Aus aktuellem Anlass wird dieser Teilnahmeaufruf erneuert:
Am 26. Mai 2006 findet ab 14 Uhr unter dem Motto »Am Brenner für die Alpen — Gesundheitsraum statt Sanierungsgebiet« die erste gemeinsame Bürgerinnenversammlung am Brennerpass (A13) zum Schutze unseres Lebensraumes statt. Erstmals wird die Veranstaltung auch offiziell von Südtirol und Bayern aus mitorganisiert.
ruft zur zahlreichen Teilnahme auf! Die Zukunft unserer Umwelt liegt in unseren Händen.
Ein häufig vorgebrachter Einwand, warum man von auswärtigen Konzernen in Südtirol nicht den Gebrauch der deutschen und ladinischen Sprache verlangen könne ist, dass unser Land klein und die Südtirolerinnen zu wenige seien. Selige Vorzeigeautonomie. Obschon es stimmt, dass wir nicht zahlreich sind, hält nämlich das Argument einem internationalen Vergleich nicht stand: Es gibt zahlreiche Beispiele von Minderheiten und souveränen Staaten mit geringerer Einwohnerinnenzahl, wo wesentlich fortschrittlichere Lösungen gefunden wurden als hierzulande.
Bereits auf dargelegte Beispiele und solche die in nächster Zukunft folgen werden, zeigen: Für die Schaffung eines tatsächlich mehrsprachigen Landes sind nicht Zahlen ausschlaggebend, sondern vielmehr folgende Kategorien:
Respekt und politischer Wille.
Gesetzliche Maßnahmen.
Druck durch Bürgerinnen und Verbraucher.
Gerade letzteres Instrument steht jeder und jedem Einzelnen zur Verfügung und sollte verstärkt zur Anwendung kommen, denn ein selbstbewusstes ist auch ein demokratisches und liberales Südtirol — das allen Einwohnerinnen volle Rechte zuerkennt und damit reif ist, seine Zukunft in die Hand zu nehmen. wird fortan verstärkt zur Druckausübung (Lobbyarbeit) anregen und somit die Mündigkeit der Bürgerinnen fördern!
Ähnliches gilt für die Unabhängigkeit. Stets wird behauptet, Südtirol sei zu klein, um als unabhängiger Staat überlebensfähig zu sein. Obschon die Größe gerade im Rahmen der Europäischen Union geradezu irrelevant ist, wäre Südtirol ohnehin weder im Dreibund mit seinen natürlichen Partnern Nord-, Ost- und Welschtirol (als »Euregio«) noch im Alleingang ein Zwerg unter den Kleinstaaten:
Allein im europäischen Kontext gibt es zahlreiche kleinere Länder, die fast immer aus der Not eine Tugend gemacht haben, international ausgerichtet sind und wirtschaftlich prosperieren. Zugegebenermaßen nicht immer nur mit astreinen Methoden. Als — jetzt schon — laut Eurostat achtreichstes Gebiet der Union müsste sich diesbezüglich auch unser Land keine großen Sorgen machen, im Gegenteil: Vermutlich würde mehr Selbstbewusstsein auch neue ökonomische Kräfte entfesseln.
Man muss kein Südtiroler sein, um etwas Sinnvolles für unser Land zu leisten. Und man muss kein Fremder sein, um ihm einen Bärendienst zu erweisen. Das hat mit seinem politischen Feingefühl auch der Landeshauptmann erkannt, und deshalb auf einem neuen Südtiroler Verdienstorden bestanden – der nur an Nichttiroler vergeben wird.
Francesco Cossiga, italienischer Staatspräsident i.R. bringt sich in Stellung, um baldmöglichst in den Genuss dieser Ehre zu kommen: Gestern ließ er im Zentralparlament verlautbaren, er wolle im Falle einer erneuten Verfassungsreform durch Mittelinks eine Passage einbringen, in der ausdrücklich auf das Selbstbestimmungsrecht der Südtiroler hingewiesen wird. Findet der Vorschlag zuspruch, stehen der Abtrennung Südtirols auch juridisch keine Hindernisse mehr im Weg.
In den Holzköpfen einiger Entscheidungsträger ist jedoch noch jede Menge Arbeit zu tun. Stolz verkündet etwa Landtagsabgeordneter Hermann Thaler (SVP) heute aus den Dolomiten, er habe sich von der offiziellen Linie seiner Partei verabschiedet und bei der Wahl zum Landtagspräsidenten Mauro Minniti (AN) seine Stimme gegeben. Man müsse sich jenen Italienern annähern, die inhaltlich ähnliche Positionen verträten wie die Sammelpartei. Aha! Mit ausländerfeindlich und im Zweifelsfall stets zentralstaatlich gesinnten Faschos ist also besser Staat zu machen, als mit einem perfekt zweisprachigen und integrierten Grünen wie Riccardo Dello Sbarba.
Begibt sie sich zur Machterhaltung auf diesen Irrweg, setzt die Volkspartei die realistische Möglichkeit aufs Spiel, für Südtirol mehr Handlungsspielraum herauszuholen, die Italienerinnen einzubinden und letztendlich auf dem Weg der Selbstbestimmung ein gegenwarts- und zukunftsfähiges Modell für dieses Land zu entwickeln. Immer mehr Südtirolerinnen werden sich mit der ewigen Fortwurstelei im starren Rahmen des Istzustandes nicht mehr zufrieden geben.
Schreibt dem Kasper Eure Meinung:hermann.thaler@landtag-bz.org
Wer Hermann zum Freund hat, braucht keinen Feind mehr.
Und so geht es anderswo: Während in Südtirol auch weiterhin nur italienische Etiketten üblich sind, gibt es in anderen Ländern Bestrebungen, den Konsumentenschutz zu stärken und dementsprechende Lösungen zu finden. Oft auch über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. Eine kleine Übersicht.
Die katalanische Supermarktkette »Bonpreu« (kat. für »guter Preis«) beschriftet die Produkte von Eigenmarken ausschließlich auf Katalanisch. Zum Beispiel Olives statt Aceitunas (Oliven) und Préssec statt Melocotón (Pfirsich):
Rein deutsch beschriftete Produkte wären — analog dazu — in Südtirol dagegen nicht zulässig, was italienische Handelsketten einseitig bevorteilt und Firmen aus dem deutschen Sprachraum keinen Anreiz bietet, sich niederzulassen. Die Nordtiroler Regionalkette MPreis etwa ist in Südtirol gezwungen, fast sämtliche Produkte manuell nachzuetikettieren; dies führt zur paradoxen Tatsache, dass häufig deutsche Beschriftungen – die die Mehrheit der Konsumenten ansprächen – mit kaum leserlichen italienischen Etikettchen überklebt werden. Der Bezug von Waren aus dem italienischen Markt wird damit nach wie vor gefördert.
Die katalanische Tiefkühlkette »La Sirena« beschriftet ihre Produkte unter Berücksichtigung der verschiedenen sprachlichen Identitäten in Spanien durchwegs viersprachig:
Die beste Lösung für den heimischen Markt wäre aus Gründen des Verbraucherschutzes zweifelsohne eine durchwegs zwei- oder gar dreisprachige Beschriftung. Zumal dies objektiv schwer durchsetz- und durchführbar ist, wäre wenigstens eine tatsächliche Gleichberechtigung der Sprachen anzustreben: Beschriftung wahlweise auf Deutsch, Italienisch oder Ladinisch zulässig. Dreisprachige Hinweise sollten jedoch zwingend für sensible Produktgruppen vorgesehen werden, so Medikamente, gefährliche Chemikalien u. ä.
Im Grunde gilt dieser Grundsatz auch in der nahen und spracherprobten Eidgenossenschaft, wo die Durchführung hervorragend funktioniert. In den meisten Supermärkten ist darüber hinaus »multilinguales Einkaufen« Praxis, wie etwa hier bei coop:
Das Autogene Training ist eine Selbstheilungstechnik, deren — wissenschaftlich nachgewiesene! — Heilkraft auf einer Umkehrung von Ursache und Wirkung beruht. Die Vorstellung von schweren oder warmen Gliedmaßen ruft so als tatsächliche organische Antwort eine Muskelentspannung oder eine bessere Durchblutung hervor.
Falls und sobald es uns analog dazu gelingen sollte, in der Verwendung unserer (italienischen) Landesbezeichnung eine Grenze zu etablieren, die nicht mehr zwischen den Sprachgruppen verläuft, sondern zwischen Befürworterinnen eines ungeteilten Zusammenlebens und den »anderen«, wird dies ein wichtiger Beitrag für den Wandel sein.
Ähnlich dazu hat sich im Baskenland nach und nach auch im spanischen Sprachgebrauch die baskische Landesbezeichnung Euskadi (statt spanisch País Vasco) etabliert — sodass heute auch der spanische Staatsfunk weitgehend auf diesen Namen setzt.
In Südtirol ist jede Einzelne in bester partizipativer Manier dazu aufgerufen, dem autogenen Experiment im Alltag ihre Unterstützung zu gewähren.
Italien hat sich leider nur zögerlich für einen Wechsel entschieden, während Mitterechts in Südtirol so wenig Stimmen eingefahren hat wie in keiner anderen Region: 20% der Stimmen in der Wahl zum Abgeordnetenhaus etwa.
In Bozen und im Unterland haben sich allem Anschein nach auch die Italiener für mehr Miteinander und damit für Oskar Peterlini entschieden, anstatt seinen Widersacher, Giovanni Benussi, zu unterstützen.
Bei einer Mehrheit von nur rund 25.000 Stimmen in der Kammer waren die fast 166.000 SVP-Wählerinnen für Mittelinks entscheidend. Durch die sich abzeichnende knappe Mehrheit in beiden Häusern werden die Abgeordneten der SVP in Rom für Mittelinks ausschlaggebend sein. Ich erwarte daher zum einen die Fähigkeit der Sammelpartei, staatstragend zu wirken – indem sie sich zum Bündnis, mit dem sie angetreten ist, loyal verhält und wohl auch manchmal über den eigenen Schatten springt. Im Gegenzug jedoch muss die Partei für Südtirol ein Höchstmaß an Selbstverwaltung und Eigenständigkeit zum Wohle der gesamten Bevölkerung herausholen, das noch weit über das im Vorfeld Vereinbarte hinausgeht.
Einem verantwortungsvollen Unterstützer der Selbstbestimmungsidee kann man nur zwei grundlegende Ziele ans Herz legen, zu deren Erlangung er mit seiner Stimme beitragen kann:
Die Verhinderung Berlusconis, der während seiner Amtszeit den Rechtsstaat gefährdet und teilweise außer Kraft gesetzt hat; wer eine Loslösung Südtirols mit demokratischen Mitteln befürwortet, wer auf der Seite des Rechtes und der sozialen, demokratischen, westlich-liberalen Grundordnung steht, kann sich der Verantwortung nicht entziehen, diese Persönlichkeit aus dem Verkehr zu ziehen. Dessen ungeachtet ist ein politisches System, das eine derartige Persönlichkeit – selbst als Oppositionschef – akzeptiert, morsch. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis sich der Staat und seine Institutionen von diesem Abenteuer ins Autoritäre erholt haben werden.
Die Wahl einer möglichst autonomiefreundlichen oder gar der Eigenständigkeit unseres Landes wohlgesinnten Partei, unter Achtung rechtsstaatlicher Prinzipien, der Toleranz, des friedlichen Zusammenlebens. Dazu gehören die Südtiroler Volkspartei, die Grünen und sämtliche Parteien, welche die Kandidatur von Romano Prodi unterstützen. Schwierig ist die Wahl, weil im Grunde keine Partei ein ausgereiftes Konzept zur Erlangung der Selbständigkeit ausgearbeitet hat. Da sich jedoch das gesamte Mittelinksbündnis für eine Überarbeitung des Autonomiestatuts ausgesprochen hat, ist davon auszugehen, dass sich im Laufe der kommenden Legislatur die Gelegenheit ergeben wird, Südtirols Bedürfnisse zu thematisieren. Es ist selbstredend jedem selbst überlassen, womöglich innerhalb dieses Rahmens zu entscheiden, wen er dafür ins Rennen schickt.
Literaturvorschlag: »Die Zeit« Nr. 14 vom 30. März 2006, Seite 49f. – »Die Wahl des Harlekins«. Nebenbei ein Lehrstück über jenen Herrn Frattini, der sich in Südtirol gern als Retter der Rechtsstaatlichkeit geriert.
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