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  • Die ›OECD-Grenze‹.

    Immer wieder wird man auch im »grenzenlosen« Internet (im »grenzenlosen« Europa) in nationale Schubladen gesteckt. Das ist bei Urheberrechten so, das passiert im Handel, wiewohl Bestrebungen bestehen, die Barrieren abzubauen — und das geschieht auch auf Webseiten internationaler Organisationen.
    So etwa bekommt man — obschon Browser und Betriebssystem auf Deutsch eingestellt sind — auf der Homepage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vermutlich aufgrund der italienischen IP-Adresse den automatischen Vorschlag, sich speziell die Performance Italiens in internationalen Rankings anzeigen zu lassen. Selbstverständlich einsprachig auf Italienisch.

    OECD-Homepage.

    Natürlich ist dies als Service und Erleichterung gedacht. Doch wenn selbst internationale Organisationen Auskünfte in nationalstaatlich angepasste Pakete verpacken ist es wie so oft gleichzeitig ein Beitrag zur Verfestigung nationaler Grenzen und (auch sprachlicher) Zugehörigkeitsmuster in den Köpfen. Für Vielfalt bleibt da wenig Platz.

    In einem dezidiert mehrsprachigen Land, wie es Südtirol als unabhängiger Staat sein könnte, würden solche gleichmacherischen Automatismen ad absurdum geführt.



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  • Haflinger?

    Nicht nur die Ortsnamen, auch das Haflinger Pferd muss an die Gepflogenheiten der Südtiroler Tourismusextremisten pardon… Fachleute glauben und darf sich auf den italienischen Seiten des Destinationsmarketings Meraner Land (eine erfundene Bezeichnung für das Burggrafenamt) als »Avelignese« wiederfinden:

    Übersetzte Haflinger.

    Dabei wird das Pferd auf den Seiten des »Südtiroler Haflinger Zuchtverband« auch im Italienischen »Haflinger« genannt:

    Haflinger Südtirol.

    Doch damit nicht genug. Richtig skurril wird die Angelegenheit, wenn man berücksichtigt, dass sogar der staatsweite A.N.A.C.R.HA.I. mit Sitz in der Toskana für »Associazione Nazionale Allevatori Cavallo Razza Haflinger Italia« steht, dessen Webadresse www.haflinger.it lautet. BLS, EOS und SMG — die ja jetzt zusammengelegt wurden — sollten den italienischen Haflingerzüchtern und -fans bitte endlich erklären, dass Italiener laut Südtiroler Auffassung dumm sein müssen, nicht mit fremdsprachig klingenden Bezeichnungen konfrontiert werden dürfen und deshalb auch die A.N.A.C.R.HA.I. im Sinne und Geiste Tolomeis in A.N.A.C.R.A.I. umzubenennen ist. Siamo oder siamo nicht in Italia? Na also!

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Stichwahlgemeinden: Die Zeit ist um.

    Nach den Stichwahlen in Bozen, Meran und Leifers am 24. Mai ist nun die Frist zur Bildung der jeweiligen Stadtregierungen verstrichen.

    • In Bozen kam es gestern Abend, während das -Treffen stattfand, zum Paukenschlag: Anna Pitarelli von der SVP versenkte kurzerhand und unangekündigt den alten Bürgermeister Luigi Spagnolli und seine neue Mann- und Frauschaft, die er sich durch geschickte Postenvergabe in letzter Minute »erwurschtelt« hatte. Angeblich soll Pitarellis Motiv mit dem Benko-Kaufhaus in Verbindung stehen, das bereits die Grünen (mit umgekehrten Vorzeichen) als Hauptgrund für ihren Abschied aus der Koalition genannt hatten. Wie dem auch sei (und wie überbewertet dieses Kaufhaus im gesamten Bozner Wahlkampf meiner Meinung nach auch war) — die Landeshauptstadt bekommt nun wenigstens die theoretische Chance auf einen echten Mittelinkskandidaten und auf einen Ausschluss von CasaPound aus dem Gemeinderat. Wahrscheinlich ist beides nicht, eher wohl das Gegenteil. Vorerst wird Bozen aber kommissarisch verwaltet.
    • In Leifers regiert unter Bürgermeister Christian Bianchi eine unappetitliche Rechtskoalition unter Beteiligung der Lega Nord. Der Bürgermeister selbst ist ehemaliges Mitglied der ausländer- und europafeindlichen Fratelli d’Italia. Ermöglicht wird seine Regierung, an der auch die SVP beteiligt ist, durch die aktive Unterstützung der Sammelpartei und der Fünfsternebewegung (5SB). — Unterstützung von innen, von außen, von oben oder von unten ist dabei einerlei. Und auch die Ausrede der Volkspartei, man gewährleiste nur die Umsetzung des Wählerwillens, ist mehr als müßig. In Natz-Schabs hatte man — obwohl es an der demokratischen Gesinnung der Bürgerliste (anders als etwa bei der Lega) keinen Zweifel geben dürfte — kein Problem, den Wählerwillen zu übergehen und Neuwahlen anzuzetteln.
    • Auch Meran hat seit einigen Tagen unter dem grünen Nichtgrünen Paul Rösch eine neue Stadtregierung. Ihm war es so wichtig, die SVP mit im Boot zu haben, dass er dafür den ehemaligen SVP-Koalitionär Lista Civica fallen ließ und sich von der Sammelpartei die Aufnahme der rechten bis rechtsradikalen Alleanza per Merano in das Regierungsbündnis aufzwingen ließ. Berührungsängste mit den Freunden und Freundesfreunden des Faschismus scheinen also erschreckenderweise auch auf linker Seite passé zu sein — noch dazu in Südtirol und in der Stadt mit der größten jüdischen Gemeinde des Landes. Darin hatte ich mich in meiner Einschätzung zu Paul Rösch offenbar geirrt.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • BBD: Treffen/Incontro.

    Diesen Mittwoch, den 24. Juni findet abends in Bozen ein -Treffen statt, zu dem sämtliche Leserinnen, Kommentatorinnen und/oder Sympathisantinnen herzlich eingeladen sind. Wir bitten euch, uns eure Teilnahme unter diesem Blogeintrag als Kommentar oder via E-Mail unter bbd[at]brennerbasisdemokratie.eu mitzuteilen.

    Wir freuen uns auf euch. Der genaue Ort (das Lokal) sowie die Uhrzeit werden den angemeldeten Teilnehmern via Email bekanntgegeben.

    Ziel des Abends sind das gegenseitige Kennenlernen sowie der informelle Gedankenaustausch.


    Questo mercoledì, 24 giugno sera a Bolzano avrà  luogo un incontro con lettrici, commentatori e/o simpatizzanti di , che sono invitate a partecipare numerosi. Vi preghiamo di aggiungere le vostre adesioni nei commenti in calce al presente articolo oppure di contattarci all’indirizzo bbd[at]brennerbasisdemokratie.eu

    Il luogo (il locale) esatto e l’ora dell’incontro saranno comunicati via email a chi ci annuncia la sua partecipazione.

    La serata sarà l’occasione di conoscerci meglio e forse anche di dare inizio a un approfondimento informale.


    Interna/ Termin/ · · · · · · Italiano/

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  • Thaler gegen Deutsch vor Gericht.

    Am Donnerstag wurde vom Landesgericht in Trient beschlossen, den Politrentenprozess gegen Rosa Thaler Zelger (SVP) und andere von Trient nach Bozen zu verlegen. Kurz zuvor jedoch wurden noch sämtliche Einlassungen von Nebenklägern abgewiesen.

    In den Chor der Politrentenskandalisierten haben wir nie eingestimmt — im Gegenteil. Trotzdem ist das, was in Trient nun vorgefallen ist, wahrlich unerhört.

    Da hat der Anwalt einer ranghohen VP-Politikerin wie Thaler Zelger doch glatt das Statut des »Forum Politikerrenten« beanstandet, weil es auf Deutsch verfasst und somit ungültig sei.

    Ob diese Tatsache für die Abweisung des Forums relevant war, konnte ich nicht herausfinden. Dass eine SVP-Politikerin die Gleichstellung der deutschen Sprache in Südtirol zum Abschuss freigibt, wenn es ihrer Verteidigungslinie nützt, ist aber hanebüchen. Umso mehr, als die Autonomie alles andere als in guter Verfassung ist und die deutsche Sprache gerade vor Gericht einen schweren Stand hat. Wo bleibt da die politische Kohärenz?

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • MiMa: Ortsnamen und Tourismus.

    Heute im Rai-Mittagsmagazin: Hans Heiss (Vërc), Cristian Kollmann (STF) und Thomas Aichner von der Marketinggesellschaft Meran zum Thema Ortsnamen in der Tourismuswerbung.

    Der Rai-Südtirol-Podcast zum Nachhören:

    Sowohl Heiss, als auch Kollmann plädierten mit unterschiedlicher Intensität und Gewichtung für eine stärkere Berücksichtigung der historischen Ortsnamen, insbesondere im Ausland. Beschämend fand ich vor allem einige der Aussagen von Herrn Aichner, der das Tourismusmanagement als reines Marketing versteht und die Abwesenheit jeglichen Gespürs für Werte und Verantwortung bestätigte.

    Natürlich wissen auch die Touristiker, dass die Ortsnamenfrage ein heikles Thema ist. Hat das beim Erstellen der [Ortsnamen-]Liste irgendeine Rolle gespielt?

    Aichner: Interessanterweise eigentlich überhaupt nicht. Vielleicht hat das einfach damit zu tun, dass meine Generation in Südtirol mit einem sehr natürlichen Selbstverständnis für beide Sprachen aufgewachsen ist und wir eigentlich in einer sehr heterogenen Arbeitsgruppe waren, wo dieses Volkstümliche [sic] oder Politische überhaupt kein Thema war, sondern wir ein klares Ziel vor Augen hatten: Welche Namen funktionieren auf welchem Markt? Und die wenden wir dann auch an. Was für mich rückblickend jetzt auch eine sehr positive Sache ist, weil es damit zu tun hat, dass wir uns offensichtlich in unserer aktuellen zeitgenössischen Kultur wiedergefunden haben.

    Interessant, dass Aichner zu wissen scheint, dass Kultur, Authentizität, Sprache und »das Politische« nicht zum Zeitgeist zählen und er sich wohl auch gar nicht die Frage stellt, ob man dies einer demokratischen Überprüfung unterziehen sollte. Im Grunde wird die Ortsnamenfrage in Südtirol tatsächlich an Google und Konsorten delegiert — und dies, obschon im Verlauf der Sendung selbst Aichner gestand, dass man seiner Meinung nach mit der Verwendung der historischen Ortsnamen keinen einzigen Gast verlieren würde. Oberstes Ziel sei es jedoch, »Menschen nicht zu verwirren«, also wohl, alles möglichst leicht verdaulich zu gestalten, Ecken und Kanten abzurunden und den Gästen eine Scheinwelt vorzusetzen, die sie nicht (über-)fordert.

    Auf haben wir uns schon oft mit dem Thema befasst, weshalb ich diesbezüglich lediglich darauf verweise: 01 02 03 04 05 06 07 08 09

    Cëla enghe: 01



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  • Landespost ade!

    Es tut sich wieder einmal Großartiges in Sachen Autonomie: Die italienische Post wird dem Land sagen, wieviel Südtiroler Steuergeld sie ganz gerne hätte dringend braucht, um so weiterzuwurschteln, wie eh und je den Dienst in Südtirol wesentlich zu verbessern. Das Wichtigste aber ist: Jetzt schon, 43 Jahre nach Inkrafttreten des zweiten Autonomiestatuts, wird es einen (wohl mit Südtiroler Steuergeld bezahlten) Ansprechpartner für die Zweisprachigkeit geben (Hauptqualifikation vermutlich: Vertröstung) und — Trommelwirbel — die Post wird »Schritt für Schritt« den Proporz umsetzen. Freudentränen, Korkenknallen. Wir sind erleichtert.

    Landespost wird es keine geben, aber hey: Wir dürfen’s wenigstens zahlen!

    Hier gehts zur Pressemitteilung des Landes.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Wir brauchen (k)eine Landespolizei.

    Erst kürzlich hatten sich die Dolomiten (»Vorausgeschickt« von Michael Eschgfäller) über die Forderung nach einer mehrsprachigen Landespolizei lustig gemacht — denn auf perfekte Zweisprachigkeit und Vertrautheit mit den Gegebenheiten vor Ort, so der Tenor des höhnischen Beitrags, komme es bei der »Verbrechensbekämpfung« ohnehin nicht an.

    Während der letzten Tage schafften es nun gleich zwei eklatante Vorfälle in die Medien, die zumindest teilweise auf mangelnde Sprachkenntnisse der Ordnungshüter zurückzuführen sind.

    1. Am Bahnhof Brenner wurden Beamte der österreichischen Polizei von einem italienischen Polizisten festgesetzt und »in ihrer Bewegungsfreiheit leicht eingeschränkt«, wie es aus Nordtirol in verständnisvoll-deeskalierender Wortwahl heißt. Die Dolomiten schrieben gestern zu diesem — laut Zeitung — »skurrilen polizeilichen Zwischenfall«:

      Insgesamt haben sich laut Major Kirchmair [von der Polizei Innsbruck-Land, Anm. ] “20 unserer Leute angesammelt”. Sprachliche Barrieren taten wohl ein Übriges.

      Da trägt sich also an einer (laut Euregio-Sprech »inexistenten«) EU-Binnengrenze, die keine Sprachgrenze ist (!), aufgrund sprachlicher Barrieren ein Vorfall zu, wie man ihn eher am Berliner Checkpoint Charlie während des Kalten Kriegs angesiedelt hätte. Aber — eine zweisprachige Polizei brauchen wir laut Dolomiten nicht, weshalb im Artikel über den Vorfall am Brenner die »sprachlichen Barrieren« auch gar nicht näher thematisiert und hinterfragt werden. Zweisprachigkeitspflicht hin oder her.

    2. Am Bozner Landesgericht wurde ein 58jähriger Schweizer freigesprochen, der von der Finanzpolizei wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt worden war. Was war geschehen? Drei Finanzer hatten den (Ex-)Urlauber und seine Frau mit einem zivilen Fahrzeug angehalten und waren — obschon laut heutigen Dolomiten ausdrücklich mit der Aufgabe betraut, Luxuswagen mit ausländischem Kennzeichen unter die Lupe zu nehmen — außerstande, mit dem Kontrollierten auf Deutsch zu kommunizieren. Der Vorfall machte die (Mehrsprachigkeit gewohnten) Eidgenossen so stutzig, dass sie es mit der Angst zu tun bekamen und flüchten wollten. Von den einsprachigen, nicht mit den örtlichen Gegebenheiten vertrauten Beamten in die Kaserne gebracht war es den Schweizern laut Dolomiten auch dort

      nicht möglich, den Fall zu klären, da sich kein einziger Beamter fand, der des Deutschen ausreichend mächtig gewesen wäre.

      Für den A. Adige ist der Fall ohnehin ziemlich klar, er schreibt heute auf dem Titelblatt:

      Il caso di uno svizzero che non sa l’italiano e si spaventa.

      Als ob es nicht um »finanzieri che non sanno il tedesco« ginge. Wenn umgekehrt ein Dorfpolizist kein Italienisch könnte… würde das Blatt kaum ähnlich titeln.

    Wir freuen uns also alle schon riesig, dass wir zwar keine Landespolizei bekommen (die angeblich nichts löst), sondern eine Handvoll Carabinieri, die entweder den Zweisprachigkeitsnachweis D (!!) besitzen oder bereits beim Heer gedient haben. Die Überlegung muss wohl sein: Wenn sie schon nicht Deutsch können, dann sind sie wenigstens im Umgang mit dem Feind geschult.

    Cëla enghe: 01 02 03



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