bozen-Innsbruck in Zukunft in Form von Direktverbindungen nur sehr wenig entwickeln wird. Dies unabhängig davon, ob Südtirol überhaupt dafür zuständig ist, Bahnleistungen für seine Nachbarregionen zu finanzieren.



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  • Pendolari della democrazia.
    Quotation

    Mauro Minniti (de La Destra, già PDL, già AN, già MSI) non è solamente un pendolare fra i partiti politici, ma anche quel che potremmo definire un pendolare fra democrazia e fascismo. Da quando non ricopre più l’incarico di presidente del Landtag, del quale lo aveva investito l’SVP (prediligendolo ad altri candidati ben più idonei, come Riccardo Dello Sbarba), il pendolo è tornato ad assestarsi su posizioni estreme, al di fuori del consenso democratico.

    Così ad esempio sulla pagina internet del partito di Minniti («suo», perché da lui costruito nella nostra regione) è apparso un «documento» che definire vomitevole è forse troppo poco; l’articolo, a firma di un tale Emilio Giuliana e intitolato «integrazione-disintegrazione» contiene affermazioni palesemente razziste delle quali vorrei qui citarne tre:

    Il secondo principio è che si devono ugualmente salvaguardare i diritti «delle società di approdo degli stessi emigrati»: diritti non solo alla sicurezza ma anche alla difesa della propria integrità nazionale e della propria identità culturale, storica e razziale.

    Ci sono dei «professionisti dell’anti-razzismo» che manipolano pericolosamente la lotta alla xenofobia sfruttandola per diffondere il relativismo culturale, cioè l’idea che tutte le culture sono uguali e che non esistono culture migliori o peggiori di altre.

    Ma, a prescindere dal fatto che presentare il colonialismo come soltanto dannoso e malvagio è piuttosto unilaterale e storicamente discutibile, non c’è nessuna prova convincente che sia meno costoso per l’Europa e più proficuo per il Terzo Mondo trasferire da noi milioni d’immigrati extra-comunitari piuttosto che destinare le stesse risorse ad aiutarli nei loro Paesi d’origine.

    Sottolineato da



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  • Die Kreuzigung der STF.

    Warum das Vorgehen der Süd-Tiroler Freiheit (STF) unserer Meinung nach verantwortungslos ist, haben wir — mehrfach — dargelegt. Jetzt, wo Sicherheitsmängel am Abstimmungsportal aufgedeckt wurden, wäre es ein Leichtes, umso mehr die Unterschiede zwischen dieser Partei und uns herauszustreichen und uns in jeder Hinsicht von ihrem Vorgehen zu distanzieren.

    Zum Glück aber befindet sich nicht im Wahlkampf, so können wir die Debatte etwas nüchterner führen, als vielleicht andere. Und da stößt mir vor allem die Art und Weise sauer auf, mit der die Fehler der STF genüsslich ausgeschlachtet und an den Pranger gestellt werden — in einer Vehemenz, die sonst in der politischen und medialen Diskussion gemieden wird.

    Darin orte ich einen unsachlichen, überemotionalen Eifer, der sich nicht nur gegen die STF, sondern im Grunde — ausgesprochen oder unausgesprochen — gegen die Selbstbestimmung als solche richtet, und nur nach einer Gelegenheit sucht, sich völlig ungeniert zu entladen.

    Ganz ausdrücklich richtet sich meine Kritik nicht gegen diejenigen, die mitunter in bester Absicht dazu beigetragen haben, die Schwächen im System aufzudecken, sondern (wie erwähnt) gegen Medien und politische Mitbewerberinnen, bei denen ich Sachlichkeit, Gerechtigkeit und Verhältnismäßigkeit vermisst habe. Maßstäbe, die sonst Gültigkeit haben, werden in diesem Fall einfach über Bord geworfen.

    • Warum wurde bei anderen selbstverwalteten Abstimmungen nie darauf aufmerksam gemacht, dass das Ergebnis selbstverständlich von den Organisatorinnen manipuliert werden kann, da es für gewöhnlich keine externe Kontrolle darüber gibt? Dafür sind gar keine Sicherheitslücken im Wahlmodus erforderlich, man braucht nämlich nur ein anderes Ergebnis zu verkünden, als tatsächlich aus den Urnen hervorgegangen ist.
    • Warum sollte ein nicht behobener Programmierfehler bei der grünen Basiswahl das System nicht ad absurdum geführt und das Ergebnis nicht ungültig gemacht haben, obschon es dadurch möglich war, Kandidatinnen doppelt so viele Vorzugstimmen zu geben, wie vom Reglement gestattet?
    • Warum wurden andere selbstverwaltete Umfragen stets als Sternstunde der Bürgerinnenbeteiligung dargestellt, während man jetzt den meinungsbildenden Wert der STF-Abstimmung partout unerwähnt lässt? Dass die Mehrheit der Südtirolerinnen nichts gegen die Abhaltung eines Selbstbestimmungsreferendums hat, dürfte sowieso kaum wer bezweifeln sein, dazu braucht man nicht das Abstimmungsergebnis abzuwarten.
    • Warum zitieren Medien regelmäßig aus Repräsentativumfragen, warum machen Parteien damit Politik, wenn offensichtlich ist, dass keine davon auch nur mindesten Sicherheitsstandards genügen kann?
    • Und wie hätte man schließlich darauf reagiert, wenn die SVP-nahe Presse selbstverwaltete Abstimmungen der Opposition als wertlosen Wahlkampfgag lächerlich gemacht hätte? Hätte man sie nicht der Ungerechtigkeit und Demokratiefeindlichkeit bezichtigt?

    Als liberal denkender Mensch kann ich das jetzige Vorgehen weder ignorieren noch gutheißen, egal wie falsch ich es finde, dass die STF die Selbstbestimmung zu einem parteipolitischen Thema gemacht hat. Denn dann würde ich denselben Fehler machen wie jene, die ihre Gegnerschaft zur Unabhängigkeit und ihre Befürwortung demokratischer Meinungsbildung durcheinander bringen.



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  • TI: Einsprachige Sicherheitshinweise.

    Kürzlich wurden in den Waggons der Trenitalia-Regionalzüge Sicherheitshinweise angebracht, die über das Verhalten in Notsituationen, unter anderem in Tunnels, aufklären sollen.

    Obschon die meisten Garnituren nur innerhalb Südtirols verkehren und zudem vom Landesamt für Mobilität in Auftrag gegeben und finanziert werden, sind diese Hinweise ausschließlich auf Italienisch und Englisch verfasst. Selbst wenn dem nicht so wäre, müssten Hinweise gerade im Sicherheitsbereich unbedingt auch in deutscher und möglichst noch in ladinischer Sprache angebracht werden. Offenbar jedoch ist das Ressort von Landesrat Thomas Widmann unfähig, selbst gegenüber einem von ihm beauftragten Unternehmen die nötige Mehrsprachigkeit durchzusetzen. Dies ist umso besorgniserregender, als die mit Landesmitteln neu angeschafften Flirt-Züge nun ebenfalls von Trenitalia betrieben werden sollen.

    Im Zusammenhang mit nationalistischen Forderungen wie der Übersetzung der hinterletzten Almwiese auf Südtirols Wanderschildern werden gerne fadenscheinige Sicherheitsbedenken (»Wanderer könnten sich verirren«) vorgeschoben. Da wo es hingegen, wie in diesem Fall, ausdrücklich um die Sicherheit geht, wird die Vernachlässigung der Mehrsprachigkeit bedenkenlos hingenommen — sofern davon nur nicht die lingua franca nazionale betroffen ist.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Gay Pride: Nationalistische Vereinnahmung.

    Im Jahr 2014 soll in Bozen eine Regenbogenparade stattfinden, wozu sich bereits positiv geäußert hatte. Die Hoffnung jedoch, dass die Veranstaltung ein — in jeder Hinsicht — grenzüberschreitendes Projekt werden könnte, schwindet. So berichtet Südtirol Online (Stol), dass sich die Südtiroler LGBT-Vereinigung Centaurus aus der einschlägigen Arbeitsgruppe zurückgezogen habe. Neben finanziellen Schwierigkeiten und organisatorischen Einwänden werden für diese Entscheidung auch folgende Gründe genannt:

    • Centaurus sei von den Promotoren nicht in die Entscheidungen eingebunden worden;
    • Das zunächst geplante ‘Pride der Minderheiten’ sei kurzerhand in ein ‘nationales Gay-Pride’ umgewandelt worden;
    • Die fehlende Vertretung der Sprachminderheiten im Komitee.

    Es ist höchst erstaunlich, wie wenig den Organisatoren der Veranstaltung offensichtlich die Einbindung lokaler Akteure bedeutet, wo es doch bei einer Regenbogenparade auch um die Sensibilisierung der ortsansässigen Bevölkerung gehen sollte. Dass Vertreter sexueller Minderheiten darüberhinaus die sprachliche und kulturelle Vielfalt im Lande unberücksichtigt lassen und stattdessen der »nationalen« Ebene Vorrang einräumen, lässt tief blicken: Respekt und Toleranz fördern wir nicht, indem wir unterschiedliche Formen von Vielfalt gegeneinander ausspielen*, sondern nur durch gegenseitige Solidarität.

    Umso wichtiger ist, dass Centaurus diese Widersprüche derart deutlich anspricht und in der Öffentlichkeit thematisiert, was in Südtirol leider nicht selbstverständlich ist. Dafür verdient die Vereinigung Dank und Respekt.

    *) Dies gilt übrigens im umgekehrten Sinn genauso, wenn Vertreter sprachlicher Minderheiten kein Verständnis für sexuelle Minderheiten aufbringen.



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  • Rechtschreibung ade.

    Autor:a

    ai

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    23 Comentârs → on Rechtschreibung ade.

    Der Spiegel: Rechtschreipkaterstrofe.Der Spiegel widmete seine Titelgeschichte von Ausgabe 25/13 der zunehmend schlechter werdenden Rechtschreibung der Schüler. Ein Grund für diese Entwicklung sind laut Spiegel die Unterrichtsmethoden, welche nicht in der Lage sind, insbesondere schwächeren Schülern, eine korrekte Rechtschreibung zu vermitteln. Dahinter steckt viel Ideologie, ob den Kindern sozusagen die Rechtschreibung aufdoktriniert oder ob sie sich selbst die korrekte Schreibweise beibringen sollen, im Grunde ein altes 68er-Thema. Bei der Methode “Lesen durch Schreiben” dürfen die Kinder anfangs so schreiben, wie es ihrer Vorstellung nach richtig ist, im Laufe der Zeit sollte sich dann die Rechtschreibung von selbst ergeben. Dieser Wunsch geht allerdings nur bei besonders begabten Schülern in Erfüllung. Für alle anderen Schüler mit durchschnittlicher Begabung und bei solchen mit einer Rechtschreibschwäche ist die Methodik geradezu katastrophal:

    “Deutschlands Schüler werden so zunächst systematisch zu Rechtschreibanarchisten erzogen – um sie dann mühsam wieder aus der fremd verschuldeten Unfähigkeit zu befreien. […] Lange haben Eltern das hingenommen. Doch allmählich wächst der Widerstand, Kritiker finden sich zusammen. Alarmiert von Studien, die einen erschreckenden Verfall der Orthografie bei deutschen Schülern offenbaren, warnen Linguisten und Didaktiker, Pädagogen und Hirnforscher: Vor allem Risikokinder, die in einer spracharmen Umgebung oder mit Deutsch als zweiter Sprache aufwachsen, lernen so möglicherweise nie richtig schreiben. Gleiches gilt für Mädchen und Jungs, die zu einer Legasthenie neigen.”

    Der Artikel spricht mir aus der Seele, seit Jahren beobachten meine Frau und ich schlechte Rechtschreibleistungen bei unseren Kindern. Zur Zeit habe ich drei schulpflichtige Kinder, jeweils in einer Südtiroler Volks-, Mittel- und Oberschule. Alles begann mit der Einschulung unseres ältesten Sohnes vor elf Jahren. Erstmalig wurde an unserer Schule “Lesen durch Schreiben” erprobt. Anfangs waren wir recht begeistert, unser Sohn schien schnell schreiben zu lernen, die offensichtlichen Fehler sollten wir aber nicht ausbessern, denn die Schüler sollten sich ihre Rechtschreibkompetenz selbst erarbeiten. Skeptisch wurden wir in den darauffolgenden Jahren, als sich das schriftliche Deutsch unseres Sohnes angesichts der Schulstufe einfach nicht bessern wollte. In Gesprächen mit den Lehrern wurde dies als nicht weiter bedenklich eingestuft, auch wenn wir zunehmend Zweifel bekamen, ob diese Methode wirklich die gewünschten Ergebnisse bringen würde. Schlussendlich wurde unser Sohn getestet, es wurde eine durchschnittliche Rechtschreibleistung festgestellt. Er besucht nun die vierte Oberschule und leider ist das Niveau der Rechtschreibung nicht tolerierbar. Auch bei meinen anderen zwei schulpflichtigen Kindern sind die Rechtschreibleistungen im Vergleich zu unserer Generation deutlich schlechter. Seit Jahren machen meine Frau und ich auf diesen Missstand aufmerksam, ohne allerdings Gehör zu finden. Die Lehrer der Oberschule bemängeln das Niveau der Schüler, welche aus der Mittelschule kommen, die Lehrer der Mittelschule wiederum das Niveau der Schüler beim Übertritt von der Volks- zur Mittelschule.

    Wir hatten und haben das Gefühl, dass die Schule auf diesem Gebiet nicht ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommt. Da wir aber beide keine Pädagogen sind, konnten wir nur an die Lehrer appellieren, doch wieder mehr Wert auf die Rechtschreibung zu legen — bisher allerdings erfolglos. Das Fass zum Überlaufen brachte dieses Jahr eine Volksschullehrerin, die auf die Bitte meiner Frau nach besserer Rechtschreibkontrolle uns damit vertrösten wollte, dass sie sagte, in Zukunft sei das nicht mehr so wichtig, da bald die Computer alle Rechtschreibfehler korrigieren werden! Das war für uns der absolute Tiefpunkt, wir fragen uns, was bei diesem Berufsstand an Selbstreflexion und Berufsstolz übriggeblieben ist. Schleierhaft ist für uns auch die Rolle des Pädagogischen Institutes, welches zwar bestens besetzt ist, aber anscheinend von den Mängeln in der Schule nichts mitbekommt. Stattdessen werden an den Schulen munter weiter zahlreiche Projekte betrieben, vor lauter Kartoffelwochen, Bananenkoffer, Theater und Musicals bleibt den Schülern kaum Zeit, die Grundlagen von Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen. Im Übrigen wird kaum Knabenspezifisches gemacht, unsere Söhne haben die Volksschule mit all dem Gesang und “kindischen” Basteleien in schlechtester Erinnerung.

    Ein weiterer Problemfall ist der Italienischunterricht, auch hier ist ein Fehler im System zu attestieren, allein des Durchblättern der Lehrhefte zeigt, dass diese den Vergleich mit den englischen Lehrbüchern nicht standhalten, nach mehr als 10 Jahren Italienischunterricht ist unser Sohn kaum imstande ein paar Sätze auf Italienisch zu sprechen, wohingegen Englisch, obwohl erst seit der 4. Volksschule Unterrichtsfach, deutlich besser gelingt. Unserer Meinung nach gibt es hier ein didaktisches Problem, das aus politischen Gründen nicht thematisiert wird. Viele aktive Lehrer haben unseren Eindruck bestätigt.

    Was tun? Es genügt nicht mehr, diese Defizite in Expertenkreisen zu diskutieren, hier braucht es eine gesamtgesellschaftliche Diskussion, wohin die Schule steuern soll. Nicht die elende Diskussion über die Fünf- oder Sechstagewoche sondern die schonungslose Offenlegung der Unterrichtsdefizite sollte im Mittelpunkt stehen. Nachdem meine Generation der Vierzigjährigen in der Schulzeit sicherlich zu wenige Schulprojekte erlebt hat, muss angesichts dieser Auswüchse und Negativleistungen eine Gegenreaktion erfolgen, eine Besinnung auf traditionelle Kompetenzen, allen voran Lesen, Schreiben, Rechnen. Ansonsten droht uns, wie mir bereits mehrfach Arbeitgeber berichteten, eine wahre Flut von kaum vermittelbaren Schulabsolventen.



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  • Die parteipolitische Selbstbestimmung.

    Zum ersten September hat die Süd-Tiroler Freiheit eine selbstverwaltete Befragung gestartet, mit der in Erfahrung gebracht werden soll, ob die Teilnehmer die Abhaltung eines amtlichen Selbstbestimmungsreferendums wünschen. Allem Anschein nach ist der Partei ein professionelles Abstimmungssystem gelungen, mittels dessen die Stimmberechtigten sowohl analog (mittels Wahlkarte), als auch digital (über ein Internetportal) abstimmen können.

    Dies ändert nichts an der Kritik, die bereits am Vorgehen der STF geäußert hatte und hiermit wiederholt:

    • Die einseitige parteipolitische Vereinnahmung eines so grundlegenden Rechtes, das allen Südtirolern gehört, ist verantwortungslos.
    • Vielmehr hätte die Partei den Konsens mit weiten Teilen der Zivilgesellschaft suchen und sich aus den konkreten Abstimmungshandlungen heraushalten müssen.
    • Die sicher nicht unbewusst gewählte zeitliche Überlappung der Abstimmung mit dem Wahlkampf droht dem Thema noch größeren Schaden zuzufügen. Die Selbstbestimmung zu missbrauchen, um ggf. einen Landtagssitz dazuzugewinnen, ist inakzeptabel!

    Die Einbindung aller Sprachgruppen wurde — gegenüber dem selbstverwalteten Referendum im Ahrntal — zumindest insofern verbessert, als das Internetportal eine Stimmabgabe in allen drei Landessprachen gestattet. Zum Vergleich: Bei den amtlichen Landesreferenda 2009 blieb die ladinische Sprache unberücksichtigt.

    Geradezu rührend ist hingegen der Versuch der SVP, das Selbstbestimmungsrecht gegen die STF zu verteidigen. Südtirol Online (Stol) zitiert den Obmann der Mehrheitspartei folgendermaßen:

    “Als Südtiroler Volkspartei haben wir die Unverzichtbarkeit des Selbstbestimmungsrechtes für die Südtiroler in unserem Programm festgeschrieben”, betont SVP-Obmann Richard Theiner im Anschluss an die Sitzung.

    Es sei jedoch ein Thema, mit dem nicht leichtfertig umgegangen werden dürfe und es stelle sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Umfrage zwei Monate vor der Landtagswahl.

    Theiner kann zwar inhaltlich zugestimmt werden, die Glaubwürdigkeit seiner Partei beim Thema Selbstbestimmung wurde jedoch bereits vor Monaten zu Grabe getragen: Obschon die Unverzichtbarkeit des Selbstbestimmungsrechts in ihrem Programm festgeschrieben ist, stimmte sie im Landtag gegen diesen Grundsatz. Die Mehrheitspartei ging sogar so weit, nicht nur die konkrete Anwendung des Selbstbestimmungsrechts in Südtirol abzulehnen, sondern auch das Menschenrecht auf Selbstbestimmung als solches — nur weil der Antrag aus der Opposition kam. Einen leichtfertigeren Umgang mit dem Thema kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, denn damit hat der Landtag diesem Recht eine grundsätzliche Absage erteilt!



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