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  • Sträubnis.

    Die Nachricht [i] hat in den letzten Tagen die Runde gemacht: Italienische Schüler aus Bozen schneiden mit ihren Deutschkenntnissen schlechter ab als ihre Kollegen in Trient. Eine Welle der Empörung geht mit unterschiedlichen Vorzeichen durch die Südtiroler Gesellschaft, als hätte man es nicht gewusst: Wir leben in einer ethnischen Scheinehe, die dann am besten funktioniert, wenn man sich möglichst wenig über den Weg läuft. Dies gilt besonders für die Landeshauptstadt, weil dort im Rahmen einer surrealen Realitätsferne die Gettisierung und Abschottung der Italiener am besten gegriffen hat: Man wähnt sich in einem Land, das es so nicht gibt, in einem Zustand, den es nie gegeben hat und mit einer Wunschvorstellung nationaler Homogenität, die es so nie [wieder] geben wird.

    Wie konnte es dazu kommen? Die Autonomie, von ihren Machern ohne Rücksicht auf Verluste ein- und durchgeführt, musste tatsächlich vor allem eines: Deutsche und Ladiner vor dem Untergang bewahren. Der zweite Schritt, nämlich als Konsequenz der gescheiterten Assimilierungs- und Majorisierungspolitik des faschistischen Regimes eine neue Südtiroler Gesellschaft zu formen, wurde in der Hitze des Gefechtes nie oder bei weitem nicht im befriedigenden Ausmaß gewagt. Die einen wollten nicht mit den Nachkommen der Täter fraternisieren, ein Schemendenken, das dem Leid vieler regelrecht importierter Italiener nicht Rechnung trägt. Während die anderen nicht akzeptieren konnten, zugunsten »Fremder« auf ihre ehemaligen Privilegien verzichten zu müssen. Die notwendige positive Diskriminierung, wie sie heute in der Geschlechtergleichstellung (unzureichend) praktiziert wird, wurde mangels Einbindung von vielen fehlverstanden.

    Nun war diese Trennung ob eines Jahrzehnte währenden Kräftemessens mitunter vonnöten. Einem ernsthaften Fortschritt dieser Gesellschaft jedoch kann sie nur noch im Wege stehn. Die Antwort auf die Eurac-Sprachstudie kann und darf demnach nicht erneut symptomorientiert sein. Nicht mehr und nicht besser muss der Deutschunterricht an italienischen Schulen vordergründig werden. Nichts anderes wäre das, als eine Verschärfung der gescheiterten Zwangsbeglückung. Das für ein zweisprachiges Modell beschämende Ergebnis – so partiell es auch sein mag – muss eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinen Ursachen zur Folge haben. Die Zeit ist reif für eine gemeinsame Aufarbeitung der getrennten Gegenwart und für eine entschiedene Einarbeitung sämtlicher Sprachgruppen in die spezielle und kulturautonome Realität dieses Landes. Das muss und darf nicht im Kniefall enden, sondern in der Einsicht, dass ein gemeinsames Bewusstsein für die Zukunft dieses Landes unerlässlich ist. Und das kann nicht in Rom und Wien ausgetragen werden, sondern im Hier und Jetzt der gemeinsamen Verantwortung für unsere Lebensbedingungen.



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  • Hausmitteilung.

    Gestern wurde dieses Blog von blogger.com zu WordPress verschoben, was die Interaktivität und den Komfort verbessern sollte. Die Seite ist damit zusammenhängend ab sofort nur noch unter der neuen Adresse http://www.brennerbasisdemokratie.eu zu erreichen.

    • Es ist ratsam, eventuell vorhandene Lesezeichen umgehend zu ersetzen oder zu aktualisieren.
    • Die mit dem Umzug verbundene Arbeit wird einige Tage in Anspruch nehmen. Bis dahin muss ich leider mehrmals die Kommentarfunktion deaktivieren, da andernfalls nicht gewährleistet ist, dass eingegebene Stellungnahmen erhalten bleiben.

    Aktuell: Sämtliche Beiträge wurden der neuen Oberfläche bereits angepasst, es folgen die Kommentare, dann ist der Umzug zur Gänze und erfolgreich vollzogen. Die Kommentarfunktion wurde wieder freigeschaltet — Teilnahme erwünscht!


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  • Olympia (II).

    Die Ereignisse überschlagen sich. Es ist kaum zu glauben, welch positive, ja z.T. sogar identitätsstiftende Folgen die Plankensteiner-Affäre jetzt noch hat. Zum einen kommt es in der italienischen Öffentlichkeit zu einer deutlich wahrnehmbaren Zurkenntnisnahme der Realität und zu einer Verschiebung festgefahrener Positionen. Andererseits solidarisieren Südtiroler sämtlicher Sprachgruppen mit unseren Athleten, eine ungeahnte Form von territorialem Grundkonsens zu einem Wertekatalog der Autonomie. Das ganze mündet sogar in die Aufforderung, die Italienerinnen entschieden an den Andreas-Hofer-Feierlichkeiten zu beteiligen. Eine sinnvolle Aufforderung, denn der Freiheitskämpfer setze sich für die Unabhängigkeit seines — damals zwar freilich reaktionären — Landes ein, dessen definitorisches Selbstverständnis jedoch sprachliche und kulturelle Vielfalt waren.

    • Zwanzig Journalisten der Südtiroler Tageszeitung A. Adige haben eine Stellungnahme verfasst, mit der sie die Behandlung Plankensteiners durch italienische Medien scharf verurteilen. Ein unerwarteter und hochwillkommener Schritt von Mitarbeitern eines Mediums, von dem man sonst ganz andere Töne gewohnt ist. Es gibt ihn also, einen gewissen sprachgruppenübergreifenden Zusammenhalt, einen Grundkonsens über den gegenseitigen Respekt.
    • Francesco Cossiga, italienischer Staatspräsident i. R., sah sich sogar dazu veranlasst, den Unterschied zwischen »Staatszugehörigkeit« und »Nationalität« in den Vordergrund zu stellen.
    • Nationale Medien korrigierten ihre kritische Haltung der ersten Stunde und geißelten das Verhalten der betroffenen Journalisten als »rassistisch« (La Repubblica). Sogar das Berlusconi-Blatt Il Giornale sah sich zu einem krassen Vergleich zwischen dem olympischen Dorf und Guantanamo veranlasst.
    • Minister Gianni Alemanno (AN) konnte sich zwar nicht verkneifen, Südtiroler Sportler rundweg als Italiener zu bezeichnen, bevor er Plankensteiner dann immerhin noch vor der journalistischen Attacke in Schutz nahm.
    • Einen »kulturellen Rückschritt« wittert hingegen ANSA-Chef Toni Visentini in dieser Angelegenheit — und leistet damit einen Beitrag zu einem noch viel größeren Fortschritt. Die Dummheit eines RAI-Journalisten verliert angesichts dieser Reaktionen an Bedeutung.
    • Politische Vertreter aus dem (fast) gesamten Parteienspektrum im Lande beklagten das Vorgehen ebenfalls und sprachen Herrn Plankensteiner ihr Mitgefühl aus. Die Union fordert mit Nachdruck die Gründung einer »Sportnation Tirol«.

    Cëla enghe: 01 || 01



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  • Die Raucher-Zentralisierung.

    Laut Meldung des Landespresseamts hat die »Vorzeigeautonomie« nicht die Zuständigkeit, ein Rauchergesetz zu erlassen. Das Verfassungsgericht in Rom hat das entsprechende Landesgesetz zur Gänze aufgehoben (Urteil Nr. 59/2006).

    Darüber kann ein gewöhnlicher deutscher Landesgesundheitsminister wohl nur lachen.

    “Dieses Urteil gibt zur Sorge Anlass, weil dadurch die sekundäre Gesetzgebungskompetenz Südtirols insgesamt in Frage gestellt wird”, so Gesundheitslandesrat Richard Theiner.

    — Landespresseamt



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  • Resümee.

    Es ist wieder Zeit für ein kleines Resümee, z.T. auch bzgl. meiner Aktivität in »fremden« Blogs und Fora. Gerade das Thema »Petition« [i] hat für größeren Wirbel gesorgt. Und hier haben sich einige interessante Meinungswechsel abgespielt:

    • Im Blog von Silvano Bassetti habe ich erneut mit Nachdruck auf die möglichen Vorteile einer Selbstbestimmungsoption hingewiesen, darin unterstützt von Étranger, obschon unsere Positionen zur BM-Aktion bekanntlich nicht koinzidieren: 01 02;
    • Im Forum der SVP hat das Thema selbstverständlich ebenfalls Spuren hinterlassen;
    • Außerdem möchte ich auf einige Fora hinweisen, wo die Selbstbestimmung kritisch thematisiert wurde. ff: 03 04; Schützen: 05 06
    • Für Aufsehen hat der zweifelhafte Vorschlag angesehener italienischer Önologen gesorgt, Südtirol gar zu boykottieren. Und dies augenscheinlich, ohne über die Zusammenhänge der Petition informiert zu sein: 1 2 | 09 10 11


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  • Medaillenspiegel.

    Turin06.Olympische Winterspiele in Turin 2006. Endstand.

    (Gold – Silber – Bronze)

    11-12-6 Deutschland
    9-9-7 Vereinigte Staaten
    8-6-8 Russland
    7-10-7 Kanada
    7-2-5 Schweden
    6-5-7 Österreich ¹ ²
    6-3-2 Südkorea
    6-2-2 Gesamttirol ¹ ³
    5-4-5 Schweiz
    4-0-5 Italien ¹ ²
    3-2-4 Frankreich
    3-2-4 Niederlande
    3-0-0 Estland
    2-8-9 Norwegen
    2-4-5 China
    1-2-1 Tschechien
    1-2-0 Kroatien
    1-0-2 Südtirol ¹
    1-0-1 Australien
    1-0-0 Japan
    0-6-3 Finnland
    0-1-1 Polen
    0-1-0 Weißrussland
    0-1-0 Bulgarien
    0-1-0 Großbritannien
    0-1-0 Slowakei
    0-0-2 Ukraine
    0-0-1 Lettland

    Medaillen für Tirol:

    • Armin Zöggeler (Gold), Kunstbahnrodeln
    • Benjamin Raich (2xGold), Riesentorlauf und Slalom
    • Andreas Linger/Wolfgang Linger (Gold), Rodeln (Doppelsitzer)
    • Christoph Bieler (Gold), Kombination (Teambewerb)(2)
    • Andreas Widhölzl/Andreas Kofler (Gold), Skispringen (Teambewerb)(2)
    • Niki Hosp (Silber), Slalom
    • Andreas Kofler (Silber), Skispringen
    • Oswald Haselrieder/Gerhard Plankensteiner (Bronze), Rodel-Doppelsitzer
    • Gerda Weissensteiner (Bronze), Zweierbob (Teambewerb)(2)

    ¹ Teambewerbe wurden jeweils beiden Mannschaften zugeordnet;
    ² Ohne Tirol;
    ³ Nord-, Süd-, Osttirol;

    Dazu eine aktuelle Diskussion.



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