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  • Als Sarde bei der Tour de France.

    Der erfolgreiche sardische Radrennprofi Fabio Aru hat es für einmal geschafft, aus der »nationalstaatlichen Logik« auszubrechen und sich bei der offiziellen Präsentation der diesjährigen Tour de France erstmals vor der Regionalflagge abbilden zu lassen — während alle anderen Athleten mit den Nationalfarben dargestellt wurden:

    Wie genau es dazu kam, ist unklar. Es wird vermutet, dass die Organisatorinnen mit der Darstellung einfach Arus starke Verbundenheit zu seiner Heimatinsel honorieren — und zum Ausdruck bringen — wollten.

    Die rotweißen Farben mit den charakteristischen vier Maurenköpfen zieren Arus Fahrradhelm, außerdem erschien er bei der Siegerehrung der von ihm gewonnenen Vuelta de España 2015 mit der sardischen Flagge. Kleine Zeichen, die Südtiroler Sportlerinnen selten wagen.

    Im Internet soll sardischen Medien zufolge die Tatsache, dass Aru nicht mit einer Trikolore abgebildet wurde, bereits Shitstorms ausgelöst haben. Die Toleranz mancher Nationalstaatlerinnen hat eben ihre enggesteckten Grenzen. Doch es ist davon auszugehen, dass sich der selbstbewusste Athlet davon nicht wird beeindrucken lassen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02



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  • Sezession in 48 Stunden?

    Gestern haben Junts pel Sí­ (JxS) und die linke CUP — gemeinsam mit dem katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont und seinem Stellvertreter Oriol Junqueras — sowohl im katalanischen Parlament, als auch im Rahmen eines öffentlichen Akts die Details des geplanten Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober erläutert.

    Immer hatten während der letzten Tage PolitikerInnen und Medien die Frage in den Raum gestellt, was die diesjährige Abstimmung von jener am 9. November 2014 (9N) unterscheiden wird, als sich rund zwei Millionen BürgerInnen in die Stimmlokale begaben, um sich großmehrheitlich für die Unabhängigkeit ihres Landes auszusprechen.

    Gestern wurde klar, dass man diesmal nicht mehr abwarten und hoffen wird, dass Madrid das politische Signal versteht und mit Katalonien in Verhandlungen eintritt. Nachdem die laufende Legislaturperiode unter anderem dafür genutzt wurde, die erforderlichen Übergangsgesetze und -mechanismen vorzubereiten, kündigte Präsident Puigdemont gestern an, dass er bei einem entsprechenden Abstimmungsergebnis binnen 48 Stunden die Unabhängigkeit erklären wird.



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  • Demokratie für Dummies.
    Der einfache Unterschied zwischen demokratischem Akt und Ziel

    Das Pew Research Center hat die Post-Brexit-Stimmung in der Europäischen Union erhoben. Unter anderem wurden Menschen in unterschiedlichen EU-Ländern befragt, ob sie für einen Austritt ihres Landes aus dem Staatenverbund wären. Zudem wurde deren Einstellung zu einem möglichen Austrittsreferendum abgefragt.

    Das Ergebnis zeigt, dass die Menschen in Europa offenbar sehr wohl zwischen einem demokratischen Prozess und einem politischen Ziel – zumal dem persönlich favorisierten – unterscheiden können. Während in Südtirol Politiker und Medien ganz oft Selbstbestimmung, Sezession, Unabhängigkeit, Eigenstaatlichkeit usw. munter vermengen und synonym gebrauchen bzw. Unabhängigkeitsgegner automatisch auch Selbstbestimmungsgegner zu sein scheinen, beweisen die Befragten der Pew-Studie eine differenziertere und zutiefst demokratische Sichtweise.

    In keinem der berücksichtigten Länder gibt es derzeit eine Mehrheit für einen EU-Austritt. Während in Griechenland über ein Drittel der Menschen damit liebäugelt, sind es in Deutschland und Polen nur elf Prozent. Gleichzeitig spricht sich aber mit Ausnahme der Niederlande und Ungarns in allen Ländern eine Mehrheit für die Abhaltung eines Referendums über die EU-Mitgliedschaft aus.

    Nachtrag
    Bemerkenswert ist, dass in Spanien die Zustimmungsrate für ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft mit 65 Prozent unter der Bevölkerung am höchsten ist, während der spanische Staat Katalonien ein Referendum über die Zugehörigkeit zu Spanien untersagt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Dogma religioso.
    Quotation

    Oggi per i funzionari, i burocrati di Stato al potere l’Unità di Spagna è un dogma religioso. Sarebbe più facile discutere col Papa dell’esistenza di Dio.

    Carles Puigdemont, presidente catalano, intervistato da Repubblica

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Progressiver Versuch.
    Quotation

    Die Unabhängigkeitsbestrebungen von Schottland etwa oder Katalonien […] sind nicht rückwärtsgewandte Sentimentalität, sondern ein progressiver Versuch, die eigene und damit die europäische Realität neu zu definieren. Auch die Städte gehören zu diesem lokalen Europa, Städte, in denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft mischen, Städte, die Orte des Wissens und des Fortschritts sind, Städte wie Barcelona, wo die Bürgermeisterin Ada Colau die Themen Gentrifizierung, also Eigentum an der Stadt, und Flüchtlinge, also Offenheit für alle, als zentral für die Stadt des 21. Jahrhunderts definiert hat — unter Rückgriff auf die alte europäische Idee, dass Stadtluft frei macht.

    Aus einem Essay von Georg Diez, das gestern, anlässlich des Trauerakts für Helmut Kohl, auf Spiegel Online erschienen ist.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Das ethnisch-nationale Vetorecht.

    Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) suggeriert in Zusammenhang mit dem Ergebnis des Südtirolkonvents, dass er nach dem Prinzip der »doppelten Mehrheit« vorgehen wird. Sprich: Ein Vorschlag hat dann Bestand, wenn er die Gesamtmehrheit und noch einmal in jeder Sprachgruppe die Mehrheit erlangt hat. Für ein Gremium wie den K33, der nicht nach dem Mehrheit-Minderheit-Prinzip hätte arbeiten sollen, ist diese Haltung per se schon sonderbar. Nirgends wurde im Vorfeld festgeschrieben, dass eine Mehrheit — schon gar keine »doppelte« — nötig sein würde, um Ideen voranzubringen.

    Davon abgesehen halte ich dieses Prinzip der doppelten Mehrheit für ein bedenkliches und ein potentiell gefährliches, denn bei einem Italieneranteil von 26% kommt dies einem Vetorecht gleich, das — theoretisch — rund 13% der SüdtirolerInnen gegen die restlichen 87% ausspielen können. Noch schlimmer: Dieses Vetorecht ist »ethnisch« unausgewogen, da die Stimme einer bzw. eines Italienischsprachigen über zweieinhalb mal mehr wert ist, als die Stimme einer bzw. eines Deutschsprachigen.

    Für die LadinerInnen, die sowohl auf Staats-, als auch auf Landesebene eine sprachlich-kulturelle Minderheit sind, wurde ein solches Vetorecht vielsagenderweise nicht ins Auge gefasst — sondern vordergründig für jene Sprachgemeinschaft, die Teil der »nationalen Mehrheit« ist, die in Rom schalten und walten kann, wie sie will. Dort gibt es kein Vetorecht für die Mehrheit der Deutschsprachigen, ja nicht einmal ein Vetorecht für eine etwaige gemeinsame Mehrheit der nationalen Minderheiten.

    Ausgleich und Dialog zwischen den Sprachgruppen in Südtirol sind wichtig, über entsprechende Mechanismen soll und darf man diskutieren. Ein asymmetrisches Vetorecht zu Lasten der Sprachminderheiten, wie es sich nun abzeichnet, ist jedoch meiner Meinung nach absurd.

    Cëla enghe: 01 02



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  • L’Alguer für mehrsprachige Etikettierung.

    In Alguer/Alghero (Sardinien) haben die Region Sardinien, die Generalitat de Catalunya und die Gemeindeverwaltung gemeinsam ein Projekt — namens MenjAlguerés — initiiert, um den Lebensmittelhandel für die Produktauszeichnung und -etikettierung auf Katalanisch zu sensibilisieren. Begonnen wurde mit der Obst- und Gemüsesparte, doch die Initiative soll nach und nach auf sämtliche Bereiche ausgeweitet werden.

    Am Projekt beteiligen sich neben den amtlichen Trägern auch der Handwerkerverband (Confartigianato), der Handelsverband (Confcommercio), die Landwirtschaftsvereinigung CIA, die beiden Märkte von Alguer sowie die Supermarktketten Eurospin und Conad.

    In Südtirol wird die einsprachige Etikettierung in der Staatssprache dagegen schon mal im protektionistischen Sinn als Wettbewerbsvorteil angesehen.

    Cëla enghe: 01 02 03



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