Parteizentralen der Zentralparteien.

Laut Zeitungsberichten der letzten Tage zittern Vertreter linker wie rechter »italienischer« Parteien um ihre Listenplätze bei den kommenden Parlamentswahlen. Nach wie vor wird in Rom entschieden, wer für Südtirol ins Rennen geht. Dann frage ich mich aber, wie man sich glaubwürdig um die Weiterentwicklung unserer Autonomie bewerben will, wenn man selbst noch nicht hier angekommen ist.

Bereits vor Monaten hatte ich geschrieben, eine stärkere Emanzipierung von zentralstaatlichen Strukturen sei für Parteien, die sich um die politische Vertretung dieses Landes bewerben unaufschiebbar. Als peripherer Ableger einer römischen Partei kann man den besonderen Bedürfnissen dieses Landes wohl kaum gerecht werden. Vielleicht sollten sich z.B. die Südtiroler Linksdemokraten bei ihren baskischen (PSE-EE), katalanischen (PSC) und galicischen Freunden (PSdeG) umsehen. Die verstehen sich zwar offiziell als regionale Vertretung von Zapateros Arbeiterpartei (PSOE), führen jedoch die Interessen ihrer Länder nicht nur als eigenständige Parteibezeichnung im Namen. Von Madrid lässt man sich da nur ungern dreinreden und ist im Gegenteil auch dort mit eigener Stimme klar und deutlich zu vernehmen. Ein anderes Modell wäre jenes der CSU in Bayern.

Schlössen sich etwa über die Sprachgrenzen hinweg sämtliche sozialen Elemente der Südtiroler Parteienlandschaft zu einer territorialen (autonomistisch-independentistischen) Sozialdemokratischen Partei zusammen, wäre dies ein großer Gewinn für unser Land. Eine etwaige SPS könnte auf Staatsebene das Linksbündnis unterstützen, ohne sich einer einzelnen Zentralpartei zu unterwerfen. Derzeit hingegen bleibt nur die VP als glaubwürdige Vertretung Südtiroler Interessen gegenüber Rom. Der Demokratie ist es bekanntlich nicht gerade zuträglich, wenn man dem Wähler (so ihm unser Land am Herzen liegt) keine Wahl lässt.

Nachtrag: Auch im Blog von Silvano Bassetti ist heute ein Beitrag zu diesem Thema erschienen. Einsicht, das ist der erste Schritt zur Besserung.

Politik Zentralismus | Parlamentswahl 2006 | | | Baskenland-Euskadi Catalunya Galiza | PD&Co. |

Verbindungsschwierigkeiten.

Sowohl in Kommentaren als auch via Email wurde mir mitgeteilt, dass es Schwierigkeiten gibt, eine Verbindung zu diesem Blog herzustellen. Das geht so weit, dass manche völlig außerstande sind, die Seite zu laden. Diesbezüglich habe ich bereits vor Tagen meinen Dienstanbieter kontaktiert und am 1. März folgende Antwort erhalten:

Vielen Dank für Ihre Anfrage.Es kam vereinzelt zu Schwierigkeiten bei der Erreichbarkeit mancher Webspace-Pakete im Hause unseres Technologiepartners. Es wird daran gearbeitet, die Erreichbarkeit wieder herzustellen. Mit einer kurzfristigen Lösung wird gerechnet. Möglicherweise ist auch Ihr Paket betroffen.

Aktuell wird der Umzug der Webspace-Pakete geplant. Wir werden diese zukünftig selbst verwalten. Somit sollten sich die bisherigen Schwierigkeiten minimieren.

Der Umzug wird voraussichtlich in diesem Monat abgeschlossen sein.

Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

united-domains.de

Ich hoffe, dass diese Versprechungen eingehalten werden. Andernfalls werde ich mich rasch nach einem neuen Host umsehen, was diesmal auch nicht eine erneute Änderung der URL (Adresse) zur Folge hätte. Ich bitte bis dahin noch um etwas Geduld. Für Rückmeldungen bin ich weiterhin sehr dankbar.

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Mossos d’Esquadra.

cc.

Italiens »Ordnungshüter« sind anscheinend noch immer nicht im Rechtsstaat angekommen, das stellen sie der internationalen Öffentlichkeit regelmäßig klar unter Beweis. Dazu zählen das organisierte Erbrechen in Genua, die Prügeleien und Scharmützel, die sie sich jüngst mit friedlichen — z.T. vergreisten — Demonstranten im Susatal geliefert haben, oder haarsträubende Einzelfälle wie dieser. Ganz am Ende dieser Amtsmissbrauchsserien kommt das präpotente Verhalten in Südtirol, wo die Polizei sich das Recht herausnimmt, regelmäßig jene Gesetze zu missachten, deren Einhaltung sie eigentlich überwachen sollte. Stichwort: Zweisprachigkeit. Wo sie sich erlaubt, als Vertretung des Zentralstaates autonomiefeindlich aufzutreten. Stichwort: Trauerflor. Stichwort: Einschüchterung.

Eine Polizei, die sich noch immer in einem Obrigkeitsstaat wähnt, die den Schwachen in der Gesellschaft ihre Muskeln zeigt, vor der man sich bei einer simplen KfZ-Kontrolle fürchten muss, bei der man lieber kuscht als von Rechten Gebrauch zu machen, ist eines mitteleuropäischen Landes unwürdig. Dieser Zustand ist unhaltbar. Nehmen wir uns endlich die Aufforderung zu Herzen, die Francesco Cossiga, Staatspräsident i.R., vor wenigen Monaten an uns gerichtet hat: Schaffen wir, nach dem Vorbild der katalanischen mossos d’esquadra [wiki] eine eigenständige Landespolizei, die nach Möglichkeit wie dort nach und nach die Staatspolizei ablöst und nicht lediglich an ihre Seite tritt. Was ist das für eine Form von Selbstregierung, wenn wir uns mit einer trägen, antiquierten und z.T. gewalttätigen Polizei herumschlagen müssen, ohne Recht, für unsere Sicherheit selbst zu sorgen. Nie hat eine Landesregierung konkrete Schritte unternommen, um diese Angelegenheit in einem zufriedenstellenden Maße zu lösen: Und wiederum reiht sich die Vorzeigeautonomie etwa weit hinter einem herkömmlichen deutschen Bundesland ein.

Links: [mossos] [de.wiki] [ca.wiki] | [ertzaintza] [heddlu de cymru] | 1/

Comparatio Discriminaziun Plurilinguismo Polizei | | | | Catalunya Deutschland Italy Südtirol/o | Mossos d'Esquadra | Deutsch

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Sträubnis.

Die Nachricht [i] hat in den letzten Tagen die Runde gemacht: Italienische Schüler aus Bozen schneiden mit ihren Deutschkenntnissen schlechter ab als ihre Kollegen in Trient. Eine Welle der Empörung geht mit unterschiedlichen Vorzeichen durch die Südtiroler Gesellschaft, als hätte man es nicht gewusst: Wir leben in einer ethnischen Scheinehe, die dann am besten funktioniert, wenn man sich möglichst wenig über den Weg läuft. Dies gilt besonders für die Landeshauptstadt, weil dort im Rahmen einer surrealen Realitätsferne die Gettisierung und Abschottung der Italiener am besten gegriffen hat: Man wähnt sich in einem Land, das es so nicht gibt, in einem Zustand, den es nie gegeben hat und mit einer Wunschvorstellung nationaler Homogenität, die es so nie [wieder] geben wird.

Wie konnte es dazu kommen? Die Autonomie, von ihren Machern ohne Rücksicht auf Verluste ein- und durchgeführt, musste tatsächlich vor allem eines: Deutsche und Ladiner vor dem Untergang bewahren. Der zweite Schritt, nämlich als Konsequenz der gescheiterten Assimilierungs- und Majorisierungspolitik des faschistischen Regimes eine neue Südtiroler Gesellschaft zu formen, wurde in der Hitze des Gefechtes nie oder bei weitem nicht im befriedigenden Ausmaß gewagt. Die einen wollten nicht mit den Nachkommen der Täter fraternisieren, ein Schemendenken, das dem Leid vieler regelrecht importierter Italiener nicht Rechnung trägt. Während die anderen nicht akzeptieren konnten, zugunsten »Fremder« auf ihre ehemaligen Privilegien verzichten zu müssen. Die notwendige positive Diskriminierung, wie sie heute in der Geschlechtergleichstellung (unzureichend) praktiziert wird, wurde mangels Einbindung von vielen fehlverstanden.

Nun war diese Trennung ob eines Jahrzehnte währenden Kräftemessens mitunter vonnöten. Einem ernsthaften Fortschritt dieser Gesellschaft jedoch kann sie nur noch im Wege stehn. Die Antwort auf die Eurac-Sprachstudie kann und darf demnach nicht erneut symptomorientiert sein. Nicht mehr und nicht besser muss der Deutschunterricht an italienischen Schulen vordergründig werden. Nichts anderes wäre das, als eine Verschärfung der gescheiterten Zwangsbeglückung. Das für ein zweisprachiges Modell beschämende Ergebnis – so partiell es auch sein mag – muss eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinen Ursachen zur Folge haben. Die Zeit ist reif für eine gemeinsame Aufarbeitung der getrennten Gegenwart und für eine entschiedene Einarbeitung sämtlicher Sprachgruppen in die spezielle und kulturautonome Realität dieses Landes. Das muss und darf nicht im Kniefall enden, sondern in der Einsicht, dass ein gemeinsames Bewusstsein für die Zukunft dieses Landes unerlässlich ist. Und das kann nicht in Rom und Wien ausgetragen werden, sondern im Hier und Jetzt der gemeinsamen Verantwortung für unsere Lebensbedingungen.

Bildung Plurilinguismo Scola | affirmative action | | | Südtirol/o Trentino | Eurac | Deutsch

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Hausmitteilung.

Gestern wurde dieses Blog von blogger.com zu WordPress verschoben, was die Interaktivität und den Komfort verbessern sollte. Die Seite ist damit zusammenhängend ab sofort nur noch unter der neuen Adresse http://www.brennerbasisdemokratie.eu zu erreichen.

  • Es ist ratsam, eventuell vorhandene Lesezeichen umgehend zu ersetzen oder zu aktualisieren.
  • Die mit dem Umzug verbundene Arbeit wird einige Tage in Anspruch nehmen. Bis dahin muss ich leider mehrmals die Kommentarfunktion deaktivieren, da andernfalls nicht gewährleistet ist, dass eingegebene Stellungnahmen erhalten bleiben.

Aktuell: Sämtliche Beiträge wurden der neuen Oberfläche bereits angepasst, es folgen die Kommentare, dann ist der Umzug zur Gänze und erfolgreich vollzogen. Die Kommentarfunktion wurde wieder freigeschaltet — Teilnahme erwünscht!

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Olympia (II).

Die Ereignisse überschlagen sich. Es ist kaum zu glauben, welch positive, ja z.T. sogar identitätsstiftende Folgen die Plankensteiner-Affäre jetzt noch hat. Zum einen kommt es in der italienischen Öffentlichkeit zu einer deutlich wahrnehmbaren Zurkenntnisnahme der Realität und zu einer Verschiebung festgefahrener Positionen. Andererseits solidarisieren Südtiroler sämtlicher Sprachgruppen mit unseren Athleten, eine ungeahnte Form von territorialem Grundkonsens zu einem Wertekatalog der Autonomie. Das ganze mündet sogar in die Aufforderung, die Italiener entschieden an den Andreas-Hofer-Feierlichkeiten zu beteiligen. Eine sinnvolle Aufforderung, denn der Freiheitskämpfer setze sich für die Unabhängigkeit seines – damals zwar freilich reaktionären – Landes ein, dessen definitorisches Selbstverständnis jedoch sprachliche und kulturelle Vielfalt waren.

  • Zwanzig Journalisten der Südtiroler Tageszeitung A. Adige haben eine Stellungnahme verfasst, mit der sie die Behandlung Plankensteiners durch italienische Medien scharf verurteilen. Ein unerwarteter und hochwillkommener Schritt von Mitarbeitern eines Mediums, von dem man sonst ganz andere Töne gewohnt ist. Es gibt ihn also, einen gewissen sprachgruppenübergreifenden Zusammenhalt, einen Grundkonsens über den gegenseitigen Respekt.
  • Francesco Cossiga, italienischer Staatspräsident i.R., sah sich sogar dazu veranlasst, den Unterschied zwischen »Staatszugehörigkeit« und »Nationalität« in den Vordergrund zu stellen.
  • Nationale Medien korrigierten ihre kritische Haltung der ersten Stunde und geißelten das Verhalten der betroffenen Journalisten als »rassistisch« (La Repubblica). Sogar das Berlusconi-Blatt »Il Giornale« sah sich zu einem krassen Vergleich zwischen dem olympischen Dorf und Guantanamo veranlasst.
  • Minister Alemanno (AN) konnte sich zwar nicht verkneifen, Südtiroler Sportler rundweg als Italiener zu bezeichnen, bevor er Plankensteiner dann immerhin noch vor der journalistischen Attacke in Schutz nahm.
  • Einen »kulturellen Rückschritt« wittert hingegen ANSA-Chef Toni Visentini in dieser Angelegenheit – und leistet damit einen Beitrag zu einem noch viel größeren Fortschritt. Die Dummheit eines RAI-Journalisten verliert angesichts dieser Reaktionen an Bedeutung.
  • Politische Vertreter aus dem (fast) gesamten Parteienspektrum im Lande beklagten das Vorgehen ebenfalls und sprachen Herrn Plankensteiner ihr Mitgefühl aus. Die Union fordert mit Nachdruck die Gründung einer »Sportnation Tirol«.

Link: 1/

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Autodeterminació.

Campanya.Katalonien startet eine bunte Selbstbestimmungskampagne und böte damit auch uns Südtirolern eine Steilvorlage.
Unglaubliche 700.000 Menschen waren am 18F auf den Straßen, um friedlich für das Recht auf Selbstbestimmung zu demonstrieren.

[googlevideo]2418615037770686394[/googlevideo]

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Olympia 21.

Pünktlich zu Olympia üben sich italienische Journalisten in ihrer Lieblingsdisziplin: Südtiroler Sportler auf Herz und Nieren testen, ob sie auch schön national gesinnt sind, die Trikolore schwenken, die Hymne beherrschen. Der rituelle Kniefall unserer Sportler – denen kaum anderes übrig bleibt – ist im 21. Jahrhundert der europäischen Einigung nicht mehr nur eine Frechheit, sondern auch ein absoluter Anachronismus. Da wird Menschen tatsächlich vorgeschrieben, einem Nationalstaat zu huldigen: Wo bleibt die Sportlichkeit? Wo der olympische Geist? Muss man, um an einem Sportereignis teilzunehmen, zwangsläufig patriotische Gefühle entwickeln, noch dazu, wenn man sich mit der Nation, für die man startet, nicht identifiziert?

Es ist langsam höchste Eisenbahn, dass sich unsere Landesregierung eine Alternative einfallen lässt, die für Sportler und Fans aller Sprachgruppen attraktiv ist. Möglicherweise ist ein autonomer Verband, der international antritt, die beste Antwort auf unsere politisch-soziale Situation. Wenigstens im Wintersport kann man sich auf ein derartiges Experiment mit großen Erfolgschancen einlassen, und anders als gemeinhin behauptet wird, dürfte dies wohl nicht am Geldmangel scheitern.

Selbstverständlich darf niemand gezwungen werden, für Südtirol an den Start zu gehen, und niemandem soll verboten werden, auch weiterhin für Italien zu konkurrieren. Dann allerdings freiwillig und bewusst – ohne zu verkrampften Glaubensbekenntnissen gezwungen zu werden, die die Pharse hinter diesem wenig belustigenden Schauspiel erst richtig in den Vordergrund stellen.

Bemerkung:

Nicht nur die Fußball- und Rugbynationen Schottland und Wales haben eigene Teams, obschon sie – noch nicht oder nicht mehr – souverän sind. Auch Katalonien kämpft seit Jahren mit schwankendem Erfolg um eine eigene Vertretung, vorrangig in seiner Königsdisziplin Hockey. Jedenfalls haben die Katalanen schon an einigen internationalen Tournieren mit eigenen Teams teilgenommen. Den Anschluss an diese Entwicklung nicht zu verlieren, sondern womöglich eine Allianz der Länder mit Anspruch auf autonome Mannschaften zu bilden, wäre eine realistische Herausforderung.

Die Debatte im Forum der VP.

Es freut zu sehen, dass auch linksgerichtete Italiener diesen Zirkus nicht mitmachen wollen: Link zu den entsprechenden Beiträgen im Blog von Silvano Bassetti. Das ist doch eine Diskussionsbasis!?

Links: BBC.

In den Kommentaren dieses Eintrags befinden sich zwei Briefe, die ich zu diesem Thema verfasst habe.

Siehe auch: 1/

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