Geldinstitute.

Wie bereits weiter unten beschrieben, sind Geldinstitute in Katalonien – anders als in Südtirol – verpflichtet, im Sinne des Konsumentenschutzes mindestens die dortige Landessprache zu gebrauchen. Verträge und andere Dokumente müssen darüber hinaus in getrennten Exemplaren auf Kastilisch und Katalanisch aufliegen und/oder verfügbar sein. Über diese Pflicht gehen die Bankhäuser weit hinaus, indem sie beispielsweise auch außerhalb der Minderheitenregionen zahlreiche Dienste in der Sprache des Kunden anbieten, so etwa am Bankomaten:

Geldautomat.

Diese (leider etwas unscharfe) Aufnahme wurde in Madrid gemacht. Zu sehen ist unter Benützung einer spanischen oder einer ausländischen Plastikkarte eine Sprachwahl, die Katalanisch, Galicisch und Baskisch (Euskara) – samt Landesflaggen – mit berücksichtigt. Dies gilt für so gut wie alle Geldinstitute, sogar die »Caja de Madrid«, also typische Regionalbanken. (Hier im Bild: Ein Geldautomat von »la Caixa« in der spanischen Hauptstadt.)

Zum Vergleich: In Südtirol bieten in der Regel nur heimische Banken Kunden mit inländischen Karten die Sprachauswahl überhaupt an. Ladinisch ist nicht dabei. Und selbst die Volksbank bietet am Automaten nur gebrochenes Deutsch. Banken, die nicht in Südtirol sässig sind, hier jedoch Filialen betreiben, bieten eine andere Sprache als Italienisch (siehe) nur unter Benützung ausländischer Karten. Die freie Wahl der Sprache für einen Südtiroler in Rom (analog zu Spanien) wäre ohnehin undenkbar.

Ähnlich wie in Spanien funktioniert das System auch in der nahen Eidgenossenschaft. In beiden Ländern nutzen manche Banken auch die Möglichkeit, die bevorzugte Sprache des Kunden in einer Datenbank oder direkt auf der Karte abzuspeichern, sodass bei Nutzung der bankeigenen Automaten die richtige Sprache automatisch angewählt wird.

Estatut06.

Ich werde hier versuchen so viele Informationen wie möglich über die neue katalanische Landesverfassung zusammenzutragen und möglichst in deutscher Sprache verfügbar zu machen. Denn was man nicht kennt, kann man sich schwer zum Vorbild machen – ein weiterer bescheidener Beitrag zur Überwindung unserer Lage als Jünger der Vorzeigeautonomie:

• Die katalanische Tageszeitung El Periodico de Catalunya hat themenweise und stichpunktartig die wichtigsten Neuerungen des neuen »Estatut« aufgeschlüsselt. Meine erste Anstrengung wird sein, diese Aufschlüsselung des Textes an dieser Stelle wiederzugeben:

Identitat: El text recull literalment el reconeixement de Catalunya com a nació

Identität: Der Text nimmt wörtlich die Anerkennung Kataloniens als Nation auf

Der erste Titel des »Estatut« vereint die grundlegenden identitären Definitionen des Textes auf sich. Katalonien wird als Nationalität bezeichnet, es wird die Pflicht aufgestellt, die katalanische Sprache zu kennen, es werden Beziehungen zum Staat bezüglich Autonomie, Bi- und Multilateralität festgeschrieben und außerdem wird die Besonderheit des aranesichen Volkes anerkannt.

Der erste Artikel nimmt wörtlich Bezug auf die Anerkennung Kataloniens als Nation.

Das Katalanische erhält die gleiche Behandlung wie das Kastilische. Der Text umfasst die Pflicht, die katalanische Sprache zu beherrschen.

Es wird festgestellt, dass die Beziehungen zum Staat sich auf dem Grundsatz stützen, dass »die Generalitat der Staat ist« und zwar durch die Prinzipien der Autonomie, der Bi- und Multilateralität.

Der erste Artikel stellt fest, dass die Eigenregierung Kataloniens als Nation sich auf das Grundgesetz und die historischen Rechte des katalanischen Volkes stützt.

Des politischen Zustandes als »Katalanen« erfreuen sich die Bürger des Staates, die ihren Wohnsitz in Katalonien haben.

Der erste Artikel verfügt, dass die Symbole Kataloniens die Flagge (die traditionelle mit vier roten Streifen auf gelbem Hintergrund), das Fest des Elften September und die Hymne (Els Segadors) sind.

Der Text bestimmt, dass das aranesische Volk seine Eigenregierung mittels dieses Statuts ausübt. Weitere Artikel anerkennen Aran als »nationale Realität« und schützen seine Eigenheit durch spezielle juridische Normen.

Model social: La proposta especifica principis rectors en politiques sobre vivenda, infància o foment de la llengua catalana

Sozialmodell: Die Vorlage beschreibt die Grundprinzipien in Wohnbau, Jugendpolitik oder Förderung der katalanischen Sprache

Das »Estatut« beinhaltet neuartige Wege im zivilen, sozialen und sprachlichen Bereich, die den Geist des neuen Statuts in Angelegenheiten wie »würdevoller Tod«, Recht auf Wohnung oder Umweltschutz widerspiegeln.

Ziviler Bereich

Die Senioren haben ein Recht auf würdevolles Leben, ohne dass sie aufgrund ihres Alters diskriminiert werden dürfen.

Die Jugend hat Recht auf die nötige und umfassende Aufmerksamkeit, die für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihr Wohlergehen im sozialen Kontext vonnöten ist.

Die Frauen haben Anrecht auf die freie Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten, würdevoll zu leben, auf Sicherheit und Autonomie, frei von Diskriminierung. Die Frauen haben ein Recht darauf, dass die öffentlichen Institutionen für die Durchsetzung des Chancengleichheitsprinzips zu sorgen haben.

Es gibt ein Recht, »den Sterbeprozess würdevoll zu leben« und eigene Absichten vorab kundzumachen, die über (erwünschte) Eingriffe und ärztliche Behandlung klarheit verschaffen.

Sozialer Bereich

Die öffentlichen Institutionen haben Maßnahmen zu ergreifen um sicherzustellen dass Menschen mit unzureichenden (finanziellen) Mitteln Zugang zu einer würdevollen Wohnmöglichkeit erhalten.

Recht auf Leben in einer ausgeglichenen, nachhaltigen und gesundheitsverträglichen Umwelt.

Förderung und Verbreitung der Sprache

Die öffentlichen Institutionen Kataloniens haben die katalanische Sprache in sämtlichen Bereichen und Sektoren zu schützen und ihren Gebrauch, Verbreitung und Kenntnis zu fördern.

Die Sprachförderungspolitik muss auf das gesamte Staatsgebiet, auf die Europäische Union und die restlichen Länder ausgeweitet werden.

Die öffentlichen Institutionen Kataloniens müssen fördern, dass die Daten von Etikettierung und Verpackung sowie die Bedienungsanleitungen von Produkten, die in Katalonien hergestellt und verteilt werden, mindestens auf Katalanisch abgefasst werden.

Institucions: Es millora la regulació sobre el poder local, s’introdueix el concepte de vegueria i es reforça el Tribunal Superior de Justicia de Catalunya

Institutionen: Die Regulierung lokaler Institutionen wird verbessert, die »Vegueria« (historische katalanische Verwaltungseinheit, Anm.) eingeführt und der Katalanische Oberste Gerichtshof gestärkt

Die Vorlage vertieft die institutionelle Struktur der Generalitat, indem sie der lokalen Administration und deren Beziehungen zur Generalitat eine wichtigere Rolle zuspricht. Das neue Statut schreitet außerdem zur territorialen Organisation Kataloniens in »Vegueries« und Kommunen.

Die Figur des »Conseller Primer« wird eingeführt und zudem die grundlegenden Aspekte des Rates für Statutsgarantien, des Beschwerdegerichts und des Rechnungshofes geregelt.

Der Text bindet die Lokalkörperschaften (direkt) ins Statut ein, indem eine unmittelbare Beziehung zwischen Kommunalverwaltungen und Generalitat gefördert wird. Katalonien strukturiert seine neue Territorialorganisation in Kommunen und »Vegueries«.

Die autonome Regierung und Verwaltung einer »Vegueria« kommt dem Rat der Vegueria zu, der sich aus dem Präsidenten und den Räten zusammensetzt. Der Vegueria-Rat ersetzt außerdem die (bisher auf kastilischem Modell bestehenden) Diputationen.

Die »Comarca« (Kreis) wird als Lokalkörperschaft anerkannt, die Ausdruck des Zusammenarbeits- und Zusammenschlusswillens der Kommunen ist und die Schaffung weiterer übergemeindlicher Körperschaften ermöglicht.

Ein spezieller Status ist für die Gemeinde Barcelona vorgesehen, »herzustellen durch ein Gesetz des (katalanischen) Parlaments«.

Die Position des Katalanischen Obersten Gerichtshofs wird – als letzte Instanz sämtlicher in Katalonien begonnener Prozesse – gestärkt.

Competencies: S’amplien les competències de la Generalitat i es demana a l’Estat la delegació en la gestió de noves matèries

Zuständigkeiten: Die Kompetenzen der Generalitat werden erweitert. Vom Staat wird die Delegierung in der Verwaltung weiterer Bereiche verlangt.

Eines der wichtigsten Ziele des Estatuts ist die Erweiterung der Zuständigkeiten. Außer die Bereiche festzuschreiben, die Kompetenz der Generalitat sind, beinhaltet der Text die Forderung an den Staat, weitere Bereiche zu delegieren.

Zuständigkeit über die Bestimmungen zu Aufenthalt und Wohnsitz von Ausländern sowie die Sanktionen in diesem Bereich.

Führung der Häfen und Flughäfen von öffentlichem Interesse, die sich in Katalonien befinden.

Zuständigkeit für die Einberufung von Referenda und Volksbefragungen.

Verwaltung der Telekommunikationsinfrastruktur auf dem Gebiet Kataloniens.

Umsetzung der staatlichen Gesetzgebung im Transit, Fahrzeugverkehr und Verkehrssicherheit.

Umsetzung der staatlichen Gesetzgebung zu Überwachung und Kontrolle von Ein- und Ausfuhr sowie Ein- und Ausreise von Gütern und Personen aus dem Staatsgebiet, Überwachung und Kontrolle von Küste, Häfen und Flughäfen, sowie die Prävention, Ermittlung und Verfolgung von Delikten die mit dem organisierten Verbrechen und dem Terrorismus in Verbindung stehen.

Die Regulierung der Ausstellungs- und Anerkennungsbedingungen akademischer und professioneller Titel.

Die Ausübung dieser Zuständigkeiten wird durch »reduktionistische« Interpretationen über die Definition ausschließlicher, gemeinsamer und exekutiver Zuständigkeiten garantiert.

Finançament: Es demana la capacitat normativa i fiscal sobre els impostos que suporta Catalunya. Es reforça l’Agència Tributària de Catalunya i la solidaritat amb altres autonomies es determinarà mitjançant una comissió mixta

Finanzierung: Es wird die gesetzgeberische und steuerrechtliche Zuständigkeit über die in Katalonien bezahlten Steuern beantragt. Die Katalanische Steuerbehörde wird gestärkt und die Solidarität mit anderen Regionen über eine gemischte Kommission festgelegt.

Das Finanzierungsmodell war das Schlachtross unter den Ansprüchen verschiedener Parteien im Vorfeld der Statutsreform. Die genehmigte Vorlage legt eine höhere wirtschaftliche Unabhängigkeit Kataloniens fest und bestimmt eine steuerliche Beziehung zwischen Katalonien und dem Zentralstaat, die paritär (gleichberechtigt) und bilateral ist.

Die Generalitat erhält die gesetzgeberische Zuständigkeit und die steuerrechtliche Verantwortung über sämtliche staatliche Steuern, die in Katalonien eingetrieben werden, sowie auch über die Teilnahme an den Einnahmen.

Die Generalitat erhält Eingriffsrecht bei der Festlegung der wichtigsten Steuerelemente und, speziell, bei der Ermittlung der Sätze.

Die Katalanische Steuerbehörde wird für die Verwaltung, Eintreibung, Auszahlung und Inspektion sämtlicher eigener und überlassener (delegierter) Steuern verantwortlich.

Ein Teil der Steuereinnahmen Kataloniens werden dem Staat für die Finanzierung seiner Dienste und Zuständigkeiten übergeben. Eine gemischte Kommission wird den Beitrag Kataloniens zum Staatshaushalt ermitteln.

Die Generalitat wird zur Solidarität mit den restlichen Regionen beitragen. Dieser Beitrag wird unter Kriterien der Gerechtigkeit stattfinden, gemessen an der Bevölkerungsstärke und der Wirtschaftskraft.

Der Text bestimmt, dass es der Generalitat zusteht, die Grenzen und Bedingungen zur Erlangung der Haushaltskonsolidierung festzulegen, und zwar im Rahmen der Prinzipien, die der Staat und die Europäische Union festlegen.

Quelle: El Periodico de Catalunya
Links: [1] [2]

Volkes Stimme.

Am heutigen Sonntag entscheiden die BürgerInnen Kataloniens in einem Referendum über Annahme oder Zurückweisung des neuen Autonomiestatuts, das seit Beginn seiner Reform zwei Jahre zurückgelegt hat und zuletzt von den »Cortes«, dem Zentralparlament, zurechtgestutzt wurde.

Dennoch bleibt die Vorlage ein Vorbild dafür, was eine Region heute an Selbstregierung innerhalb eines Staates erreichen kann und stellt damit — auch an Dynamik — das sklerotische Autonomiestatut Südtirols in weiten Teilen in den Schatten.

Die offizielle Informationsseite zur neuen katalanischen Landesverfassung, mit Erläuterungen und einem Vergleich zwischen altem und neuem Statut, sowie zwischen der Vorlage, die das katalanische Parlament verabschiedet hatte und dem endgültigen Text, der heute der Stimmbevölkerung vorliegt.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] | [Amtl. Ergebnis]

La coda di Gerione (24).

Gerne empfange ich erneut von Étranger und veröffentliche:

di Bouvard & Pécuchet

[La casa dell’Autonomia]

La casa dell’Autonomia, così com’è ora, è un bilocale ben arredato, in cui tutto è diviso e tutto è doppio. Ci sono due stanze, due porte, due finestre, due lampadari, due crocefissi identici. Non solo. I due inquilini, marito e moglie, pur condividendo lo stesso numero civico, dispongono di due di mazzi di chiavi e di due serrature. Le due stanze, raggiungibili da entrate diverse, non sono comunicanti. Solo un vetro opaco, posizionato al centro della parete divisoria, permette al marito di vedere l’ombra della moglie e alla moglie la sagoma del marito. Questo effetto, che potremmo definire di “lontananza nella prossimità”, aiuta i due coniugi a intravedere la nettezza dei contorni dell’altro, impedendo però la messa a fuoco dei dettagli. Ecco: in questo movimento biunivoco di separazione ed unione, di visibile e invisibile, di lineare e sfumato, sta forse la specificità del loro rapporto matrimoniale. Il vetro opaco, oltre a far sì che ciascun coniuge percepisca i movimenti in penombra dell’altro e lentamente se ne abitui, garantisce anche una forma di rispetto reciproco: grazie ad esso, il marito non scalfisce l’identità della moglie e la moglie non intacca l’identità del marito. L’importante, per entrambi, è evitare ogni contatto. Carezzando la moglie, il marito potrebbe infatti scarmigliarle l’acconciatura dei capelli, mentre la moglie, abbracciando il marito, correrebbe il rischio non marginale di sgualcirgli il bavero della giacca.
I due coniugi, non potendosi incontrare in casa, lo fanno comunque in giardino. Lì chiacchierano, vivono, di tanto in tanto si toccano. Nonostante siano sposati, si conducono come se fossero amanti. Il giardino, ornato di aiuole geometriche e piante nane, è attraversato da vialetti alberati che conducono a incantevoli specchi d’acqua. La presenza di piccole alture, alternate a boschetti, ci dice che il giardino dell’Autonomia è in realtà un florido parco all’inglese.
Da qualche tempo, i due coniugi hanno un figlio che abita in giardino. Come tutti i bimbi, egli somiglia pochissimo al padre e poco alla madre. Vorrebbe stare con i genitori, ma per ora non gli è concesso. Lui, con esemplare pertinacia, continua a dire che un giorno costruirà una casa diversa, in cui ci sia spazio per tutti.
Questa, però, è davvero un’altra storia: di progetti, di cantieri, di fondamenta comuni. È già politica in fieri. La nuova casa sarà bellissima, ne siamo sicuri. Ma è ancora tutta da farsi.

[Il problema della legittimità]

Come uno sciame di scosse telluriche in un giardino di mele. Alcuni eventi recenti (la petizione dei sindaci a favore della menzione del diritto all’autedeterminazione nel preambolo della Costituzione austriaca; il progetto di legge costituzionale, sempre sull’autodeterminazione, presentato da Francesco Cossiga; la pubblicazione di un sondaggio commissoniato dallo “Heimatbund”, secondo il quale la maggioranza dei sudtirolesi di lingua tedesca vorrebbe dissolvere il vincolo d’appartenenza allo Stato italiano) hanno chiaramente evidenziato quale sia il vero problema del Sudtirolo di oggi. Si tratta del problema della legittimità. Secondo Hans Kelsen, l’autore della Reine Rechtslehre, lo Stato è un edificio sostenuto da una norma fondamentale (Grundnorm) che non può essere semplicemente d’ordine giuridico, ma deve discendere da un fatto, storicamente e simbolicamente fondativo, in grado di fornire una indiscutibile legittimità. Ora, se per il Sudtirolo cercassimo un tale fatto, reale o immaginario, che cosa troveremmo? Erede di una lacerazione territoriale mai completamente rimarginata, la storia di questa terra ha continuato a svilupparsi lungo quella faglia originaria. Ed esattamente alla stessa maniera di una faglia, i suoi lembi si muovono senza poter mai giungere ad un assestamento definitivo. In questo modo, anche la carta costituzionale sulla quale in definitiva si fonda la vita associativa dei suoi abitanti, lo Statuto d’Autonomia, non ha alla base una simbologia condivisa, un fatto capace di legittimarne il castello di norme. Considerato alla stregua di un risarcimento parziale dagli uni, e come una progressiva sottrazione di spazio d’influenza dagli altri, l’edificio autonomistico nasconde così al suo interno un nocciolo vuoto e crepato. Accostando l’orecchio si riesce a percepire ancora il vecchio verme del nazionalismo integralista e monoidentitario, evidentemente non pago di aver già una volta bacato il frutto possibile della convivenza tra i popoli europei. Schiacciare quel verme, o almeno riconoscerne senza infingimenti la pericolosità, è forse l’unico modo di compiere il gesto simbolico che ci pare necessario per guardare avanti con fiducia. Fatto questo, non è escluso poi che si apra finalmente uno scenario futuro nel quale persino una forma di innovativa e ancora impensata “autodeterminazione” potrebbe avere il suo posto ed essere considerata con simpatia da tutti.

Border Blurring.

to blur: verb (blurred, blurring) make or become unclear or less distinct;

Oxford Dictionaries

Eine denkbare Strategie zur Grenzüberwindung – zur Überwindung der Grenze im herkömmlichen Sinne – ist das, was ich hier »Border-Blurring« nenne. In erster Linie wird nicht Bestehendes angetastet oder direkt angezweifelt, sondern in seiner Wahrnehmbarkeit geschwächt – durch Überlappung, Aneinanderreihung, Juxtaposition weiterer Limita und Grenzen, die in ihrem Verlauf mit der vorhandenen nicht koinzidieren. • Ein Territorium, das sich der eindeutigen »Fremdbestimmung« per »Border-Blurring« entzieht und so seinem Bedarf an Eigenregierung Nachdruck verleiht, ist per Definition nicht in reinen, klaren Grenzlinien enthalten. Es charakterisiert sich (»Identität?«) durch sämtliche Eigenschaften (Qualitäten), die es bestimmen – erhebt diesbezüglich jedoch keinen Alleinvertretungsanspruch.
Charakteristisch-charakterisierend ist lediglich die Anordnung, in der diese Eigenschaften auftreten.

Der Blurring-Prozess darf nicht nur auf Vorhandenes zurückgreifen, um es verschwimmen zu lassen. Grundlegend ist eine Veränderungs- und Schaffenskraft, die nicht in einer an sich verschwommenen Produktion zum Ausdruck kommt, sondern in Vorschlägen, die dem verschwommenen Kontext Rechnung tragen.

»Border-Blurring« ist im Südtiroler Kontext bereits ansatzweise unterschwellig vorhanden, es gälte, es zu systematisieren und einem klaren Ziel – samt Garantien – zu unterwerfen. Es muss definiert werden, was »Border-Blurring« ist und was nicht. Sozusagen die »Grenze« der Grenzverschwimmung.

Toponyme Tatsachen.

Karte 1.Alpenverein Südtirol (AVS), Landesverband für Heimatpflege, Südtiroler Schützenbund (SSB), Bauernbund (SBB) und Bauernjugend – kurz: Arbeitsgruppe der Vereine für die Ortsnamenregelung – haben gemeinsam eine Straßenkarte Südtirols herausgegeben, die einzig die historischen Toponyme des Landes berücksichtigt. Eine löbliche Initiative, zumal in dieser Angelegenheit endlich Tatsachen geschaffen werden. Das Druckstück liefert eine ernstzunehmende Diskussionsbasis für die Lösung des scheinbar Unlösbaren und stützt sich auf die wissenschaftliche Arbeit des italienischen Professors Bartaletti (Uni Genua).

Ob der Vorschlag freilich unverändert seinen Weg in ein Toponomastikgesetz finden kann oder nicht, wird einer politischen und gesellschaftlichen Diskussion entspringen müssen. Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass diese und ähnliche Problematiken nur im Konsens zwischen den Sprachgruppen nachhaltig und bei gegenseitigem Vertrauen lösbar sind. Erstrebenswert wäre, wie in diesem Blog bereits angesprochen, auch eine genaue Untersuchung der Eindeutschungen romanischer Ortsnamen in den ladinischen Ortschaften sowie im Vinschgau. Dabei geht es nicht darum, »natürliche« Anlehnungen und Verballhornungen rückgängig zu machen, sondern vorsätzliche Übersetzungen der k. u. k. Verwaltung zu eruieren.

Letztendlich muss die Entscheidung jedoch politisch gefällt werden; außer dem zentralistischen Ansatz des Durnwaldervorschlags – der sämtliche Gemeindebezeichnungen über einen Kamm und sich um wissenschaftliche Erkenntnisse gar nicht schert – oder jenes der Union, gilt es etwa auch die basisdemokratische Lösung in Graubünden abzuwägen, wo jede Gemeinde frei den eigenen Ortsnamen und selbst die Amtssprache festlegen kann. Vermutlich müsste man in Südtirol einen »konsensualen« Schlüssel festlegen, damit die jeweils kleinere Sprachgruppe nicht einfach von der größeren überstimmt wird.

Die Karte kann zum Preis von € 2.- (zzgl. € 1.70 Versandgebühr) beim Südtiroler Schützenbund bestellt werden.

Nachtrag: Die Karte weist einen makroskopischen Makel auf, der darin besteht, dass für die ladinischen Ortschaften die deutschen und italienischen Ortsbezeichnungen vermerkt wurden, umgekehrt ladinische Toponyme für Ortschaften außerhalb Ladiniens vollständig fehlen. Das ist als stümperhaft und kulturimperialistisch zu werten und stellt die Arbeit der Arbeitsgruppe in ein äußerst ungünstiges Licht.

Freiheitsgewinn.

Serbien und Montenegro.

Nach jener von Tschechien und Slowakei erleben wir heute möglicherweise eine neue friedliche Trennung in Europa: Jene Montenegros (621.000 EinwohnerInnen) von Serbien, im letzten Überrest der ehemaligen jugoslawischen Konföderation. Über die Unabhängigkeit befinden in Ausübung der Menschenrechte und in bester demokratischer Tradition allein die Bürgerinnen und Bürger Montenegros. Damit könnte auf unserem Kontinent erneut ein Staat mit weniger als einer Million EinwohnerInnen entstehen — wenig mehr Menschen, als in Südtirol leben.

Ungeachtet des Wahlausgangs tragen die MontenegrinerInnen den Sieg davon: Ihre Zukunft wird so sein, wie sie frei beschließen!

Keine Angst vor Demokratie!

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]