Kompatibilitätstabelle.

Zur Fortführung des von Étranger gestern angeregten Spiels habe ich hier eine (aus Platzgründen wirklich) kleine Tabelle mit einigen Punkten zusammengestellt, die mir persönlich (und laut -Manifest) wichtig sind, und sie mit den Ideen einiger politischer Parteien in Südtirol verglichen. Es geht dabei um eine rein persönliche Einschätzung, daher erhebe ich weder Anspruch auf Objektivität noch auf Vollständigkeit. Die Tabelle soll lediglich als Diskussionsgrundlage dienen.

Kompatibilitätstabelle.

D=Demokraten; G=Grüne; V=SVP; S=ST Freiheit; U=Union; L=Ladins; A=AN;
weißes Feld: keine Einschätzung

Anders als im vorhergehenden Artikel ist diese Analyse nicht spezifisch an den Parlaments- oder Landtagswahlen ausgerichtet, sondern hat allgemeinen Charakter.

Es zeigt sich, was wir bereits wussten: Eine -Partei gibt es nicht, man muss sehr stark taktieren, bisweilen beide Augen zudrücken, wenn man »richtig« wählen will.

PS: Die Reihung der Punkte ist zufällig, doch der erste (»gesellschaftlicher Zusammenhalt«) ist für mich der Wichtigste.

Ecologia Kohäsion+Inklusion Plurilinguismo Politik Selbstbestimmung Verbraucherinnen | | | | | BürgerUnion Ladins PD&Co. PDL&Co. STF SVP Vërc |

Warum ich SVP wählen könnte.

Seit wenigen Stunden scheint nun festzustehen, dass Italien baldige Neuwahlen bevorstehen. Meine erste Überlegung ist natürlich, wem ich nach diesem gesamtpolitischen Debakel noch mein Vertrauen schenken kann.

Und in diesem Moment, wo allerdings noch vieles unklar ist, tendiere ich dazu, mich für die SVP zu entscheiden — der ich bisher in zwölf Jahren erst einmal mein Vertrauen gegeben habe, und die ich bei den Landtagswahlen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht wählen werde.

Die Volkspartei ist im Laufe der letzten Jahrzehnte im Einklang mit unserem Autonomiestatut immer mehr zu einer reinen »italienischen« Regionalpartei mutiert. Sie hat keine Zukunftsvision mehr für Südtirol und entspricht meinen politischen Ansichten nur in sehr geringem Maße.

Warum sie bei mir trotzdem das Rennen machen (und warum ich sie derzeit allen Südtirolerinnen — ungeachtet ihrer Sprachgruppe — als Vertretung unseres Landes im Parlament empfehlen) könnte:

  1. Es ist nicht mehr die Zeit der Idealismen, noch geht es darum, Italien eine Mittelinksregierung zu bescheren, die es nicht will und auch »nicht verdient« (O-Ton Valentin[o]); die politische Situation des Landes ist katastrophal und neigt auch nicht zur Besserung, was nicht zuletzt die Weigerung von Mitterechts beweist, noch vor den Neuwahlen ein besseres Wahlgesetz zu verabschieden ;
  2. Die Demokraten (DP), die eine interessante Option darstellen könnten, werden in der kommenden Legislatur aller Voraussicht nach in der Opposition sitzen, und daher wenig bis gar nichts für unser Land erreichen können; die Südtiroler DP wird vermutlich als Anhängsel der staatlichen Partei antreten ;
  3. Die Linken haben das Vertrauen der Wählerinnen schon zweimal aufs Übelste gebrochen; es wäre töricht, dem nicht Rechnung zu tragen;
  4. Die SVP hat bewiesen, dass sie »außenpolitisch« gute Ergebnisse erzielen kann und Südtirols Instanzen effizient vertritt; sie ist für das gesamte Spektrum der italienischen Parteien ein glaubwürdiger Ansprechpartner;
  5. Voraussichtlich stellt sich keine Südtiroler Partei der Wahl, deren Programm jenem von näher steht, als jenes der VP*;

Natürlich handelt es sich hierbei um eine eilfertige Einschätzung, die sich im Laufe der kommenden Tage und Wochen noch drastisch ändern und/oder verfeinern könnte. Gerade deshalb möchte ich sie jedoch zur Diskussion stellen.

*) Diese Aussage bedeutet nicht, dass das Programm der SVP den Vorstellungen von insgesamt nahesteht; es gibt jedoch derzeit keine Partei in Südtirol, deren Ausrichtung jener von entspräche.

Politik | Parlamentswahl 2008 | | | | PD&Co. SVP |

Omniscom wirbt auf Ladinisch.

N cör por le sport.

Die Omniscom-Gruppe (A&O, Alimarket, famila…) mit Sitz in Bozen setzt in ihrer Öffentlichkeitsarbeit verstärkt auf Dreisprachigkeit. Auf Plakaten und Bussen in der Landeshauptstadt kommt neben Deutsch und Italienisch auch die ladinische Sprache zum Zuge. Was mir hier einen Eintrag abringt, könnte eigentlich längst selbstverständlich sein — doch leider bleibt Dreisprachigkeit außerhalb der ladinischen Ortschaften die absolute Ausnahme.

Obschon in der Werbung auch die ladinische Webadresse www.ncoerporlesport.it aufscheint, bleibt die Seite jedoch vorerst zweisprachig Deutsch und Italienisch.

Vielleicht, hoffentlich setzt sich die Tendenz, der ladinischen Sprache einen angemessenen Platz in unserer Gesellschaft zu geben, nachdem sie Jahrzehnte lang diskriminierenden und assimilatorischen Kräften ausgesetzt war, endlich allgemein durch. Ein unverzichtbarer Schritt in diese Richtung wäre selbstredend auch die vom deutschen Schülerbeirat geforderte Einführung von Ladinischstunden an allen Schulen.

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Zusammenkunft III.

Am kommenden Freitagabend, den 8. Februar, findet das nunmehr dritte -Treffen in Bozen statt. Die Teilnahme steht allen Autoren, Lesern, Interessierten offen, die sich bis Samstag, den 2. Februar um 12.00 Uhr unter [at]selbstbestimmung.net oder in Form eines Kommentars zu diesem Artikel anmelden — damit Werner, der die Zusammenkunft organisiert, rechtzeitig eine Vormerkung vornehmen kann.

Das Lokal wird anhand von Teilnehmerzahl und Verfügbarkeit gewählt und im Laufe der nächsten Tage hier bekanntgegeben.

Nachtrag vom 12.02.08: Valentin[o] hat in seinem Blog eine kleine Zusammenfassung des Treffens veröffentlicht.

Interna Termin | | | | | |

Ladin per duć.

LBS.Les consultes di studenć dl nost paísc a ultimamënter ghiré leziuns de ladin te dutes les scoles de Südtirol. I jogn a desmostré insciö che i é plü inant de la politica: Sce l’imersion po representé n problem o sciuré sö domandes, l’aprendiment de na rujeneda minoritara l’é un at zënza risc, de respet y de responsabilité – che po ese d’ütl per salvé l lingaz plü vedl dl nost raiun y per se capì mieć.

La capazité de ti da na pert importanta y na nöia perspetiva al ladin tla la sozieté sudtiroleja serà una dles sfidades zentrals per la diversité de nosta tera.

Kohäsion+Inklusion Minderheitenschutz Plurilinguismo Scola | Good News | | | Ladinia | | Ladin

Acqua dal Sudtirolo.

Sanct Zacharias.Le fonti termali «Sanct Zacharias» (Brenner/o) sono una delle poche aziende ad aver optato per la denominazione inclusivista di Sudtirolo al posto di Alto Adige nell’etichettatura e nella promozione dei propri prodotti.

Per ora, purtroppo, quest’ultima rimane la sola traduzione ufficiale italiana di Südtirol. Ecco perché le amministrazioni pubbliche sono tenute a farne utilizzo esclusivo, propagandola inutilmente. La politica sudtirolese, tra l’altro, non si è mai attivata in modo serio per risolvere questo problema, segno anche di uno scarso interesse per l’altro.

Le aziende private comunque non sono legate a nessun obbligo in questo senso e, nonostante ciò, ben raramente scelgono di discostarsi dalla dizione ufficiale. È strano osservare come una denominazione sempre più popolare nell’uso quotidiano abbia, invece, grossissime difficoltà  ad affermarsi altrettanto «sul mercato».

Dal punto di vista del marketing certamente non vi possono essere grosse controindicazioni. Grazie alle campagne pubblicitarie di SMG con il marchio ombrello, il termine Südtirol è ormai popolarissimo anche in Italia, dove, secondo alcuni sondaggi, viene anzi associato in maniera più forte e diretta con i valori positivi della nostra terra (ambientalismo, pulizia, legame con la natura…), rispetto al termine Alto Adige.

Oltre a compiacermi per la scelta di Sanct Zacharias, colgo dunque l’occasione per ripetere il mio richiamo all’utilizzo sempre più diffuso e convinto di Sudtirolo a scapito del suo fratellastro di memoria coloniale, ed inoltre estenderò questo auspicio direttamente al comparto economico, rivolgendomi alle aziende.

Ortsnamen Wirtschaft+Finanzen | Good News Produktetikettierung | | | Südtirol/o | | Italiano

Silvio Flor.

Silvio Flor.Die »Selbstbestimmung« war hierzulande lange Zeit in rechter Geiselhaft, wodurch so einiges aus dem kollektiven Gedächtnis – ja Vorstellungsvermögen! – getilgt wurde.

Zum Beispiel, dass es sich dabei – weltweit und immer schon – ganz selbstverständlich um ein zutiefst demokratisches, sogar urlinkes Thema handelt, das sich die AufRechten meist nur dann zueigen gemacht haben, wenn es ihnen kurzfristigen Nutzen für ihre nationalistischen Beweggründe verspricht.

Die soeben dank Klara Rieder aus Terenten bei Raetia erschienene Biografie von Silvio Flor ist ein wichtiger Beitrag gegen dieses Vergessen. In mühevoller Klein- und Quellenarbeit hat die Autorin herausgearbeitet, was heute vielen unvorstellbar erscheint: Auch in Südtirol war die Linke stark am Kampf um die Unabhängigkeit beteiligt – bis weit in die zweite Nachkriegszeit hinein.

Die Geschichte des 1903 in Meran geborenen Sohns eines Sozialisten und Gewerkschafters ist eng mit jener der gesamten Südtiroler Arbeiterbewegung verflochten.

Flor war Kommunist der ersten Stunde, seit deren Gründung 1921 Mitglied der KPI, ab 1926 mehrere Jahre im politischen Exil und dabei stets zielstrebiger Verfechter und Verfolger jenes Volksentscheids, der den Südtirolern am Ende des ersten Weltkriegs verwehrt geblieben war. Mehrmals ließ er illegal Flugblätter verbreiten, um die Bevölkerung zur Einforderung und Wahrnehmung ihres Rechtes aufzurufen.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg trat Silvio Flor aufgrund ethnischer Spannungen (!) in der Autonomiefrage aus der kommunistischen Partei aus. Er gründete 1963 die »Autonome Südtiroler Buchdruckergewerkschaft« und kandidierte noch 1973 für die Sozialdemokratische Partei (SPS) – erfolglos – zum Südtiroler Landtag. Die Selbstbestimmung war als politisches Thema in andere Hände übergegangen.

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Mehr Solidarität, bitte.

Das Nullsummenspiel.

Das Thema »Autonomie und Geld« ist ein Dauerbrenner: Zumal in Italien die Meinung weit verbreitet ist, dass Südtirol ein haushoher Nettoempfänger staatlicher Zuwendungen sei. Das ist jedoch falsch. Südtirol behält »lediglich« rund 90% der auf seinem Gebiet eingetriebenen Steuern ein, um damit zahlreiche Bereiche (Schule, Straßen, Gesundheit…) selbst zu verwalten. Das restliche Zehntel unserer Steuern geht an den Staat, womit dieser — meist schlechte — Dienstleistungen zurück ins Land bringt. Ein Nullsummenspiel. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass wir uns Art und Höhe der Steuern großteils von Rom diktieren lassen müssen.

Nicht zu vergessen ist, dass der Staat dieses Land für viele Jahrzehnte der höchst einträglichen Stromproduktion de facto beraubt hat. Nach bester kolonialer Manier wurden Gewässer konfisziert, Dörfer überschwemmt, Kraftwerke gebaut: Unser Land hat keinen Cent dafür bekommen, dass hier rund 1/8 (!) der staatlichen Stromproduktion stattgefunden hat — und nach wie vor stattfindet. Das nennt man Ausbeutung.

Südtirol trägt also wenn überhaupt nur marginal zur regionalen Umverteilung bei. Ein schlechtes Gewissen braucht man dabei jedoch wohl keines zu haben, wenn man sieht, wie in Italien mit Steuergeldern umgegangen wird: Zum Beispiel wurde kürzlich eine prächtige Webseite finanziert, um den Tourismus anzutreiben. In einer Metropole wurde mit sehr viel Geld und Sonderbefugnissen ein funktionierendes Abfallwirtschaftssystem errichtet. Und ein römischer Minister geht sogar so weit, dass er EU-Fördergelder nach Brüssel zurückschicken möchte, weil die Regionen des Südens außerstande sind, sie sinnvoll einzusetzen. Italien hat kein Geldproblem.

Die Null-Solidarität.

Was wir hingegen drastisch steigern sollten, ist die externe Solidarität insgesamt. Da steht Südtirol zwar im Ruf, kleine Hilfsprojekte vorbildlich umzusetzen — das ist gut, reicht aber noch lange nicht. Erklärtes Ziel der UNO ist es, dass jedes Land mit durchschnittlich 0.7% des BIP zur Entwicklungszusammenarbeit beiträgt.

Davon sind wir noch weit entfernt: Ich habe zwar keine offiziellen Zahlen darüber gefunden, was Südtirol genau in die EZA investiert. Eine absolute Insiderin bestätigt mir aber, dass unser Land erst einen Bruchteil dieses Anteils beiträgt. Das ist für ein reiches Land beschämend, und hier sollten wir ansetzen, wenn wir unseren Reichtum sinnvoll in eine bessere Welt investieren möchten: Mehr, viel mehr Geld für wirklich Bedürftige!

Siehe auch:

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