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  • Wieder zwei Konflikte zwischen Staat und Land.

    Schon wieder hat die römische Zentralregierung ein Landesgesetz vor dem Verfassungsgericht angefochten. Dies berichtete das Tagblatt Dolomiten in seiner Ausgabe vom 1. März (S. 9). Konkret hatte das beanstandete Gesetz, die neue Buchhaltungs- und Finanzordnung der Gemeinden und Bezirksgemeinschaften, »Südtirols Rathäusern einige Freiräume bei der Harmonisierung der Haushalte freigeschaufelt«, wie die Zeitung ausführt. Es sei im Dezember mit 18-Jastimmen bei 14 Enthaltungen vom Landtag genehmigt worden. »Wir haben immer gewusst«, zitieren die Dolomiten Landesrat Arno Schuler (SVP), »dass der Spielraum für Abweichungen gering ist — und haben ihn trotzdem genutzt.« Wir halten fest: Auch für die Buchhaltungs- und Finanzordnung der Gemeinden ist nicht das Land primär zuständig, sondern der Zentralstaat.

    Vollautonomie.

    Am gestrigen 2. März hat hingegen der Südtiroler Landtag mit 18 Jastimmen bei fünf Enthaltungen den Beschluss der Landesregierung ratifiziert, das staatliche Stabilitätsgesetz vor dem Verfassungsgericht anzufechten. Nach Auffassung des Landes greift der Staat damit nämlich einmal mehr in autonome Befugnisse des Landes ein, zum Beispiel im Gesundheitswesen.

    Auch im Jahr 2016 nehmen also die Konflikte zwischen Staat und Land bezüglich Südtirols Autonomie nicht ab.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 || 01



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  • Mit ohne Grenze.
    Quotation

    Während der gestrigen Landtagsdebatte über den österreichischen Grenzzaun am Brenner, am Reschen und in Winnebach sagte Landesrat Philipp Achammer (SVP) unter anderem:

    Ich erlebe auch hier in der Diskussion schon einige Widersprüchlichkeit: Gerade diejenigen, die sich hier gegen Grenzen ausgesprochen haben — Gott sei dank! — und [die] sagen das darf es nicht sein — Gott sei dank hat man sich hier klar dafür ausgesprochen! — sind diejenigen, die dann vielleicht in einer Folge danach sagen, ’ja es wäre doch eigentlich Zeit die Eigenstaatlichkeit umzusetzen’. Da frage ich mich schon, was soll das jetzt heißen? Noch mehr Grenzen ziehen? Also diejenigen, die sich gegen Grenzen aussprechen, sagen ’wir möchten Grenzen hochziehen’, das frage ich mich schon auch hier in der Runde, ich denke das sollte nicht die Schlussfolgerung aus Ihrer Sicht daraus sein.

    – Philipp Achammer

    Da macht es sich der Landesrat argumentativ etwas leicht: Wo genau ist der Widerspruch, wenn jemand Verwaltungsgrenzen (wie es Grenzen innerhalb des Schengenraums eigentlich sein sollten) nicht ablehnt und dann — konsequenterweise — die Aussetzung des Schengener Abkommens kritisiert?

    Wennschon wird hier die eklatante Widersprüchlichkeit des SVP-Sprechs der letzten Jahre sichtbar: Fast schon gebetsmühlenhaft hat man wiederholt, es gebe in Europa keine Grenzen mehr, was nachweislich falsch war und ist. Und nun wird diese dreiste Lüge angesichts geplanter Grenzzäune wieder deutlich sicht- und spürbar.

    Man müsste nun also sagen: Eines der wichtigsten, aber unzulässig vereinfachenden, Argumente der SVP gegen die Eigenstaatlichkeit (nämlich, dass man in Europa keine neuen Grenzen errichten könne, weil es keine Grenzen mehr gebe) wurde widerlegt. Diejenigen, die die Eigenstaatlichkeit im Rahmen der EU anstreben, haben die Existenz der Grenzen nie geleugnet. Sie möglichst durchlässig gestalten zu wollen steht aber nicht im Widerspruch zu ihrer Existenz.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01



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  • Netflix auf Katalanisch und Baskisch.
    Intervention der Generalitat zeigt Wirkung

    Die katalanische Plataforma per la Llengua teilt mit, dass das Engagement der Generalitat, Direktion für Sprachpolitik, erste Erfolge zeitigt: Nachdem die Regionalregierung entsprechenden Druck ausgeübt hatte, hat der amerikanische Onlinevideo-Anbieter Netflix nun damit begonnen, in Spanien auch Inhalte auf Katalanisch und Baskisch anzubieten.

    Zum Vergleich: Ohne den Aufwand einer — den Geschäftsbedingungen von Netflix widersprechenden — technischen Umgehung zu betreiben, sind in Südtirol nur solche Netflix-Inhalte auf Deutsch abrufbar, die ohnehin auf der ganzen Welt auf Deutsch abrufbar sind. Im Wesentlichen sind das Netflix-Eigenproduktionen sowie Filme, deren Originalversion Deutsch ist. Alle anderen Inhalte sind hierzulande ausschließlich auf Italienisch und Englisch (bzw. in anderen Originalfassungen) verfügbar. Eine Berücksichtigung der besonderen sprachlichen Situation unseres Landes findet nicht statt.

    Das Land Südtirol hat niemals die Initiative ergriffen, um internationale, staatsweite oder — wo erforderlich — auch regionale Anbieter dafür zu sensibilisieren, dass die Staatsgrenzen nicht auch Sprach- und Kulturgrenzen sind und dass es angemessen wäre, dieser einfachen Tatsache auch im kommerziellen Bereich (respektive im Verbraucherschutz) Rechnung zu tragen.

    Katalonien hat durch das Engagement der eigenen Regierung die Grenzen des »Machbaren« schon mehrmals verschoben: Bei der Vergabe eines eigenen Internetsuffixes (.cat), bei eigenen internationalen Sportteams oder eben bei Konzernen wie Ryanair und Netflix. In all diesen Bereichen blieb unser Land bislang untätig.

    Würde man die Katalaninnen mit ihrem vorbildlichen Engagement nicht allein lassen, sondern würden mehrere Regionen Europas regelmäßig aktiv werden, könnte man den bereits beschriebenen, tumben Automatismus, Staatsgrenzen als Sprachgrenzen zu betrachten, möglicherweise irgendwann überwinden.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 || 01 02 03 04



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  • Freiheit bewahren.
    Quotation

    Es schränkt die Freiheit ein, um die Freiheit zu bewahren.

    Andreas Voßkuhle, Präsident des deutschen Bundesverfassungsgerichts, über das Instrument des Parteiverbots, während der heutigen Eröffnung des NPD-Verbotsverfahrens.

    Cëla enghe: 01 02



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  • Forum dei 100: Ultimi giorni per iscriversi.

    Dal 23 gennaio sono in corso, ogni sabato, gli open spaces pubblici della Convenzione Sudtirolese, alla fine della quale ci sarà , o ci si aspetta che ci sia, una proposta per la riforma del nostro autogoverno.

    Mentre gli «spazi aperti» si concluderanno con l’ultima manifestazione di sabato prossimo (5 marzo) che si svolgerà  a Bolzano, dal 2 aprile sarà  la volta del cosiddetto Forum dei 100.

    Questo Forum sarà  composto da 100 fra cittadine e cittadini — rappresentative della popolazione sudtirolese per genere, gruppo linguistico e fascia d’età . Le ed i componenti saranno scelte a sorte a partire da una lista di persone iscrittesi per tempo, entro e non oltre domenica 6 marzo.

    Sarà  il Forum a eleggere otto persone, fra i suoi membri, da inviare alla vera e propria Convenzione dei 33, dove lavoreranno per un anno con gli altri 25 rappresentanti scelti dalle associazioni, dai comuni e dal parlamento sudtirolesi. Il Forum stesso rimarrà , per tutto il periodo di lavoro della Convenzione, organo consultivo e anello di congiunzione privilegiato con la società  civile.

    Come candidarsi per il Forum dei 100: Qualsiasi cittadin@ residente in Sudtirolo che abbia compiuto 16 anni può iscriversi online tramite una semplice autodichiarazione.



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  • Am Konvent vorbei?

    Die Grünen kritisieren die Bestrebungen der SVP, in Rom Verbesserungen für die ladinische Sprachgruppe auszuhandeln, weil dies am Konvent vorbei geschehe.

    Hierzu — und ohne die Güte der vorgeschlagenen Maßnahmen im Einzelnen zu bewerten — einige Überlegungen:

    1. Die Notwendigkeit des Minderheitenschutzes, noch dazu für eine kleine Sprachgemeinschaft wie die ladinische, ist nicht verhandelbar.
    2. Verbesserungen des Minderheitenschutzes im Sinne internationaler Standards sind daher jederzeit erstrebenswert.
    3. Die bereits stattgefundenen Open Spaces des Südtirolkonvents lassen einen klaren Willen zum Ausbau der Zuständigkeiten und auch des Minderheitenschutzes erahnen.
    4. In einem zentralistischen Staat wie Italien muss jede Gelegenheit beim Schopf gepackt werden, die Autonomie auszubauen.
    5. Es wäre fatal, sich bietende Gelegenheiten des Autonomieausbaus während der zwei Jahre des Südtirolkonvents nicht wahrzunehmen.
    6. Hinzu kommt, dass die Umsetzung des aus dem Konvent hervorgehenden Ergebnisses keine »g’mahnte Wies’n« ist. Wäre dies der Fall, könnte man eher im Sinne eines vorläufigen Stillstandes argumentieren.
    7. Sollte — was äußerst unwahrscheinlich erscheint — aus dem Fortgang des Konvents die Forderung hervorgehen, die Autonomie einzuschränken, wird dies aufgrund der zentralistischen Ausrichtung des Staates (durch Verzicht auf Zuständigkeiten) kein schwieriges Unterfangen sein.

    Schlimm wäre nur, wenn am Konvent vorbei eine organische Autonomiereform beschlossen würde.

    Cëla enghe: 01 02



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  • ANPI in der Schule: Der Bock als Gärtner?

    Wie die Landesregierung mitteilt, haben die drei Schulämter des Landes sowie die Schullandesräte Achammer, Mussner und Tommasini mit der Associazione Nazionale Partigiani d’Italia (dem Partisanenverband ANPI) eine Vereinbarung unterzeichnet.

    Ziel ist es, das Wissen um die historischen Ereignisse im Zeitraum zwischen 1919 und 1948 und insbesondere die Geschichte des Widerstandes gegen den Faschismus und Nationalsozialismus zu verbreiten.

    – Landespresseamt

    Nun kann man den Schülerinnen nicht genug Wissen über die verhängnisvolle Zeit der nationalsozialistischen und der faschistischen Diktaturen, ihre unvergleichlichen Verbrechen, ihre Auswirkungen auf unser Land und über den Widerstand vermitteln.

    Allerdings drängt sich der Verdacht auf, dass hier der Bock zum Gärtner gemacht wird, hat sich der italienische Widerstand in Südtirol — ähnlich wie in Triest und dem »julischen Venetien« — vor allem dadurch ausgezeichnet, den Verbleib bei Italien zu unterstützen. Dabei waren ungerechtfertigte Gewaltanwendung und Zusammenarbeit mit den angeblich bekämpften Faschisten keine Ausnahme:

    Auf italienischer Seite gab es auch in Bozen eine Zweigstelle des “Comitato di Liberazione Nazionale” (CLN), auf deutschsprachiger Seite den “Andreas-Hofer-Bund” (AHB). Militärische Widerstandshandlungen gab es bei beiden Gruppen praktisch nicht. […] Ende 1944 tauchte der Mailänder Sozialist Bruno De Angelis in Südtirol auf. […] Claus Gatterer meinte zu De Angelis: “Sein Auftauchen akzentuierte den Importcharakter der italienischen Widerstandsbewegung in eher negativer Weise, zumal ihm — im Gegensatz zu Longon oder auch Manci — die wesentlichen Grundelemente für das Verständnis der Lage im Lande fehlten.” So wurde der CLN Bozen unter der Leitung De Angelis zu einer nationalistischen Gruppe, die als erstes Ziel den Erhalt der Brennergrenze für Italien sah. […] Die Vertreter des CLN Mailand waren über die Kapitulationsverhandlungen unterrichtet und sich im klaren darüber, daß die Südtiroler nun eine Wiedervereinigung mit Tirol wollten. Von daher war es wichtig, wer beim Einrücken der Alliierten die Macht in Südtirol hatte. Es ging darum, sich eine gute Ausgangsposition für künftige Friedensverhandlungen zu schaffen, um die Brennergrenze zu erhalten. Bruno De Angelis wurde daher nach Bozen geschickt, um die Machtübernahme des “Nationalen Befreiungskomitees” und damit Italiens in Südtirol durchzuführen. Er ging dabei äußerst rücksichtslos vor und scheute auch nicht vor unnötiger Gewaltanwendung zurück. […] Im allgemeinen Befehlsdurcheinander gelang es De Angelis schließlich, mit Hilfe der wenigen Bozner CLN-Mitglieder die Regierungsgewalt in Südtirol von den deutschen Befehlshabern übertragen zu bekommen. So wurden noch vor dem Einmarsch der Amerikaner vollendete Tatsachen geschaffen. […] Am 3. Mai 1945 übernahm der CLN endgültig die Verwaltung des Landes bis zum Brenner. Am gleichen Tag hißten Carabinieri dort die italienische Fahne. Italien hatte wieder die Regierungsgewalt in Südtirol übernommen; in Bozen war eine Regierung im Amt, die ihre Tätigkeit im Namen Italiens ausübte und dann von den Amerikanern in diesem Amt bestätigt wurde. Die […] zunehmend antideutsche Einstellung des CLN machte sich dann besonders im administrativen Bereich sofort bemerkbar. Das Bozner Unterland, Cortina d’Ampezzo und Buchenstein wurden von der Provinz Bozen abgetrennt und der Provinz Trient bzw. Belluno angegliedert. In vielen Gemeinden wurden ehemals faschistische Funktionäre wieder als Bürgermeister eingesetzt, und auch in der Bürokratie fand eine allgemeine Re-Italianisierung bzw. Re-Faschistisierung statt. Es kam zu einer direkten Fortsetzung der ehemals faschistischen Politik.

    – aus Steininger, Rolf: Südtirol im 20. Jahrhundert, S. 205ff.

    Auch der Politologe Günther Pallaver schreibt (in der Tageszeitung vom 2. September 2011):

    Die italienische Resistenza (das nach der Ermordung Manlio Longons von Bruno De Angeli geleitete CLN) war von Nationalisten und Faschisten unterwandert. Ihr primäres politisches Ziel war die Aufrechterhaltung der Brennergrenze.

    – Günther Pallaver

    Der italienischsprachige Südtiroler Historiker Andrea Di Michele berichtet in einem Aufsatz von der Eingliederung der stramm nationalistischen Bewegung Giovane Italia sowie ehemaliger Faschisten ins Bozner »Befreiungskomitee«:

    È con De Angelis che avvenne l’inquadramento nel CLN dei resistenti nazionalisti della «Giovane Italia», nonché l’infiltrazione nelle formazioni partigiane di ex fascisti desiderosi di ricrearsi una verginità  politica. Ciò si inseriva nello sforzo di dare forza numerica ad un’organizzazione militare che, secondo le stesse dichiarazioni di De Angelis, doveva porsi come obiettivo principale quello di assumere i poteri al momento dell’ormai prossima resa tedesca. […] Il fatto di riuscire ad assumere formalmente il governo della provincia in nome delle autorità  italiane al momento della resa tedesca, veniva visto come decisivo per garantire il mantenimento dell’Alto Adige in mani italiane. L’interesse di De Angelis non era solo di tipo nazionale, ma anche di carattere economico: i suoi strettissimi legami con il mondo industriale lombardo lo portavano a rappresentare gli interessi di quelle forze economiche fortemente interessate all’«oro bianco» (l’energia elettrica) prodotta [sic] in Alto Adige.

    – Andrea Di Michele

    Zweifel an der jetzt abgeschlossenen Vereinbarung zwischen Land und Partisanenverband — respektive am vorgeblichen Ziel, »insbesondere die Geschichte des Widerstandes gegen den Faschismus und Nationalsozialismus zu verbreiten« — kommen außerdem auf, wenn an anderer Stelle in der Pressemitteilung des Landes davon die Rede ist, dass

    der Geschichte des Durchgangslagers in Bozen-Gries, der Zeit des “Alpenvorlandes” und den Formen des Widerstands in der Bevölkerung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll.

    – Landespresseamt

    Sowohl das Durchgangslager als auch die Operationszone Alpenvorland fallen in die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Geradezu großartig, wenn die Schülerinnen tatsächlich objektiv über die damaligen Verbrechen der Nazis, die weitverbreitete Kollaboration in Südtirol und den Widerstand aufgeklärt werden.

    Die Geschichte des italienischen Partisanentums in Südtirol bewirkt jedoch, im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass die »besondere Aufmerksamkeit« nur auf der einen Seite liegen soll — während die 20 Jahre Faschismus offenbar vernachlässigt werden — zumindest einen merkwürdigen Beigeschmack.

    Das Protokoll sieht außerdem Initiativen vor, die sich mit dem Widerstand und dem Freiheitskampf befassen; hierbei sind Projekte zur Wiederentdeckung der Gedenkstätten und zur Verankerung der grundlegenden Werte der italienischen Verfassung geplant.

    – Landespresseamt

    Auch dies scheint keineswegs unproblematisch zu sein. Der CLN hatte dazumal mit dazu beigetragen, dass die Bürgerinnen nach langen Jahren der Diktatur nicht über die staatliche Zugehörigkeit Südtirols befinden durften. Und die italienische Verfassung verhindert kraft ihrer »grundlegenden Werte« bis heute — und wenn möglich sogar in alle Ewigkeit — dass ein derartiger Entscheid jemals möglich wird.

    Nur konsequent ist dann auch, dass das Projekt »zudem einen kontinuierlichen Austausch mit dem gesamtstaatlichen Institut Centro Turistico Studentesco CTS« vorsieht. Die alten Ziele der Partisaninnen, Südtirol im Sinne eines Verfassungspatriotismus in die italienische Nation zu integrieren, scheinen nach wie vor aktuell zu sein. Und die Landesregierung spielt willig mit.



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  • Geschichten aus dem Sanitätswald.

    Kapitel 1

    Brixen. Südtirol. Wir schreiben das Jahr 2016.
    Tochter benötigt einen Harn-Laborbefund. Harn zur Kinderärztin gebracht. Diese kann nicht alle Werte selbst feststellen. Also muss Harn – mit fieberndem und weinendem Kind am Arm – ins Krankenhaus gebracht werden. Notwendiger Zettel von Kinderärztin ausgehändigt bekommen. Labor verweigert Harn, da Zettel nicht gestempelt. Mit fieberndem und weinendem Kind am Arm zur Anmeldung des Krankenhauses. Zettel gestempelt. Zurück zum Labor. Harn abgegeben. Befund soll am nächsten Tag folgen. Zettel bekommen, mit dem man Befund persönlich abholen muss. Frage, ob der Befund nicht der Kinderärztin (elektronisch) geschickt wird bzw. sie ihn abrufen kann. Antwort: nein. Nächster Tag. Mit Abholzettel zum Labor ins Krankenhaus. Gebeten, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Ausgedruckter Befund wird nach wenigen Minuten ausgehändigt. Mit Befund in der Hand quer durch die Stadt zur Kinderärztin. Im Wartezimmer 20 Minuten gesessen, da Kinderärztin keine Sprechstundenhilfe hat, der man den Befund geben könnte. Zwischen Tür und Angel und zwei Patienten Befund besprochen. Heimgefahren.

    Stubaital. Nordtirol. Wir schreiben das Jahr 2005.
    Ich brauche einen Blutbefund. Blutabnahme beim Hausarzt. Dieser kann nicht alle Werte selbst feststellen. Kurierdienst bringt Blutentnahmeröhrchen ins Labor nach Innsbruck. Drei Stunden später hat Hausarzt den Befund am Bildschirm. Fertig. Kein einziger Zettel.

     

    Kapitel 2

    Die Reha des Krankenhauses Brixen benötigt einen Blutwert von mir. Ich bekomme eine Überweisung in die Hand gedrückt und werde zur Blutabnahme geschickt. Anstehen in der Warteschlange. Am Schalter angekommen sagt man mir, dass ich die (hausinterne) Überweisung bei der Anmeldung am Eingang des Krankenhauses stempeln lassen muss. Nochmals zum Genießen: Wenn eine Abteilung innerhalb (!) des Krankenhauses Brixen einen Blutwert benötigt, muss man dafür wieder raus zur Anmeldung. Wieder Warteschlange. Am Anmeldeschalter möchte man dann die “Sanitätskarte” sehen und stempelt die Überweisung. Zurück zur Blutabnahme. Wieder Warteschlange. Der netten Assistentin stecke ich mit den Worten “Hoffe, jetzt passt’s” die gestempelte Überweisung unter der Glasscheibe hindurch. “Sanitätskarte, bitte!” tönt es mir entgegen. Ich gebe sie ihr. Sie stempelt neuerlich meine Überweisung. Mit einer Nummer bewaffnet warte ich, bis ich aufgerufen werde und sinniere darüber nach, warum man für eine hausinterne Angelegenheit überhaupt das Haus verlassen muss und warum man sich für eine (!) Blutabnahme innerhalb von fünf Minuten mittels Sanitätskarte an zwei (!) unterschiedlichen Schaltern registrieren lassen muss.

    Im LKH Innsbruck geht das so: Eine Abteilung benötigt einen Blutwert. Man bekommt eine Überweisung. Geht zur Blutabnahme. Händigt den Zettel aus und wartet, bis man aufgerufen wird.

     

    Kapitel 3

    Frauen sollten in regelmäßigen Abständen zur Kontrolluntersuchung zum Gynäkologen gehen. Wenn man bei der allgemeinen Vormerkstelle in Brixen im Jänner 2016 anruft, um einen solchen Termin zu vereinbaren, bekommt man ihn neun Monate später im September 2016.

    In Nordtirol müssen Patienten für solche Untersuchungen nicht ins Krankenhaus, sondern können – wie für andere Untersuchungen auch – kostenlos zu einem Facharzt ihrer Wahl gehen, der über einen Kassenvertrag verfügt. Die Wartezeit auf einen Termin beträgt im Schnitt ein bis vier Wochen.

    Ärgerlicherweise ist dieses clevere und über Jahrzehnte hinweg sehr gut funktionierende österreichische System in letzter Zeit etwas unter Druck geraten. Doch sowohl Ärztekammer, Krankenkassen als auch Patientenanwaltschaft haben erklärt, die Situation wieder ins Lot bringen zu wollen. Das Kassensystem ist nämlich für viele Fachärzte nicht attraktiv genug. Sie ordinieren lieber privat als sogenannter Wahlarzt. Das hat vielerorts zu einem Kassenärztemangel geführt. Bei Haut- und Augenärzten beispielsweise sind Wartezeiten von mehreren Monaten auf einen Termin mittlerweile keine Seltenheit mehr. Diese Entwicklung ist bedenklich und es bleibt zu hoffen, dass das patientenfreundliche Kassensystem nicht unter die Räder kommt. Eine Abkehr würde nämlich – ähnlich wie in Südtirol – die Krankenhäuser überlasten oder öffentlich versicherte Patienten zum Aufsuchen teurer privater Wahlärzte zwingen. Beides kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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