Art. 5 GG: »Die Kunst ist freiheitlich«.

Gerade während in Berlin die Wogen hochgehen, weil an der Deutschen Oper die Aufführungen von Mozarts Idomeneo aus zweifelhaften Sicherheitsgründen unterbrochen wurden, verschwindet in Bozen sang- und klanglos eine Kunstinstallation: Aus rein politisch-ideologischen Gründen — weil sie angeblich (!) dem Kommunismus huldige. Die Kunst, sie ist in Südtirol nicht frei.

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Catalunya-Euskadi 2:2.

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Im Nou Camp, dem Fußballstadion des FC Barça, ist am heutigen Abend (0810) vor ausverkauften Rängen und prominentem Publikum das Länderspiel Katalonien [wiki] gegen Baskenland [wiki] [Fotos] mit einem Patt zu Ende gegangen. Erklärtes Ziel der Austragung war die Sensibilisierung der internationalen Öffentlichkeit: Genauso wie Wales oder Schottland beanspruchen beide »Nationen ohne Staat« das Recht, eigene Mannschaften in internationale Turniere zu entsenden. Die hohen Zuschauerzahlen, die breite gesellschaftliche Unterstützung sowie die hochkarätige Besetzung* beider Teams verleihen diesem Anliegen Nachdruck und Autorität.

[youtube]V8BSOZAE_TE[/youtube]

Das Spiel wurde sowohl vom öffentlich-rechtlichen katalanischen Sender TVCi als auch vom baskischen etb – beide auch in Südtirol empfänglich – live per Satelliten übertragen.

Das katalanische und das baskische Team tragen außerdem regelmäßig Freundschaftsspiele mit anerkannten Mannschaften aus. So hat Katalonien jüngst WM-Teilnehmer Costa Rica mit 2:0 besiegt. Daneben planen die Organisatoren des heutigen Sportereignisses nun mittelfristig ein offizielles Turnier mit Nationalteams anderer staatenloser Nationen, um die Kräfte ihres Engagements zu bündeln. Wird auch Südtirol dabei sein? Und vor allem: Wird Südtirol – abseits der Sonntagsreden – endlich analoge Tatsachen im Kernbereich der hierzulande populären und erfolgreichen Sportarten (allen voran der Wintersport) schaffen?

Mehr Infos: | [Bask. Fußballverband] [Katal. Fußballverband]


*) Zusammensetzung der Mannschaften:

Catalunya:

RCD Espanyol: Ferran Corominas, Moisés Hurtado und Jonathan Soriano.
FC Barcelona: Và­ctor Valdés, Albert Jorquera und Oleguer Presas.
RCD Deportivo: Sergio Gonzà¡lez, Albert Lopo und Joan Verdú.
RCD Mallorca: Fernando Navarro und Jordi López.
Gimnà¡stic Tarragona: Antonio Pinilla und Oscar López.
València: Curro Torres.
Real Zaragoza: Sergio Garcà­a.
Getafe: David Belenguer.
Ajax: Roger Garcà­a.
Monaco: Gerard López.
Newcastle: Albert Luque.

Euskadi:

Athletic Club Bilbao: Aduriz, Casas, Gabilondo, Lafuente, Tiko, Orbaiz, Murillo und Llorente.
Real Sociedad: Riesgo, Alonso, Aitor López Rekarte, Labaka, Garitano, Gari und Aranburu.
Gimnà¡stic Tarragona: David Cuéllar.
Middlesborough: Gaizka Mendieta.
Osasuna: Cruchaga und Muñoz.
Sevilla: Aitor Ocio.

Zahlreiche Spieler der spanischen Nationalelf konnten nicht einberufen werden, weil sich die Mannschaft in einem Trainingslager auf das kommende Spiel gegen Argentinien vorbereitet.

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¿Einende Relikte?

Vor wenigen Wochen wurden den Links in der Seitenleiste die faschistischen Relikte hinzugefügt, weil diese Seite – abgesehen von manchen Äußerungen, die im Gästebuch geduldet werden – einen wichtigen Zweck erfüllt: Zum einen handelt es sich um eine löbliche Sensibilisierungskampagne, andererseits werden die faschistischen Überbleibsel aber auch umfassend katalogisiert, archiviert und in ihren geschichtlichen Kontext gestellt. Die Enttarnung und Historisierung erfolgt also bereits auf virtuellem Wege, wodurch ein Teil der impliziten Forderung nach kollektiver Aufarbeitung bereits erfüllt wird.

Diese Arbeit würde eine Übersetzung ins Italienische verdienen, weil sie dann ein wunderbarer Beitrag zu einer gemeinsamen Geschichte wäre. Solange wir jedoch nur uns selbst erzählen, was wir großteils bereits wissen, werden wir keinen Konsens über den Umgang mit diesen frei herumstehenden, beschämenden Monumenten der Tyrannei erlangen.

Wie Historiker und Landtagsabgeordneter Hans Heiss am 9. September in der Kusanus-Akademie unterstrichen hat, wäre ein so gedankenloser Umgang mit faschistischer Symbolik »in Deutschland nicht möglich«. Arbeiten wir gemeinsam daran, dies auf Südtirol auszudehnen.

Arch+Raum Faschismen Geschichte | Faschistische Relikte Geschichtsaufarbeitung | Hans Heiss | | | Vërc | Deutsch

Codi Civil.

Gerne verlautbart unsere oberste Politikerkaste, wie autonom und unabhängig wir doch schon seien: Außer wenigen Details regelten wir doch schon alles selbst, Rom mische sich nur noch am Rande in unsere Belange ein. Doch stimmt das? Mitnichten! Es gibt eigentlich kaum einen Lebensbereich, in den sich die nationale Gesetzgebung nicht einmischt. Dies gilt auch und vor allem für das allgemeine Privatrecht, das vom staatlichen Zivilgesetzbuch geregelt wird. Über so wesentliche Bereiche wie die Rechtsbeziehungen zwischen Privatpersonen, Familienrecht, Erbrecht, Besitz und vieles mehr befindet ausschließlich Rom, das Land Südtirol regelt – wenn überhaupt – nur unwesentliche Details. Also in etwa das genaue Gegenteil von dem, was behauptet wird und landläufige Meinung ist. Maßgebend ist außerdem stets ausschließlich der italienische Wortlaut der Gesetze*. Das wird dann Vorzeigeautonomie genannt, oder etwa in blanker Selbstüberschätzung innere Selbstbestimmung.

Wie das anders geht, zeigt wieder einmal unser Paradebeispiel Katalonien (es wird schon fast langweilig). Der Codi Civil de Catalunya, das Bürgerliche Gesetzbuch Kataloniens, ist Ausdruck des tatsächlichen Ausmaßes an Eigenregierung, das die Katalanen im Gegensatz zu Südtirol bereits erlangt haben. Dieses Gesetzbuch regelt weite Teil des Privatrechts autonom vom spanischen Zentralstaat und kommt stets bevorzugt zur Anwendung, hat also gegenüber den staatlichen Vorschriften Vorrang.

Hier zur Vertiefung der Link zur digitalisierten Version des Codi Civil de Catalunya auf den Seiten der Universität von Girona.

Und zum Vergleich der LEXbrowser des Landes Südtirol.

Siehe auch:

*) Dieser Grundsatz gilt im Übrigen auch für die Gesetze des Landes Südtirol. Art. 99 des Autonomiestatuts hält dazu fest: »Die deutsche Sprache ist in der Region der italienischen Sprache, welche die amtliche Staatssprache ist, gleichgestellt. In den Akten mit Gesetzeskraft und immer dann, wenn dieses Statut eine zweisprachige Fassung vorsieht, ist der italienische Wortlaut maßgebend.« Dies bedeutet, dass Normen, die großteils auf Deutsch ersonnen, besprochen und verabschiedet wurden, nur in ihrer italienischen Übersetzung Gültigkeit haben und interpretiert werden dürfen. Eine klare Herabwürdigung der deutschen Sprache, wie sie dem Katalanischen nicht zuteil wird.

Comparatio Recht Selbstbestimmung Vorzeigeautonomie Zuständigkeiten | Autonomievergleich | | | Catalunya | GENCAT | Deutsch

Vertiefung neu.

In der rechten Seitenleiste sind unter dem Titel »Vertiefung« ab sofort die Links zur italienischen und englischen Übersetzung des neuen katalanischen Autonomiestatuts [pdf] zu finden.

Obschon dieses neue Grundgesetz viel Neues beinhaltet — darunter einiges, wovon Südtirol nur träumen kann — ist die vorliegende, endgültige Fassung nur noch ein Abklatsch dessen, was das katalanische Parlament als Grundlage zur Diskussion mit dem spanischen Zentralstaat ausgearbeitet und mit überwältigender Mehrheit (rund 90%*) angenommen hatte. Hier und hier [pdf] ein Vergleich zwischen der ursprünglichen und der in Madrid zurechtgestutzten Version: Verständlich, dass independentistische Parteien und Organisationen beim Referendum zum »Nein« aufgerufen haben.

*) Spaniens Premierminister José Luis Rodrà­guez Zapatero (PSOE) hatte dem Präsidenten der katalanischen Generalitat, seinem Parteigenossen Pasqual Maragall (PSC), bei einem Treffen in Barcelona immerhin öffentlich versprochen, eine Vorlage des Estatuts, sofern von einer breiten Mehrheit des katalanischen Parlaments verabschiedet, in Madrid ohne Abstriche zu beschließen.

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