Gefährliche Missverständnisse.
Quotation 545

Einen ärztlichen Befund zu verstehen, ist schwer. Auch in der eigenen Sprache, schon gar in der anderen Landessprache.

Dass ein Arzt einen Patienten versteht, ist ­unerlässlich für eine richtige Behandlung und eine umfassende Information. Und umgekehrt ebenso. Will das jemand ernsthaft bestreiten?

[G]rundsätzlich ist es die Pflicht eines Arztes, beide Landessprachen zu beherrschen oder sie zu erlernen, eher früher als später, und es ist das Recht des Patienten (im Autonomiestatut verbrieft), seine eigene Sprache zu verwenden.

Sprachliche Missverständnisse können schwerwiegende Folgen haben, vor allem, wenn es um die Gesundheit geht.

aus dem dieswöchigen ff-Leitartikel von Georg Mair

Siehe auch:

Gesundheit Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Zitać | Georg Mair | ff | Südtirol/o | | Deutsch

Zweisprachige Gemeinde, einsprachige Finanz.
Diskriminierende Ahndung von Zweisprachigkeitsverstößen?

Der Landtagsabgeordnete Alessandro Urzì von der rechtsradikalen Fratelli d’Italia (die Partei, die etwa die Folter legalisieren will) hat ein Auto der Gemeinde Mölten gefunden, auf dem »Gemeinde Mölten« nur auf Deutsch steht. Auf seine diesbezügliche Landtagsanfrage antwortet die Landesregierung (am 29. April) zunächst, dass sie die kommunale Verwaltung auf den mutmaßlichen Rechtsverstoß hingewiesen hat und den Abgeordneten über weitere Entwicklungen am Laufenden halten wird. Das geschieht am 9. Mai tatsächlich mit der Auskunft, dass bereits das Regierungskommissariat eingeschritten sei und die Gemeinde die Beschriftung korrigiert habe.

So vorbildlich, wie Landesregierung und Kommissariat sofort einschreiten, wenn ein Beistrich in italienischer Sprache fehlt. Ich freue mich ja schon drauf, dass demnächst auch die unzähligen Fahrzeuge der Finanzwache und die Uniformen der Staatspolizei zweisprachig beschriftet sein werden. Das Regierungskommissariat wird sich doch »sicher« nicht Einseitigkeit vorwerfen lassen wollen. Stimmts?

Nicht, dass ich noch Recht behalte mit meiner Auffassung, dass in Südtirol diskriminiert wird zwischen einer Sprache erster (die italienische) und einer Sprache vierter (die deutsche) Kategorie — und dass die Gleichberechtigung (Art. 99 Autonomiestatut) in Wirklichkeit nicht existiert.

Übrigens: Dem Land hatte ich schon vor Jahren einen Hinweis bezüglich Finanz und Polizei zukommen lassen. Doch die Angelegenheit wurde einfach damit abgetan, dass Finanz und Staatspolizei mit ihrer Einsprachigkeit nicht mein subjektives Recht auf Gebrauch der Muttersprache einschränkten. Von mutmaßlichem Rechtsverstoß war damals nicht die Rede. Und es hat sich ja auch bis heute nichts geändert.

Siehe auch:

Discriminaziun Plurilinguismo Politik Polizei Recht Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Italianizzazione | Alessandro Urzì | | Südtirol/o | Land Südtirol PDL&Co. Regierungskommissariat Staatspolizei Südtiroler Landtag | Deutsch

Südtirol ist ‘Sentiero Italia’.

Der national(istisch)e Wanderweg Sentiero Italia, der Südtirol seit seiner Errichtung in den 1980er und 1990er Jahren nur am äußersten Rande tangierte, soll nun auf Initiative des CAI von Südtirol — und gegen den Widerstand der Società Alpinisti Tridentini (SAT-CAI) — 13 neue Südtiroler Etappen erhalten. Mit im Boot angeblich: Die Handelskammer Bozen, das Land Südtirol und der AVS. Schilder mit wunderschönen grünweißroten Logos sollen demnach übers Land verteilt werden, in einer neuen symbolischen Landnahme derer, die noch vor wenigen Jahren die Reitalianisierung der Berge bis zum hintersten Joch und Weiler mit erfundenen Tolomei-Ortsbezeichnungen erzwungen hatten.
Es handle sich, so der italienweite CAI-Vorsitzende Vicenzo Torti, um eine Route, die »nicht die Gipfel, sondern Herz und Seele unseres Italien« berühre. Wir wissen also, wo die Reise wieder einmal hingeht.

Kaum verwunderlich auch, dass die Verstrickungen mit dem Militär in üblicher CAI-Manier nicht weit weg sind: Die letzte vollständige Begehung der Route hatte 1999 in Zusammenarbeit mit der Alpini-Vereinigung ANA stattgefunden.

Siehe auch:

Militär Nationalismus Ortsnamen | Italianizzazione | Ettore Tolomei | | Italy Südtirol/o Trentino | Alpini AVS CAI Land Südtirol | Deutsch

CPI wollte Fahrradverbot für Migrantinnen.

Ob es noch viel widerlicher werden kann, wird die Zukunft zeigen. Viel wird auch davon abhängen, ob und wie man diesen ekligen Faschos endlich den Weg versperrt — denn sie versuchen offenbar gerade wieder systematisch, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, Tag für Tag. Einerseits der Altaforte-Chef, der sich als Faschist outen kann, ohne bislang von der Turiner Buchmesse geflogen zu sein. Andererseits die drei Halbstarken von CasaPound (CPI) im Bozner Gemeinderat, die allen Ernstes einen Beschlussantrag ersonnen und eingereicht haben, um Migrantinnen in der Landeshauptstadt grundsätzlich das Radfahren zu verbieten. Der von Salto aufgedeckte und treffend als »Bozner Rassengesetze« titulierte Skandal ist ein neuer Tiefpunkt, dem schon bald weitere folgen werden, wenn Bonazza und Co. fortwährend wie normale Gemeinderatsmitglieder behandelt werden. Wenn ihre Vorlagen angenommen werden. Wenn ihnen Säle zur Verfügung gestellt werden. Wenn die Justiz ihnen ihre fadenscheinigen Ausreden abnimmt.

Sie versuchen es ja schon wieder und behaupten, ihr Antrag sei gar nicht rassistisch gemeint, sondern nur schlecht formuliert gewesen. Wie bitte? Wollen wir uns von diesen Menschenfeinden wirklich noch länger am Nasenring durch die Manege führen lassen?

Siehe auch:

Faschismen Migraziun Mobilität Politik Racism | | Andrea Bonazza | Salto | Italy Südtirol/o | CPI | Deutsch

Dringende Eingriffe: Kurze Wartezeiten.

Das italienische Fachblatt QuotidianoSanità hat auf der Grundlage von offiziellen Daten die mittleren Wartezeiten (2017) für mehrere wichtige chirurgische Eingriffe in italienischen Regionen sowie in den autonomen Ländern Südtirol und Trentino ausgewertet. Das Resultat des heimischen Gesundheitssystems kann sich sehen lassen.

Brustkrebs-OP

Durchschnittliche Wartezeiten in Tagen. Die Vorgaben sind: max. 30 Tage für Klasse A, 60 Tage für Klasse B, 180 Tage für Klasse C und ein Jahr für Klasse D.

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Die Turiner Buchmesse und Altaforte.
Verleger bezeichnet sich als Faschist

Rund um die diesjährige Buchmesse von Turin, die vom 9. bis zum 13. Mai stattfinden wird, ist ein Skandal entstanden, der mit dem rechtsextremen Verlag Altaforte zusammenhängt. Mehrere Teilnehmerinnen, darunter das Schriftstellerinnenkollektiv Wu Ming, Autor Carlo Ginzburg und ANPI-Chefin Carla Nespolo werden der Messe fernbleiben, wenn der CasaPound-nahe Verlag wie geplant mit einem eigenen Stand anwesend sein wird.

Altaforte-Chef Francesco Polacchi bestätigte heute seine Gesinnung ohne Umschweife, als er in der Radiosendung Un giorno da pecora angab, »Faschist im einzig möglichen Sinne« zu sein. Der Antifaschismus sei in Italien »das wahre Übel«.

Besonders unerträglich: In Polacchis Verlag — der in Bozen unlängst einen Laden eröffnet und in einem gemeindeeigenen Saal eine Buchvorstellung abgehalten hat — ist gerade das neue Interviewbuch von Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini (Lega) erschienen.

Nachtrag vom 9. Mai 2019: Altaforte wurde schlussendlich von der Buchmesse ausgeschlossen. Unter anderem hatte das Museum von Auschwitz-Birkenau inzwischen angekündigt, andernfalls einen geplanten Vortrag der Holocaust-Überlebenden Halina Birenbaum abzublasen. Stadt Turin und Region Piemont hatten Verleger Polacchi wegen seiner Aussagen verzeigt.

Faschismen Medien Politik Publikationen Ungehorsam+Widerstand | | Matteo Salvini | Rai | | ANPI CPI Lega | Deutsch

Kandidaturverbot gegen Puigdemont aufgehoben.
Verwaltungsgericht widerspricht Wahlbehörde

Letzte Woche hatte die zentrale Wahlkommission (JEC) von Spanien entschieden, den ehemaligen katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont und seine früheren Ministerinnen Clara Ponsatí (Bildung) und Toni Comín (Gesundheit) von der anstehenden Europawahl auszuschließen. Nun hat das Verwaltungsgericht von Madrid diesen Entscheid wieder aufgehoben. Auch die Staatsanwaltschaft war der Ansicht, dass das Kandidaturverbot nicht haltbar sei.

Zunächst hatte das Verwaltungsgericht die Frage noch an das spanische Höchstgericht (Tribunal Supremo) weitergeleitet, wo derzeit der Prozess gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung stattfindet — das sich jedoch gestern Sonntag für nicht zuständig erklärte.

Heute dann die endgültige Entscheidung, dass der Rekurs von PP und Ciudadanos gegen die Kandidatur von Puigdemont, Ponsatí und Comín abzuweisen sei.

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