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  • Wie man Unbehagen konstruiert.

    Vor wenigen Tagen geisterten Zahlen durch Südtirols Medien — insbesondere ist hier das italienische Tagblatt aus dem Haus Athesia gemeint — wonach die italienische Sprachgruppe in Südtirol bei der Vergabe öffentlicher und halböffentlicher Stellen arg benachteiligt sei.

    In Berufung auf einen Vortrag, den Professor Luca Fazzi von der Uni Trient bei einer von Landtagspräsident Roberto Bizzo (PD) organisierten Tagung gehalten hatte, war etwa davon die Rede, dass 85 Prozent der Primariate im (öffentlichen) Südtiroler Gesundheitswesen von deutschsprachigen und nur 9 Prozent von italienischsprachigen Ärztinnen gehalten würden.

    Die Aussage fand ich sehr erstaunlich — nicht nur, aber zum Beispiel auch, weil dann ja nach Adam Riese 6 Prozent der Primarinnen ladinisch wären. Extrem viele im Vergleich zu den 9 Prozentder Italienerinnen. Also habe ich mich um einen Faktencheck bemüht.

    Der Südtiroler Gesundheitsbetrieb (Sabes) hat mir freundlicherweise die offiziellen Daten zur Verfügung gestellt: Demnach gehören in Wirklichkeit 70 Primarinnen (72,2%) der deutschen, 26 Primarinnen (26,8%) der italienischen und ein Primar (1%) der ladinischen Sprachgruppe an. Unterrepräsentiert — und zwar deutlich — sind also nicht die Italienerinnen, sondern die Ladinerinnen.

    Wie aber kommt man von 26,8 Prozent auf — das sogenannte »Unbehagen der ItalienerInnen« untermauernde, um nicht zu sagen: fördernde — neun Prozent? Professor Fazzi hat mir auch seine Daten zur Verfügung gestellt, und eine erhellende Erklärung gleich dazu.

    Erstens war bei ihm von 11 Prozent italienischen Primariaten die Rede und nicht von 9 Prozent, womit man dem A. Adige (bei einem sehr sensiblen Thema) schon einmal magelnde Sorgfalt vorwerfen kann. Und zweitens ärgerte sich Fazzi in seiner Mail an mich grundsätzlich über den Umgang der Medien mit seinen Ausführungen. Denn: Er habe darauf hingewiesen, dass diese seine Daten auf einer eigenen Berechnung basierten, mit der er angeblich versucht habe, »gemischtsprachige, aber als Italiener erklärte Primare« aus den offiziellen Daten herauszurechnen. Sehr wissenschaftlich scheint das nicht, doch Fazzi unterstreicht, dass es ihm um ein Gesamtbild und um Perspektiven für die Autonomie und nicht speziell um diese Daten gegangen sei. Wie man anhand seiner Powerpoint-Präsentation (die er mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat) unschwer nachprüfen kann, ging es denn auch nur auf einer von 42 Folien um die Verteilung der Arbeitsplätze.

    Wenn ein Medium dann aber diese eine Information zum wichtigsten Bestandteil des Vortrags hochstilisiert, dabei wichtige Zusatzinformationen verschweigt und die Daten auch noch falsch wiedergibt, ist das Unbehagen schon greifbar.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Ortsnamen interessieren nicht. Oder doch?
    Südtiroler Mythen

    In seinem Leitartikel zum Wochenende schreibt TAZ-Herausgeber Arnold Tribus zu einem Thema

    das auf der Straße kaum eine Seele interessiert, abgesehen von Politikern und Patrioten: die Toponomastik.

    – Arnold Tribus

    Nun lässt sich schwer quantifizieren, wie viele Südtirolerinnen zu den beiden von Tribus genannten Kategorien der »Politiker und Patrioten« gezählt werden können — doch dass sich außer ihnen »kaum eine Seele« für die Thematik interessiere, soll ja wohl nahelegen, dass die Ortsnamensfrage unwichtig sei.

    Wiewohl das heute oft nicht mehr erwünscht ist, möchte ich der Behauptung des Leitartiklers ein paar Fakten entgegenhalten: Laut ASTAT-Sprachbarometer 2014 halten 40,9 Prozent der Südtirolerinnen die Ortsnamenfrage für ein wichtiges Thema. Das mag zwar nicht die Mehrheit sein, »keine Seele« ist für einen derart hohen Anteil aber wohl auch kein passender Ausdruck. Es sei denn, wir zählen vier von zehn Bürgerinnen in diesem Land zu den »Politikern und Patrioten«.

    Nach Sprachgruppen aufgeschlüsselt sind 37,8 Prozent (versus 55,3%) der Deutschsprachigen, 48,8 Prozent (versus 41,4%) der Italienischsprachigen und 54,8 Prozent (versus 45,2%) der Ladinischsprachigen der Meinung, dass die Toponomastik ein wichtiges Thema sei.

    Bei den Italiener- und Ladinerinnen sind diejenigen, die die Ortsnamenfrage wichtig finden, sogar in der Mehrheit.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01



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  • Pratonomastica.
    Quotation

    L’elenco dei nomi all’inizio non era la “mia” soluzione. Ora sono convinto che aiuterà soprattutto gli italiani, perché mette in sicurezza un primo pacchetto di nomi bilingui. Alla commissione di esperti resterebbe solo qualche prato su cui decidere.

    Francesco Palermo (PD/SVP), presidente della commissione dei Sei, sulla norma di attuazione in materia di toponomastica attualmente al vaglio della paritetica. Intervista pubblicata oggi dal quotidiano A. Adige.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • EU räumt Roaminggebühren aus dem Weg.

    Internationale Roaminggebühren innerhalb der Europäischen Union werden ab Mitte Juni der Vergangenheit angehören. Anrufe, Kurzmitteilungen (SMS) und Internetverbindungen dürfen dann für Kundinnen, die sich im EU-Ausland aufhalten, nicht mehr teurer sein, als es im Heimatland der Fall wäre. Dies teilte die EU Kommission gestern mit.

    Der Vorschlag vom 5. September 2016, der eine »Fair-Use-Klausel« vorgesehen hatte und von Verbraucherschützerinnen kritisiert wurde, scheint damit endgültig vom Tisch. Diesem Entwurf zufolge hätte die Roamingfreiheit auf 30 aufeinanderfolgende Tage und auf eine Gesamtdauer von 90 Tagen pro Jahr begrenzt sein sollen.

    Der Prozess, der nun zur Abschaffung der Auslandsaufschläge im EU-Raum führt, hatte im Jahr 2007 begonnen und bis heute schon zu einer Senkung der Roaminggebühren um rund 90 Prozent geführt. Zehn Jahre nach der ersten einschlägigen Maßnahme wird nun der letzte Schritt gesetzt.

    Außer die derzeit 28 EU-Mitgliedsstaaten wird die Streichung von Roaminggebühren voraussichtlich auch Island, Liechtenstein und Norwegen — nicht aber die Schweiz — betreffen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Ruf nach der eisernen Hand.

    Der Wunsch der Italienerinnen, das Land einem starken Mann anzuvertrauen, wächst und wächst. Eine mehrjährige Erhebung des Meinungsforschungsinstituts demos & PI für die italienische Tageszeitung la Repubblica konstatiert das.

    Waren die Befürworterinnen eines starken Anführers 2004 noch — wenn auch knapp — in der Minderheit (49%), schwoll dieser Anteil bis 2016 stetig auf zuletzt beängstigende 79% an.

    Die Vorliebe von Rechtsgesinnten für einen starken Mann an der Spitze des Staates erstaunt wenig. Dabei sehnen Anhängerinnen der Berlusconi-Partei Forza Italia ein solches Szenario fast einstimmig (97%) herbei. Doch noch deutlicher als die Wählerinnen von Lega Nord (88%) oder »Fratelli d’Italia (FdI) und anderen Rechtsparteien« (89%) sprechen sich auch jene von »NCD und anderen Zentrumsparteien« (90%) für eine autoritäre Staatsführung aus.

    Selbst die Gefolgschaft von PD (78%) und 5SB (76%) bekennt sich großmehrheitlich zur eisernen Hand.

    Wer eine linke Partei wählt, lehnt den starken Mann noch ab. Knapp — denn 47% sind bereits dafür.



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  • Wo sind die Grenzen der Demokratie?

    Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen — abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.

    — Ausgelutschtes Zitat von Winston Churchill

    Ich war heute Abend beim Treffen der Initiative für mehr Demokratie zum Thema »Besser Wählen«. Eine dort stattgefundene Teildiskussion, die sich — kurz — zwischen Vertretern des Vereins diverkstatt (insbesondere dem Ex-PDler Gianluca Da Col) und mir entfacht hat, nehme ich zum Anlass für diesen Artikel. Doch eine ähnliche Auseinandersetzung hatte ich bereits mit Herrn Zeno Christanell (SVP) im Rahmen des Südtirolkonvents.

    Konkret erwähnte Herr Da Col (der angab, mit Flüchtlingen zu arbeiten) das Beispiel einer nicht näher benannten Gemeinde in der Schweiz, wo sich die Bevölkerung in einer Abstimmung gegen die Errichtung eines Flüchtlingsheims ausgesprochen habe, um seine Zweifel an der direkten Demokratie zu untermauern. Jemand anderes erwähnte die späte Einführung des Frauenwahlrechts in der Eidgenossenschaft.

    Während daraufhin einige in Bezug auf das Flüchtlingsheim Grenzen für direktdemokratische Entscheide postulierten, vertrat ich die Meinung, dass Demokratie nicht »gute« oder »richtige« (bzw. unseren Vorstellungen entsprechende) Entscheidungen garantieren könne, sondern lediglich solche, die den Mehrheitswillen der Bevölkerung widerspiegeln.

    (Übrigens gibt es allein in Italien zahlreiche Gemeinderatsbeschlüsse gegen die Aufnahme von Flüchtlingen — ohne, dass deswegen jemand die Abschaffung der repräsentativen Demokratie gefordert hätte.)

    Jedenfalls antwortete Herr Da Col auf meinen Einwand, indem er ankündigte, nicht mehr mitdiskutieren zu wollen, denn so (also mit meiner Sichtweise) würde man auch den Nationalsozialismus ermöglichen.

    Ja! Klar! Aber mal davon abgesehen, dass Adolf Hitler eh weitgehend legal und demokratisch an die Macht gekommen war, frage ich mich: Was anderes bleibt Demokratinnen übrig, als ein ziemlich uneingeschränkter Relativismus? Wer soll bitte — und wie? — die Grenzen der Demokratie festlegen? Wer soll die Menschenrechte und die Verfassung schreiben? Technokratinnen? Diktatoren? Gott?

    Ob ich denn wisse, was die [italienische] verfassungsgebende Versammlung war, fragte mich Herr Da Col süffisant. Ja… was war sie denn? Ein demokratisches Gremium, nehme ich an, und kein übermenschlicher Weisenrat.

    Natürlich sehe ich ein, dass das ein großes Dilemma ist. Ich befürworte die »wehrhafte Demokratie« — doch auch Gesetze, mit denen verfassungsfeindliche Umtriebe, Handlungen, Gesten oder Symbole unter Strafe gestellt werden, müssen demokratisch beschlossen werden und ebenso demokratisch abschaffbar sein. Gegen die »nationalsozialistische« (oder: antidemokratische) Gefahr gibt es letztendlich keine Versicherung. Nur mühevolle kulturelle und Bildungsarbeit kann uns davor schützen.


    Zu allem Überfluss hielt dann noch ein Herr Enrico Santoro ein Plädoyer für Diktaturen (denn in Bruneck [!] müsse man endlich mal aufräumen) — während ein anderes Mitglied von diverkstatt (aka Arci Bruneck) behauptete, die Schweiz sei das rassistischste Land, das er kenne.

    Die Diskussion ist eröffnet!

    Cëla enghe: 01 02



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