→→ Autorinnen →→ Gastbeiträge →→

  • Präsident versenkt Regierung von Lega und 5SB.
    Mattarellas sonderbare Prioritäten

    Während der letzten Tage hat sich in Italien ein Politdrama größeren Ausmaßes zugetragen: Die Ablehnung eines von den Koalitionärinnen in spe vorgeschlagenen Ministers, Paolo Savona (Jahrgang 1936), durch den Staatspräsidenten ließ — vorerst — die Regierungsträume von 5SB und Lega platzen, die sich auf den Euroskeptiker versteift hatten.

    Statt Giuseppe Conte, der den Auftrag zur Regierungsbildung zurücklegte, soll nun der vom Staatspräsidenten aus dem Hut gezauberte Sparmeister Carlo Cottarelli versuchen, im Sinne der marktkonformen Demokratie eine Regierung zu bilden. Eine parlamentarische Mehrheit für sein Übergangskabinett ist jedoch unwahrscheinlich.

    Bei den quasi unvermeidlichen Neuwahlen, an denen ob der vorzeitigen Aufhebung des Ämterverbots auch Silvio Berlusconi teilnehmen würde, ist ein neuerlicher Erfolg der Systemgegnerinnen unschwer vorhersehbar.

    Was mich jedoch persönlich am meisten wundert, ist, dass der italienische Staatspräsident sein — verfassungsrechtlich angeblich gedecktes — Veto gerade gegen einen EU- und Euroskeptiker im Wirtschaftsministerium eingelegt hat, während ein Rassist ersten Ranges wie Lega-Chef Matteo Salvini, der

    • noch im vergangenen Jahr die »Massensäuberung« Italiens von Migrantinnen »Straße für Straße, Quartier für Quartier, wenn es sein muss mit harten Methoden« gefordert hatte;
    • gerne droht, mit der Planierraupe über soziale Missstände hinwegzufahren;
    • eine enge politische Freundschaft mit Marine Le Pen vom Front National führt und
    • bereits Koalitionen (Sovranità) mit erklärten Faschistinnen (CasaPound) eingegangen war

    offenbar problemlos zum Innenminister ernannt worden wäre. Das halte ich für den eigentlichen Skandal in diesem Staat, der sich gern zum Erben des Antifaschismus erklärt.



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Zur Doppelpass-Umfrage.

    Weil wir schon beim Thema »Fragebögen« sind: Salto, barfuss und ut24 führen gemeinsam mit vier Journalismus-Studenten der Fachhochschule Joanneum in Graz eine Umfrage zum Thema »Doppelpass« durch. Sie besteht aus

    • fünf Fragen zur Einordnung der Teilnehmenden (E-Mailadresse, Altersgruppe, Sprachgruppe, Geschlecht und Wohnort) sowie
    • zwei inhaltlichen Fragen, wobei sich nur eine auf die doppelte Staatsbürgerschaft (und die andere auf die Unabhängigkeit Südtirols) bezieht.

    Diese eine Kernfrage zeugt von großer Professionalität:

    • Während in der deutschen Fragestellung darauf hingewiesen wird, dass es sich um die italienische und die österreichische Staatsbürgerschaft handelt, ist dies in der italienischen Fragestellung nicht der Fall.
    • Während auf Deutsch danach gefragt wird, ob man die doppelte Staatsbürgerschaft »befürworten« würde (warum nicht, ob man sie »befürwortet«?), wird auf Italienisch gefragt, ob man sie »unterstützen« möchte.
    • Die Antwortmöglichkeit »Ja« lautet auf Italienisch »si Eher«, dafür fehlt dieses »Eher« dann bei der dritten Antwortmöglichkeit, die wohl »Eher nein« lauten müsste.
    • »Sì« auf Italienisch korrekt (nämlich mit Akzent) zu schreiben, wäre gerade bei einer Umfrage auch ein nettes Feature gewesen.

    Darüberhinaus wird

    • man gebeten, personenbezogene Daten (einschließlich der E-Mailadresse) anzugeben
    • vermutlich die IP-Adresse erfasst, aber
    • nicht informiert, wer die Daten erhebt und verwahrt oder ggf. zu welchem genauen Zweck in welcher Form verwendet oder gar weitergibt/veröffentlicht.

    Nachtrag (1): Inzwischen wurde zumindest der gröbste Schnitzer korrigiert… und das Wort »eher« an den richtigen Ort verschoben.

    Nachtrag (2): Das Formular wurde auch um eine kurze Datenschutzinformation ergänzt.



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Kleine ›Sprachstudie‹ zur Wolfsstudie.

    Gestern habe ich an der Wolfsstudie der Eurac teilgenommen — und muss mal wieder kleinlich sein. Denn ich kann mich des Eindrucks der üblichen Hemdsärmeligkeit (vgl. Verknüpfungen ganz unten) nicht erwehren.

    Wie in der Einleitung erklärt wird, soll der Online-Fragebogen — bzw. die Studie, deren Teil er ist — »einen repräsentativen Überblick über die Meinungen und Haltungen gegenüber dem Wolf auf verschiedenen sozialen Ebenen erarbeiten«. Sofern Studien irgendetwas erarbeiten können (und nicht die dahinter stehenden Forscherinnen) und sofern ein Online-Fragebogen, den man problemlos fünfmal (anonym) ausfüllen könnte, irgendetwas Repräsentatives an sich hat. Aber dazu werden sich die Forscherinnen schon etwas gedacht haben.

    Was mich wurmt ist wieder einmal der laxe Umgang mit der deutschen Sprache — und das vonseiten einer wissenschaftlichen Institution wie der Eurac, zu deren Kernkompetenzen der Minderheitenschutz gehört und die ein Institut für Angewandte Sprachforschung* betreibt.

    Zum Beispiel wurde der Fragebogen offenbar wie so oft aus dem Italienischen übersetzt und dabei kein Versuch unternommen, den Satzbau an die deutsche Sprache anzupassen. Oder ist das (Nr. 14) ein deutscher Fragesatz, wie das Satzzeichen am Ende suggeriert?

    Ähnliches gilt für die zahlreichen Fragen, die (nach italienischem Muster) mit »Ihrer Meinung nach…« beginnen:

    Ob es einen Grund gibt, warum in Frage Nr. 22 plötzlich von Südtirol die Rede ist, während im restlichen Fragebogen von »deiner Provinz« (»dein Land« klingt meiner Meinung nach besser) die Rede ist, entzieht sich meiner Kenntnis:

    Nachdem dieselbe Frage in der italienischen Sprachfassung nicht speziell auf Südtirol bezogen ist, nehme ich aber an, dass es sich um Schlamperei handelt.

    So wie übrigens bei der Tatsache, dass die Befragten in Frage Nr. 8 zunächst gesiezt und dann geduzt werden:

    Wesentlich klarer sind da zum Beispiel die Fragen Nr. 14 bzw. 15/16/22 (siehe oben), wo entweder konsequent geduzt oder gesiezt wird.

    Ob »Staat der Residenz« (statt »Wohnsitzland«) nur holprig klingt oder wirklich falsch ist, kann ich nicht sagen:

    Sicher ist aber, dass das Informationssystem für Rechtsterminologie (‘bistro’) der Eurac (!) für italienisch »residenza« ausschließlich die deutsche Entsprechung »Wohnsitz« ausspuckt.

    Dass man abschließend einer »Datenschutzrichtlinie« (?) zustimmen soll, wonach ein Institut für Regionale Entwicklung (das aber laut Eurac-Homepage Institut für Regionalentwicklung heißt) am »Viale Druso« (zu Deutsch »Drususallee«) in Bozen Daten für die »angegebenen Kommunikationszwecke« (die aber nirgends angegeben sind) verarbeitet, und zwar gemäß D.Lgs 196/2003 (zu Deutsch »GvD«), ist höchstens ein Versehen. Dies zu bemängeln wäre ziemlich kleinlich.

    Nachtrag (1): Ich wurde jetzt noch auf Frage Nr. 11 hingewiesen, deren Formulierung ein Lehrbeispiel dafür sei, was man in einem Fragebogen vermeiden soll:

    Wird hier nur gefragt, ob man über die An- bzw. Abwesenheit von Wölfen informiert ist? Oder auch, ob man weiß, dass sie tatsächlich vorkommen? Was — ja oder nein — soll hier anklicken, wer weiß, dass in der eigenen Wohngegend keine Wölfe vorkommen?

    Nachtrag (2): Die Eurac hat uns eine Antwort geschickt, die wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag gepostet haben.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 || 01

    *) Das ‘Institut für Angewandte Sprachforschung’ der ‘Eurac’ ist unter anderem für das ‘bistro’-Projekt verantwortlich, das als »Hilfsmittel für eine verbesserte Kommunikation, Textproduktion und Übersetzung« dienen soll.



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Things that matter.
    Quotation

    Our lives begin to end the day we become silent about things that matter.

    – Martin Luther King, Jr

    See also: 01 02 03 || 01


    Feuilleton/ · Quotation/ · · · USA/ · · English/

    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Mediazione al rialzo.
    Quotation · La risemantizzazione dei relitti fascisti

    In Italia esiste una città-laboratorio dove da tempo si conducono esperimenti di questo tipo. Si tratta di Bolzano/Bozen, dove i monumenti del ventennio sono comunemente chiamati «relitti fascisti» (in tedesco faschistische Relikte). Lo ha raccontato su Giap Flavio Pintarelli già nel 2013. Nel frattempo, la situazione si è ulteriormente evoluta.

    Il percorso che ha portato alla musealizzazione del Monumento alla Vittoria può essere di grande ispirazione, ed è di pochi giorni fa l’avvio della nuova installazione che risemantizza uno dei più ingombranti monumenti fascisti d’Italia, il fregio marmoreo di Hans Piffrader col duce a cavallo, di cui ho scritto anche su Internazionale. Oggi sul grande bassorilievo appare, tradotta nelle principali tre lingue dell’Alto Adige/Südtirol, la massima di Hannah Arendt: «Nessuno ha il diritto di obbedire».

    Una soluzione bella e suggestiva, forse un po’ criptica. E troppo facilmente reversibile: basta spegnere l’installazione. Basta che alle prossime elezioni vinca un’amministrazione ostile a quel percorso e faccia un’ordinanza per pigiare il bottone. La pietra è durevole, la luce no.

    Intanto, però, quella luce ha fatto imbufalire i neofascisti: «Bolzano, i nuovi talebani tentano di oscurare il bassorilievo di Mussolini», ha titolato Il Primato Nazionale, quotidiano on line di CasaPound. È la conferma che si sta seguendo una buona strada.

    Bolzano/Bozen è al momento la realtà dove il dibattito è più avanzato. Ciò avviene, sia chiaro, per via di peculiarità non riproducibili altrove, prodotte dalla coesistenza di due comunità distinte, quasi due mondi accostati uno all’altro. Per semplificare al massimo: gli eredi degli invasori e gli eredi degli invasi. Tale situazione rende impossibile a chiunque blaterare con superficialità di «memoria condivisa». Nell’impossibilità di smussare, appianare, edulcorare, si è dunque spinti a cercare nuove soluzioni, in quella che noi Wu Ming chiamiamo da sempre «mediazione al rialzo».

    Tratto da La leggenda dell’«architettura fascista»: un dibattito distorto su memoria e spazio urbano,pubblicato il 29.12.2017 su Giap a firma di Wu Ming 1.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01 02



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Apotecri nia ladins?


    de David Lardschneider

    L trilinguism ie na seva dl Statut de Autonomia, dlongia l proporz y la scola particulera. La pruposta de Florian Mussner te cumiscion legislativa dl Cunsëi provinziel de mëter ite tla lege che i apotecri tla valedes ladines ne adrova nia l trilinguism, ma che l basta avëi l atestat de tudësch y talian, à l assessëur pona trat de reviers, ajache l ova nce ël “mel de vënter”, da coche n à liet ti media.

    La pruposta univa purteda ite dal assessëur ladin, chël che ie per definizion l reprejentant di ladins y che muessa cialé de si rejons y de si dërc. La mutivazion fova chëla che l ie tan rie a abiné apotecri ladins tla valedes dla Ladinia. Tant che chësc ie vëira ne séi nia. Ma l ie la cuestion dl uef y dla gialina: tò ca na ezezion per la fé deventé lege ie fauz, dant iel da garantì la rejons y i duvieres, per i apotecri y pona nce per chëla categuries ulache l ne n’ie mo nia laite chësc dërt-duvier, pona pòssen – scencajo – nce avëi una o doi ezezions, che reste ezezions.

    Che i cunselieres nia ladins, tudësc y talians, à fermà la pruposta, porta povester pro a pensé do n con’ di bujëns de na politica de denità, fata cun denità y che garantësce denità, nce ai ladins.

    La Usc di Ladins, 16.05.2018


    Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen.· I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Hinweis auf mangelnde Kompetenz.

    Heute wurde mir eine Gerichtsakte — nichts Besorgniserregendes, sondern was Erfreuliches — zugestellt. Das heißt genaugenommen: es wurde der Versuch einer Zustellung unternommen. Nachdem ich gerade unterwegs war, hat man einen 61cm langen (!) »Hinweis auf lagernde Korrespondenz« hinterlegt.

    Ein kurzer Blick offenbart: Weder 10 Millionen Euro von der Südtiroler Steuerzahlerin, noch die Verheißungen des Regierungskommissärs haben bislang dazu beigetragen, die zugegebenermaßen hochkomplexe Aufgabe zu lösen, die sich da Zweisprachigkeit nennt.

    Wie gehabt:

    Sehr geehrter Kunde, wir ersuchen Sie ab 24/05/2018 ab Uhr 8:20 die hinterlegte Sendung hinterlegt, die Sendung an folgendem Postamt abzuholen:

    Postamt: UP BRESSANONE
    Adresse: VIA SAN CASSIANO 4, 39042 BRESSANONE

    Öffnungszeiten:
    – Aus MO zu FR aus 8:20 zu 19:05
    – SA aus 8:20 zu 12:35

    […]

    Das unten angegebene Objekt abzuholen:

    […]

    Aber einen dreisprachigen Poststempel, den hat man für die 10 Millionen Euro gekauft. Gott sei es gedankt.

    Cëla enghe: 01 02 03



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

You are now leaving BBD

BBD provides links to web sites of other organizations in order to provide visitors with certain information. A link does not constitute an endorsement of content, viewpoint, policies, products or services of that web site. Once you link to another web site not maintained by BBD, you are subject to the terms and conditions of that web site, including but not limited to its privacy policy.

You will be redirected to

Click the link above to continue or CANCEL