Immer günstig.

Zeitungsausschnitt.

Am 30.03.07 ist im A. Adige erneut ein ziemlich abstruser Artikel über die Brennerbasisdemokratie erschienen, auf den ich hiermit antworten möchte. Ich will vorausschicken, dass die Plattform sich stets gegen die Verletzung von geltendem Recht ausgesprochen hat und selbst die Veröffentlichung der Aufkleber intern umstritten ist.

Mit meiner Reaktion will ich lediglich auf die — m. E. falsche, dümmliche — Argumentation der Inhaber eines betroffenen Geschäftes eingehen: Laut Zeitung verteidigen sich die Besitzer des Ladens mit dem Namen »Tutto a 1 Euro« angesichts der Beschuldigung, sie benachteiligten die deutsche Sprache, mit der Feststellung, ihr Laden gehöre einer Franchise-Kette an. Und diese stelle eben sämtliches Material nur auf Italienisch zur Verfügung. Der Laden war bereits während der Erhebung durch die BBD negativ aufgefallen.

  • Der erste Einwand betrifft die Grundsatzentscheidung, ein derartiges Geschäft zu eröffnen. Vermutlich kommt man zu einem eigenen Laden nicht wie die Jungfrau zum Kind. Vielmehr dürfte es sich um eine bewusste Entscheidung handeln – der hoffentlich eine genaue Analyse der Ausgangslage zugrunde liegt: Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen, was biete ich meiner Kundschaft, wie handelt das gewählte Franchiseunternehmen? In dieser Phase hätte man versuchen können, dem Anbieter eine zweisprachige Version des Infomaterials nahezulegen. Im Falle einer — unwahrscheinlichen — Ablehnung hätte man sich an einen der vielen Konkurrenten wenden können.
  • Das Märchen soll uns also sagen: Gegen Konzerne sind wir leider machtlos, bitte anpassen. Dies würde bedeuten, dass der Konsumentenschutz in dem Maße den Bach runtergehen muss, wie Franchiseunternehmen und andere Ketten beschließen, hierzulande tätig zu werden. Andere mehrsprachige Gebiete in Europa zeigen, dass diese Annahme falsch ist. Hier in Südtirol scheint man sich dagegen dem angeblich Unvermeidbaren tatenlos beugen zu wollen.
  • Im veröffentlichten Bild (oben) sieht man im Hintergrund ein Blatt mit den Öffnungszeiten. Es handelt sich — bei näherer Betrachtung vor Ort — ziemlich eindeutig um eine herkömmliche Word-Vorlage, die ganz gewiss von den Inhabern selbst angefertigt wurde. Auch dieses Blatt ist ausschließlich in italienischer Sprache gehalten. Warum? Ganz einfach: Die ganze Franchise-Geschichte ist nichts anderes als Ablenkung — das wahre Interesse der Inhaber für Zweisprachigkeit ist an diesem Blatt eindeutig ablesbar.

Doch was hätte man sich von einem 1-Euro-Laden anderes erwarten können als billige Ausreden?

Willkommen, Alpini!

Alpini.In tiefster Vorfreude erwartet Brixen das große Alpinifest, das heute in der Bischofsstadt beginnen soll. Bei den »Gebirgsjägern« handelt es sich um ein ruhmreiches Korps des italienischen Heeres, das am Ende des siegreich beendeten ersten Weltkriegs — im Jubel der Bevölkerung — die lang ersehnte Befreiung des südlichen Tirols vollzogen hat. Seitdem hat unser Land von den Alpini und ihren jeweiligen Gebietern viel Zuneigung erfahren: Zunächst standen sie der Regierung in Rom bei der schwierigen Eingliederungsarbeit Südtirols in seine neue Heimat, das italienische Königreich, zur Seite — die sich etwa mit einer angemessen intensiven pädagogischen Arbeit zur Erlernung der Staatssprache bemerkbar machte.

Auch sonst haben sich die Alpini während des Faschismus durch ihre Freundschaft zur Hochetscher Bevölkerung viel Ruhm und Ehre verdient. Später, im demokratischen Italien, haben sie sich als Teil einer gezielten Besiedlungspolitik gerne bei uns aufgehalten, um uns die italienische Kultur (Sprache, Kunst etc.) näherzubringen. In der Akzeptanz für unseren neuen Staat und in der Verteidigung gegen den österreichischen Feind haben sie uns tatkräftig unterstützt. Ganze Generationen von Südtiroler Männern haben sie (in beiden Landessprachen) zu richtigen Männern erzogen, die folgerichtig auch noch wussten, was der »Inno di Mameli« ist. Sie sangen ihn ja jeden Tag.

Leider erfolglos versuchten sie uns dagegen zu vermitteln, dass eine Autonomie der falsche Weg wäre, um unsere Zugehörigkeit zum neuen Staat zu besiegeln und ihm unsere Demut zu zeigen. Auch deshalb haben sie die Polizei im demokratischen Kampf gegen Menschen unterstützt, die leider nicht verstanden hatten, dass man sich den Folgen einer Kriegsniederlage zu fügen hat. Zum Glück konnten sie allein durch ihre Anwesenheit dem Drang nach mehr Unabhängigkeit Einhalt gebieten.

Ja, ihre sprichwörtliche Freundschaft haben die Alpini in letzter Zeit — zum Teil mit Hilfe uranhaltiger Geschosse — auch in andere Teile der Welt getragen. Oft haben sie noch weitere Verbrüderungsrituale gefeiert, um sich bei der jeweiligen Zivilbevölkerung beliebt zu machen und den Ideen von Frieden und Demokratie zum Durchbruch zu verhelfen.

Deshalb: Willkommen in Brixen, willkommen in Südtirol, liebe Alpini! Hier werdet ihr ja demnächst auch ein Museum erhalten, mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde, also mit unseren Steuergeldern!

Schade nur, dass uns jene Spielverderber, die schon die Schützen angegriffen haben, weil sie eben grundsätzlich gegen alles Militärische (und gegen Waffen) sind, in ihrer unermesslichen Kohärenz nun gewiss auch noch euren Besuch vermiesen wollen. Ich hör’ sie schon.

Im Bild: Paneele, wie sie im Brixner Stadtgebiet aufgestellt wurden.

Tribus’ Kriegsblitz.

Seit Kurzem häufen sich in der Neuen Südtiroler Tageszeitung Berichte über angebliche Abzocke durch die Polizei – zum Schaden der ach so disziplinierten Autofahrer. Einmal heißt es effektvoll »Autofahrer-Stalking«, ein anderes mal will das Blatt einen »Blitzkrieg« erkannt haben, weil Gemeinden Radargeräte samt Zivilfahrzeug mieten, um damit – wie es heißt – ihre Kassen zu füllen. Alles Dinge, die im zivilisierten Ausland gang und gäbe sind.
Und dann regt die Tageszeitung auch noch indirekt Sabotage (!) an. Auf unterstem Stammtischniveau.

Dabei muss gesagt werden, dass in Sachen Disziplin hierzulande einiges im Argen liegt. Noch immer sind Raserei und Fahren in angetrunkenem Zustand Kavaliersdelikte. Noch immer wird auf schwächere Verkehrsteilnehmer kaum Rücksicht genommen. Und: Nach wie vor lassen zu viele ihr Leben im Straßenverkehr.

Fährt man auf gerader Strecke (zumal auf der Autobahn) im Limit, wird man von Rasern und Dränglern förmlich bombardiert (um von sich gegenseitig illegal überholenden LKWs zu schweigen). Und dies nicht gerade ohne Risiko für die eigene Sicherheit – denn gewagte Überholmanöver sind auch für den so Überholten oft lebensgefährlich. Hier mit den Übertretern zu solidarisieren, ist einer seriösen Zeitung schlicht unwürdig.

Ich höre sie schon, die da sagen, dass aber eh nur kontrolliert werde, um die armen Autofahrer auszunehmen. Was soll das denn heißen? Verkehrsbeschränkungen sind mittels farbiger Schilder sichtbar angekündigt: Wer mehr aufs Pedal drückt, weiß, dass er potenziell einem Knöllchen entgegenfährt. Und kann im Grunde dennoch im Großteil des Landes sicher sein, dass er straffrei ausgeht. Es muss endlich flächendeckend systematisch kontrolliert werden. Ohne Mitleid, ohne Rücksicht, denn Strafen retten Leben.

Tag der Befreiung.

Erstaunlich wenige Südtiroler wissen, warum sie heute schul- und arbeitsfrei haben: Am 25. April wird der Tag der Befreiung vom Faschismus durch die Alliierten und den italienischen Widerstand begangen, durchaus auch für Südtirol ein Grund zur Freude.

Mag sein, dass hierzulande noch einiges im Argen liegt, wie oftmals unterstrichen wird: Noch immer etwa hat unser Land nicht die Möglichkeit erhalten, sich demokratisch über seinen Status auszusprechen. Ein wesentlicher Teil der Demokratie — das kann wohl niemand leugnen — bleibt damit ausgeblendet.

Doch dies wohl trotz der Befreiung und gewiss nicht wegen ihr: Das Fall des Gewaltregimes war Voraussetzung für das Ende der Verfolgungen und eine demokratische und rechtsstaatliche Entwicklung, die uns nach zähen Verhandlungen ein gewisses Maß an Autonomie gebracht hat. Am Allerwichtigsten jedoch ist aus Südtiroler Sicht, dass das Ende des Faschismus den unheilsamen Prozess der Option endgültig unterbrochen hat. Wir haben also allen Grund, den heutigen Tag zu feiern.

Mal ganz abgesehen davon, dass das Ende einer Diktatur immer Grund zur Freude gibt.

Auf zu Käthe!

Schon seit dem 17. März läuft im Diözesanmuseum Hofburg Brixen eine ergreifende, ja erschütternde Ausstellung mit über 60 Arbeiten von Käthe Kollwitz. Vor wenigen Tagen hatte ich nun die Möglichkeit, mich mit dem vorzüglichen Werk der sozialkritischen deutschen Künstlerin auseinanderzusetzen. Unglaublich expressiv porträtiert sie in ihren Druckgraphiken und Zeichnungen den Schlesischen Weberaufstand oder die Inbrunst der Bauernkriege. Und meint damit auch unsere Zeit. Dabei ist die Ausstellung – in Zusammenarbeit mit dem Kölner Käthe Kollwitz Museum – wunderbar kuratiert und mit angenehmer Einfachheit und Zurückhaltung inszeniert.

Gleichzeitig bot sich mir die Gelegenheit, die Sammlung des Diözesanmuseums zu besichtigen: Ein kleiner, fast unbekannter Schatz im Herzen der Bischofsstadt, der – unter anderem – mit echten Perlen aufwarten kann.

Leider ist mir auch die gähnende Leere in Gängen und Ausstellungsräumen aufgefallen. Man möchte sagen: Perlen vor die Säue. Daher meine Einladung: Stürmt diese Ausstellung, sie ist ein echter Lichtblick im Südtiroler Kulturangebot. Noch bis zum 27. Mai.

Finger weg!

Italia.

Dass sich Südtirol selbständig vermarktet, hat nicht nur politische Gründe, sondern ab sofort auch handfeste Vorteile in Punkto Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Während uns zentralistisch organisierte Parteien ein Tourismuslogo aufzwingen wollen, das marketingpolitisch keinen Sinn macht — und dabei gleichzeitig einen Rückschritt im Zusammenleben darstellt (A. Adige statt endlich Sudtirolo) — zeigen sie uns aus Rom wie man es »besser« macht. Und setzen für ein neues staatliches Tourismusportal eine Summe in den Sand, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Sage und schreibe 45 Mio. Euro! Fünfundvierzig Millionen. Das ist ein Betrag, den die beste Webseite der Welt nicht rechtfertigen könnte – doch hier wurden zudem Nägel gemacht, die in ihrer Form nicht einmal als solche zu erkennen sind. Wahrlich das Land der Superlative.

Nach der Vorstellung von italia.it mit seinem neuen, potthässlichen Tourismuslogo (vulgo »die Gurke«) durch Minister Rutelli, haben italienische Bürger den sehr aufschlussreichen Blog »Scandaloitaliano« in Betrieb genommen. Dort wird u.a. in mühevoller Kleinarbeit eine Auflistung der zahllosen technischen und inhaltlichen Fehler versucht, die sich das überbezahlte Portal erlaubt. Einer davon: Die SMG existiert auch Wochen nach Inbetriebnahme von italia.it nicht. Mit der Region »Trentino Alto Adige« (großteils auch im Deutschen, Frau Gnecchi) ist lediglich die Seite www.trentino.to verlinkt. Irgendwie besser, denn so sehen die spärlichen und unübersichtlichen Informationen zu »unserer« Region aus:

Wo liegt das
Es handelt sich um die nördlichste Region Italiens an den Grenzen von Schweiz und Österreich.

Das Gebiet
Die Landschaft ist ein Wechselspiel von Bergen und Tälern. Hier entspringt der Adige, der zweite Hauptfluss Italiens.

Achso, immer wieder dieser Adige.

Im Archäologischen Museum Südtirols in Bozen können Sie unter einer Myriade von Statuen, Fundstücken, Waffen und Schmuckstücken, welche die lokale Geschichte vom Paläolithikum und Mesolithikum bis zur Karolingerzeit belegen, vor allem die „Bekanntschaft“ von Ötzi machen.

Was ist das für ein Satz? Und was bitte ist eine Myriade?

Was gibt es zu sehen
Wer keine typischen Klischees mag, für den ist Südtirol das ideale Reiseziel.

[…]

Natürlich dürfen in den Dolomiten die Bergseen (es gibt 297 eingetragene Seen) nicht fehlen: diese reichen vom Gardasee bis zum Molveno See und den Seen von Caldonazzo, Levico, Ledro und Prags.

Ja, der Gardasee liegt bekanntlich in den Dolomiten. Und was unterscheidet eingetragene von nicht eingetragenen Seen?

In Bezug auf Orangenblüten (normalerweise jeden zweiten Sonntag im Januar) findet in Kastelruth alljährlich eine Bauernhochzeit statt, eine Erinnerungszeremonie, welche das auf der Hochebene übliche Brauchtum seit den 70er Jahren aufleben lässt.

Was bitte bedeutet dieser Satz? Kann Brauchtum unüblich sein? Und blühen die berühmten Kastelruther Orangen nur jeden zweiten Sonntag, dafür aber schon im Jänner?

Für besonders Neugierige gibt es im August in Longariù (Bozen) das Mühlenfest mit ladinischen Spezialitäten und der Besichtigung der noch aktiven Mühlen, während die Feinschmecker am Speckfest in Bozen (im Mai) teilnehmen können. Dann werden noch die Tage des Sterzinger Joghurts (im Juli) veranstaltet.

Die Chronologie stimmt da wohl nicht ganz. Und Longariù (ladinisch Lungiarü, italienisch Longiarù, deutsch Campill) gibt es gar nicht.

Werbeträger
Der Extremsportler und Bergsteiger Reinhold Messner und der Olympiasieger im Alpenski Gustav Thöni wurden in dieser Region geboren. Doch auch andere historische Persönlichkeiten hielten sich hier auf. Zu diesen zählen die Söldnerführer Maximilian I von Österreich, Napoleon Bonaparte und Vittorio Emanuele III.

Alpenski? Werbeträger Napoleon? Wo hat der sich denn aufgehalten? Naja.

Zimmer mit Ausblick
Es gibt unterschiedliche Arten, den Urlaub in Trentino- Südtirol zu genießen. Doch die originellste Art besteht in einem Urlaub auf dem Bauernhof: Typische Holzhäuser mit stark abfallenden Dächern, die einen an den Hof von Heidis Großvater erinnern. Hier können Sie herrlich entspannen und sich von der ehrlichen Gastlichkeit der Hausbesitzer verwöhnen oder einer alpinen Wellnessbehandlung „verzaubern“ lassen. Zudem kommen Sie hier in den Genuss von traditionellen Gerichten, die Sie in keinem Restaurant der Stadt finden würden.

Heidis Großvater? A propos keine Klischees. Und Gerichte die man in keinem Restaurant der Stadt (welche? die Stadt Trentino-Südtirol?) finden würde? Hä?

Scandaloitaliano deckt aber auch noch weitere lustige, vom Steuerzahler teuer bezahlte Fehler auf. Ein echter Skandal. O-Ton:

Questo blog, aperto al contributo di tutti i professionisti del multimedia italiano, nasce per motivare meticolosamente, analiticamente, punto per punto perchè www.italia.it – il sito da 45 (quarantacinque) milioni (milioni) di euro (di soldi pubblici) – è un portale mal progettato, mal realizzato, mal scritto, e che grida vendetta nel suo essere scandaloso spreco di denaro pubblico, nonché un’offesa alla competenza e alla professionalità dei lavoratori del web italiano.

Kein Wunder, dass die Region Venetien im Interesse des eigenen Tourismus’ beantragt hat, gänzlich aus italia.it gelöscht zu werden.

Herr Landeshauptmann, Herr Engl: Finger weg von diesem Portal! Südtirol muss auch im Marketing unabhängig bleiben. Jetzt erst recht.

Seltene Eintracht.

Ein gutes Zeichen vor Gründung der Demokratischen Partei war die jüngste Haushalts- und Kürzungsdebatte zwischen Zentral-Rom und unserem Land. Unisono wie kaum machten sich Volkspartei und Mittelinks (und da besonders die Linksdemokraten) für eine Ausweitung der autonomen Zuständigkeiten stark, um aus dem Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen eine Win-Win-Situation zu schmieden: Südtirol verzichtet nur indirekt auf Mehrzuweisungen, indem es für neue Zuständigkeiten keine finanziellen Mittel fordert, sondern diese aus dem bestehenden Haushalt finanziert. Nach der ärgerlichen Dachmarken-Angelegenheit endlich wieder eine gute Nachricht von den linken Regierungsparteien.

Abgeschieden.

Verkehrsprojekte

Vorausgeschickt: Ich bin tendenziell für den Ausbau des Bozner Flughafens und gegen den Bau des BBT. Eine gefestigte Meinung habe ich jedoch vor allem zu letzterem noch nicht, weil ich zugeben muss, dass ich mich bis dato zu wenig damit auseinandergesetzt habe. Mit Sicherheit stört mich die bürgerferne, arrogante Vorgangsweise der BBT-Bauer.

Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob diejenigen, die beide Projekte gleichermaßen bekämpfen, nicht viel zu leichtfertig unseren Anschluss an die Außenwelt für einen manchmal etwas populistischen Umweltschutz opfern. Wären funktionierende Flugverbindungen, außer für den Wirtschaftsstandort, nicht auch und vor allem für unseren kulturellen Fortschritt von großem Nutzen — wenn nicht gar überlebenswichtig? Sicher wäre es mit einem Airport einfacher, unsere Uni mit renommierten Dozenten und »Visiting Professors« zu bestücken. Kongresse und Messen von überregionaler Bedeutung abzuhalten. Institutionen und Veranstaltungen wie das Stadt- bzw. Landestheater, das neue Museion, die Transart oder den Tanzsommer für ein internationales Publikum attraktiv zu machen — und von einem größeren Austausch zu profitieren. Neue Veranstaltungen zu etablieren oder hierzulande anzusiedeln. Und nicht zuletzt einen aufgeklärten Kulturtourismus zu fördern, der keine weitere Naturzerstörung (für Skipisten, Bettenburgen…) benötigt, und unserem Land auch inhaltlich zu Wachstum verhülfe.

Die Argumente der Flugplatzgegner kann ich zum Teil nachvollziehen, auch wenn sie großteils nach Mission und weniger nach basisdemokratischem Kampf um die Wählergunst klingen. Aber da bin ich vielleicht durch Vorwissen (Stichwort: Nimby) belastet. So wir uns jedoch gegen den »Airport Bozen Dolomiten« aussprechen – können wir uns wirklich leisten, auch noch auf eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zu wichtigen Drehscheiben im Norden und im Süden zu verzichten? Wäre das nicht die endgültige Besiegelung unserer Zukunft als Provinzkaff, das seine besten Köpfe zur Flucht ins Ausland antreibt?

Vergleichbare Städte in der (gewiss nicht umweltfeindlich gesinnten) Schweiz haben sich für einen Flughafen und für die Anbindung an den schnellen Zugverkehr entschieden. Die Frage nach den Proportionen ist besonders im Fall des BBT mit Sicherheit erlaubt. Aber einen Rückschritt sollten wir uns nicht leisten.