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  • Overreaction.
    Quotation

    The road to fascism is lined with people telling you to stop overreacting.

    – Unknown

    Übersetzung anzeigen

    Der Weg in den Faschismus ist gesäumt von Menschen, die sagen, man solle nicht überreagieren.

    – Unbekannt (Übersetzung von mir)

    Cëla enghe: 01 || 01 02



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  • Peaceful revolution.
    Quotation

    Those who make peaceful revolution impossible will make violent revolution inevitable.

    ― John F. Kennedy, 13 March 1962

    Regelmäßig ist die Warnung (oder Drohung) zu vernehmen, dass der Wunsch nach Eigenstaatlichkeit zu Gewalt oder gar Krieg führen würde.

    Die beständige Verweigerung demokratisch völlig legitimer Optionen — einschließlich des Versuchs ihrer Umsetzung auf friedlichem Weg — ist höchst problematisch.

    Nicht sosehr der Wunsch nach einer (auch radikalen) Veränderung selbst birgt die größten Gefahren, sondern seine grundsätzliche und totale Ablehnung.

    Hier noch einmal um jeden Zweifel auszuräumen: Unser Bekenntnis zur Gewaltfreiheit steht natürlich nicht zur Debatte.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



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  • Ein relativ faires Land.

    Das italienische Wirtschafts- und Finanzministerium hat im Juli 2019 eine Studie von Paolo Acciari1Wirtschafts- und Finanzministerium, Rom., Alberto Polo2New York University und Giovanni L. Violante3Princeton University, CEBI, CEPR, IFS, IZA und NBER. veröffentlicht, in der — erstmals anhand von offiziellen Daten aus den Steuererklärungen41998-2000 und 2011-2012, 2014 — die Mobilität zwischen den Generationen und somit die Aufstiegschancen untersucht wurden.

    Dabei erreicht Südtirol im Vergleich mit den Provinzen Italiens in Bezug auf sämtliche ermittelten Indikatoren (AUM5Absolute Upward Mobility (höherer Wert → ausgeprägtere Aufwärtsmobilität zwischen den Generationen), Q1Q56Beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind von Eltern, die im untersten Einkommensfünftel liegen, ins oberste Fünftel aufsteigen kann (höherer Wert → größere Aufstiegsschancen) und RRS7Rank-rank slope, beschreibt die Beeinflussung des eigenen Einkommens durch das der Eltern (niedrigerer Wert → geringerer Einfluss).) Spitzenwerte:

    AUMQ1Q5RRS
    1Südtirol0,6270,3720,098
    2Trentino0,5610,1610,124
    3Bergamo0,5490,2150,171
    4Reggio Emilia0,5480,1770,153
    5Monza Brianza0,5460,2390,172
    6Modena0,5430,2420,153
    7Mailand0,5380,2220,182
    8Treviso0,5360,2100,128
    9Udine0,5340,1760,135
    10Brescia0,5310,2020,161

    Zehn führende Länder nach AUM. Alternative Sortierung durch Anklicken der jeweiligen Spalte.

    In unserem Land gibt es somit im Vergleich mit Italien für Personen mit schlechterer Ausgangslage bessere Chancen, im Sozialgefüge aufzusteigen. Dies gilt als Indikator für Chancengleichheit, also für eine faire und durchlässige Gesellschaft.

    Der Wert soll auf oder sogar über dem Niveau skandinavischer Länder oder besonders dynamischer Gegenden in den USA liegen.

    Das benachbarte Trentino liegt in der AUM-Reihung zwar gleich hinter Südtirol an zweiter Stelle, doch die Chancen, bezüglich des Einkommens von ganz unten nach ganz oben aufsteigen zu können (Q1Q5), sind dort geringer als in vielen norditalienischen Provinzen.

    AUMQ1Q5RRS
    101Cagliari0,3950,0620,193
    102Reggio Calabria0,3880,0780,214
    103Agrigent0,3870,0470,207
    104Catania0,3830,0600,219
    105Trapani0,3820,0730,204
    106Syrakus0,3820,0730,204
    107Salerno0,3790,0650,214
    108Palermo0,3780,0560,215
    109Messina0,3780,0620,227
    110Cosenza0,3660,0590,230

    Zehn Schlusslichter nach AUM. Alternative Sortierung durch Anklicken der jeweiligen Spalte.

    Die zehn Gebiete mit den schlechtesten AUM-Werten liegen allesamt in Süditalien und auf Sardinien.

    Insgesamt funktioniert die intergenerationale Mobilität in Italien bei Männern besser als bei Frauen und bei Erstgeborenen besser als bei ihren jüngeren Geschwistern.

    Interessant wäre aber wie immer ein detaillierter Vergleich über die Staatsgrenzen hinaus, insbesondere mit angrenzenden Gebieten in Österreich und der Schweiz.

    Cëla enghe: 01 02 || 01 02

    • 1
      Wirtschafts- und Finanzministerium, Rom.
    • 2
      New York University
    • 3
      Princeton University, CEBI, CEPR, IFS, IZA und NBER.
    • 4
      1998-2000 und 2011-2012, 2014
    • 5
      Absolute Upward Mobility (höherer Wert → ausgeprägtere Aufwärtsmobilität zwischen den Generationen)
    • 6
      Beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind von Eltern, die im untersten Einkommensfünftel liegen, ins oberste Fünftel aufsteigen kann (höherer Wert → größere Aufstiegsschancen)
    • 7
      Rank-rank slope, beschreibt die Beeinflussung des eigenen Einkommens durch das der Eltern (niedrigerer Wert → geringerer Einfluss).


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  • Wie wählen Angehörige von Polizei und Militär?

    Von einer Forschungsgruppe um den Professor für Politikwissenschaften Jean-Yves Dormagen vorangetrieben, analysiert das Cluster17-Projekt das Wahl- und das Enthaltungsverhalten in Frankreich nach sozialen Gruppen und Berufen.

    Für ein gewisses Aufsehen hat dabei kürzlich die Analyse der Präferenzen von Polizei und Militär gesorgt, da bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen nahezu zwei Drittel der Angehörigen dieser Berufsgruppe die rechtsextremen, rassistischen Kandidatinnen Marine Le Pen und Éric Zemmour gewählt haben sollen. Präsident Emmanuel Macron kam demnach bei Ordnungs- und Streitkräften nur auf 14% der Stimmen — gefolgt von Valérie Pécresse, die sich 2019 mit ihrem Flügel Soyons libres rechts von den rechten Républicains abgespalten hatte.

    Summiert man die Prozentsätze für Le Pen, Zemmour, Pécresse und den rechtspopulisten Dupont Aignan, haben 75% der Polizei- und Militärangehörigen (weit) rechts gewählt.

    Ob es ähnliche Analysen auch für Italien oder gar für Südtirol gibt, weiß ich nicht. Es steht jedenfalls zu vermuten, dass Angehörige von Polizei und Militär in den meisten Ländern politisch deutlich weiter rechts einzuordnen sind als der gesamtgesellschaftliche Durchschnitt.

    Zumindest ein Indiz dafür kann auch die Positionierung von Polizei- und Militärangehörigen sein, die hierzulande in die aktive Politik gewechselt sind. Spontan fallen mir Namen wie Enrico Lillo, Umberto Montefiori oder Antonino Lo Sciuto ein.

    In jedem Fall wäre auch diesbezüglich kritisch zu hinterfragen, inwieweit die Abwesenheit einer Landespolizei nicht auch dazu führt, dass aktiv Menschen nach Südtirol gelockt werden, die bei den staatlichen Ordnungskräften arbeiten und in nicht unerheblichem Maße weit rechte, nationalistische und auch autonomie- bzw. minderheitenfeindliche Positionen vertreten und entsprechende Parteien wählen.

    Nicht zuletzt wäre auch die Tatsache, dass das Land im Tausch für aufgelassene Militärareale Wohnungen für Heeresangehörige baut, unter diesem Blickwinkel zu betrachten.

    Einen zeitlich begrenzten Schutz vor einer möglicherweise einseitigen Beeinflussung von Wahlergebnissen durch Angehörige von Polizei und Militär gewährt immerhin die vierjährige Ansässigkeitsklausel, die manche allerdings lieber heute als morgen abschaffen möchten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 || 01 02 03



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  • Additive und subtraktive Zweisprachigkeit.

    Schon der Erfinder des Immersionsunterrichts, Wallace »Wally« Lambert (1922-2009) von der renommierten McGill-Forschungsuniversität in Montréal, der die ersten Versuche mit der neuen Methodik in den 1970er Jahren — an der englischsprachigen Schule von Saint-Lambert — wissenschaftlich begleitete und sich über Jahrzehnte weiter mit der Materie beschäftigte, warnte vor den negativen Folgen der Immersion für sprachliche Minderheiten.

    Er sprach in diesem Zusammenhang von additiver und subtraktiver Zweisprachigkeit, wobei letztere dann zu beobachten sei, wenn Mitglieder einer Minderheit bei zunehmender Zweisprachigkeit ihre eigene Muttersprache verlassen, um immer mehr zur Zweitsprache (also zur Mehrheitssprache) zu wechseln.

    Deshalb ist es wohl auch kein Zufall, dass es in Kanada zwar eine französische Immersion für Anglophone, aber keine englische Immersion für Frankophone gibt — so wie der Immersionsunterricht auch in Europa vor allem Angehörigen der nationalen Mehrheitsgesellschaften empfohlen wird (01 02), damit sie eine Minderheitensprache erlernen. Und nicht umgekehrt.

    Übrigens machte Wallace Lambert auch immer wieder darauf aufmerksam, dass die Immersion niemals den Fortschritt in anderen Fächern aufhalten dürfe, wie dies offenbar in Südtirol der Fall ist:

    No time has to be taken from the major task of developing competence in the critical content subjects that make up a solid and demanding educational curriculum. The development of skills in two languages and two cultures need not get in the way of providing a thorough education in science, math, creative language arts, etc.1Wallace E. Lambert, Issues in Foreign Language and Second Language Education, 1990

    Er betonte ferner die enorme Wichtigkeit einer dauerhaften, nahen und akribischen wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation jedes einzelnen Immersionsprojekts. Auch damit nimmt es Südtirol leider nicht so ernst.

    Zwei Wissenschafter der Universität Moncton (New Brunswick), Rodrigue Landry und Réal Allard, gingen in einer Studie, die sie in mehrheitlich anglophoner und mehrheitlich frankophoner Umgebung in Kanada durchführten, auf die Entwicklung der sogenannten additiven und subtraktiven Zweisprachigkeit ein. Die Ergebnisse stellten sie in Ethnolinguistic Vitality and the Bilingual Development of Minority and Majority Group Students (1992) vor, wo sie beschreiben, dass die L2-Leistungen der Frankophonen mit abnehmender Vitalität der Erstsprache (Französisch) steigen, wobei bessere Kenntnisse der Zweitsprache (Englisch) zu einem subtraktiven Bilingualismus führten. Letzterer wirke sich nicht nur — wie vermutet — auf Sprachkompetenz und Sprachverhalten aus, sondern auch durch die Schwächung der ethnolinguistische Identität (ergo Assimilation).

    Individuum und Gesellschaft seien in Vergangenheit typischerweise unabhängig als isolierte Facetten des Zweisprachigkeitsphänomens analysiert worden. Es sei jedoch wichtig, die sogenannte Makro-Mikro-Dichotomie zu erforschen.

    Dabei sei der Weg zur Erlangung einer additiven Form von Zweisprachigkeit für Mehrheits- und Minderheitengruppen jeweils unterschiedlich. Nur für Individuen, die der (anglophonen) Mehrheit angehören, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Kontakte mit der Zweitsprache zu additivem Bilingualismus führen. Für Individuen der Minderheit sei hingegen ein starkes L1-Umfeld in Schule und Familie ausschlaggebend, damit sich die Zweisprachigkeit additiv und nicht subtraktiv entwickelt und die Identität der Minderheit nicht kippt.

    In der wissenschaftlichen Literatur zur Zweisprachigkeit sei bekannt, dass die meisten Individuen einer Minderheitengruppe die Mehrheitssprache erlernen und zweisprachig werden, während dies umgekehrt in deutlich geringerem Maße der Fall sei. Die Erlernung der Mehrheitssprache sei aber häufig nur ein Zwischenschritt hin zur Assimilierung oder wenigstens zur Schwächung der Erstsprache (also der Minderheitensprache). Angehörige von Minderheiten hätten insbesondere durch muttersprachliche Schulen Zugang zu additivem Bilingualismus.

    Ihre Erkenntnisse vertief(t)en und verfeiner(te)n Landry und Allard bis heute weiter, indem sie etwa der Frage nachgingen2Rodrigue Landry, Réal Allard, Kenneth Deveau, Sylvain St-Onge, Minority Language Learning and Use: Can Self-Determination Counter Social Determinism? (2021), DOI: 10.1177/0261927X211041153, ob Minderheiten durch eigenes Zutun (sogenannte Selbstbestimmung) die negativen Auswirkungen objektiver Faktoren wie einer allfälligen begrenzten ethnolinguistischen Vitalität bekämpfen können. Auch diesbezüglich kommt jedoch der (einsprachigen) minderheitensprachlichen Schule eine wichtige Rolle zu.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02 03 04 05

    • 1
      Wallace E. Lambert, Issues in Foreign Language and Second Language Education, 1990
    • 2
      Rodrigue Landry, Réal Allard, Kenneth Deveau, Sylvain St-Onge, Minority Language Learning and Use: Can Self-Determination Counter Social Determinism? (2021), DOI: 10.1177/0261927X211041153


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