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  • Bonjour, Grüezi, Hello?

    In einem Kommentar wurde auf diese höchst interessante Diskussion im Schweizer Fernsehen zum Thema Mehrsprachigkeit und Dialekt hingewiesen. Ich habe beschlossen, der Sendung — unter anderem in der Hoffnung auf eine angeregte Debatte — einen eigenen Eintrag zu widmen. Die Parallelen zu Südtirol sind zum Teil frappierend.

    https://www.srf.ch/play/tv/club/video/bonjour-grueezi-hello-verstehen-sie-schweizerisch?urn=urn:srf:video:13ae564c-0691-4190-9fdd-b1f4afcb121a

    Bitte nicht von den ersten Minuten entmutigen lassen: Obwohl die Sendung auf Schweizerdeutsch beginnt, wird die Diskussion dann auf Hochdeutsch geführt.



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  • RSI kommt.

    Die Landesregierung hatte die Landesrundfunkanstalt RAS kürzlich damit beauftragt, die Ausstrahlung von ORF1 und ORF2 HD, Arte, BBC one und SRG HD Suisse ins Programm zu übernehmen. Einige freigebliebene Frequenzen müssen nämlich baldestmöglich besetzt werden, da sie vom Staat andernfalls an andere vergeben werden. Da mit BBC aus rechtlichen und mit SRG HD aus technischen Gründen keine Zusammenarbeit zustandegekommen ist, hat sich die Landesregierung in ihrer heutigen Sitzung auf zwei neue Sender festgelegt. Es handelt sich um 3Sat und um das erste italienische Programm La1 des Schweizer Fernsehens (RSI – Radiotelevisione della Svizzera Italiana).

    Letztere Entscheidung begrüße ich ganz besonders, da sie den italienischen Sehern einen neuen, externen Blick auf das internationale und italienische Geschehen bietet, während den Südtirolern aller Sprachgruppen die Realität der Schweiz als mehrsprachiges Land verdeutlicht wird. Außerdem ist es ein indirekter Beitrag dazu, die Zugehörigkeit zum italienischen Kulturraum nicht zwingend als Zugehörigkeit zum italienischen Staat zu verstehen.

    Aus ganz ähnlichen Überlegungen hatte ich (hier) bereits vor über drei Jahren dafür plädiert, den italienischen Rundfunk der Schweiz nach Südtirol zu holen.

    Cëla enghe: 01



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  • Forum für Kollektivrechte.

    Forum Mundial.

    Heute hat in Girona/Katalonien das World Forum for the Collective Rights of Peoples begonnen, das vom ciemen im Rahmen des diesjährigen World Social Forum organisiert und ausgetragen wird. Ziel des Forums ist es, Vertreter sozialer, kultureller, politischer und gewerkschaftlicher Vereine und Organisationen aus Minderheitenregionen und »staatenlosen« Nationen zusammenzubringen, um gemeinsam ein Netzwerk der kollektiven Völkerrechte aufzubauen.

    Unterstützt wird dieses Forum von der katalanischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und der Generalitat der Catalunya. Während der viertägigen Veranstaltung werden die Beteiligten an Konferenzen, Debatten und anderen öffentlichen Ereignissen teilnehmen. Darüberhinaus werden sie sich mit Intellektuellen, Forschungseinrichtungen und Organisationen treffen, die sich der Stärkung von Minderheitenrechten widmen.

    Hier geht es zu einer detaillierten Beschreibung der Veranstaltungsziele.

    Es nehmen unter anderem Vertreter aus Québec, Kurdistan, Baskenland, Bretagne und südamerikanische Mapuches teil. Aus Italien reisen Vertreter des Syndicat Autonome de la Vallée d’Aoste und des friaulischen Conseu an. Südtirol ist nicht vertreten. Auf dieser interaktiven Karte sind alle teilnehmenden Organisationen verzeichnet:
    Fòrum pels Drets dels Pobles in Google Maps anzeigen.



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  • Drei Tage Haft.

    Wie befürchtet hat sich die Landesregierung diese Woche dafür entschlossen, aus rein politisch-ideologischen Gründen — medizinische gibt es keine — Frauen drei Tage lang im Krankenhaus festzuhalten, nachdem sie mittels Pille einen Schwangerschaftsabbruch »begangen« haben. Dieselbe für den Steuerzahler sehr kostspielige Strafmaßnahme gilt nicht für chirurgische Abtreibungen. Italien ist weltweit das einzige Land, das die Vergabe der sogenannten RU-486 mit einem Krankenhausaufenthalt verknüfpt.

    Reichlich sonderbar mutet die offizielle Begründung für diesen Schritt an: Man habe sich an eine Empfehlung aus Rom gehalten. Hätte man anders entschieden, wäre das Land Südtirol dafür verantwortlich. Dass Autonomie Verantwortung bedeutet, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Schöpft man den (geringen) Handlungsspielraum nicht aus, weil man nicht den Mut dazu hat, kann man den Laden auch gleich dichtmachen.

    Zahlreiche italienische Regionen mit Normalstatut (!) haben ihre Entscheidungsbefugnis ausgeschöpft und geben die Pille in »eintägiger Behandlung« ab.
    Im Vorfeld des Beschlusses hatte die Landesregierung großmundig verkündet, sie würde sich strikt an medizinische Erwägungen halten. Sie wollte sich diesbezüglich auch in Innsbruck erkundigen, wo die Pille seit elf Jahren ohne Zwangsaufenthalt verabreicht wird. Offensichtlich erfolglos.

    Cëla enghe: 01



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  • Impugnata la 5/10 FVG.

    Frià»l.

    Contrariamente a ciò che riferisce il portale Südtirol Online il governo centrale di Roma non ha impugnato davanti alla Corte costituzionale una legge di tutela della Lingua Friulana, bensì un tentativo di sabotare il già di per se povero plurilinguismo della Regione Autonoma. La legge 5/10 recentemente approvata dal Consiglio Regionale, infatti, prevedeva l’equiparazione alla Lingua Friulana di un vasto numero di dialetti veneti presenti sul territorio — o meno. Infatti, oltre a varietà come il maranese ed il gradese il provvedimento prevedeva la tutela dei dialetti veneti dell’Istria e della Dalmazia, riferibili a territori che si trovano in territorio sloveno e croato, ed introducendole come materie scolastiche obbligatorie.

    Il tutto con il chiaro fine di sfocare ulteriormente la percezione del friulano in quanto lingua, facendolo sprofondare nella melma di una babele ridicola ed insostenibile. È siginificativo che la legge sia stata approvata con il sostegno di quei partiti che più attivamente avevano sollecitato l’impugnazione della Legge Regionale 29/07, che avrebbe dovuto dare attuazione alla tutela costituzionale del friulano. Quella della confusione è una strategia ormai affermata per delegittimare le minoranze autoctone, con la quale devono confrontarsi anche i ladini dolomitani, da quando sia in Cadore che in Val di Non alcuni comuni si sono autodichiarati «ladini» pur non essendolo, al semplice scopo di assicurarsi mezzi economici che non gli spettano.

    Oltre ai partiti più centralisti anche la Lega Nord aveva dato il proprio sostegno alla 5/10, evidenziando la propria assoluta (e controproducente) ignoranza in termini culturali e linguistici — fatto che ho già avuto modo di criticare.

    Ovviamente l’impugnazione della legge era assolutamente prevedibile, ma la vergognosa strategia di delegittimazione portata avanti sistematicamente in Friuli sortirà comunque i suoi effetti, perché la melma della dialettizzazione qualche macchia sul friulano la lascerà. Anzi, l’impugnazione porterà acqua al mulino di chi predica la superiorità della Lingua Unica Nazionale.



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  • Piusbruder verurteilt.

    http://www.youtube.com/watch?v=VxuXMz4_bkY

    Der katholische Bischof Williamson wurde vom Amtsgericht Regensburg wegen Volksverhetzung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. In einem Fernsehinterview mit einem schwedischen Sender, das in der bayrischen Stadt aufgezeichnet wurde, hatte der Geistliche Ende 2008 den Holocaust bestritten. Williamson gehört der umstrittenen Piusbruderschaft an, deren irregulär geweihte Bischöfe der Papst 2009 zurück in den Schoß der Kirche holte, indem er ihre Exkommunikation aufhob.

    Im Oktober 2009 hatte das Amtsgericht Regensburg einen Haftbefehl und eine Geldstrafe in Höhe von EUR 12.000,- gegen Williamson erlassen, gegen welche der Geistliche Einspruch einlegte. In der daraus resultierenden Verhandlung, der Williamson fernblieb, wurde die Strafe geringfügig auf EUR 10.000,- reduziert.



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  • +++ Krisenmanagement.

    +++ Aktueller Nachtrag: Grüne Nummer für Angehörige/Zugunglück im Vinschgau: 800 751 751 +++

    Ich hoffe es wird mir nicht als Pietätslosigkeit ausgelegt, dass ich das Krisenmanagement im Zusammenhang mit dem heutigen Zugunglück schon kritisiere, während die Bergungsarbeiten noch im Gange sind. Nach Gesprächen mit Bekannten möchte ich hiermit vielmehr dazu beitragen, dass sich vielleicht noch etwas ändert und rasch nachgebessert wird.

    Ich habe eigentlich wenig Zweifel, dass das Krisenmanagement vor Ort durch Feuerwehren und Rettungskräfte professionell abläuft. Was (nicht nur) mich bestürzt, ist die Informationspolitik — nicht sosehr für die zu Recht informationsdurstige Bevölkerung, sondern v.a. für Verwandte und Bekannte möglicher Opfer.

    Im Bürgernetz war — außer eine telegraphische Pressemitteilung — bis 12.00 Uhr Mittag kein Hinweis auf das Unglück zu lesen. Mittlerweile hat das Landespresseamt reagiert, eine Infonummer für Angehörige wird aber noch immer nicht angeboten.

    Die Seiten von SAD und Vinschger Bahn sehen noch immer so aus, als wäre gar nichts passiert — also ebenfalls keine Infos für besorgte Angehörige.

    Gleichzeitig erweisen sich auch die Südtiroler Medien nicht fähig, eine so wichtige Krise zu managen und ihrem Informationsauftrag nachzukommen. Südtirol Online war bis nach Mittag hoffnungslos überlastet und über Stunden nicht zugänglich. Bei Südtirol News war bis kurz vor Mittag die Nachricht vom Unfall gar nicht eingetroffen. Beim Alto Adige ist in ein und demselben Artikel gleichzeitig von keinen Toten und acht Toten die Rede.

    Den Angehörigen der Opfer gilt mein Mitgefühl.



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  • RU-486.

    Autor:a

    ai

    |

    54 Comentârs → on RU-486.

    Grundsätzlich kann man für oder gegen die Abtreibung sein. Ich selbst habe keinen Zweifel, dass Frauen — gerne nach entsprechender Beratung — dieses Recht zusteht, obschon ich natürlich hoffe, dass möglichst wenige davon Gebrauch machen (müssen). Die Politik sollte sich darauf beschränken, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um Schwangerschaftsabbrüche weitgehend überflüssig zu machen, ohne jedoch durch Gebote und Verbote direkt Einfluss auf den Körper der Frau zu nehmen.

    Egal jedoch, ob man Abtreibungsgegner oder -befürworter ist, finde ich die derzeitige Diskussion um die Abtreibungspille RU-486 (Mifepriston/Mifegyne) grotesk und einer liberalen demokratischen Gesellschaft völlig unwürdig. Es steht nämlich nicht der Schwangerschaftsabbruch per se zur Diskussion, obgleich manche diesen Eindruck vermitteln, sondern lediglich eine Methode, die für die betroffenen Frauen physisch und psychisch schonender ist. Sie ihnen — mit welcher Begründung auch immer — vorzuenthalten kommt einer Bestrafung gleich. Wobei man davon ausgehen kann, dass keine Frau leichtfertig entscheidet, ihre Schwangerschaft abzubrechen; viele haben außerdem auch so schon jahrelang daran zu leiden.

    Ohnehin ist Italien mit der Zuslassung dieser Pille im Vergleich zu den meisten anderen westlichen Ländern arg in Verzug: Sie wurde schon 1988 im laizistischen Frankreich, 1991 in Großbritannien, 1992 in Schweden und dann vor elf Jahren (1999) in fast allen anderen westeuropäischen Ländern — einschließlich Deutschland, der Schweiz und Österreich — zugelassen. Diese italienische Verspätung ist mitunter durch den direkten und konstanten Einfluss der katholischen Kirche auf die italienische Politik zu erklären.

    In allen Ländern hat sich selbst nach Jahren gezeigt, dass die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche dadurch nicht zugenommen hat, dass mit dem Präparat eine schonendere Alternative zur chirurgischen Abtreibung angeboten wird. Ihr Gewissen stellt also einen übergeordneten Filter dar, der Frauen von einem Schwangerschaftsabbruch abhält, wenn sie ihn nicht für unbedingt notwendig halten. Haben sie sich einmal dafür entschieden, lassen sie sich aber auch nicht durch die Schwere des Eingriffs abschrecken.

    Genauso als Betrafung anzusehen ist die vor allem politisch motivierte — und offensichtlich durch keine medizinische Notwendigkeit zu rechtfertigende — Entscheidung, Frauen zwangsweise drei Tage lang im Krankenhaus zu behalten, nachdem sie die Pille eingenommen haben. Innerhalb Italiens variiert die Prozedur, da diese Entscheidung in den Zuständigkeitsbereich der Regionen fällt. Das Trentino oder die Emilia-Romagna haben sich für eine »eintägige« Behandlung entschieden, andere Regionen nehmen die Frau für mehrere Tage in Sicherheitsverwahrung — eine Vorschrift, die in keinem anderen Land der Welt gilt. Wobei ins Auge fällt, dass eine herkömmliche, chirurgische Abtreibung ambulant erfolgt, die Frau das Krankenhaus also in der Regel noch am selben Tag des Eingriffs verlassen kann.

    Die Südtiroler Landesregierung hat noch keine diesbezügliche Richtlinien erlassen und befindet sich somit in grober Verspätung. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass sie sich strikt an medizinische Erwägungen hält und nicht in den Chor der Ideologen einstimmt, welche am Körper der Frau eine entwürdigende politische Schlacht austragen.

    Cëla enghe: 01 02



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