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  • Die Selbstzerstörung der Selbstbestimmung.
    Süd-Tiroler Torheit

    Wollte der Geheimdienst eines Landes verhindern, dass die Idee der Abspaltung eines Teilgebiets jemals allzu gefährlichen Zuspruch erreicht, würde er eine vorgeblich sezessionistische Kraft gründen, die:

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    Und dann noch:

    Nichts, wirklich gar nichts darf zu peinlich sein. Nichts zu blöd. Etwas mehr Glaubwürdigkeit verleiht die eine oder andere unverdächtige — oder gar sinnvolle — politische Aktion. Das wars.

    So schadet man einer politischen Idee wohl am effizientesten.

    Doch nein: Ich glaube leider nicht, dass in diesem Fall der italienische Geheimdienst irgendwas dazu beitragen musste. Wir haben es wohl eher mit einer einzigartigen Kombination aus Masochismus, authentischer Dummheit und Rückwärtsgewandtheit zu tun. Völlig hoffnungslos.

    Als jemand, der sich seit Jahren für die Selbstbestimmung stark macht, fällt mir dazu nicht mehr viel ein. So oft und heftig wie ich eigentlich sollte, kann ich gar nicht mit dem Kopf gegen die Wand knallen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 || 01



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  • Land Südtirol goes PAB.

    Das benachbarte Trentino setzt schon lange auf die Abkürzung PAT für Provincia autonoma di Trento. Von offizieller Stelle war ich es bislang jedoch nicht gewohnt, dass in Südtirol — analog dazu — das Kürzel PAB genutzt wird. Auch weil sich diese Abkürzung nur auf die italienische Bezeichnung Provincia autonoma di Bolzano bezieht, wiewohl sie auch bei Provinzia autonoma de Bulsan funktioniert.

    Kürzlich war mir jedoch aufgefallen, dass die E-Mailadresse des Callcenters des Landes service.pab@provinz.bz.it bzw. service.pab@provincia.bz.it lautet.

    Wenig später bin ich auf ein strategisches Projekt der Südtiroler Informatik AG gestoßen, das PAB Goes Digital heißt und in dessen Rahmen die Digitalisierung von Verwaltungsverfahren erfolgen soll.

    Die Südtiroler Informatik AG ist eine Inhousegesellschaft des Landes (um nicht zu sagen: der PAB).

    Schön langsam scheint sich also dieses Akronym, das die zahlenmäßig größte Landessprache ausschließt, einzuschleichen, weil es so schön kurz ist und leicht über die Lippen geht. Ein alternatives LAS (für Land Südtirol) scheint niemandem einzufallen. Wäre dann ja vermutlich ein schwerer Affront, während eine Anbiederung an die lingua franca jederzeit durchflutscht. Wer wird da schon kleinlich sein?

    Cëla enghe: 01 02 || 01 02 03



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  • Merano, via Cadorna?

    Mercoledì prossimo il Consiglio comunale di Merano, sulla base di una mozione del rappresentante ecosociale David Augscheller approvata nel 2018, deciderà finalmente come si chiamerà quella che finora era stata via Cadorna. I nomi — tutti al femminile — che potrebbero sostituire il generale, caduto in disonore soprattutto per il trattamento disumano riservato ai propri soldati, sono quattro: Elena Stern De Salvo, Aliza Mandel, Mathilde von Schwarzenberg o Anita Pichler. Si tratta di proposte elaborate da un’apposita commissione.

    Durissima la critica del consigliere provinciale di estrema destra Alessandro Urzì (AAnC/FdI), che mette in guardia da quelli che ritiene «talebani del 2000» in quanto con questa «pulizia linguistica ammantata di idealismo» creerebbero un precedente per l’abolizione di altri nomi «italiani».

    Lo «storico» Giorgio Delle Donne — secondo il Dolomiti, che lo cita — attacca a suo giudizio vorrebbe imporre la memoria collettiva «sudtirolese» (incarnata dal «partito unico e totale» dell’SVP) ai poveri italiani (deboli e divisi).

    Peccato che a volerne fare una questione etnica a tutti i costi, si scoprirebbe che nel corso degli anni sono scomparsi Wenter (a Merano), von Klebelsberg (a Bolzano), Ploner (a Sterzing) o più recentemente N****hütte (in Badia) — mentre non risulta l’abolizione di denominazioni «italiane». Anzi, su quel fronte si sono addirittura aggiunti il Lungo Talvera (Bolzano) e la via (Brixen) dedicati agli Alpini, poi il parco che CPI ha potuto dedicare ai cosiddetti «martiri» delle foibe o il  nuovo monumento «fascista» per Norma Cossetto.

    In questo caso, metterla sul piano etnico — magari tirando fuori la solfa del disagio — non sembrerebbe dunque un’idea tanto azzeccata. Meglio distinguere tra retrogradi e progressisti.

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  • Kulturpessimistische Bewahrungsfraktion.
    Quotation

    Der öffentliche Raum gehört uns allen, die wir hier leben. Als Eigentümerinnen und Eigentümer ist es unsere Aufgabe, in ihn eingeschriebene Widmungen kritisch zu prüfen. Das Hinterfragen von Geschichtsbildern, die sich in Denkmälern oder Straßennamen manifestieren, ist Ausdruck einer selbstbewussten demokratischen Gesellschaft.

    Voraussetzung dafür ist es, die stets in der Debatte um Umwidmungen bemühte Rede von der Auslöschung der Geschichte als das zu benennen, was sie ist: Scheinargument einer kulturpessimistischen Bewahrungsfraktion. Wurde mit den 1945 erfolgten Umbenennungen der zahlreichen Adolf-Hitler-Plätze Geschichte ausgelöscht? Wird Columbus aus der Weltgeschichte verschwinden, wenn der Platz in Wien-Favoriten einst anders heißt?

    Zusatztafeln zur Erläuterung von Straßenschildern, wie sie nun mancherorts angebracht wurden, sind eine gute Idee. Da die Tafeln aber auf Stadtplänen, Onlinekarten und Postsendungen unsichtbar und also wirkungslos bleiben, sollte das Prinzip umgekehrt werden und die Tafeln erst nach erfolgter Umbenennung angebracht werden, um Auskunft über die Benennungsgeschichte der Straße zu geben.

    Erklärende Zusatztafeln sind auch [bei Denkmälern] unzureichend: Neben der dominanten Ästhetik der Denkmäler verkommen sie zu unscheinbaren Zusatztaferln, räumlichen Fußnoten in der gesellschaftlichen Aushandlung von Geschichtsbildern. Beschränken wir uns auf die bloße Setzung solcher Zusatztafeln, vertun wir eine Chance, denn problematische Denkmäler bergen das Potenzial, Orte der Auseinandersetzung mit Geschichte zu sein – wenn wir uns trauen, sie zu solchen zu machen.

    Die Jüdischen österreichischen HochschülerInnen und die Sozialistische Jugend fordern per Petition die Entfernung der Statue [Karl Luegers in Wien]. Dem ist grundsätzlich zuzustimmen, die Statue sollte ins Museum – oder in einen Skulpturenpark. Der verbleibende Rest des Denkmals, etwa der mit vermeintlichen Errungenschaften Luegers bebilderte Sockel, bietet sich dazu an, zur künstlerischen Umgestaltung und Kontextualisierung ausgeschrieben zu werden.

    Eduard Freudmann, Künstler und Lehrender an der Akademie der Künste Wien, in Mehr Mut zum Denkmalsturz!, der Standard, 12. Juli 2020

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 || 01



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  • Euskadi+Galicien: Separatismus gewinnt.
    Podemos vernichtet

    Am Sonntag haben im Baskenland (Euskadi) und in Galicien Wahlen zur Erneuerung der regionalen Parlamente stattgefunden. In beiden Ländern wurden die bestehenden Regierungskoalitionen bestätigt.

    In Euskadi war die Wahl ursprünglich am 5. April geplant, wurde jedoch wegen Corona auf den 12. Juli verschoben. Das Autonomieparlament zählt 75 Abgeordnete. Als stärkste Kraft konnte sich die selbstbestimmungsbefürwortende EAJ behaupten, die im Vergleich zu 2016 um drei auf 31 Sitze zulegen konnte. An zweiter Stelle liegt die linksradikale und separatistische EH Bildu mit 21 Sitzen (+3), gefolgt vom PSOE-Ableger Euskadiko Ezkerra (EE) mit 10 Abgeordneten (+1). Deutliche Einbußen mussten sowohl Podemos (6 Sitze, -4) als auch das Wahlbündnis aus PP und Cs hinnehmen, das mit nur fünf Sitzen vier weniger erringen konnte als bei der letzten Wahl die PP allein. Aufgrund des besonderen föderalen Wahlgesetzes von Euskadi konnte die rechtsextremistische Vox einen Sitz (+1) ergattern, während die Grünen (Equo Berdeak) ihren einzigen Sitz verloren. Insgesamt konnten die Parteien EAJ und EH Bildu, die die Selbstbestimmung befürworten, gut zwei Drittel (67%, +8,1) der Wählerstimmen auf sich vereinen. Allgemein wird erwartet, dass EAJ und EE ihre bisherige Regierungskoalition fortsetzen.

    Auch in Galicien wurde die Wahl vom 5. April auf den 12. Juli verschoben. Von den 75 zu vergebenden Sitzen gingen hier wieder 41 (±0) an die PPdeG (PP). Ein unglaubliches Ergebnis legte jedoch die linke und separatistische BNG hin, die ihre Sitze von sechs auf 19 mehr als verdreifachen konnte und somit zur zweiten Kraft aufsteigt. Das ist das beste Ergebnis der 1982 gegründeten Partei. Die sozialistische PSdeG (PSOE) legte um einen auf 15 Sitze zu, während Galicia en Común-Anova-Mareas (Podemos) alle 14 Abgeordneten  einbüßte und aus dem Parlament flog.

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  • Wenn Minderheiten das Nachsehen haben.

    Am 15. Juni veröffentlichten die Südtiroler Grünen eine Pressemitteilung mit dem Titel Wenn die Fahrgäste das Nachsehen haben. Bebildert war der Text ausgerechnet mit einem Corona-Sicherheitshinweis von RFI, auf dem die Missachtung der deutschen Sprache klar ersichtlich ist. Zu dem Zeitpunkt hatte der Schienennetzbetreiber zwar bereits teilweise nachgebessert, die Situation bleibt aber bis heute gesetzwidrig.

    Unter dem Titel der Aussendung hätte man sich erwarten dürfen, dass speziell die mehrsprachigen Grünen — und wenn auch nur in einem Nebensatz — die Missachtung der Sprachbestimmungen geißeln. Doch dem war leider nicht so. Auch auf eine spätere Äußerung der Grünen zu dem Thema hätte man bis heute vergeblich gewartet.

    Dass die Sprachrechte nicht nur ein Spleen von sind, sondern wesentlicher Bestandteil unseres Statuts, dürfte den Autonomiepatriotinnen ja bekannt sein. Sowohl der Europarat als auch der Hohe Kommissar für nationale Minderheiten der OSZE haben ferner gefordert, auch und gerade in Pandemiezeiten besondere Rücksicht auf Sprachminderheiten zu nehmen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Noch mehr gesetzwidrige Bahnhofsschilder.
    Systematische Marginalisierung der deutschen Sprache

    Dieser Tage habe ich wieder einmal jemanden vom Bahnhof Franzensfeste abgeholt. Während der Wartezeit habe ich geschaut, ob sich seit März 2019 etwas an der illegalen Bahnhofbeschilderung geändert hat. Spätestens seit September 2019 wollte RFI ja angeblich nachbessern.

    Doch nein, es hat sich nichts verändert, jedenfalls nicht zum Besseren. Im Gegenteil: RFI hat es seit damals — nicht nur Corona-bedingt — sogar fertiggebracht, die Situation weiter zu verschlimmern.

    Bei gewissen Hinweisen muss man schon sehr genau hinsehen, um die deutsche Übersetzung überhaupt zu bemerken.

    Die einschlägige Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut schreibt gleiche Schriftgröße und gleiches Schriftbild vor, doch hier ist ausschließlich der italienische Text in Großbuchstaben und fett gehalten, zudem mit einer deutlich größeren Schriftgröße.

    Doch es geht auch noch schlimmer: Der Hinweis zur maximalen Anzahl von Personen, die sich in einem Raum aufhalten dürfen, ist einsprachig Italienisch.

    Und auch auf dem (soweit ich beobachten konnte neu angebrachten) Schild, das auf das Vorhandensein eines offenen WLANs hinweist, ist sich — den angekündigten Nachbesserungen zum Trotz — eine deutsche Übersetzung offenbar nicht ausgegangen:

    Wie sich das Land (stellvertretend für alle Südtirolerinnen) von staatlichen Betrieben auf den Kopf sch***en lässt, dürfte wirklich fast einmalig sein.

    Das sollte vielleicht irgendwann Gegenstand tiefenpsychologischer Untersuchungen werden.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01 02 03



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  • Südtiroler Immuni-Pflicht.

    Neue Corona-Regeln bringen in Südtirol erstmals einen — kontextbezogenen — Zwang zur Installation der staatlichen Trackingsoftware mit sich. Der Eintritt in eine Diskothek ist ab sofort nur jenen gestattet, die Immuni auf dem eigenen Smartphone installiert und in Betrieb genommen haben.

    Damit ist die absolute Freiwilligkeit zur Nutzung der Software erstmals gebrochen. Das bringt auch mit sich, dass diejenigen, die kein Handy besitzen oder sich kein Smartphone leisten können, das die Kontakttracingfunktion von Apple bzw. Google unterstützt, erstmals vom Aufenthalt an bestimmten Orten ausgeschlossen sind.

    Unklar ist — wenigstens mir — derzeit noch, wer das Vorhandensein sowie die dauerhafte Aktivierung der Software während eines Discobesuchs wie überprüfen wird.

    Nachtrag vom 10. August 2020: Die Immuni-Pflicht wurde noch vor Inkrafttreten der entsprechenden Regelung wieder gestrichen.



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